Männer & Frauen Nur Freunde - klappt das wirklich?

Freundschaft und Liebe – eigentlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Können Männer und Frauen wirklich nur beste Freunde sein oder funkt dann doch irgendwann der Sex dazwischen? Und wie erkennen wir überhaupt, dass wir Gefühle für unseren besten Freund haben?

Eine Frau und ein Mann führen eine rein freundschaftliche Beziehung

„Männer und Frauen können keine Freunde sein, der Sex kommt ihnen immer dazwischen!“ Das wusste schon Harry, der männliche Part von Harry und Sally aus der gleichnamigen Kult-Romanze von 1989. Und er sollte Recht behalten – am Ende des Films liegen sich Harry und Sally selig in den Armen. Stimmt das denn nun wirklich, dass Männer und Frauen nicht befreundet sein können, oder war das nur das notwendige Happy End aus Hollywood?

Warum haben wir gerne Männer zum Freund?

„Viele Frauen schildern, dass eine Freundschaft zu einem Mann durchaus interessant sein kann, weil Männer sehr häufig eine andere, eine sachlichere, weniger emotionale Sicht der Dinge haben.“ sagt Dr. Wolfgang Krüger, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut aus Berlin („Aus Eifersucht kann Liebe werden“, Kreuz Verlag, 2013; „Wie man Freunde fürs Leben gewinnt“, Herder, 2010). Schon in Sachen Styling kann die enge Bekanntschaft zu einem Mann von enormem Vorteil sein. Steht man mal wieder ratlos vorm Kleiderschrank und kann sich nicht entscheiden, hat ein guter Kumpel das Problem schnell gelöst: „Zieh das schwarze an, sieht besser aus.“ Während man sich bei seinem festen Freund doch heimlich fragen würde, was wohl mit dem weißen Glitzer-Top nicht stimmt, zieht man beim besten Freund das schwarze Teil über und hat einen tollen Abend. Auch wenn man an die beste Freundin denkt, hat die Mann-Frau-Verbrüderung viele Vorteile. Ist es doch viel angenehmer, nicht neidisch auf die schön schlanken Beine der Busenfreundin zu schauen, während man sich in den knallengen Minirock quetscht.

Nur Freunde – darum sollten wir einen männlichen besten Freund haben

Es gibt gleich mehrere Gründe, die dafür sprechen, dass wir einen Mann als besten Freund haben sollten. Wer einen männlichen besten Freund hat, kann sich wirklich glücklich schätzen – das sagen jedenfalls alle Frauen, die eine solche platonische Freundschaft haben. Denn die Vertrautheit und Loyalität zwischen besten Freunden ist etwas ganz Besonderes. 

Er hilft uns dabei, das andere Geschlecht besser zu verstehen. Wir ticken einfach komplett unterschiedlich und können manche Handlungen unseres Dates oder unseres Partner nicht nachvollziehen. Da ist die Meinung eines männlichen besten Freundes wirklich Gold wert.

No Drama Baby – zwischen Männern und Frauen gibt es eindeutig weniger Zickereien. Natürlich kommt es auch mal zu Meinungsverschiedenheiten, aber im Allgemeinen ist hier deutlich weniger Drama angesagt als zwischen zwei Freundinnen. 

Unser bester Freund ist auch unser Beschützer. Zusammen ein paar Cocktails schlürfen, kann so entspannt sein, wenn keine schlechten Anmachsprüche von der Seite kommen. Dafür wird der beste Freund garantiert sorgen.

Auch Männer profitieren von der Freundschaft ohne Sex

Nicht nur die weibliche Seite scheint von den Vorzügen der gegengeschlechtlichen, platonischen Freundschaft zu profitieren, auch die Männerwelt freut sich über Input vom anderen Geschlecht. Wenn Er wegen der frischen Trennung von der Liebsten ein paar Tränen verdrückt, fängt er sich häufig von seinen Kumpels ein „Stell dich nicht so an“ ein. Bei uns Frauen kann er hingegen stundenlang ungehemmt sein Herz ausschütten und ist danach sicher keine Memme.

Wie werden Männer und Frauen zu Freunden?

Woher haben dann aber die coolen Mädels ihre besten Freunde, die mit denen sie total lässig das Feierabendbier trinken und sich über die Tussen an der Bar lustig machen?

Werden die an einem geheimen Ort gehalten oder wieso sind die so rar? Es kommt uns fast so vor. Tatsächlich ist es oftmals so, dass diese Bündnisse bereits seit dem Sandkasten bestehen. „Beziehungen, bei denen man den anderen ewig kennt, zeugen von tiefer Vertrautheit und Kameradschaft. Man kennt sich fast zu gut, als dass da noch Erotik aufkommt“, betont Krüger. Okay, es ist also möglich! Was aber, wenn die Zeit mit Eimer und Schaufel bereits mehrere Jahrzehnte zurückliegt? Bedeutet das etwa, wir werden nie einen Mann als Freund haben? Wir können Sie beruhigen, es gibt trotzdem noch die Chance auf eine Freundschaft zum anderen Geschlecht. „Dafür muss mindestens eine von drei Vorraussetzungen erfüllt sein“, erklärt Wolfgang Krüger. „1. Sie ist nicht sein Typ, 2. Er ist in einer festen Bindung in der es eine gute Erotik gibt, 3. Der Mann ist fähig, über Gespräche eine intensive Nähe herzustellen.“ Obwohl es auch passieren kann, dass wir auf einmal romantische Gefühle füreinander empfinden und eine starke Anziehungkraft entsteht, wenn wir die intimsten Geheimnisse und Wünsche miteinander teilen.

Bester Freund trotz Partner

Sind beide Freunde jeweils glücklich vergeben, ist das die perfekte Situation für eine platonische Freundschaft. Idealerweise sind so nämlich sexuelle Interessen und intime Gedanken auf den Partner fokussiert, sodass die Idee, auf den besten Kumpel auszuweichen, gar nicht erst aufkommt. Damit der Partner den besten Freund nicht als Bedrohung wahrnimmt, können auch Unternehmungen zu viert geplant werden. So fühlt sich niemand ausgeschlossen und erlebt die jeweils andere Partnerschaft. Das beruhig und schützt vor Eifersucht!

Ist nur einer der beiden Freunde vergeben, ist dies eine schwierigere Situation. Laut Studien steigt für den Partner das Gefühl der Bedrohung mit der Attraktivität des besten Freundes. Das heißt aber nicht, dass von nun an der Kontakt Tabu ist. Das wichtigste Werkzeug ist hier die Kommunikation. Wer ehrlich ist und bei beiden Beteiligten seinen Standpunkt deutlich macht, sollte nichts zu befürchten haben. Genauso, wie sich ein liebender Partner über eine bereichernde Freundschaft freuen sollte, sollte der beste Kumpel seiner besten Freundin auch eine glückliche Beziehung gönnen.

So akzeptiert der Partner den besten Freund:

•    Die beiden Beteiligten einfach mal zusammen auf einen Drink in die Bar schicken. Lernt man sich erstmal kennen, lösen sich (unbegründete) Befürchtungen schnell in Luft auf.
•    Trefft klare Abmachungen und versetzt niemanden für den jeweils anderen!
•    Unterschiede herausarbeiten: Mit dem festen Freund andere Hobbys betreiben, als mit dem besten Kumpel (das tut man mit der besten Freundin meist auch). So entsteht weniger Konkurrenzgefühl in der Liebesbeziehung.

Nur Freunde – was ist dran am Mythos, dass der Sex immer dazwischen kommt?

Trotzdem finden wir es doch immer ein wenig befremdlich, wenn eine Freundin mal wieder absagt, um mit ihrem besten Kumpel abzuhängen – und das schon zum vierten Mal die Woche. Früher oder später stellt man dann doch die Frage, ob da nicht mehr läuft. Gleiche Hobbys, gleicher Humor und dazu passen die Zwei auch äußerlich einfach super zusammen! „Die Frage des Geschlechtes spielt immer unterschwellig eine Rolle. Es ist nicht unbedingt ein Flirt in solchen Beziehungen, aber die Freundschaft zwischen Mann und Frau bringt zunächst mal eine andere Spannung mit“, erläutert Krüger. Zugegeben, eine gewisse Neugier und Anziehung ist da doch wirklich! Ein kurzes Zucken, das durch den ganzen Körper fließt, wenn die Hand etwas zu lange auf dem Oberschenkel verweilt. Und diese nie enden wollenden Zweifel, ob Er nicht doch mehr ist als ein guter Kumpel. Klar, die Vorstellung mit dem besten Freund irgendwann einmal glücklich vor dem Traualtar zu stehen – total romantisch! „Die Freundschaft ist immer die kleine Schwester der Liebe. Wenn wir die Wahl haben zwischen Freundschaft und Liebe, entscheiden wir uns eigentlich fast immer für die Liebe und Familie“, bestätigt auch Wolfgang Krüger. Es ist und bleibt wohl ein Spiel mit dem Feuer. Aber wahrscheinlich ist es genau das, was diese Art von Beziehung so besonders macht. Und seien wir mal ehrlich, es gibt schlimmeres als ein Liebes-Happy-End mit dem besten Freund!

Und wenn man sich doch verliebt?

Was aber, wenn einer mehr will als nur eine Schulter zum anlehnen? Fast jeder steckt mal in solch einer peinlichen Situation. Kino, Burger essen und gemeinsames Mitgrölen auf einem Konzert klappen super – alles rein freundschaftlich tönt es da völlig überzeugt von der Frauenfront. Der Typ spielt fleißig mit und dann kommt er doch – dieser unangenehme Moment: „Ich habe Gefühle für dich“ – der Todesstoß für jede Kameradschaft. Ziemlich unangenehm wird es dann und eine Freundschaft wird nahezu unmöglich. Und wie geht man damit um, wenn man selbst diejenige ist, die auf einmal mehr will? Was, wenn man plötzlich merkt, dass der bisher nie attraktive Holger doch ein total süßes Lächeln hat und wir mehr wollen, als einfach nur mit ihm befreundet zu sein? Oder wenn man sich dabei erwischt, wie man mal wieder an Till denkt - und dabei versonnen vor sich hin träumt? Menschen, die wir gern haben, werden oft mit der Zeit attraktiver. Und wenn wir Alex attraktiv und nett finden und gerne Zeit mit ihm verbringen, was spricht dann eigentlich gegen eine Beziehung?

Das wichtigste ist dann, sich selbst treu zu bleiben.

Ist es vielleicht nur eine kleine Schwärmerei, dann kann man sich fragen, ob es sich wirklich lohnt, die Freundschaft dafür aufs Spiel zu setzen, oder ob man lieber abwarten will, ob sich die Gefühle nicht bald wieder verflüchtigen. Wenn man aber an den Punkt kommt, dass einen die unerwiderte Liebe unglücklich macht und man vielleicht sogar anderen Flirts aus dem Weg geht, dann sollte man sich der Situation stellen. Entweder, indem man dem Freund seine Gefühle offenbart - manchmal sind Männer auch wirklich einfach blind und haben noch nicht gemerkt, dass man sie genauso toll findet wie sie einen auch -, oder indem man auf Abstand geht und mit seiner Verliebtheit ins Reine kommt. Wenn man über die Enttäuschung hinweg ist, kann man sich auch wieder beser auf die Freundschaft einlassen und ist gleichzeitig offen für andere - und dann kommt die wahre Liebe auch. Ganz sicher.

Freundschaft Plus: Daran erkennen wir, dass wir mehr für unseren besten Freund empfinden

Es gibt ein paar Anzeichen, die dafür sprechen, dass da eine gewisse Anziehung zwischen uns und unserem besten Freund ist. Ist er "nur" unser Vertrauter oder wünschen wir uns doch eine Liebesbeziehung mit ihm?

1. Wir denken und fühlen auf einmal anders: Wenn wir auf einmal anders über unseren Freund denken (vor allem im Vergleich zu anderen Freunden) und sogar im Kopf ausmalen, wie eine gemeinsame Zukunft aussehen könnte. 

2. Wir ihn ständig sehen wollen: Wenn es auf einmal nicht mehr reicht unseren besten Freund ab und und zu sehen und wir uns dabei erwischen, einen Vorwand zu suchen ihn treffen zu können. 

3. Wir eifersüchtig sind: Auf einmal stört es uns doch, wenn er von seiner Freundin redet oder von einem Date mit einer anderen. 

4. Wir haben Tagträume: Wenn er auf einmal immer wieder in unseren Tagträumen auftaucht, auch wenn diese nur kurz sind.

5. Wir reden ständig über ihn: Wenn wir und andere bemerken, dass der vermeintlich nur beste Freund auf einmal ständiges Gesprächsthema ist.

Tipps: So klappt die Freundschaft zwischen Mann und Frau

1. Keine Attraktivität: Wenn der beste Freund optisch überhaupt nicht Ihr Typ ist und andersherum, ist das eine gute Basis für eine rein platonische Freundschaft. Nur, weil sexuelle Orientierung kompatibel ist, heißt es schließlich nicht automatisch, dass zwei Menschen aufeinander stehen.

2. Klartext reden: Das ist vielleicht etwas unangenehm, aber immer noch der beste Weg, um Missverständnisse und Komplikationen aus dem Weg zu räumen. Wird am Anfang der Beziehung klar gemacht, worum es geht, weiß jeder, woran er ist. So kommen weder sexuelle Spannung noch heimliche Fantasien auf – man packt den Kumpel gleich in die gedankliche, platonische Freundschaftskiste.

3. In der Friendzone bleiben: Dafür können Partner ideal miteinbezogen werden. Ist einer oder gar Freunde beide vergeben, macht es Sinn, auch die jeweiligen Partner kennenzulernen. Vielleicht ergeben sich nette Unternehmungen zu viert – so ist jedem seine Position bewusst und man kommt nicht in Versuchung, den Kumpel nur als Single wahrzunehmen. Wir können ihn so auch in seiner Rolle als vergebenen Partner besser abspeichern.

Datum: 24.04.2020

Autor: Christine Schrijvers

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