21. Juni 2013
Wie verführe ich meinen Mann?

Wie verführe ich meinen Mann?

Frisch Verliebte gucken sich nur einmal tief in die Augen, schon fliegen die Klamotten in die Ecke. Wie aber verführt man einen Mann, mit dem man schon lange zusammenlebt – und ohne dass es peinlich wird?

Frau sexy Unterwäsche
© iStockphoto/Thinkstock
Frau sexy Unterwäsche

Es war ein Freitagabend, ich lag in der Wanne und las zu Recherchezwecken (wirklich!) einen Ratgeber mit dem Titel "Die feine Art des Vögelns". Da platzte mein Mann ins Bad und bekam diesen vorfreudigen "Oho! Da geht heute wohl noch was!"-Gesichtsausdruck. Und ich? Guckte über den Buchrand und sagte: "Nee, das lese ich für die Arbeit. Kannst du schon mal die Kartoffeln in den Ofen schieben?" Spulen wir kurz zurück. Und noch mal von vorne. Mann kommt ins Badezimmer. "Oho!" Die geborene Verführerin steigt langsam aus der Wanne, kleine Schaumberge perlen an ihrem Körper ab. Sie sagt mit rauchiger Stimme: "Reich mir das Handtuch, und danach werden wir uns mal gemeinsam Kapitel acht widmen." Oder irgendeinen anderen blöden Satz, der am Ende zu hemmungslosem Sex führt, bei dem niemand an Kartoffeln oder Wasserflecken auf dem Parkett denkt.

Leider sieht die Realität anders aus. Vielen Frauen fällt es nämlich verdammt schwer, sich in eine Femme fatale zu verwandeln. Dabei war früher, als wir noch jünger waren, alles so einfach: Eine Flasche Asti Spumante und ein roter Stringtanga (hui, wie verrucht!) galten da schon als das Nonplusultra der Verführung. Und heute? Hmm. Die Nummer mit den Rosenblättern, der Kuschelrock-CD und den Teelichtern ist ungefähr genauso subtil wie eine blinkende Neonreklame mit der Aufschrift: "Hallo! Hier wird jetzt gef***t!"

Mit Vorspiel verführen - aber richtig

Da muss man schon zu besonderen Hilfsmitteln greifen, die Auswahl ist schließlich riesig. Nur wo fängt man an? In jedem gut sortierten Erotikshop gibt es inzwischen Stangen fürs heimische Pole-Dancing zu kaufen. Kurse dazu werden an der Volkshochschule angeboten. Sexy? Sicher, aber ist das gut für den Rücken?

Oder ausgefallene Kostüme: Welche Frau, die eben noch die Spülmaschine ausgeräumt und die Kinder zu den Großeltern kutschiert hat, möchte nach Feierabend noch in das frivole "Zimmermädchen"-Outfit schlüpfen? Zumal schon ein simpler Negligé-Auftritt dadurch versaut wird, weil sie höchstwahrscheinlich auf einen Legostein tritt, der beim Aufräumen vergessen wurde. Dabei wären wir alle gerne mal einen Abend die mit allen Wassern gewaschene Mega-Sirene, bei der jeder Mann Stielaugen und Schnappatmung bekommt. Sie steckt ja in uns – nur, wie holen wir sie heraus?

Und: Wie knipst man die innere Stimme aus, die immer wieder leise nörgelt "Och, nö, lass das mal, das ist jetzt irgendwie peinlich."?

Sinnlichkeit im Alltag

Fragen wir mal jemanden, der sich damit auskennt – zum Beispiel die Autorin Regina Swoboda ("Die Raffinesse einer Frau: Werden Sie Männerflüsterin", Kösel, 272 S., 16,95 Euro ). Sie sagt: "Zur Verführung gehört eine Menge. Eine leichte spielerische Kommunikation, Akzeptanz und Bewunderung. Überraschung, Neugierde und sinnliche Wahrnehmung. Das alles kann und sollte auch in längeren Beziehungen gepflegt werden."

Das bedeutet also konkret: Wenn wir unsere Partnerschaft verlottern lassen, brauchen wir am Wochenende erst gar nicht die Strapse aus dem Schrank holen. Das sieht die Hamburger Burlesque-Tänzerin Belle La Donna ("The Sinderellas") ähnlich. Sie plädiert dafür, sich im Alltag eine gewisse Sinnlichkeit zu bewahren. Dann müsse man auch keine großen Geschütze auffahren: "Da reicht es manchmal schon aus, den Mann, den man liebt, an der Haustür abzuholen und ihm einfach mal wieder zu sagen, wie toll er ist."

Beide Expertinnen raten zu Dates außerhalb der eigenen vier Wände. "Inszeniert ein Treffen in einer Bar, zieht ein tolles Kleid an, High Heels und vergesst nicht die roten Lippen", sagt Belle La Donna. Und Regina Swoboda fügt hinzu: "Wenn man zweimal im Monat einen Abend vereinbart, wo jeweils einer die Gestaltung übernimmt und der andere sich überraschen lässt, werden solche kleine Fluchten etabliert und man setzt einen sicheren Raum, um neue Sachen auszuprobieren."

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Bleibt euch treu

Und was sagen die Männer? "Eine Frau, die ihren festen Partner verführen will, darf gerne die Initiative ergreifen", erklärt der Blogger und Dating-Coach Kolja Alexander Bonke. "Am besten funktioniert das etwas aufgehübscht, aber bitte ohne Maskerade oder Verkleidung – Männer wollen ihre Partnerin immer noch erkennen können."

Das scheint nicht für alle zu gelten, denn in den einschlägigen Internetshops gibt es natürlich jede Menge Kostüme (lustige Latex-Rotkäppchen zum Beispiel oder Fußball-Dessous, die scheinbar gleich zwei Fetische befriedigen sollen). Aber, ganz ehrlich: Wer sich in Boxershorts und Feinrippshirt erotisch fühlt, muss sich nicht in den Netzbody zwängen. Findet auch Alexander Bonke: "Eine Frau sollte bei einer solchen Gelegenheit nicht versuchen, eine andere Frau zu spielen, die sexy ist. Sie sollte versuchen, selbst sexy zu sein."

Einfallsreichtum ist sexy

Der äußere Rahmen ist also gesteckt, wie geht es dann weiter? "Versucht, euch immer wieder mit ungewohnten neuen Reizen zu überraschen", erklärt Dr. David Schnarch, der zu den bekanntesten Sexualtherapeuten der USA zählt. "Teilt eurem Partner eure Gedanken und Gefühle, aber auch Wünsche und Fantasien mit."

Er rät, die gemütliche Komfortzone auch mal zu verlassen: "Wahre Intimität muss sich keineswegs immer nur wohlig anfühlen, sie kann auch verunsichern." Okay, wir sollen also ab jetzt mutiger und spontaner sein. Doch egal, ob wir Schatzi in der Theaterpause an den Reißverschluss gehen oder neues Hightech-Spielzeug ausprobieren, das uns im ersten Moment echt Angst einjagt: Die innere Einstellung spielt immer eine Rolle. "Wie schön Sexualität wird, hängt davon ab, wer wir selbst sind und wie wir mit dem Leben umgehen", so David Schnarch.

Mut zur Verführung

"Das erklärt auch, warum ältere Menschen oft angeben, dass sie im jetzigen Alter weitaus mehr Spaß im Bett haben als früher. Sie müssen dem anderen nicht mehr so viel vormachen." Wir können uns also entspannen. Die geborene Verführerin und die, die es (wieder) werden will. Es macht nämlich gar nichts, wenn wir vielleicht nicht mehr so eine knackige Figur haben wie mit 19. Oder dass der Typ, den wir um den Finger wickeln wollen, der Mann ist, mit dem wir normalerweise über so etwas wie mies eingeparkte Autos streiten.

Wichtig ist, dass wir unsere innere Dita Von Teese mit einem Fingerschnipps hervorzaubern können. Und, ganz ehrlich, zu der hat auch noch nie ein Mann gesagt: "Eine erwachsene Frau, die in einem überdimensionalen Martiniglas planscht? Ist doch irgendwie peinlich." Also, nur Mut, meine Damen. Es muss ja nicht gleich das Martiniglas sein, fangt in der Badewanne an.

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