18. Oktober 2012
Das Geheimnis schlanker Frauen

Das Geheimnis schlanker Frauen

Sie futtern den ganzen Tag lang vergnügt Leckereien, passen aber trotzdem in Größe 36. Wie machen diese Frauen das nur?

Schlanke Frau mit Maßband
© iStockphoto / Thinkstock
Schlanke Frau mit Maßband

Ja, wir kennen alle so eine verkniffene XS-Trägerin, die mittags einen Salat ohne Dressing knabbert und nach dem zweiten Blatt sagt: „Puh! Jetzt bin ich aber satt.“ Von ihr ist in diesem Artikel nicht die Rede, keine Sorge. Wir haben einen anderen Typus im Visier: die Kollegin, die sich ein zweites Frühstück mit ins Büro bringt, beim Lunch ordentlich zulangt, für später Schokoladeneis ins Gefrierfach legt – und Größe 36 trägt. Verdammt! Was ist ihr Geheimnis? Verzichtet sie auf Produkte mit Gluten? Das, glaubt man Gwyneth Paltrows Blog, ist der neueste Geheimpfad zur Traumfigur.

Oder folgt sie älteren Geboten, wahlweise dem totalen Verzicht oder der völligen Beschränkung auf Kohlenhydrate, Rohkost, Fleisch, Milchprodukte? Schluckt sie am Ende eine Zauberpille, die den Stoffwechsel dazu überlistet, Bier und Fritten ungenutzt durchzuwinken? Ernährt sie sich ausschließlich von No-fat-no-carb- Lebensmitteln (die, glaubt man der Werbung, im Prinzip nur aus Luft und Vitaminen bestehen)? Irgendetwas muss da doch dran sein, immerhin schätzen Experten, dass im Mutterland des Übergewichts – na klar, den USA – mit Diätprodukten und -Pillen in diesem Jahr 65 Milliarden Dollar umgesetzt werden...

Alles Fehlanzeige, beweist der genauere Blick auf den Tagesablauf der schlanken Kollegin. Ihr Geheimnis beschränkt sich zunächst einmal auf drei simple Grundsätze

  1. Hungern bringt nichts, man muss sich
  2. Mit den richtigen Dingen satt essen und
  3. Sich bewegen.

Klingt langweilig? Mag sein. Aber wer das Prinzip ein paar Wochen lang durchhält, kann schon mal nach neuen Klamotten Ausschau halten. Und Hosen eine Größe kleiner kaufen ist alles andere als langweilig, finden wir jedenfalls...

So sparen Sie rund um die Uhr Ballast

MORGENS Butter, Margarine, Käse und Nutella ade. Quark mit Marmelade oder Putenbrust mit Senf machen Stullen lecker, aber uns nicht dick.

MITTAGS Gemüse, Pasta, Kartoffeln – gern! Hühnchen? Ja, aber bitte ohne Haut. Wenn’s Pommes sein müssen: Ketchup statt Mayo nehmen, spart pro Esslöffel über 100 kcal. Kuchenhunger mit Hefeteig stillen (30 % weniger kcal als Rührteig).

ABENDS Weinschorle statt Wein trinken, geröstete Kichererbsen statt Erdnüsse knabbern.

NACHTS Im Schlafzimmer die Heizung ausdrehen, das ist gesund und kostet Körperenergie. Den Raum gut abdunkeln: Tiefer Schlaf hilft nämlich beim Abnehmen!

Die besten Low Carb-Drinks findet ihr bei den Kitchen Girls!

Schauen wir uns die schlanken Grundregeln einmal genauer an.

  1. Egal, was Victoria Beckham sagt: Hungern macht dick. Forscher entdecken immer wieder neue, machtvolle Mechanismen, mit denen unser Körper auf Hunger mit noch mehr Appetit und äußerster Sparsamkeit beim Verbrauch von Kalorien reagiert. Der Höhlenmensch von heute ist eben nicht kompatibel mit vollen Supermärkten – und das Resultat heißt „Jo-Jo-Effekt“.
  2. „Iss lieber etwas Gesundes“, haben wir auch schon gehört. Jetzt ist es amtlich: Forscher der Yale Universität haben Anfang des Jahres 23 Studien aus acht Industrieländern miteinander verglichen, um herauszufinden, was Menschen langfristig ihre schlanke Linie halten lässt. Und was kam heraus? Empfohlen werden – oh Wunder – Obst, Gemüse, Vollkorn, Fleisch und Fisch mit wenig Fett sowie magere Milchprodukte, also Nahrungsmittel mit niedriger Energiedichte. Sie stillen den Hunger, ohne uns mit Kalorienwellen zu überfluten. Der Trick funktioniert also, wenn man sich wirklich satt isst – aber nur mit guten Dingen – und auf Fette, Alkohol und Zucker verzichtet.
  3. Bewegen. Auch nicht neu, schon klar, aber trotzdem wahr. Die schlanke Kollegin joggt dreimal die Woche 30 Minuten, nicht lange, aber lange genug, um ihren Fettstoffwechsel in Fahrt zu bringen. Sie verbrennt nicht nur beim Training mehr Energie, sondern auch in der restlichen Woche. Der Grund: Wenn wir uns bewegen, entstehen in den Muskelzellen Kraftwerke, sogenannte Mitochondrien, die mit Vorliebe Fett verheizen, und zwar 24 Stunden am Tag. Bei guter Pflege erhöhen die kleinen Schätzchen unseren Grundumsatz also rund um die Uhr. Wer hätte gedacht, dass man Mitochondrien mal Kosenamen gibt?

Neben diesen drei Basics der entspannten Schlanken gibt es natürlich noch die Kür, quasi die Sonderausstattung auf dem Weg zur Bikinifigur. Fangen wir mit dem Frühstück an: Der alte Leitsatz „Frühstücke wie ein Kaiser ...“ war vor einem Jahr durch eine englische Studie in Verruf geraten, nach der das Müsli am Morgen doch nicht den Chips-Hunger am Abend verhindert. Bei den 3600 Frauen, die im Rahmen einer US-Studie 20 Jahre lang regelmäßig gewogen wurden, klappte er dennoch: Die Frühstückerinnen blieben weitaus schlanker als ihre morgens fastenden Mitstreiterinnen. Wir merken uns: Frühstück ist gut. Was man von den neuesten Ernährungs-Moden nicht behaupten kann. Das unsere schlanke Kollegin sich von den ständig wechselnden Diät- News nicht aus der Ruhe bringen lässt und ihre Käsestulle auch dann futtert, wenn Brot gerade als Figurfeind Nummer 1 verschrien wird, offenbart eine weitere, schlanke Stärke. Die hat nichts mit dem Magen zu tun, sondern mit der Seele.

Der tägliche Zehnkampf zwischen beruflichen und privaten Zielen, Ängsten und Hoffnungen ist ja an sich schon hart, aber er wird umso hoffnungsloser, je mehr man es allen recht machen will. Für den entspannten Weg zum Traumgewicht ist das gleich zweifach bedeutsam. Wer ein dickes Fell hat, schüttet weniger von dem Stresshormon Cortisol aus, einem fiesen körpereigenen Dickmacher. Plus: weniger Stress, weniger Trostschokolade. „Toxisches Dreieck“ nennen es Fachleute, wenn Frust mit Pizza bekämpft wird, was wiederum neuen Frust beim morgendlichen Wiegen auslöst.

Die nette Kollegin ist – Meilen von diesem Teufelskreis entfernt – zufrieden in ihrer Art zu essen und mit ihrem Körper. Dieses positive Selbstbild könnte eine weitere Geheimwaffe gegen ungezügelte Naschlust sein, sagen Forscher aus Lissabon. Sie haben in einer Studie 236 übergewichtige Frauen in zwei Gruppen eingeteilt und ein Jahr lang begleitet. Die eine Gruppe bekam klassisches Diät-Coaching, nahm durchschnittlich zwei Prozent ab. Die zweite Gruppe traf sich zu Gesprächen über ihr Selbstbild – und verlor im Schnitt sieben Prozent. Kommen wir zum letzten Geheimnis der „slim people“, das man auch als bittere Wahrheit bezeichnen könnte. Okay.

Sich gut finden, sich bewegen und sich gutes Futter geben. War das alles? Ist das Geheimnis schlanker Frauen am Ende, dass sie sich einfach nur an die Dinge halten, die wir alle schon einmal gehört haben? Nicht ganz. Denn sieht man sich die Tipps mit etwas Abstand an, entsteht ein neues Bild: Für entspannte Schlanke ist ihr Körper ihr wertvollster Schatz – er wird sorgfältig gehegt und gepflegt. Sie wissen, was ihm guttut, und sie lassen sich nicht von jedem Ernährungstrend verrückt machen. Und ist er mal zwei Kilo schwerer als sonst, wird er genauso geliebt. Lieb dich so, wie du bist- vielleicht ist diese Erkenntnis wichtiger als alles andere.

Neues aus der Forschung

Ein Mangel an Kalzium scheint die Fettverbrennung zu bremsen, ergab eine neue Studie der Uni Knoxville. Gesunde Quellen: Milchprodukte, Grünkohl, Brokkoli, Lauch. // Die Meldungen zur Rolle verschiedener Hormone häufen sich. Der neueste Verdacht: Sie sollen der Grund dafür sein, dass einige Menschen eher sogenannte „braune“, wärmeerzeugende Fettzellen entwickeln – eine mögliche Erklärung dafür, dass es gertenschlanke Schoko-Junkies gibt. // Essen als Droge? Kanadische Forscher haben Übergewichtige nach den Prinzipien der Drogentherapie befragt und eine klinische Form der Essensabhängigkeit definiert. Wesentliches Merkmal: Man belohnt sich mit Essen. // TV macht dick: Eine Studie aus Vermont beweist, dass täglich zwei Stunden weniger Fernsehen täglich 250 Kilokalorien einsparen kann, weil man sich in der fernsehfreien Zeit mehr bewegt und weniger isst.

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