4. Juni 2014
Heute geh' ich unten ohne!

Heute geh' ich unten ohne!

Schuhe in die Ecke schmeißen und loslaufen – unten ohne! Ob in der Großstadt oder auf dem Land: der Trend zum Barfußlaufen verbreitet sich stetig. Wir erklären, ob das Gehen ohne Schuhe wirklich so gesund ist und geben Ihnen nützliche Einsteiger-Tipps. 3, 2, 1…los!

Frau barfuß am Strand
© iStock/Thinkstock/erlobrown
Frau barfuß am Strand

Ich bin Zeuge geworden. Letzten Sonntag. Ich kam gerade vom Bäcker und stand nichtsahnend an der Ampel. Mitten in Hamburg, an der Außenalster. Auf der anderen Straßenseite stand ein Mann. Adrett mit Hemd, Rucksack – aber völlig Schuhlos. Tut das nicht weh? Hat er keine Angst in eine Scherbe zu treten. In eine rostige Schraube – einen Hundehaufen? Die Sirenen in meinem Kopf schlugen Alarm. Dann sprang die Ampel um und es wurde Grün. Super, so konnte ich mir diese mutige Spezies mal genauer anschauen. Ich fokussierte sein Gesicht und war baff. "Sieht ja ziemlich entspannt aus der Mann", sagte ich zu meinem Freund. "Ich mache mir ja schon in die Hose, wenn ich nach einer durchtanzten Nacht nicht mehr anders kann, als meine High-Heels in die Hand zu nehmen und barfuß nach Hause zu wandern. Kann man das wohl lernen?"

Seit diesem Erlebnis achte ich vermehrt auf Barfußgänger und muss mir eingestehen, dass dieser Trend – oder wohl eher diese Bewegung – bis jetzt an mir vorbeigegangen ist. Und es gibt nicht nur Menschen, die barfuß Spazierengehen, sondern auch welche, die barfuß joggen und wandern. Gerade wenn die Sonne rauskommt, laufen mir vermehrt Menschen mit nackten Füßen über den Weg. In der Stadt wie auf dem Land. Und es scheint ihnen Spaß zu machen, ohne Schuhe herumzulaufen.

Schon Sebastian Kneipp empfahl das Barfußlaufen als wirksames Kurmittel. Auch die Buddhistische Mönche müssen es wissen: Denn sie verzichten einen Großteil ihres Lebens auf Schuhe und wandern unten ohne durchs Leben. Und selbst im TV sehen wir Shakira barfuß über die Bühne hüpfen. Kein Wunder also, dass auch bei uns in Deutschland immer mehr Menschen auf Schuhe verzichten. Aber: Worauf muss man achten? Tut Barfußgehen und-laufen dem Körper wirklich gut?

Die Fußmuskulatur dankt uns!

Beim Gehen ohne schützenden Schuh müssen unsere Füße ständig Unebenheiten ausgleichen. Das stärkt die Fußmuskulatur. Diese Muskeln sind wichtig für uns! Warum? Sie tragen das Quer- und Längsgewölbe an der Fußunterseite. Wenn die Muskeln dagegen verkümmern, können sich die Gewölbe absenken. Dadurch entstehen Fehlstellungen wie Platt- oder Senkfüße. Wussten Sie's? Muskeln, Bänder und Sehnen können sich durch das Tragen von Schuhen zurückbilden.

Gerade für Kinder und Jugendliche lohnt es sich, barfuß zu laufen. Denn das Barfußgehen fördert die gesunde Entwicklung der Fußmuskulatur. Und mal ehrlich: Es gab früher doch nichts Schöneres, als barfuß auf einer Wiese zu spielen. Und auch für uns Erwachsene bringt das unten ohne-Gehen weitere Vorteile: Gerade wenn es in der Familie einige Fälle mit Fehlstellungen gibt, sollten Sie Barfußgehen als vorbeugende Maßnahme nutzen.

Vorsicht bei Fehlstellungen und Diabetis

Wenn dagegen bereits eine Fehlstellung besteht, hilft das Gehen ohne Schuhe der Gesundheit nicht weiter! Bei falsch gewachsenen Knochen (verformt) im Fuß ist der Nutzen ziemlich gering. Nur wenn die Füße aufgrund einer unterentwickelten Muskulatur entstanden ist, kann Barfußgehen die Muskulatur aufbauen.

Kurz gesagt: Bei Verformungen im Bereich des Vorderfußes ist Barfußgehen hilfreich. Bei Verformungen im Bereich des Rückfußes eher nicht. Mit einem Klischee können wir noch abschließen: Der Wirbelsäule tun Sie nichts Gutes beim Laufen ohne Schuhe!

Auch Diabetiker sollten eher auf nicht zu bewussten Barfuß-Läufern werden. Zwar profitiert der Fuß des Diabetikers von der guten Durchblutung im Fuß, doch auf der anderen Seite wird die Schmerzempfindlichkeit vermindert. Die Folge? Verletzungen bleiben oft unentdeckt. Die Alternative: zum Beispiel Fünf-Finger-Schuhe.

Schuhe aus und los? Stopp! Wir sollten keineswegs einfach unsere Schuhe ausziehen und barfuß loswandern. Vielmehr sollten wir vorher einige Dinge klären und sicherstellen, dass auch gesundheitlich alles in bester Ordnung bleibt. Ein Risiko wollen wir beim Barfußgehen ja schließlich nicht eingehen.

Die Route vorbereiten

Wichtig ist, dass man nicht sofort loswandert, wenn man sich bewusst für das Barfußlaufen entschieden hat – vor allem nicht in der Natur! Vorher sollte in jedem Fall der Hausarzt aufgesucht werden. Denn bei Barfußgehen kann es schnell passieren, dass man in eine Glasscherbe oder einen Nagel tritt. Eine Tetanus-Impfung ist deshalb ein absolutes Pflicht-Programm! Harmlose Verletzungen können sich sonst zu einem gefährlichen Wundstarrkrampf entwickeln. Für Erwachsene gilt: alle zehn Jahre gegen Tetanus impfen lassen. Der Doktor kann uns dann auch darüber informieren, ob die eigene Bewegungsabfolge in Ordnung ist.

Beschaffenheit der Strecken

Bitte nur dort laufen, wo man sich auskennt! Am besten planen wir die Laufstrecke vorher genau durch und stellt sicher, dass uns keine Hindernisse beim Gehen in die Quere kommen. Ein Beispiel? Steinige Feldwege oder Straßen fühlen sich an den nackten Füßen wirklich nicht sehr angenehm an – und das eigene Tempo gleicht nebenbei dem einer Schnecke. Scherben, Dornen und Co.: Verletzungen sind nicht nur unangenehm, sondern begünstigen auch Infektionen. Wiesen oder Feldwege sind da die deutlich angenehmere Variante. Kleiner Tipp: Wer im Urlaub ist, kann einen langen Strand-Spaziergang dazu nutzen die Füße zu trainieren. (Mehr zur richtigen Beschaffenheit der Böden auf Seite 3).

Aller Anfang ist langsam!

Gerade beim Barfußlaufen sollten wir am Anfang wirklich aufpassen! Barfuß läuft es sich ganz anders als mit Schuhen. Fangen Sie am besten mit schnellem Gehen oder Walking anfangen. Dabei sollten Sie bei jedem Schritt zuerst mit dem Ballen aufsetzen. Laufen Sie zuerst nur ein paar Minuten barfuß und steigern Sie sich langsam. Ihre Muskeln müssen sich erst einmal an diese neue Form des Gehens gewöhnen. Eine gute Idee ist es auch, sich den nächsten Kneipp- oder Tast-Pfad zu suchen und dort den Wald mit den Füßen zu spüren.

Jogger sind meist zufriedener, wenn Sie auf einem Weg oder der Straße laufen können. Denn dort sinken sie nirgends ein und können mit weniger Kraft leichter laufen. Klingt wirklich gut, doch barfuß sieht das alles schon ganz anders aus. Sehen Sie selbst…

No-Go: Asphalt und Beton

Glatt, ebenmäßig und im Sommer angenehm warm: Dicht asphaltierte Straßen sind schon ziemlich angenehm unter unseren Füßen. Aber gesund? Nein, gesund ist das Laufen auf Asphalt und Beton eher nicht. Schnell äußern sich Schmerzen in den Knien und anderen Gelenken. Barfußgehen soll schließlich gut tun und nicht sämtliche Verletzungen hervorrufen. Also: lieber sein lassen!

Fun pur! Ein Barfußlauf am Strand macht richtig Laune. Allerdings müssen wir dabei wirklich darauf achten, dass der Sand nicht zu tief ist. Wenn man durchgängig beim Laufen oder Gehen versinkt, besteht die Gefahr einer Überdehnung von Sehnen und Bändern. Auch ein Abstecher ins Wasser schadet nicht – und macht nebenbei auch richtig Spaß! Vor dem Fuß-Planschen sollten Sie sich jedoch darüber informieren, ob viele spitze Steinchen oder Muscheln im Nass liegen könnten. Sonst wird's schmerzhaft.

Wald und Wiese

Optimal ist es für Barfußläufer auf Wiesen- und Waldwegen. Durch Gras oder Tannennadeln entsteht ein abfedernder Untergrund, der das Laufen bzw. Gehen begünstigt. Das Barfußlaufen wird dadurch etwas anstrengender, da der Fuß minimal darin einsinkt. Doch gleichzeitig werden die Gelenke optimal entlastet. Top! Trotzdem: Auch in der Natur ist Vorsicht geboten! Im Wald sollten Sie auf herausstehende Wurzeln oder spitze Äste achten. Auf Wiesen auf zum Beispiel Bienen.

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