16. Juni 2010
Florian David Fitz im Interview

Florian David Fitz im Interview

Er sorgt in der Comedy-Hitserie „Doctor’s Diary“ beim weiblichen Publikum regelmäßig für Lachkrämpfe – und Herzklopfen. Mit „Vincent will meer“ erobert er das Kino.

Florian David Fitz, 35, kann auch ganz anders als „Doctor’s Diary“- Arzt Dr. Marc Meier: In „Vincent will meer“ spielt er nach einem eigenen Drehbuch einen jungen Mann mit Tourette-Syndrom, der mit der rebellischen Marie (Karoline Herfurth) aus dem Heim Richtung Italien türmt. Für sein Engagement für Tic- und Tourette-Betroffene wurde er unser Charity-Held des Monats. Im PETRA-Interview verrät Florian David Fitz, was ihn mit Marc Meier ("Doctor's Diary") verbindet, warum Nasenbluten sehr praktisch sein kann und dass er sogar freiwillig den Abwasch macht.

Warum leidet Vincent ausgerechnet am Tourette-Syndrom? In Boston an der Schauspielschule hatte ich einen Lehrer mit Tourette. Da habe ich mich gefragt: Wie lebst du damit, wenn dein eigener Körper dich ständig betrügt und Sachen macht, die dir total peinlich sind?

Bringt’s Spaß, solche Ticks zu spielen? Na ja. Diese Rolle war eher eine Gratwanderung. Einerseits soll das Publikum lachen dürfen, auf der anderen Seite ist es nicht Absicht des Filmes, sich auf Kosten der Figur nur lustig zu machen. Richtig Spaß macht es eher, einen wie Dr. Marc Meier zu spielen.

Verstehe. Es bringt Ihnen also mehr Spaß, den arroganten Sack raushängen zu lassen – denn der sind Sie ja eindeutig in „Doctor’s Diary“… Na ja, wer hätte daran keinen Spaß? Weil ich mir da Dinge rausnehmen kann, die ich mir so nie erlauben würde.

Das heißt, Sie haben auch im wahren Leben eine arrogante Ader? Vielleicht … Und dann brauche ich sicher ab und an eins auf den Deckel. Das kriege ich aber auch.

Ach, echt, von wem denn? Von meiner Familie. Ich muss lernen, die anderen anders sein zu lassen und nicht zu denken, dass ich weiß, was das Beste für sie wäre. Das ist auch eine Form von Arroganz.

Apropos Familie: Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass Sie sich früher ständig mit Ihrer Schwester Stefanie in den Haaren lagen. Hat Sie Ihnen diese Narbe auf der Nase verpasst? Nein, da war sie unschuldig. Wir haben zu Hause ein Treppengeländer, auf halber Höhe kommt eine Glastür. Da bin ich immer runtergerutscht – und eines Tages durch diese Tür gekracht.

Sie schreiben auch, Sie hatten früher ständig Nasenbluten… Und das war gar nicht so schlecht! Stand in der Schule eine Prüfung an, brauchte ich mir nur unterm Tisch gegen die Nase zu hauen, und ich konnte sagen: „Oh, sorry, ich muss mich hinlegen.“

Doctors-Diary-Fitz
© Filmbilder
Die RTL-Hitserie „Doctor’s Diary“ (Fitz mit Diana Amft und Kai Schumann) geht in die dritte Staffel

Wann ist aus dem Jungen mit Nasenbluten denn ein cooler Typ geworden? Bei den Pfadfindern. Ich wurde gedisst und habe lange gebraucht, mich in die Gruppe einzugliedern oder durchzusetzen – je nachdem. Das war so das erste Männlichkeitsgehabe, und es hilft mir bis heute: Was wäre Dr. Meier ohne Männlichkeitsgehabe? (lacht)

Nach der Schule sind Sie in Boston auf die Schauspielschule gegangen. Warum so weit weg? Mir hat das gutgetan. Ich glaube, Heimat kann man erst definieren, wenn man weg ist. Immer wenn ich wieder nach München kam, wusste ich: Es ist gut, Wurzeln zu haben. Das heißt nicht, dass man dort auch Wurzeln schlagen muss.

Ihre Bostoner WG dürften Sie hier nicht vermissen. Sie lebten mit einem… …drogenabhängigen Fagottisten und einem grenzdebilen Schnarcher zusammen – ja, das war ein krasses Abenteuer. Der Fagottist hat nie gewaschen, die Schmutzwäsche stapelte sich mannshoch…

…worauf Sie sich eine „preußische Ordnung“ angewöhnt haben, wie Sie sagen. Wenn meine Wohnung unaufgeräumt ist, sieht es meistens in mir gerade nicht anders aus. Eine gewisse Klarheit tut mir gut. Das heißt nicht, dass ich es gerne mache. Ich spüle ja auch nicht gern Geschirr. Aber jedes Mal, wenn ich am dreckigen Geschirr vorbeilaufe, hab ich ein schlechtes Gewissen. Das kostet mich mehr Energie, also mache ich es lieber gleich.

Der coole Fitz hat einen Aufräumtick? Wenn Sie es so nennen wollen… In Beziehungen nicht ganz einfach. Wenn jemand dauernd nörgelt: „Häng doch die Handtücher so auf, dass sie trocknen.“ So rechthaberisch. Ich arbeite dran…

Sie sind manchmal arrogant und haben einen Ordnungstick. Jetzt erzählen Sie uns mal von Ihren guten Seiten. Was wollt ihr hören? Ich führe mein Leben so, dass ich damit zufrieden sein kann. Ich weiß, was ich dazu brauche.

© Filmbilder
Zu der Tragikomödie „vincent will meer“ (Kinostart: 22.4.) schrieb Fitz (hier mit Karoline Herfurth) auch das Drehbuch

Eine nicht unwesentliche Info für uns: Sind Sie derzeit eigentlich Single? Ja. Aber ich habe mir vorgenommen, darüber erst wieder zu reden, wenn es auch was zu erzählen gibt.

Die Liebe spielt auch in „Vincent will meer“ eine große Rolle. Wird alles gut, sofern man nur geliebt wird? Liebe ist natürlich toll, und keiner möchte sie missen. Aber dass sie ein Allheilmittel ist oder das Rezept für eine glückliche Beziehung? Nein. Liebe kann auch unglücklich machen.

Dann sagen Sie uns doch abschließend, was eine gute Beziehung ausmacht. Instinkt. Wenn du jemanden triffst und sich Dinge wie von selbst ergeben. Es ist ja ein Gerücht, dass Gegensätze sich anziehen. Gemeinsamkeiten sind wichtig, du brauchst einen echten Partner an deiner Seite. Mein Papi sagt: Die Liebe in einer Ehe kommt und geht und kommt wieder. Man muss sich nicht alle Tage lieben. Wir sollten uns ein bisschen locker machen.

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