1. Oktober 2013
Männer erklären Männer

Männer erklären Männer

Was denken Männer wirklich über Männlichkeit, Dreier und Romantik? Ein paar offenherzige Jungs standen uns ehrlich Rede und Antwort.

Männer erklären Männer
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Männer erklären Männer

Können Männer auch ohne Fleisch leben?

Thomas Soltau: Ich könnte sofort auf Tofu-Bratling und Alnatura-Brotaufstrich umsatteln ... das ist natürlich ein Scherz. Ich bin mit dem Motto „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ groß geworden. Meine Eltern haben’s verinnerlicht: morgens Schinkenbrot, mittags Karbonade, abends Frikadellen. Klar, dass ich heute den warmen Teint der Teewurst, die sich sanft auf meine Stulle schmiegt, lieber mag als die Kühle eines Rohkostsalats.

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Warum müssen Männer auf alles eine Antwort haben?

Kai Franke: Na, warum wohl? Weil ihr fragt und fragt und fragt! Es beginnt frühmorgens mit „Warum ist das Bad so nass?“ und endet spät am Abend mit „Liebst du mich noch?“ Dass wir dann in den Stunden dazwischen bei jedem anderen Thema versuchen, schnellstmöglich eine Antwort zu finden, ist schlichtweg Training. Und zwar für den gefürchteten Tag, an dem es wieder heißt: „Macht mich die Hose fett?“

Warum wollen alle Männer einen großen Hund?

Christoph Koch: Kleine Hunde zittern, wenn es kalt ist. Dann bekommen sie komische Jäckchen an oder müssen direkt auf den Herrchenarm. Auf den müssen sie auch, wenn es warm ist, sie aber gerade einen Dobermann angekläfft haben. Kleine Hunde kläffen sowieso viel öfter als große. Größere Hunde (lässt man die reinen Kampfhunde mal außen vor, die sich, meiner Meinung nach, nur ausgemachte Idioten kaufen) sind entspannter. Auf kleine Hunde setzt man sich aus Versehen drauf, und wenn man nicht aufpasst, fallen sie einem durch die Schlitze eines Gullys. Männer wollen darum gar nicht so sehr große Hunde. Sie wollen nur keine kleinen.

Was ist scharf daran, sich beim Sex zu filmen oder zu fotografieren?

Kai Franke: Erstens ist es Pornographie. Und die ist im männlichen Wertekosmos, ähnlich wie Lasagne, dann am besten hausgemacht. Zweitens ist es eine kleine Absicherung für erfolglose Tage. Nichts ist heilsamer fürs Ego, als sich ein „Best of“ seiner schärfsten Nummern ansehen zu können. Und drittens ist es ja auch romantisch. Wir riechen am Ende einer Liebe nicht an getragenen T-Shirts oder blättern in alten Briefen. Aber mit einem Whisky und der DVD vom besten Blowjob aller Zeiten können selbst wir ein paar Tränen verdrücken.

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Woran merken Männer, dass sie verliebt sind?

Lars Christiansen: Wenn uns der lockere Spruch wie Husten erst im trockenen Hals feststeckt und dann holprig ins Freie bröckelt. Wenn wir alles Gesagte und Getane im Nachhinein anders machen wollen – und wir trotzdem darauf hoffen, gut angekommen zu sein. Woran Frauen merken, dass das bei ihm der Fall ist? An dem schlechten Spruch, den dieser nervöse Typ da gerade gemacht hat. Aber Vorsicht: Es ist vielleicht nicht immer die große Liebe. Er könnte auch einfach nur ein Idiot sein.

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Auf was darf man Männer nicht ansprechen?

Christoph Koch: Auf die Tatsache, dass der Typ, mit dem ihr vorher zusammen wart, mit so wenig Arbeit so wahnsinnig viel Kohle verdient hat. Darauf, dass der Kater, den wir nach dem Wiedersehen mit alten Freunden zwei geschlagene Tage mit uns herumtragen, durch ein paar Gläser Wasser zwischendurch vermeidbar gewesen wäre. Darauf, dass wir nicht wissen, wer L’Wren Scott ist, aber mit dem Namen Sasha Grey sofort was anfangen können. Darauf, dass unsere Stimme immer irgendwie komisch klingt, wenn wir am Telefon mit unserer Mutter sprechen. Auf die Zeit, die wir auf dem Klo verbringen. Auf das noch tadellos funktionierende alte Smartphone, wenn wir uns ein neues kaufen.

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Vergleichen Männer sich beim Sex?

Maximilian Reich: Klar. Männer vergleichen sich mit jedem. Mit dem Arbeitskollegen, mit dem Kerl neben uns an der Ampel – und auch mit eurem Exfreund. Als meine damalige Freundin mir erzählte, ihr Verflossener habe einen 30-Zentimeter-Penis, habe ich am nächsten Tag „Penispumpen“ gegoogelt. Aber unsere Bett-Damen vergleichen wir nicht. Jedenfalls nicht mitten im Gerammel. Beim Bier danach mit dem Kumpel sagen wir höchstens mal: „Schade, dass sie nicht so gut blasen kann wie Binchen.“

Warum wollen Männer einen Bart tragen?

Christoph Koch: Manche Männer werden antworten: „Weil man sich dann nicht mehr jeden Morgen rasieren muss.“ Da würde ich widersprechen. Ich vermisse das Ritual des Rasierpinsel-Rührens im Seifentiegel, das Einschäumen und das Grimassenschneiden, wenn man zwischen Nase und Oberlippe entlangschabt. Andere werden behaupten, ein Vollbart sei ein gutes Zeichen, dass man nicht als Banker oder in einem anderen Job mit schlimmem Dresscode arbeitet. Doch wenn man heute einen Fernsehwerbeblock ansieht: überall Bärte, selbst bei den propersten Karrieristen. Was bleibt: ein minimales Komfortplus, wenn man auf einem harten Fußboden schlafen muss. Ein paar Jährchen, die man mit Bart älter aussieht, wenn man noch jung ist – und andersrum. Ein Ort, wo sich ein guter Lagerfeuergeruch noch einen Tag lang hält. Etwas, das man versonnen streichen kann, wenn man so tut, als dächte man nach. In Wirklichkeit aber einfach nur müde ist.

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Warum stehen Männer auf einen großen Busen?

Maximilian Reich: Um eins klarzustellen: Frauen besitzen nur uns Männern zuliebe einen Busen. Zum Stillen reichen Zitzen (siehe: Landschwein, Miezekatze, Braunbrustigel). Daher: gern geschehen. Warum wir auf ein dralles Dekolleté anspringen, da gibt es zwei Theorien. Die der Wissenschaft: Die Steinzeitherren wollten eine fruchtbare Frau. Da Fett Fruchtbarkeit verspricht und der Busen aus Fett besteht, war die Neandertalerin mit Doppel-D unterm Mammutfell die Höhlen-Granate. Meine Theorie: Es fühlt sich geil an, das Gesicht reinzudrücken und das Motorboot zu machen. Bei einem A-Körbchen bricht man sich bloß die Nase.

Wann sind Männer reif für Kinder?

Thomas Soltau: Wenn uns jahrelange nächtliche Disco-Beschallung taub für jede Art von Lärm gemacht hat. Im Ernst: Der richtige Zeitpunkt ist der, an dem ich immer noch mit infantiler Begeisterung Arschbomben vom Dreier mache, aber genug vom ständigen Abhängen in angesagten Bars habe. Wenn „Wetten, dass …?“ zum Event der Woche wird und Rotwein die Bierbüchse ersetzt.

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Warum sehen Männer nicht, wenn die Mülltüte voll ist?

Lars Christiansen: Ach, der alte Vorwurf: Den überhöre ich so gern, wie ich die letzte Milchtüte in den übervollen Eimer reinquetsche. Es gibt Wichtigeres, als sich den Kopf mit Gedankenlärm über noch zu machende Wäsche vollzustopfen: Auto lackieren, Essen für das Wochenende besorgen, Internet-Recherche für den neuen Fotoapparat, Moped ausfahren. Und übrigens: Wenn immer nach zwei Tagen schon alles von euch weggeräumt ist, dann KÖNNEN wir es ja auch gar nicht sehen. Gebt uns einfach ein bisschen Zeit.

Wann und warum wird Sex mit derselben Frau für Männer langweilig?

Thomas Soltau: Wenn die Chefköchin mir jeden Tag lustlos eine fade Kartoffelsuppe auf den Tisch knallt, wechsle ich das Lokal ziemlich schnell. Lockt mich allerdings der Asia-Imbiss um die Ecke mit 150 Gerichten, frage ich mich immer, ob die Vielfalt was taugt. Was mich glücklich macht, ist ein übersichtliches und überraschendes Menü ohne Geschmacksverstärker. Das bedeutet, lieber ein paar solide Sexstellungen als halb garer SM, ungenießbarer Dirty Talk oder zuckersüße Kamasutra-Grütze. Dann wird es auch nicht langweilig.

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Warum ist Männern ihr Haar so wichtig?

Kai Franke: Unsere Haare sind uns egal, ehrlich! Wir kämmen uns nicht vor dem Einschlafen, duschen ohne Haube, und in der Regel duzen wir nicht mal unseren Friseur. Wenn wir verzweifelt um unser Resthaar kämpfen, dann nur deswegen, weil es für Jugend und Potenz steht. Und dieser Mythos geht nicht auf unser Konto, sondern ist eurem leisen Seufzen geschuldet, wenn Clooney, Cooper & Co. ihren dichten Scheitel schütteln. Unsere Welt war wirklich schöner, als ihr noch auf Bruce Willis scharf wart – und nichts so männlich wie eine Geheimratsecke war.

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Was finden Männer romantisch?

Christoph Koch: Romantisch ist für uns im Grunde alles, was wir uns ausgedacht haben. Solange es unsere Idee ist, setzen wir uns liebend gerne in ein Ruderboot oder klettern nachts über die Feuertreppe auf ein Hochhausdach, von dem aus man die Lichter der ganzen Stadt überblicken kann. Schlägt jedoch die Frau so etwas vor – womöglich noch mit dem Hinweis versehen, das sei doch „sicher total romantisch“ – gehen bei uns die Jalousien runter. Kitsch, Klischee und Kokolores sind dann die Worte, die uns einfallen. Und schnell schauen wir in eine unserer drei Wetter-Apps, um eine zu finden, die einen Platzregen ansagt und damit den Plan – „echt schade“ – vereitelt. Denn Romantik ist für uns vor allem, dass wir alten Romantiker uns etwas für die Frau an unserer Seite haben einfallen lassen. Statt am Sternenhimmel oder der unberührten Natur berauschen wir uns vielmehr an uns selbst. Und das geht natürlich nur, wenn wir Initiatoren sind und keine Mitlatscher.

Einmal einen Dreier: Wollen Männer das wirklich?

Lars Christiansen: Man lernt ja schon als Kind: Zu dritt spielen funktioniert nicht. Weil zwei sich immer zusammenrotten und der Dritte doof danebensteht. Beim flotten Dreier mit zwei Damen ist der Vorteil für den Mann natürlich: Er ist nie der gelackmeierte Dritte, weil er nun mal das Spielzeug an sich dran hat. Was mich dazu bringen könnte, das jetzt gut zu finden. Allerdings: Bringen die Frauen selbst Spielzeuge mit, könnte Mann doch doof aus der Wäsche gucken, weil nutzlos. Und das wirft einen dann wieder zurück in die Kindheit, als keiner einem mitmachen lassen wollte. Also: Nein, kein Dreier, lieber Zweier. Dann bleibt nämlich auch die Performance in der Familie – und es gibt nichts, worüber zwei Frauen sich austauschen könnten, wenn sie mal in Talklaune sind.

Was ist ein echtes Männerding und sollte es auch bleiben?

Thomas Soltau: Ganz klar: Am Grill die Kohlen mit Benzin zum Glühen bringen. Weil Frauen gerne die besonders umweltfreundlichen Bioanzünder kaufen, die nie brennen, dafür aber die ganze Umgebung zuqualmen. Nur Männer erkennen die unterschiedlichen Sorten glühender Kohle am Knistern. Nur wir wissen Jack Daniels Fassholz-Schnipsel (11,95 Euro das Kilo) für den Fleisch-Geschmack zu schätzen. Grillen ist der letzte archaische Akt, der uns geblieben ist.

Kai Franke: Na ja, ich sag's mal so: es ist nicht gerade der Stoff, aus dem ein Rap Video gedreht wird. Andererseits ist es ja auch nicht wirklich lebensnah, mit zwei halbnackten Teenies auf der Motorhaube vor einer brennenden Mülltonne zu parken. Wir haben aber mittlerweile auch begriffen, dass Machos nur Jungs mit Angst vor der eigenen Schwäche sind. Und die bekämpfen wir gerne, wenn ihr dafür richtig glücklich seid. Übrigens braucht ihr nach einem Tag voller Unmännlichkeit ja auch wieder einen echten Kerl - und der sind wir eh am liebsten nachts.
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