8. März 2013
Die Freundin und der Ex

Die Freundin und der Ex

Frauen teilen alles. Nur Schuhe und Männer nicht. Was aber, wenn der Verflossene auf einmal mit der besten Freundin zusammen ist? Aktuelles Beispiel Sylvie van der Vaart, Rafael van der Vaart und Sabia Boulahrouz. PETRA-Autor Kai Franke verliebte sich in die beste Freundin seiner Ex – und ganz ehrlich, das hatte er sich leichter vorgestellt ...

Paar mit Ex im Kino
© iStockphoto / Thinkstock
Paar mit Ex im Kino

Ja, ich bin ein netter Typ mit einer handelsüblichen sexuellen Vergangenheit. Aber mein aktueller Beziehungsstatus ist kompliziert – denn ich war früher mit der besten Freundin meiner jetzigen Partnerin zusammen. Na und?

„Nix und“ – wird jeder Mann da schulterzuckend denken. Während Frauen, wenn sie davon hören, oft ein Gesicht machen, als hätte man ihnen soeben mitgeteilt, dass weltweit die Produktion von Augencremes eingestellt werden soll. Ich habe gelernt, mit dieser Reaktion zu leben. Denn seit ich die Frau liebe, die seit Jahren die beste Freundin der Frau ist, die ich früher mal geliebt habe, ist nichts mehr, wie es einmal war. Bis ich meine jetzige Partnerin traf, ordnete ich Liebesdinge so ein, wie wir Männer das nun einmal tun: Ich liebte, bis die Liebe endete, und anschließend ging jeder friedlich seines Weges. Ob die Verflossene sich dann einen völlig fremden Begleiter suchte oder sich gut gelaunt an den Arm meines besten Kumpels hängte, spielte dabei keine besondere Rolle.

Unterschiede bei Männern und Frauen

Im maskulinen Wertesystem lässt sich dieses Verhalten am besten mit unseren Gefühlen zum Kleinwagen vergleichen – auch wenn sich manche Frau darüber empören mag. Solange der Autoschlüssel an unserem Bund hängt, darf sich kein anderer an die Karosserie lehnen. Doch sobald wir das Kennzeichen abgeschraubt haben, ist es uns komplett egal, wer künftig den Schlüssel umdreht.

Umso verblüffter war ich, als ich mitdem weiblichen Regelwerk konfrontiert wurde, das sich in der Hauptsache auf zwei elementare Punkte stützt: 1. Kaufe deiner besten Freundin nie die gleichen Slingpumps nach, ganz egal, wie schön sie sind. 2. Fange niemals, aber auch wirklich niemals etwas mit dem Mann an, den deine Freundin früher einmal geliebt hat. Ganz egal, wie lange es her ist.

Ich hatte zumindest als Mittäter zum Brechen der zweiten Regel beigetragen und musste mich mit den Konsequenzen herumschlagen. Natürlich hatten meine alte Liebe und meine neue Flamme schon ganz zu Beginn meines Werbens beratschlagt, wie sie ihre unkaputtbare Freundschaft über den Umstand hinwegretten sollten, dass sie sich innerhab einer Dekade an denselben Kerl vergeben hatten. Und auch wenn ich bis heute nicht weiß, welche Details dieser überarbeitete Freundschaftsvertrag miteinschließt, bemerkte ich relativ schnell, dass jede hinzugefügte Klausel zu meinen Lasten geht.

So ist meine Ex peinlich genau darauf bedacht, jede meiner Gesten zu beobachten und mit meinem früheren Beziehungsverhalten abzugleichen. „Schenkt er dir auch immer nur, was er selber schön findet?“ und „Kommt er immer noch so schnell, wenn er was getrunken hat?“ sind typische Dialogsequenzen, die ich regelmäßig erlausche, wenn die beiden in der Wohnküche eine Flasche Chablis entkorken. Zu dieser Rundumbewachung gesellt sich ein immer wieder neu unterfüttertes Gefühl der Schuld. Weil mich beide unaufhörlich wissen lassen, dass ich ihre einst so mühelose Verbindung auf ewig strapaziere.

Warum, frage ich mich jedes Mal, sind Frauen mit dem gleichen Geschmack so kompliziert? Männer sind, ähnlich wie freie Parkplätze, ab einer gewissen Bevölkerungsdichte nur in begrenztem Maße verfügbar. Ist es da nicht logisch, dass auch beste Freundinnen im Laufe der Zeit genau in der Lücke zur Ruhe kommen, in der die andere auch schon einmal stand? Warum ist man moralisch verpflichtet, in diesem Fall seine Gefühle zu ignorieren und immer weiter um den Block zu fahren, anstatt schlicht festzustellen: „Du willst ihn doch gar nicht mehr!?“

Wundermittel: sich für den anderen freuen

Auf diese Weise könnten Frauen zumindest bei Männern Kompromisse eingehen, die man sogar auf Schuhe übertragen könnte, wenn man wollte. Nachweislich war ich in meiner früheren Liebe als Partner so unbequem, dass sich auf Dauer schmerzhafte Blasen bildeten und sie sich lieber von mir trennte. Ihrer besten Freundin passe ich heute fast wie angegossen. Natürlich verstehe ich, dass man sich erst daran gewöhnen muss, gerade eine Freundin mühelos mit einem Mann durchs Leben schreiten zu sehen, mit dem man selbst vor ein paar Jahren auf die Nase gefallen ist. Aber andererseits gönnt man das Glück doch eher seiner Herzensschwester als einer unbekannten Stewardess.

Ich würde selbst meinen Golf lieber einem guten Freund überlassen als irgendeinem Gebrauchtwagenhändler – um den Vergleich noch einmal zu bemühen. Und die beiden Freundinnen in der Wohnküche nebenan dürfen ganz unbesorgt sein: Ich würde jede von ihnen unaufgefordert über alle Bodenwellen tragen. Die eine, weil ich sie einmal geliebt habe – und die andere, weil sie mein ganzes Leben ist. Soll noch mal einer sagen, wir lieben Autos mehr als Frauen.

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