14. März 2010
5 Tipps für das Selbstbewusstsein

5 Tipps für das Selbstbewusstsein

Salsa tanzen? Lampen anbringen? Meetings leiten? Alles kein Problem für Sie! Doch manchmal genügt ein fieser Spruch, und das „Ich“ gerät ins Wanken. Mit unserem 5-Punkte-Plan für mehr Selbstbewusstsein behalten Sie den Kopf oben.

5 Tipps für das Selbstbewusstsein
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5 Tipps für das Selbstbewusstsein

Trockenübungen vor dem Spiegel – warum eigentlich nicht?

Nachts, allein vor dem Spiegel, klappt es am besten: Nach einem richtig fiesen Tag, nach 24 Stunden voller Pleiten, Pech und Pannen, voller Peinlichkeiten und Missverständnisse stelle ich mirvor, was ich wann, wie,wem und in welcher Tonlage hätte sagen sollen. Messerscharfe Sätze, eine spöttisch gerunzelte Stirn, 100 Prozent Arroganz im Blick und die Arme herausfordernd in die Hüften gestemmt: ziemlich beeindruckend, diese kleine schlagfertige Frau mit dem stolz erhobenen Haupt. Leider oft nur in meinem nachtdunklen Flur. Leider meist nur dann, wenn gerade kein anderer zusieht außer meinem Spiegelbild und mir. In solchen Momenten schmerzt es manchmal: Dass sich zwischen realer Situation (im Alltag) und idealem Verhalten (in meiner Fantasie) doch ein Graben spannt – zu breit, als dass ich Nichtschwimmerin ihn immer überqueren könnte.

Anders ausgedrückt: Es besteht ein Unterschied zwischen Selbst-Vertrauen und Selbst-Bewusstsein. In der englischen Sprache wird das besonders deutlich: „Self confidence“ bedeutet so viel wie sich selbst ganz in Ordnung zu finden. „Self consciousness“ aber lässt sich auch mit „Selbst-Befangenheit“ übersetzen. Und „Befangenheit“ ist das Gegenteil von Zuversicht und Stärke. Wer „befangen“ ist, verkrampft, macht sich zu viele Gedanken und kommt schlichtweg nicht vom Fleck.

Reden Sie sich selbst ruhig groß – und Ihre Widersacher klein

Jedes Alter hat seine eigenen Tücken, und so wie sich der Hüftumfang über die Jahre um einige Zentimeter ändert, so braucht auch der Glaube an sich selbst ab und an mal eine Neuausrichtung.Wenn man zum Beispiel 22 Jahre alt ist und in Hotpants über eine Strandpromenade läuft, pfeift immer (!) irgendein Typ reflexhaft hinterher. Und sei es bloß ein feister Mittvierziger, der seinen zweiten Frühling erlebt. Und das eigene Selbstvertrauen, mit 22 noch nah am Narzissmus dran, sonnt sich im Gepfeife. Gar nicht so lange her scheint diese Zeit, und doch sieht alles völlig anders aus, sobald man die 33 überschritten hat. Nun ist man vielleicht die Partnerin eines pfeifenden feisten Mittvierzigers – und muss miterleben, dass sich auf dem Ticket „Jugend“ keine Sternchen mehr gewinnen lassen und dass die 22-Jährigen ständig nachwachsen; dauernd kommen von irgendwoher neue auf die Welt, es nimmt kein Ende! Spätestens dann wird es Zeit, das eigene Selbstbewusstsein jenseits der Hotpantsfrage zu positionieren – auch jenseits der Cliquen- Zugehörigkeit und dem „Hast du fein gemacht“ der Klassenlehrerin von damals.

Bei mir läuft es so: Je länger ich auf der Welt bin, desto mehr Gefahren kenne ich. Die Gefahr, Freunde zu verlieren,weil eine unbedachte Bemerkung alles verderben kann. Die Gefahr, den Job zu verlieren, weil überall eingespart wird.Die Gefahr, eine schlimme Krankheit zu kriegen,weil ich zu viel rauche. Die Gefahr, als Freak zu gelten, weil ich verkratzte Schallplatten sammle. Die Gefahr, missverstanden, nicht gemocht oder, am schlimmsten, ausgelacht zu werden. Doch je länger ich lebe, desto sicherer werde ich:dass ein gebrochenes Herz nach der Heilung leidenschaftlicher pocht als zuvor. Dass eine Kündigung auf eine neue Umlaufbahn führt. Das ich irgendwann mit dem Rauchen aufhöre. Und dass ich in jeder Situation den passenden Song finde.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten etwas über fünf klassische Wackel-Situationen – und wie Sie da heil und selbstbewusst wieder rauskommen.

Die Freunde haben scheinbar mehr auf dem Kasten

Die Situation: Eine Freundin feiert ihren frisch erworbenen Doktortitel mit einem großen Essen. Auch Sie haben studiert – allerdings ein anderes Fach. Über romanische Kirchen könnten Sie unterhaltsame Vorträge halten, auch über die Aminosäuren der DNA. Doch als der attraktive Typ, der neben Ihnen sitzt, fragt: „Und wie stehst du zum kategorischen Imperativ in Zeiten volatiler Märkte?“ – da stehen Sie ausnahmsweise auf dem Schlauch.

Die Soforthilfe: Sollten Sie keine Ahnung von der Materie haben, stehen Sie dazu. Am besten offensiv mit einem Witz – denn Selbstironie ist ein untrügliches Zeichen für soziale Intelligenz (und kommt außerdem verdammt charmant rüber). Statt im Gegenzug mit Ihrer eigenen (Fach-)Bildung zu prahlen, lenken Sie das Gespräch ruhig auf ein Thema, für das Sie sich privat interessieren. Tauchen? Musik? Nennen Sie ein paar Fachbegriffe und schwärmen Sie Von Namen, die die anderen überraschen. Wer weiß, vielleicht hat Ihr Tischnachbar noch nie von den Remixes dieser abgefahrenen Elektroband aus Nordostschottland gehört, über die gerade alle reden – und die auf Ihrem iPod laufen. „Was, ihr kennt die nicht?“, fragen Sie, etwas entgeistert, in die Runde – und dürfen ein Gegentor für sich selbst verzeichnen. Zur Not punkten Sie mit einem Zitat des griechischen Philosophen Platon:„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Die langfristige Strategie: Vielleicht haben Sie viel mehr von der Welt gesehen als all die Bücherwürmer am Tisch zusammen– weil Sie damals lieber herumgereist sind als noch mehr Referate bis zum Doktortitel zu schreiben. Vielleicht sind Sie auch die Einzige in Ihrem Freundeskreis, die alle Filme von Quentin Tarantino gesehen hat. Fragen Sie sich: Was kann ich richtig gut – und bauen Sie Ihre Kompetenzen aus. Früher oder später kommen auch Sie zum Zug und können Ihr persönliches Expertinnentum hervorkehren. Aber bitte nur, wenn es passt. Gehen Sie nicht streberinnenhaft vor.Wahre Größe und (Herzens-)Bildung zeigen sich darin, dass man mit jedermann ein spannendes Gespräch führen kann, ganz gleich, wie viele oder welche Bücher der andere gelesen hat. Falls Sie noch etwas lernen möchten: Melden Sie sich zu einem entsprechenden Kurs oder in einer Schule an – und reden Sie darüber! Wer als Erwachsener noch anfängt, Neues zu lernen, beweist einen wachen Geist.

Ihr Chef zielt unter die Gürtellinie

Die Situation: An die 50 Präsentationen haben Sie schon erfolgreich hinter sich gebracht, viele auf Englisch, und natürlich können Sie Löcher in Badezimmerwände bohren! Aber diesmal ist alles wie verhext: Wochenlang haben Sie Ihren Zielgruppenbericht vorbereitet – aber dann streikt der Videobeamer, ein Kollege gähnt schon nach Ihrer Einleitung, und die zwei Damen aus dem Nachbarbüro tuscheln. Woraufhin Sie sich prompt verhaspeln und mit den Prozentzahlen durcheinanderkommen. Am Schluss sagt Ihr Chef: „Danke für die Mühe, aber das war der langweiligste und verworrenste Vortrag seit Langem.“

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5 Tipps für das Selbstbewusstsein

Die Soforthilfe: Vermutlich möchten Sie sich jetzt unsichtbar machen, stimmt’s? Tun Sie’s nicht! Alles, nur nicht mit gesenktem Kopf aus dem Raum schleichen! Nicht Sie haben ein Problem, sondern Ihr Chef. Denn er ist offenbar nicht fähig zu sachlicher Kritik. Das dürfen Sie ihn ruhig ein wenig spüren lassen – und damit den Ball zurückspielen. Fragen Sie ihn, am besten unter vier Augen: „Was genau hat Ihnen nicht gefallen?“ Kann er konkrete Fehler benennen, wissen Sie, was Sie künftig besser machen können. Außerdem: Die Tatsache, dass der Vorgesetzte sich aktuell enttäuscht von Ihnen zeigt, ist ein Indiz dafür, dass er Ihnen mehr zutraut – grundsätzlich also ein gutes Zeichen! Fängt er auf Ihre Rückfrage seinerseits zu stottern an, dürfen Sie seinen Angriff getrost als „Anfall von schlechter Laune“ verbuchen und müssen die Sache nicht so persönlich nehmen.

Die langfristige Strategie: Überlegen Sie, was genau Sie an der Situation so verletzt hat. Wollten Sie unbedingt allen beweisen, wie gut Sie sind? Dann haben Sie sich vielleicht unnötig unter Druck gesetzt. Existiert ein tiefer sitzender Auslöser für Ihren Selbstdarstellungsdrang? Dass Sie hart für die Präsentation gearbeitet haben, steht außer Zweifel. Und dafür sollten Sie sich auch belohnen – wenn es sonst gerade keiner tut. Gehen Sie groß aus, planen Sie einen relaxten Abend mit Freunden. Dann spüren Sie: Viele wunderbare Seiten an Ihnen kennt Ihr Chef überhaupt nicht.

Ein Fremder behandelt Sie schlecht

Die Situation: Sie stehen vor der Kinokasse in der Schlange, und ein knutschendes Pärchen drängelt sich vor. Oder: Sie bestellen beim Edelitaliener arglos einen Teller Kartoffelklößchen, und der Kellner weist Sie arrogant zurecht: „Das heißt ,Njocki‘, nicht ,Knocki‘!“

Die Soforthilfe: Ganz ruhig bis fünf zählen – und sich vor Augen halten: Es geht nicht um Sie. Schlecht erzogene, mies gelaunte Menschen laufen nun einmal frei herum.Wehren Sie sich elegant und würdevoll, indem Sie noch frecher eins draufgeben – und damit ein Schlaglicht auf die Unverschämtheit Ihres Gegenübers werfen. Klopfen Sie den Dränglern gut gelaunt auf die Schultern: „Sorry, aber Sie haben beide einen grün schillernden Ausschlag im Nacken.“ Und dem Italo-Schnösel antworten Sie: „Oh, dann nehme ich Tackliatella und danach einen Expresso. Muchas gracias!“

Die langfristige Strategie: Unterstellen Sie keine böse Absicht. Die muffelige Bedienung hat vielleicht gerade Liebeskummer und meint es gar nicht so. Sie können sich entscheiden: Wollen Sie zur kleinlichen Erbsenzählerin werden, die alles auf sich selbst münzt – oder zur gelassenen Beobachterin mit einem feinen Gespür? Wenn Sie es schaffen, großzügig über kleine Schwächen anderer hinwegzusehen, gelingt es Ihnen auch,weniger streng über sich selbst zu richten.

Ihr Traummann will nicht so, wie Sie wollen

Die Situation: Nach einer langen Zeit als Single haben Sie endlich „Ihn“ getroffen – und in den ersten vier Wochen läuft auch alles blendend. Bis er kaum noch Zeit hat. Bis er seltsam herumdruckst. Bis er sich schließlich, nun ja, gar nicht mehr meldet. Und plötzlich hören Sie, wie Sie zu einer engen Freundin den schlimmsten aller denkbaren Frauen- TV-Serien-Sätze sagen: „Warum ruft er nicht mehr an?“

Die Soforthilfe: Ausgehen, aufräumen ablenken – womit auch immer. Alles ist besser als wie eine verwundete Pantherin umsTelefon zu schleichen. Nein, seine Oma wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht krank sein. Nein, sein Handy ist nicht ins Aquarium gefallen. Wichtig: Spielen Sie jetzt keine Spielchen! Lassen Sie „Ihn“ ruhig wissen, dass Sie ihn gern wiedersähen. Aber es genügt, wenn Sie es einmal (!) sagen. Ebenfalls erlaubt ist eine Nachfrage, ein paar Tage später: „Wie sieht’s aus? Ich vermisse dich.“ Wenn er darauf nicht reagiert, dann empfinden Sie das zu Recht als unhöflich, verstockt, verletzend. Und sollten den Typen – leider, leider – in den Wind schreiben.

Die langfristige Strategie: Manche Menschen schaffen es nicht, fair und aufrichtig zu sagen, wenn eine Sache vorbei ist – sondern entwinden sich lieber. Das ist unerfreulich und unreif. Sprechen Sie es mit erhobenem Kopf laut aus: „So einen Windbeutel von Typ will ich gar nicht (mehr)!“ Man kann Menschen idealisieren – aber auch kleinreden. Fangen Sie bei „Ihm“ damit an. Das gilt jetzt als ein Akt berechtigter Notwehr. Seinen Aufräumzwang fanden Sie ganz niedlich? Ein kontrollsüchtiger Giftzwerg ist er, weiter nichts! Im nächsten Schritt denken und reden Sie sich selbst „groß“: als Hauptdarstellerin Ihres eigenen Films. Vor Ihnen liegen jetzt ein paar aufregende Solo-Szenen.Ohne Windbeutel!(Oder wenigstens mit einem neuen.)

Sie laufen mal wieder vor den Laternenpfahl

Die Situation: Sie wollen das Altpapier wegbringen, stehen mit dem Karton vor Ihrer Wohnung, ziehen die Tür zu – und bemerken, dass der Schlüssel in der Küche liegt und Sie sich soeben ausgesperrthaben. Oder:Sie haben einen Arzttermin, suchen eine Parklücke, finden eine – und touchieren einen Jeep, dessen Alarmanlage zu kreischen anfängt.

Die Soforthilfe: „Typisch, dass mir das passiert!“ Schimpfen Sie manchmal so mit sich selbst? Jemand anderen würden Sie wegen solcher Missgeschicke auch nicht so böse anfahren, oder? Sollte mal etwas schiefgehen, denken Sie an die „Versteckte Kamera“ und daran, wie sympathisch all die Menschen wirken, die stolpern oder etwas fallen lassen. Eben! Auch Sie sind keine Maschine.

Die langfristige Strategie: Woher stammt Ihre Neigung zu überzogener Selbstkritik? Haben Ihre Eltern Sie unter Druck gesetzt? Mag sein. Aber nun sind Sie erwachsen! Und führen ein selbstständiges Leben, in dem vieles prima klappt. Spielen Sie Ihr Missgeschick bei der nächsten Party pantomimisch nach. Und lachen Sie mit.


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