8. Dezember 2018
Entscheidungsmüde?

Entscheidungsmüde?

Diese vielen Entscheidungen, die wir täglich treffen müssen … ganz schön lästig. Auch für unser Gehirn. Das wird irgendwann müde und schaltet ab. Leider auf Kosten unserer Laune!

Frau muss sich zwischen Schuhen entscheiden
© Stacey Newman, iStock/Thinkstock
Frau muss sich zwischen Schuhen entscheiden

Das Leben ist ein bunt gedeckter Tisch voller verlockender Angebote. Und alles, was wir tun müssen, ist, uns zu entscheiden. Wie wunderbar! Na ja, geht so … Jeder, der schon mal nach einem anstrengenden Arbeitstag in einem tollen Restaurant gesessen hat, die Menükarte in der Hand, kennt doch diesen Augenblick, in dem es auf einmal eine schier unmöglich zu bewältigende Aufgabe ist, zwischen Carpaccio, Rehrücken und Zanderfilet eine zufriedenstellende Wahl zu treffen. „Jetzt nicht auch das noch!“, raunt es einem dann durch den Kopf – und man entscheidet sich am Ende gegen jede einzelne dieser Leckereien und wählt, ta-da, schnöde Spaghetti Pomodoro. Nur, um Minuten später mürrisch auf die Teller der anderen zu starren, mit dem eigenen Schicksal zu hadern und vielleicht auch noch ein bisschen rumzumaulen. Nun mag es durchaus sein, dass es ein wenig albern ist, sich wegen einer Portion Spaghetti zu ärgern. Aber leider hat man seine Stimmungsschwankungen eben nicht immer unter Kontrolle. Ausnahmsweise sind übrigens mal nicht unsere Hormone für die beleidigten Spaghetti verantwortlich …

Es ist vielmehr unser Gehirn, das uns in Situationen wie diesen im Stich lässt. Neueste Studien beweisen nämlich, dass es nach einer Reihe anstrengender Entscheidungen so geschwächt ist, dass ihm ganz einfach die Energie zur Entscheidungsfähigkeit und Selbstbeherrschung fehlt. Die Wissenschaftler haben dieses Phänomen „Desicion Fatigue“ getauft, was grob übersetzt nichts anderes als „Entscheidungsmüdigkeit“ bedeutet. Und die tritt immer dann auf, wenn wir unser Gehirn besonders belasten. Lange Meetings im Büro, ausufernde Shopping-Touren mit der Freundin – irgendwann wird es ihm zu anstrengend und es schaltet auf Energiesparmodus um. Da ist es egal, ob man über die richtigen Schuhe oder betriebliche Sparmaßnahmen gegrübelt hat. Zu viel ist zu viel. Und dann versorgt unser Gehirn-Notstromaggregat nicht alle Bereiche mit gleicher Intensität weiter. Erstaunlicherweise spart es die fehlende Energie dort ein, wo unsere Anlagen für Höflichkeit und Empathie untergebracht sind. Denn Freundlichkeit strengt ziemlich an. Ganz im Gegensatz zu Ignoranz und Schnoddrigkeit. Diese beiden Verhaltensweisen sind für unseren Kopf so was wie ein Entspannungsbad. So passiert es eben nach einem besonders entscheidungsreichen Tag, dass man auf dem Nachhauseweg grundlos den Busfahrer anpöbelt oder den armen unwissenden Freund anmault, nur weil er schon vor einem auf dem Sofa sitzt. In Ordnung ist das trotz wissenschaftlicher Erklärung natürlich nicht. Aber sagen wir mal so ... es ist menschlich.

Wir gönnen unserem Gehirn aber auch keine Pause. Dank Internet und Mobiltelefon stehen wir ständig unter Strom. Noch mal schnell die Mails checken und eben auf dieser Klatschseite vorbeisurfen – jede Handlung erfordert eine Entscheidung. 20.000 treffen wir im Durchschnitt pro Tag. Kein Wunder, dass der Kopf beim Verlassen des Büros direkt seine Tätigkeit versagt. Irgendwann will schließlich jeder mal Feierabend haben. Der beste Zeitpunkt also, abzuschalten. Rein in die Wohnung, rauf aufs Sofa und dann ... nichts! Überlassen wir doch einfach unserem Partner die Macht über die Fernbedienung und die Entscheidungsgewalt, welche Berieselungs-Sendung es sein soll – wir gucken einfach mit. Das ist vielleicht keine intellektuelle Meisterleistung, aber immerhin macht es die grauen Zellen wieder munter und hebt die Laune.

Ein Nutella-Brot oder frisches Obst beschleunigen übrigens den Regenerationsprozess. Genau wie der Rest unseres Körpers zieht das Gehirn schnelle Energie aus Zucker. Je mehr Energie wir in unserem Oberstübchen verbrauchen, desto größer wird unser Verlangen nach etwas Süßem. Der Schoko-Jieper pünktlich zur Kaffeezeit ist also gar kein von Oma antrainierter Reflex oder ein Zeichen von Schwäche, sondern unser müdes Gehirn, das sich etwas uneindeutig zu Wort meldet. An dieser Stelle daher ein Übersetzungsversuch: „Bitte iss was – sonst streik ich und werd maulig!“

Ein Teufelskreis! Investiert man doch als moderne Frau ungeheuer viel Zeit in seine Willenskraft, um eben vor allem eins zu tun: weniger zu essen. Doch glaubt man denselben Wissenschaftlern, dann sind sämtliche Diäten eigentlich schon im Planungsstadium vergebene Liebesmüh. Denn all die vielen Entscheidungen, die damit zusammenhängen, was wir zukünftig essen dürfen und was nicht – ach, allein der Gedanke, Tage oder gar Wochen ständig eiserne Disziplin ausüben zu müssen, strengt unser Gehirn so sehr an, dass es nur noch eins ersehnt: Süßigkeiten! Und egal, wie sehr wir uns bemühen, irgendwann müssen wir aufgeben. Na ja, zumindest sollte man das wohl auch, wenn man den Rest seines Lebens nicht so missmutig durch die Gegend laufen will wie Victoria Beckham. Diesem Paradebeispiel an kulinarischer Selbstkontrolle ist schon seit Jahren kein Lächeln mehr übers Gesicht gehuscht. Und sie ist da ja bei Weitem nicht die Einzige. Hört man nicht ständig diese Geschichten von zickigen Hollywood-Diven und meckerigen Supermodels? Also, wir entscheiden uns da lieber für einen Keks, als Präventivmaßnahme sozusagen, und sind dafür später auch noch nett zum Busfahrer.

Tipps gegen Entscheidungsmüdigkeit

5 Tipps, wie man der Entscheidungsmüdigkeit ein Schippchen schlägt

STARKER START Ein gutes Frühstück kann nichts ersetzen. Ideal: Joghurt mit süßen Früchten wie Bananen oder Erdbeeren. Das liefert lange Energie.

GUTES TEAM Lerne, Aufgaben und Entscheidungen abzugeben. Bei guter Teamarbeit bleibt jeder Einzelne länger frisch im Oberstübchen.

ECHTE AUSZEIT Du hast am Wochenende mal keine Lust, vom Sofa aufzustehen? Dann bleib sitzen! Nur wenn du dir und deinem Kopf ausreichende Pausen gönnen, könnt ihr beide neue Energie tanken.

SÜSSE VERSUCHUNG Soll ich mir jetzt noch den Milchshake gönnen? Unbedingt! Etwas Zucker am Nachmittag bringt die Synapsen wieder auf Trab. Für Kalorienbewusste geht auch ein Vollkornbrot.

VIEL BEWEGUNG Nimm lieber das Rad als den Bus zur Arbeit. Sport verbessert dauerhaft die Leistungsfähigkeit der grauen Zellen.

Lade weitere Inhalte ...