20. Februar 2013
Warum sind Frauen so fies zu Frauen?

Warum sind Frauen so fies zu Frauen?

Wir teilen intimste Geheimnisse über Kerle, Kollegen und Katastrophen. Aber warum vergleichen Frauen sich ständig und lästern sogar über ihre beste Freundin? Wäre es nicht viel besser, sich zu verbünden, als zu bekämpfen? Lest hier mehr dazu!

Frauen lästern
© Getty Images/Thinkstock
Frauen lästern

Es ist einfach stärker als wir. Es reicht schon, dass eine nicht allzu unscheinbare Frau das Lokal betritt. In Sekunden setzt die Rasterfahndung ein. Im Hirnscanner würden jetzt alle Areale für Anspannung rot blinken, mit der Präzision eines Chirurgen sezieren wir ihr Äußeres. Und mit der Heimlichkeit eines Diebes schleicht sich die Frage an: Ist sie schöner als ich? Was hat sie, was ich nicht habe? Wer ist sie, wer bin ich?

Im Übrigen ist es ja nicht so, dass Freundschaft vor Lästern schützen würde – Frauen werden sogar im vertrautesten Kreis taxiert. Das belegt auch eine aktuelle Gewis-Umfrage für PETRA: Von den befragten Frauen zwischen 29 und 39 Jahren gaben 71 Prozent an, schon einmal über die beste Freundin gelästert zu haben. Es beginnt mit kritischen Anmerkungen („Na, ob das so eine gute Entscheidung war, den festen Job hinzuschmeißen?“) und endet bei handfesten Verurteilungen: „Schön, dass sie jetzt in ein Haus zieht, aber in dem Stadtteil wird sie niemals glücklich!“ Sind wir wirklich so böse? Vielleicht tragen wir so eine Art Zicken-Gen in unseren Zellen. Das wäre immerhin eine Entschuldigung.

Warum sind wir Frauen nur so kritisch mit anderen Frauen? Die Antwort lautet: weil sie es mit sich selbst sind. Die Ideale, an denen wir uns messen, legen wir auch bei der Sitznachbarin in der Straßenbahn an. Genauso wie wir uns selbst begutachten, beäugen wir auch die andere und klopfen ihr Erscheinungsbild gnadenlos auf Makel und Vorzüge ab. Reicht uns morgens noch das eigene Spiegelbild, an dem wir uns abarbeiten, müssen über den Tag andere für den stetigen Vergleich herhalten. Zum guten alten Spruch „Wie du mir, so ich dir“ gesellt sich ein „Wie ich mir, so ich dir“.

Folgt man der Autorin Sabine Werz („Beste Freundin, beste Feindin“), üben wir uns schon früh darin. Werz erinnert sich daran, wie sie als Mädchen in einer Hockeymannschaft spielte – oder vielmehr daran, wie schnell diese Mannschaft wieder aufgelöst wurde. Man war entsetzt darüber, wie aggressiv die Mädchen aufeinander eindroschen, wie angriffslustig sie waren – dabei spielten sie nur wie Jungs. Aggression ist etwas, das Frauen nicht (zu)steht. Männer lernen hingegen früh, dass Wettkampf etwas Natürliches ist, erst auf dem Bolzplatz und später im Berufsleben. Man schlägt sich, man verträgt sich.

Mädchen lernen, dass Attribute wie brav, verträglich und harmonisch ihnen besser stehen als Ruppigkeit. Sie lernen, Wut, Frust oder Neid in weniger sichtbare Kanäle umzuleiten. Schon mal aufgefallen? Männer können sich im Büro lautstark die Meinung geigen – abends gehen sie zusammen ein Bier trinken. Sie können Job und Privates wunderbar trennen. Und Frauen? Lästern und schwärzen die Konkurrentin lieber hintenherum an. Nichts scheint schlimmer zu sein als ein Streit, der ehrlich ausgetragen wird. Das bestätigt auch die Psychologin Dr. Doris Wolf: „Frauen kämpfen mehr auf der emotionalen Ebene. Sie verbreiten Gerüchte oder machen Andeutungen.“ Männer hingegen schaffen es eher, zwischen Leistung und dem Wert ihrer eigenen Person zu trennen. Sie reagieren weniger mit Missgunst, sondern fragen sich, was sie selbstzu bieten haben, um Zielezu erreichen.

Wir Frauen stecken in einem Dilemma: Achten einerseits auf Harmonie, angenehmes Klima und Solidarität. Aber gerade deshalb scheuen wir uns davor, klare Weisungen zu geben oder zu delegieren. Sabine Werz: „Wir halten an einem angelernten Programm fest, das Dauerlächeln und heimliche Biestigkeit umfasst. Und werden mit der Zeit Meisterinnen der falschen Komplimente.“

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Laut PETRA-Gewis-Umfrage lästern 65 Prozent der Befragten lieber über Frauen als über Männer. Das sollte anders werden: Wir Frauen sind uns doch so nah, wie es kein Mann sein kann! Da kichern wir als Teenagerfreundinnen im Chor, später navigieren wir uns gemeinsam durch Beziehungen, Entscheidungen und diverse Gefühlslagen. Wir vertrauen uns die intimsten Dinge an. Je ähnlicher die Lebenslage, in der wir uns befinden, desto inniger das Verhältnis. Trotzdem befinden wir uns gleichzeitig in einem permanenten, subtilen Wettstreit, wer die Klügere und Attraktivere ist. Höchste Zeit, dieses „Vergleichsverhalten“ zu überholen, denn wie eine durchgerostete Karre entpuppt sich unser Konkurrenzverhalten als echtes Auslaufmodell.

Es gab ja schon mal eine Zeit, da waren Frauen sich einig, kämpften gemeinsam für eine bessere Position in der Gesellschaft und waren sehr erfolgreich damit. Inzwischen sind wir beruflich vorangekommen und müssen dafür nicht mehr unsere Büstenhalter verbrennen und Männer als Feinde betrachten. Vergleichsweise klein ist da der nächste Schritt. Wir sollten noch lernen, dass auch Rivalität zum beruflichen Vorwärtskommen gehört. Zwischen Männern und Frauen. Klingt einfach, ist aber schwierig: Männliche Kollegen laufen in unserer Gedankenwelt quasi außer Konkurrenz, und wir vergleichen uns natürlich lieber mit dem, was uns ähnlich ist. Dabei gehören Dinge wie Empathie und Intuition doch zu unseren Königsdisziplinen, oder? Genau deshalb sollten wir uns darin üben, den Blick aufeinander zu entspannen.

Wir geben es ja ungern zu, aber da haben Männer uns etwas voraus. Die klopfen sich für Erfolge gegenseitig kräftig auf die Schultern. Schaffen wir es auch, hat unsere neue Haltung einen schönen Nebeneffekt: Wir sind automatisch auch netter zu uns selbst. Ein wenig dreht sich der Wind schon jetzt in Deutschlands Büros – das zeigt das dritte Ergebnis der Gewis-Umfrage für PETRA: Noch arbeiten 58 Prozent der befragten Frauen lieber mit Männern. Aber 42 Prozent wissen es durchaus zu schätzen, was Kolleginnen und weibliche Vorgesetzte ihnen zu bieten haben. Einen emotionaleren Führungsstil, der vielleicht ein bisschen individueller auf jeden Einzelnen eingeht. Fast jede zweite Frau fühlt sich von einer Frau im Job auch in den Zwischentönen verstanden und gut in einem frauengeführten Team aufgehoben.

Das ist doch ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Entspannung an der scheinbar oft verhärteten Frauenfront – gerade im Job. Anstatt Frauen kritisch zu beäugen, die erfolgreicher sind als wir, könnten wir voneinander abschauen und dabei etwas über uns selbst lernen. Uns solidarisieren und vernetzen, um weiterzukommen. Denn was zeigt uns eine Frau, die erfolgreicher ist oder etwas besitzt, das wir so gern hätten? Unsere eigenen Wünsche und Sehnsüchte, das Ziel, das wir ansteuern. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir das einmal erkannt haben, wird die Sicht auf die andere ohnehin gnädiger.

Damit wir uns zusätzlich motivieren, rät Psychologin Wolf, sich selbst zu fragen: „Was hat sie mehr, dass sie an diesen Punkt gekommen ist? Kann und will ich mir diese Eigenschaften aneignen?“ Versuchen wir also das, was wir heimlich bewundern, als Ansporn für uns selbst zu sehen. Und klar: Für schlankere Beine müssten wir auch mal zum Sport gehen. Für ein Baby unseren Egoismus hintanstellen und so weiter und so fort... Wenn wir selbst entspannt unseren Weggehen, können wir andere Frauen anstrahlen, anstatt sie mit dem klassischen Boutiquen-Blick zu betrachten. Und es fühlt sich doch so viel besser an, der hübschen Sitznachbarin in der Straßenbahn einfach ein ehrliches Lächeln zu schenken.

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