19. März 2010
Die 5-Minuten Sex-Therapie

Die 5-Minuten Sex-Therapie

Überraschung: Schneller Sex kann die Liebe retten! Viele schwören gerade in Langzeitbeziehungen auf den Quickie. Und manchmal findet sie ihn einfach nur praktisch: „Das Leben ist kurz. Warum sollte es der Sex nicht auch sein?“

Sex-Therapie
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Sex-Therapie

Das Leben ist verdammt kurz. Die Tage auch. Und die Nächte sowieso. Erst recht, wenn man zwei Kinder hat und ein drittes unterwegs ist. Ich bin deshalb dazu übergegangen, mich nicht länger als unbedingt nötig mit gewissen Dingen aufzuhalten. Das gilt für den Wochenendeinkauf wie für die Steuererklärung. Und es gilt auch für den Sex. Bevor Sie mich jetzt bedauern: Außer Zeit fehlt mir nichts – schon gar nicht im Bett.

Dank der schnellen Nummer kann ich nämlich Spaß haben und komme dennoch rechtzeitig ins Büro. Nicht immer, aber immer öfter ist sogar ein Orgasmus drin, bevor mein Vierjähriger an die Tür hämmert, um mir mitzuteilen, dass er soeben die Brekkies unserer Katze verspeist hat. Und mein Mann und ich haben uns auch noch ziemlich lieb – weil sich selbst im größten Stress immer ein paar Minuten für die Steigerung unseres Oxytocin-Levels finden.

Ich kann guten Gewissens bestätigen, dass die Ausschüttung des Bindungshormons durch physischen Kontakt, und sei er noch so kurz, tatsächlich kräftig angekurbelt wird. Warum also Geld für eine Paartherapie ausgeben, wenn man mit fünf Minuten Matratzensport weit bessere Ergebnisse erzielt? Kurz: Ich bin ein Fan des Quickies. Und das wirklich nicht nur notgedrungen, sondern aus Überzeugung. Eine Atlantik-Kreuzfahrt mag sicher ein Erlebnis sein. Ich nehme dennoch lieber den Flieger nach New York…

Qualität ist nicht gleich Quantität

Dass Qualität nichts mit Quantität (gemessen in der Beischlaf-Dauer) zu tun hat, musste ich allerdings auch erst lernen. Zwischen Anfang 20 und Schwangerschaft 1 gehörte der Quickie jedenfalls nicht gerade zu dem, was ich als „guten Sex“ bezeichnet hätte. Ich hielt ihn, gelinde gesagt, für ein wenig minderbemittelt. Ordentlicher Beischlaf hatte gefälligst einen ganzen Nachmittag zu dauern – oder zumindest die halbe Nacht. Allein das Vorspiel brachte es auf Spielfilmlänge, vom Nachkuscheln gar nicht zu reden. Und zwischendrin? Mussten wir schon zwei-, dreimal kommen. Gemeinsam. Heute sehe ich das, wie erwähnt, ein wenig anders. Nach Schwangerschaft 1 war ich nämlich froh, wenn wir überhaupt kamen. Zwei- bis dreimal im Quartal. Und sicher nicht gemeinsam, weil einer von uns immer mit einem Ohr beim Baby oder beim Handy war.

Nun könnte man sagen, dass man seine Ansprüche nach ein paar Beziehungsjahren und dem ersten Kind eben ein wenig herunterschrauben muss. Doch das Gegenteil geschieht: Je weniger Sex man hat, desto schöner, länger und spezieller sollte er sein, wenn er denn dann doch mal stattfindet. Mich hat das damals ganz schön unter Druckgesetzt. Und mein Mann war auch nicht gerade unbelastet. Mit der Zeit baute sich sogar soetwas wie Performance-Angst auf, die mit jedem „Aber morgenganz bestimmt und es wird geil“-Wunschgedanken wuchs. Ein Teufelskreis, der durch die kleinen Streits über Dreckwäsche und andere Nichtigkeiten,in denen sich unsere sexuelle Frustration entlud, nicht gerade durchbrochen wurde. Da musste erst der Quickie kommen.

Er kam an einem Sonntagnachmittag zur Teestunde bei Schwiegermuttern. Lust hatten wir eigentlich keine, nur die Schnauze voll von ihren Belehrungen über korrektes Stillen und die Gefahren von Schnullern. Und irgendwie schrie ihr blitzblank geputztes Badezimmer einfach danach, von uns entweiht zu werden. Also zog ich meinen Rock hoch und Jörg seine Hose runter…Was soll ich sagen: Es war geil, aufregend und neu. Sowie damals, als wir es oft gar nicht aus den Kleidern und bis ins Bett schafften, sondern an Ort und Stelle übereinander herfielen – auch auf die Gefahr hin, entdeckt zu werden.

Seither machen wir es mindestens einmal in der Woche. Kurz, knapp und einfach so. Wir warten nicht mehr drauf, dass uns die Lust zwischen 50-Stunden-Woche und Rund-um-die-Uhr-Elternschaft irgendwann schon finden wird. Sie tut es nämlich nicht. Aber sie kommt, wenn man sie sucht. Man muss einfach anfangen, dann macht’s auch Spaß – ganz von selbst. Mittendrin und hinterher ist es (mir) jedenfalls völlig wurscht, ob da vorher ein sehnsuchtsvolles Ziehen im Unterleib zu spüren war oder nicht. Und am Ende fühle ich mich befreiter, energiegeladener, weil rein körpertechnisch Stresshormone ab- und Immunzellen aufgebaut werden. Laut schottischen Forschern lässt regelmäßiger Sex einen auch gleich um Jahre jünger aussehen. Was will Frau mehr?

Einen Orgasmus vielleicht? Aber auch der wird beim Quickie frei Haus mitgeliefert. Nicht automatisch, sicher nicht. Aber mit der richtigen Technik und Einstellung sind sogar multiple Höhepunkte in der knappen Zeit möglich. Denn wer sagt denn, dass die schnelle Nummer nicht auch eine orale oder manuelle sein kann – oder was auch immer Sie persönlich geil finden? Fest steht jedenfalls, dass Frauen genauso schnell den Gipfel stürmen können wie Männer. Durchschnittlich vier Minuten brauchen sie dafür, wenn sie sich selbstbefriedigen – und sind damit kaum langsamer als Männer. Wenn Sie also beim Instant-Sex nicht kommen, liegt das nicht daran, dass Sie zu kurz stimuliert wurden, sondern ganz einfach falsch. Aber lassen Sie sich versichern: Männer sind sehr lernfähig.

Sie sind immer noch nicht überzeugt? Nun, ich kann meine heimischen Bett- Theorien sogar wissenschaftlich untermauern: US-Sextherapeuten haben nämlich in einer umfangreichen Studie herausgefunden, dass der befriedigendste Sex zwischen drei und 13 Minuten dauert. Gutso. Denn für alles, was länger als eine Viertelstunde braucht, bin ich einfach zu müde. Und wenn man den Studien glauben will, bin ich damit nicht allein auf der Welt. Acht von zehn Frauen ziehen jedenfalls den Nachtschlaf dem Beischlaf vor. Es gibt jedoch einen gewaltigen Unterschied zwischen ihnen und mir: Ich muss nicht wählen. Ich habe beides.

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