20. März 2010
15 rettende Tipps nach der Kündigung

15 rettende Tipps nach der Kündigung

Die Zeiten, in denen es noch so was wie „sichere Stellen“ gab, sind leider vorbei. Doch im Jobverlust steckt eine Chance: auf ganz neue Ideen – und manchmal sogar auf ein neues Selbstbild.

Frau, Computer, Telefon
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Frau, Computer, Telefon

Krisenzeiten sind hart und das Berufsleben ist kein Wellness-Urlaub – doch zur Panik gibt es keinen Grund. Denn jede schlechte Nachricht birgt auch etwas Gutes. Zuerst das Schlechte, einverstanden? Also: Derzeit verlieren jeden Tag etwa 1.600Menschen in Deutschland ihren Job – theoretisch (leider auch praktisch) kann es Sie ebenfalls erwischen. Nun das Gute: Eine Kündigung lässt sich überleben! Besser noch: Manchmal braucht es exakt solche ungemütlichen Brüche, damit das Leben eine neue Wendung nimmt und man neue Stärken an sich selbst entdeckt. Mit unseren 15 Tipps kommen Sie nach einer Kündigung zügig durch das Tal der Tränen und landen schnell an einem neuen Arbeitsplatz, der – wer weiß – vielleicht viel erfüllender ist als der alte.

DIREKT NACH DEM KNALL

Hilfe, ich muss zum Arbeitsamt!
Schock: Ihnen wurde gekündigt. Sobald Sie davon wissen, müssen (!) Sie sich bei der Agentur für Arbeit melden – damit Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld nicht verfällt. Im Regelfall besteht eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Bei kürzeren Fristen haben Sie bis zu drei Tage nach der Entlassung Zeit, sich zu melden. Zunächst genügt ein Anruf (bundesweit unter 01801/555 111). Persönlich können Sie sich später vorstellen. Dabei werden Sie sehen: Dort laufen ganz normale Menschen herum.

Den alten Schreibtisch räumen……und die Tasche für neue Herausforderungen packen!

Das steht Ihnen zu:
Von staatlicher Seite dürfen Sie mit einem Jahr Arbeitslosengeld I rechnen – sofern Sie mindestens 24 Monate am Stück versicherungspflichtig beschäftigt waren. Das ALG I beträgt 60 % Ihres letzten Gehalts (Informationen unter www.arbeitsagentur.de). Auf eine Abfindung durch den Ex-Arbeitgeber sollten Sie nicht fest spekulieren – doch ist diese Regelung weit verbreitet: Damit will die andere Seite ein Wiedersehen vor Gericht vermeiden. Die Höhe ist Verhandlungssache, als üblich gilt ein halbes Gehalt pro Beschäftigungsjahr.

Es ist nicht Ihre Schuld
„Man sollte eine Kündigung nicht zu persönlich nehmen“, rät Thomas Rigotti, Arbeitspsychologe an der Uni Leipzig. Häufig liegt der Kündigung eine Sozialauswahl zugrunde, nicht etwa die Leistung. Das heißt: Wer Kinder zu ernähren hat oder schon lange in einer Firma arbeitet, wird meist eher geschont als ein neu eingestiegener Single. „Bitten Sie den Vorgesetzten um ein Gespräch, in dem er Ihnen die genauen Gründe für die Kündigung erläutert“, rät Rigotti, „dann können Sie besser damit abschließen.“

Gehen Sie in Würde

Zum Abschied möchten Sie Ihrem Chef am liebsten noch mal die Meinung sagen? Keine gute Idee. Wer weiß, ob er Ihren neuen Arbeitgeber kennt… Einen Ausstand mit Schnittchen müssen Sie am letzten Tag nicht arrangieren, aber eine persönliche Verabschiedung bei den engsten Kollegen und – ja, das muss sein – auch beim Chef sind angebracht. Alles, nur keine verbrannte Erde hinterlassen.

Sie sehen wieder klar

Entdecken und definieren Sie Ihre Stärken

Genau jetzt, zwischen zwei Jobs, können Sie ihn wagen: den Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand. Vielleicht besitzen Sie Talente für ganz andere Aufgaben als bisher? „Jeder sollte zwangsverpflichtet werden, alle drei Jahre seinen Job zuwechseln.“ So drastisch formuliert es Bewerbungs-Expertin Svenja Hofert („Jobsuche im Web 2.0“, Eichborn, 128 S., 9,95 €). Denn: „Das ist eine gute Möglichkeit, aus seinem Trott herauszukommen und sich neu aufzustellen.“ Als Erstes sollten Sie überlegen, womit Sie bislang besonderen Erfolg hatten – und was Ihnen Spaß gemacht hat. Erstellen Sie eine Liste von Dingen, die Sie außerdem gut können. Fragen Sie dafür auch Freunde, die noch einmal einen ganz anderen Blick auf Sie haben.

Nach vorne schauen

Bleiben Sie up to date

Ob Portugiesisch, Powerpoint oder Personalführung: Bewerbungsphasen sind ideal, um neue Dinge zu lernen oder Fähigkeiten zu verbessern. Hofert rät: Es schadet nicht zu überlegen: „Was will der Markt?“ Auch über die Arbeitsagentur können Sie eine Fortbildung anfragen. Und im Internet gibt es gute E-Learning-Angebote, etwa unter www.ils.de oder www.sgd.de.

Auch im Leerlauf ist Disziplin gefragt

Einmal in den Klauen des Amts – und täglich ruft Ihre Sachbearbeiterin an? So schlimm ist es nicht. Aber Sie haben auch Pflichten: So müssen Sie Eigeninitiative bei der Jobsuche nachweisen und werktags für die Agentur erreichbar sein. Eigentlich fast so, als sei das Amt nun Ihr Arbeitgeber. Das gilt übrigens auch für den Urlaub: Drei Wochen stehen Ihnen jährlich zu, die Reisezeiten müssen Sie offiziell anmelden.

Zeit, die Papiere in Ordnung zu bringen

Ihre letzte Bewerbung liegt 20 Jahre zurück? Tja – so sehen dann wohl auch Ihre Unterlagen aus. Bringen Sie zuerst Ihren Lebenslauf auf den neuesten Stand. Fertigen Sie neue Kopien von Zeugnissen an, auf hochwertigem Papier, und lassen Sie professionelle Bilder bei einem Fotografen machen. Und bitte: Wählen Sie nur Dokumente, die auch relevant für den nun angepeilten Job sind. Ausbildungs- und Hochschulabschlüsse sowie Weiterbildungszertifikate: ja! Praktikumsbescheinigungen aus der sechsten Klasse: nein!

Immer die Form wahren

Weitere unverzichtbare Bewerbungs-Standards: Im Anschreiben auf das Unternehmen eingehen und keine gebrauchten Schnellhefter benutzen! Online-Bewerbungen sind heute gang und gäbe. Wichtig: Keine Anhänge über 400 Kilobyte versenden. Die sprengen das Postfach des Empfängers.

Räumen Sie Ihr virtuelles „Ich“ auf

Studien zufolge recherchiert heute jeder dritte Personaler über den Bewerber im Internet: Halbnackte Bilder auf Ihrer Blog-Seite werfen da kein gutes Licht auf Sie. Also weg damit! Professionelle Hilfe beim Säubern des eigenen Netz-Images gibt es von Anbietern wie www.myimagecontrol.de oder www.reputationdefender.com. Diese prüfen alle Einträge im Internet, die mit Ihrem Namen verbunden sind,und bemühen sich, unliebsame dauerhaft zu entfernen.

Das Netz als Stellenbörse

VOLLGAS NACH VORN

Eigenwerbung stinkt nicht

Die meisten spannenden Stellen gehen unter der Hand weg, Experten schätzen, dass nur knapp die Hälfte offiziell ausgeschrieben wird – in Krisenzeiten sogar noch weniger. „Personaler vertrauen Kandidaten aus dem eigenen Netzwerk mehr als solchen, die keiner kennt“, erklärt Anne Jacoby, Autorin von „Bewerben in schwierigen Zeiten“ (Campus, 119 S., 14,90 Euro). Also: Scheuen Sie sich nicht, die eigene Jobsuche gelegentlich in Gespräche mit Bekannten einfließen zu lassen. „Ich suche nach einer neuen Herausforderung“ wäre eine geeignete Formulierung. Und nutzen Sie auch die üblichen Plattformen im Internet zur Eigenwerbung, etwa xing.com.

Schlauer suchen, schneller finden

Offiziell ausgeschriebene Stellen in Ihrer Umgebung finden Sie, wie eh und je, in der Samstagsausgabe Ihrer örtlichen Tageszeitung. Bundesweite Jobs sind im Internet auf diversen Portalen gelistet, etwa bei stepstone.de, monster.de oder jobscout24.de.

Machen Sie Ihre Hausaufgaben

Sie sind zum Gespräch eingeladen? Glückwunsch! „Bewerben kann ein Fulltime-Job sein“, sagt Fachfrau Jacoby und rät, einen ganzen Tag in die Vorbereitung auf den Erstkontakt zu investieren. Punkten Sie, indem Sie nicht nur über sich selbst sprechen, sondern auch über das Unternehmen Bescheid wissen – und entsprechend schlaue Fragen stellen.

Verhandeln Sie fair, aber hart

Ja, ja, die Wirtschaftskrise. Schon schlimm, auch für die Unternehmen – aber noch lange kein Grund, zu allem Ja und Amen zu sagen! Lassen Sie sich vom potenziellen neuen Chef nicht unter Wert einkaufen. Informieren Sie sich vorher über die Marktpreise der Branche. „Wenn man im Vergleich mit anderen besser abschneidet, etwa, weil man Weiterbildungen absolviert hat, muss man sich auch in Krisenzeiten nicht herunterhandeln lassen“, sagt Svenja Hofert. Außerdem: Wenn das Gegenüber merkt, dass Sie sich nicht so leicht über den Tisch ziehen lassen, werden Sie eher ernst genommen.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Fall eins: Schade! Es hat nicht auf Anhieb geklappt. Wenn es sich um eine Absage Ihres Wunscharbeitgebers handelt, jammern Sie nicht – sondern kündigen Sie ruhig an, dass Sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder nach einer Stelle fragen werden. Fall zwei: Juhu! Sie haben den Job! Aber: Erzählen Sie erst davon, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist. Bis dahin ist die Gefahr zu groß, dass andere noch auf die Stelle aufmerksam werden. Widmen Sie sich lieber still und leise einem wunderbaren Gefühl – Vorfreude gepaart mit Erfolgsrausch und Aufbruchslust. Wir gratulieren!

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