17. Mai 2013
Entspannt Euch mal - Beziehungen entgiften

Entspannt Euch mal - Beziehungen entgiften

Maulige Freunde, faule Kollegen, anstrengende Verwandte – das muss ja nicht sein. Deswegen: Ran an den Frühjahrsputz, jetzt wird das Umfeld entgiftet! Aber keine Angst: Unsere Detox-Kur für Beziehungen ist einfach und unkompliziert. Versprochen.

Junge Frau in Sonnenblumenfeld
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Junge Frau in Sonnenblumenfeld

Manchmal wäre es wünschenswert, das Smartphone würde einfach ins Klo fallen. Dann könnte man ruhigen Gewissens unerreichbar sein. Wenigstens für eine kleine Weile. Man bräuchte keine kreativen Ausreden, weshalb man nicht drangehen konnte, und würde von Muttis ständigen Anspielungen auf erwünschte Enkelkinder ein einziges Mal verschont bleiben. „The person you have called is temporarily not available.“ Zugegeben: Die Funkstille wäre nicht nur kostspielig, sondern auch von kurzer Dauer. Und beim abendlichen Anruf auf dem Festnetz bekäme man es dann doppelt so dicke: „Naja, du warst ja als Kind schon ungeschickt.“ Und: „Apropos Kinder…“ Es gibt sie irgendwie immer mal wieder, diese giftigen Gespräche, die besser nicht geführt worden wären und scheinbar doch nicht vermeidbar sind. Allen voran mit der eigenen Mutter, die ihre Kritik an unserem Lifestyle leider mehr als deutlich anspricht und überhaupt zu viel jammert. Natürlich liegt es uns am Herzen, regelmäßig von ihr zu hören. Nur wäre es eben sehr viel entspannter, wenn die Telefonate und Treffen nicht immer auf die gleichen Diskussionen und Rechtfertigungszwänge hinausliefen. Soll man also beim nächsten Mal noch tiefer Luft holen und einfach zu allem Ja und Amen sagen?

Unser Umfeld hat Einfluss auf unser Glück

Ähnlich verfährt man ja allerdings leider auch mit der langjährigen Freundin, die sich seit ihrer Trennung zu einer mächtigen Motzmaschine entwickelt hat. Wenn es nicht ihr Ex ist, über den sie mit Leidenschaft lästert, dann meckert sie wahlweise über das unstete Wetter, unzuverlässige Handwerker oder über den unglaublich unerträglichen Chef. Und man selbst hängt am Telefon, übt sich im Atmen und hofft auf bessere Zeiten – für sie und für sich. In Wahrheit verdüstert die Schlechtwetterfront seit Monaten die Beziehung zur Freundin – und gepaart mit der mauligen Mutti vermiest sie so langsam auch unser Gemüt. Dabei sieht im eigenen Leben vielleicht gerade

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mal alles recht sonnig aus: Die guten Vorsätze halten, die Schmetterlinge im Bauch sind noch da, und die neue Frisur sieht sensationell aus. Nur gut, dass schlechte Schwingungen ihr offenbar nichts anhaben können. Aber wie macht man sich von den "bad vibrations" seines Umfeldes frei? Man will die anderen ja weder hängen noch sich selbst von ihnen runterziehen lassen. „Unsere Kontakte beeinflussen maßgeblich, wie es um unsere Lebensqualität bestellt ist“, sagt Therapeutin Siglinde Bender, deren Beratung vor allem auf "bessere Beziehungen" abzielt (deshalb heißt ihre Homepage bessere-beziehungen.de): und zwar nicht nur zwischen Liebenden, sondern zum gesamten sozialen Umfeld.

„Manche Menschen werden zu echten Energiefressern“, sagt Bender, „selbst wenn wir sie noch so gern haben.“ Ein erster Schritt sei es, sich darüber bewusst zu werden, dass uns der Kontakt gerade nicht guttut. Dann vermeidet man immerhin, diffus genervt oder anderen gegenüber ungerecht zu sein. Stattdessen konzentriert man sich darauf, die schlechte Beziehung zu entgiften. Sorgen Gespräche mit der Mutter tatsächlich jedes Mal dafür, dass man ein Stück Torte zum Trost benötigt oder einen Sportkurs zum Abreagieren, sollte man sie zukünftig anders

Partnerschaft:

führen: Mutti muss ja nicht unbedingt die Erste sein, die von einem neuen Mann erfährt – wenn das erfahrungsgemäß darauf hinausläuft, dass sie sofort zur Strickwolle für die Babysöckchen greift. Stattdessen lässt man sich von der Clique dafür beklatschen, was für einen tollen Kerl man sich geangelt hat. Und wenn eine Beförderung in den Augen der Eltern vor allem bedeutet, dass man falsche Prioritäten setzt, knallt man die Korken halt mit dem Lover. Bender: „Natürlich hört man von der Familie am allerliebsten, dass man etwas fein gemacht hat.“ Aber wenn die Gespräche zum eigenen Lebenswandel immer wieder frustrierend verlaufen, lohne es tatsächlich eher, eine andere Ebene zu finden: Man beschränkt sich fortan auf Themen, die sich unkompliziert beplaudern lassen.

Konflikte ansprechen - aber richtig!

Mit der motzigen Freundin empfiehlt die Therapeutin anders vorzugehen: zum einen, weil sie aufgrund ihres jüngeren Alters noch aufgeschlossener und emotional flexibler sein wird. Zum anderen, weil die Basis dieser Beziehung auf Freiwilligkeit beruht und sie ja auch daran interessiert sein wird, dass die Freundschaft nicht in die Brüche geht. „Leider sind wir in der Regel nicht gut trainiert, Konflikte offen zu besprechen.“ Aber genauso wenig, wie eine Detox-Diät funktioniert, wenn wir die Schoki heimlich essen, wird die Beziehung zur Freundin entgiftet, wenn wir den Frust runterschlucken. „Bei einem gemeinsamen Spaziergang lässt sich gut besprechen, was einem auf der Seele liegt.“ Flippt sie schnell aus, wählt man ein Café – dann muss sie sich zusammenreißen. Reagiert sie beleidigt, lohnt es, auch das zu thematisieren und gemeinsam zu überlegen, wie man die Sache noch besser bespricht. Die Therapeutin: „Entscheidend ist die Botschaft, die Sie übermitteln.“ Sie sollte lauten: „Du bist mir wichtig!“ Deshalb macht es Sinn, anklagende Formulierungen zu vermeiden und Emotionen im Zaum zu halten. In der Regel werden Beziehungen durch solche reinigenden Gespräche gestärkt: weil man ehrlich zueinander ist, gemeinsam einen Konflikt bewältigt hat und künftig noch genauer um die Gefühle der anderen weiß.

Partnerschaft:

Früh drüber reden, statt allzu viel anzustauen – das rät Siglinde Bender auch Paaren. Die Qualität der Paarbeziehung wirkt sich natürlich besonders stark auf unsere Stimmung aus, weil mehr Gefühle investiert werden als zu anderen Menschen in unserem Umfeld. Auch hier entsorgt man den Giftmüll am ehesten, wenn man regelmäßig in sich hineinhorcht und herausfindet, warum man neuerdings über Lappalien in Streit gerät, chronisch unzufrieden ist oder selten Lust auf Sex hat. Bender: „Keine Beziehung ist ausschließlich prickelnd. Das gilt für die Freundschaft genauso wie für die Liebe. Aber die Bilanz muss stimmen.“ Soll heißen: Man muss sich bei all seinen Herzenskontakten immer mal wieder darauf besinnen, warum man sich für sie entschieden hat, wann sie guttun und wo es Akzeptanzgrenzen gibt. Stimmt die Balance nicht mehr so ganz, weil man vor lauter Seelsorgerei die eigenen Nöte beim anderen nicht loswird – oder weil man die Einzige ist, die sich meldet und Pläne schmiedet, wird sich die Beziehung nicht richtig anfühlen. Gelingt es, das Problem anzusprechen und achtsamer miteinander umzugehen, kann sie wieder sehr inspirierend, bereichernd oder erfüllend sein. „Manchmal reichen schon kleine Hebel, um großen Unmut zu verscheuchen“, sagt die Husumer Beraterin. Schließlich hat man eine gemeinsame Grundlage.

Anders sieht es beim Beziehungsclinch am Arbeitsplatz aus: Die faule Kollegin hat man sich ebenso wenig ausgesucht wie den cholerischen Chef – es handelt sich eher um Zwangsgemeinschaften. Derlei Kontakten muss man zumindest so viel Gift entziehen, dass man ganz gut mit ihnen leben kann. „Es kann schon helfen, sich auf seine eigenen Ansprüche zu konzentrieren“, sagt Siglinde Bender, die auch Job-Coachings anbietet. Wenn die Büronachbarin am liebsten nur das Allernötigste erledigt, sollte man aus Ärger darüber bloß nicht ebenso verfahren. Stattdessen könnte man versuchen, für mehr Transparenz im Team zu sorgen: so dass zumindest alle mitkriegen, wer wirklich motiviert reinklotzt – und wer sich nur mit fremden Federn schmückt. „Es ist auch ratsam, mit Verbündeten darüber zu reden, was einen an den Job-Beziehungen nervt.“ Das können andere Kollegen sein, die sich schon mal über die gleiche Person aufgeregt haben. Oder Freunde, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben – und vielleicht eine eigene Strategie entwickelt haben, um sich nicht dauernd ärgern zu müssen. Solche Strategien sind Gold wert. Denn natürlich ist auch der Expertin klar, dass sich nicht jedes „Beziehungsproblem“ bei einem Talk mit Teechen lösen lässt und die Konfrontation nicht immer das einzig Wahre ist. Schließlich gibt es noch manch andere Personen in unserem Netzwerk, die hin und wieder Bauchschmerzen bereiten: Schwiegermütter, die nicht begreifen, warum man dem Sohn nicht die Hemden bügelt; Nachbarn, die nicht mitkriegen, dass sie beim Sex (unfreiwillige) Zuhörer haben; Buddies vom Liebsten, die nicht kapieren, dass nächtliche Anrufe nicht genehm sind; Servicekräfte, die nicht verstehen, dass es sich hin und wieder lohnt zu lächeln.

So werden Sie wieder entspannt und glücklich

Wenn man auf alle einzeln eingehen, jede Situation beleuchten und die Dinge dauernd ausdiskutieren müsste, um allseits glückliche Beziehungen zu haben, käme man zu nichts anderem mehr. Und gleich zu kündigen, sich zu trennen und Kontakte abzubrechen, wäre schlichtweg übertrieben. Also setzt man Schatzis Mama stattdessen eine Weile auf Sohnentzug, lehnt die Einladungen zum Sonntagsessen freundlich ab und klatscht bei den Nachbarn das nächste Mal laut im Takt mit. Danach gehören Ohrenstöpsel vermutlich der Vergangenheit an. Das Telefon wird abgestellt, und im Café ist man selbst ganz besonders freundlich, bis die Mundwinkel der Kellnerin wieder genauso weit oben sind wie die eigene Stimmung. Und damit das mit der guten Laune jetzt möglichst lang so bleibt, konzentrieren wir uns künftig mehr auf solche Kontakte, die die meiste Freude versprechen: Menschen, mit denen wir uns gern umgeben, die tolle Ideen und ein ansteckendes Lachen haben. Solche, denen wir trotz einiger Fehler und Macken gut genug sind und die uns in unseren Vorhaben bestärken. Und solche, denen wir aus freien Stücken gern etwas zurückgeben wollen – weil die Beziehungen befruchtend sind, ein Feuer entfachen und vor allem entspannt sind. Davon haben wir in der Regel nicht viele – aber wenn man sie pflegt, dann reichen sie aus, um sich an ihnen zu stärken – und gegen das alltägliche Restgift immun zu sein.

Entgiften
© Tomek Sadurski / Schierkecom
Partnerschaft:

Einmal entgiften, bitte...

Manchmal lohnt es sich, auch mal vor der eigenen Haustür zu kehren …

Grünes Gift

Was hat die, was ich nicht habe? Obwohl man eine Person gern hat und ihr gönnt, dass sie Erfolg hat, kann es schmerzen, ihr Glück ständig vor Augen geführt zu bekommen. Da Neid niemandem gut steht, lohnt es, ganz unemotional zu hinterfragen, was man sich von ihr abgucken kann. Außerdem darf man sich öfter mal vor Augen führen, worum man von anderen beneidet wird.

Kein Schw... ruft mich an

Immer bin ich diejenige, die sich meldet. Wenn Ihnen dieser Satz bekannt vorkommt, gibt es genau zwei Möglichkeiten: 1. Darüber nachdenken, ob die Beziehung, um die es geht, ansonsten ausgewogen ist – oder ob man selbst nur investiert und sich künftig verstärkt um andere Kontakte kümmern sollte. 2. Thema ansprechen, ohne anklagend zu sein. Eventuell hatte der andere das Problem gar nicht so im Blick und bessert sich.

Löcher im Bauch

Fragen über Fragen. Wer sich im Job nicht firm genug fühlt, dauernd Kollegen anhauen und um Hilfe bitten muss, wird sich und anderen auf Dauer unsouverän vorkommen. Bitte ergründen, woran das liegt: Trauen Sie sich nur nicht genug zu? Dann vielleicht einfach mal etwas mehr Eigenständigkeit riskieren. Oder sind Sie ernsthaft überfordert? Dann kann eine fachliche Weiterbildung helfen – oder ein Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung.

Meckerziegen-Alarm

Das Geschirr kommt in die Maschine, nicht drauf! Wer von seinem Partner chronisch genervt ist und die eigenen Vorwürfe nicht mehr hören kann, muss sich überlegen, was er will: Sachlich verhandeln und versuchen, einige Macken zu akzeptieren. Oder beschließen, dass er nicht als Meckermutti enden will – und zu den Konsequenzen stehen.

Eine Typologie unserer sozialen Kontakte

Von einigen sind wir gern mal genervt, von anderen lassen wir uns beflügeln. Aber es lohnt sich, auf die Ausgewogenheit zu achten.

Charakter-Typen
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Die Sauger

Vorsicht bei dieser Spezies! Die Sauger benehmen sich nämlich wie Vampire: Stellen tausend Fragen im Büro, wollen ständig einen Rat in Sachen Beziehung, nörgeln und zetern über das Leben und ihre Mitmenschen, kriegen selten etwas gebacken – und machen am Ende noch andere dafür verantwortlich. Es ist natürlich ehrbar, ihnen unter die Arme zu greifen – kostet aber auch viel Energie, die man für eigene Baustellen gebrauchen könnte.

Die Nachmacher

Die streicheln das Selbstbewusstsein. Wo hast du das gekauft? Wie hast du das gemacht? Wen spreche ich denn da mal am besten an? Alles typische Fragen von Nachmachern. Im Gegensatz zu den reinen Saugern sind diese Menschen aber durchaus lernfähig und wissen auch, wann es genug ist. Oftmals sind sie etwas jünger (oder verpeilter), haben ihren Stil noch nicht vollends entdeckt – wissen dafür aber schon mal, wem sie gern nacheifern würden. Sie schenken uns bewundernde Blicke, Respekt und Komplimente – und fordern dafür ein paar tolle Tipps. Nicht die schlechteste Verbindung.

Die Spassvögel

Sie sind herrlich unkompliziert. Mit ihnen kommt Freude in den Alltag: Wir treffen sie zur Zerstreuung auf einen Kaffee, erfahren von ihnen den neuesten Tratsch, machen mit ihnen einen drauf und verbleiben ohne Verpflichtungen. Wenn man sie (zufällig) trifft, lässt man sich gern von ihnen unterhalten, ablenken, aufheitern, anstecken. Und wenn bis zur nächsten Begegnung eine Weile vergeht, ist es auch nicht weiter tragisch. Einziger Tipp: Man sollte sie nicht mit verbindlichen Freunden verwechseln – sonst wird man vielleicht enttäuscht.

Die Inspirateure

Entfachen ein Feuer in uns. Wann immer man mit ihnen zusammenkommt, wird man sich danach bereichert fühlen – und umgekehrt genauso. Intensive Gespräche, gemeinsames Brainstorming, aufrichtig, emotional und ehrlich: diese Beziehungen sind nicht nur fruchtbar, sondern auch ausgewogen und deshalb besonders haltbar. Beide wissen, was sie voneinander haben und wie sie sich gegenseitig weiterbringen können. Mehr davon!

Die Mentoren

Hier verkehren sich die Rollen. Wer Menschen am Start hat, die bereit sind, eigene Erfolgsstrategien zu verraten und sich unserer anzunehmen, kann sich wirklich glücklich schätzen. Jetzt dürfen wir mal jemanden ausquetschen, um Rat fragen oder ihm nacheifern. Solche Vorbilder und Förderer sind in der Regel recht rar – und gerade deshalb so kostbar. Sie machen Mut und motivieren, können warnen und vor Fehlern bewahren, für uns vorsprechen und Kontakte vermitteln. Bitte unbedingt warmhalten und ausreichend Zeit investieren.

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