15. März 2010
Unser kleines Yoga-Pilates-ABC

Unser kleines Yoga-Pilates-ABC

Yoga-Pilates stärkt zugleich Seele und Körper. Informiert euch hier und testet die Übungen!

Yoga und Pilates
© mitarart - iStockphoto
Yoga und Pilates

Ja, so sind wir Westler: Immer wollen wir alles, und zwar sofort – auch beim Yoga. Ein kurzer Blick auf den Traum-Body der Trainerin, und schon denken wir „Super,Yoga ist genau mein Ding!“. Doch dann staunen wir nicht schlecht, wenn zu Beginn des Workshops Mantrasingen ansteht: „Ong Namo Guru Dev Namo“! Und nach einigen Schwindel erregenden Atemübungen zweifeln wir, ob wir hier richtig sind.

Wer mit Yoga schnell die Figur in Form bringen will, ist auf dem Holzweg. Yogis interessieren sich weniger für flache Bäuche als für tiefe Spiritualität. Anders Pilates. Hier geht es vor allem um den flachen Bauch, oder genauer gesagt: ums Powerhouse, wie beim Pilates der Muskelbereich der Körpermitte heißt. „The art of contrology“ nannte Joseph Pilates die ursprünglich rein therapeutische Trainings- Methode mit den präzisen, extrem kontrollierten Bewegungen. Muskelkater statt Meditation. Mittlerweile gibt es eine Vielfalt von Verrenkungs-Techniken für jeden Typ, von Lach- bis Power-Yoga. Welche Methode am besten zu Ihnen passt, verrät unser New-Yoga-ABC. Der neueste Trend aber ist Yoga-Pilates, die ideale Kombination aus Gymnastik und Geistestraining, die den Körper strafft und den Kopf entspannt. Auf die Plätze, fertig, Om...

Ashtanga- oder Power-Yoga ist eine schweißtreibende Angelegenheit: Statt ruhiger Bewegungsfolgen stehen hier schnelle Abläufe und Dehnungen bis an die Schmerzgrenze an. Madonna schwört darauf: Nach der Geburt von Lourdes brachte sie sich dank Ashtanga wieder in Top- Form – und entdeckte das „immaterial girl“ in sich. Denn obwohl Ashtanga als das Aerobic unter den Yoga-Varianten gilt, spielt der spirituelle Aspekt ebenfalls eine Rolle.

Bikram Choudhury, indischer Meister, entwickelte die heißeste New-Yoga-Schule: Beim Bikram-Yoga werden 26 klar definierte Übungen bei einer Raumtemperatur von über 35 Grad ausgeführt. Die Wärme macht den Körper geschmeidig, ist aber nichts für schwache Herzen! Wer fit ist, kann hier sehr intensiv trainieren und in relativ kurzer Zeit extrem viel erreichen. Ideal also für alle mit vollem Terminkalender

Contrology – die Lehre der Kontrolle – nannte Joseph Pilates sein sportliches Ideal. Nicht ohne Grund: Zunächst wollte Pilates mit den Übungen die Macht über seinen eigenen, durch Asthma und Rachitis stark gehandicapten Körper erlangen, später feilte er an seiner Therapie, um Gehbehinderte zu trainieren. Man merkt: Hier geht es nicht um Wohlfühlsport, sondern um eine sehr ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Körper.

Fitness dank klassischem Yoga? Aber sicher: Die sogenannten Asanas, also jene Körperhaltungen, die im Grunde nur die Atem-und Meditations Übungen unterstützen sollen, können ein sehr hohes sportliches Niveauerreichen. Wer ein paar Malschwung voll die wohl berühmteste Asana-Folge absolviert hat, nämlich den Sonnengruß („Surya namaskara“), wird dies bestätigen. Allerdings erst, sobald er wieder zu Atem gekommen ist.

Gähnen hat beim Yoga und Pilates eine besondere Bedeutung: Yogis nennen es „Devadatta“, einen Schub von Lebensenergie, der den müden Körper munter macht (wenn Sie also das nächste Mal in einer Konferenz gähnen müssen, tun Sie sich keinen Zwang an: Beteuern Sie einfach, Sie machten Yoga). Die Art, wie wir beim Gähnen Luft holen – vor allem über den Brustkorb – kommt wiederum der idealen Atemtechnik beim Pilates sehr nahe: Hier sollen sich die Rippen beim Einatmen zu den Seiten, nach vorn und nach hinten öffnen.

Hatha-Yoga ist die im Westen bekannteste Yoga-Schule. Sie betont die körperliche Seite, also die Haltungs- und Atem-Übungen, und kommt einer Sportart sehr nahe – wohl der Grund,weshalb es für Hatha-Kurse von Krankenkassen die großzügigsten Zuschüsse gibt. Je nach Vorliebe kommen beim Hatha-Yoga auch Hilfsmittel wie Bänder oder Gurte zum Einsatz, ähnlich wie beim Pilates oder Iyengar-Yoga.

Iyengar-Yoga, eine relativ neue, westliche und körperbetonte Yoga-Schule, ähnelt in vielerlei Hinsicht dem Pilates – auch hier erleichtert man Einsteigern die Übungen mit Accessoires wie Gurten und Blöcken.WeitereGemeinsamkeit: Beim Iyengar-Yoga wird besonders viel Wert auf die perfekte Ausführung der Übungen gelegt. Jivamukti-Yoga ist schwer angesagt, kommt aus New York (woher auch sonst) und hält zu den Körper-Übungen, der Meditation und dem Atmen immer die passende Musik bereit. Das kann dann auch mal HipHop sein.

Kundalini-Yoga fordert den Körper zwar mit sehr dynamischen Übungen, gilt aber eher als der spirituelle Leistungkurs unter den populären Yoga-Formen. 1968 durch Yogi Bhajan in den Westen importiert, nehmen Mantras und Meditation, tantrisches und esoterisches Gedankengut bei den Übungen einen großen Raum ein.

>> mehr Fitness bei Vital.de

Yoga und Pilates sind ein perfektes Paar: Yoga bringt unsere Energien in Fluss und schenkt uns Ruhe, Pilates stärkt die Muskulatur und gibt uns Power. Das Ergebnis: tiefe Entspannung – und ein flacher Bauch

Lach-Yoga ist ein Trend, dem man mi dem ötigen Ernst begegnen muss, schließlich sollen schon 5 Minuten morgendliches, yogisches Gelächter den ganzen Tag über mehr Frische und Energie verleihen. Mehr dazu: www.laughteryoga.org

Muskelpakete sind beim Yoga-Pilates nicht zu befürchten: Die Übungen straffen und stabilisieren, mehr nicht

Nachwuchs-Förderung mit Yoga-Pilates? Kinder lieben es, sagt Barbara Becker. Die zweifache Mutter hat aus den nach Tieren benannten Asanas ein kindgerechtes Programm entwickelt. Nachzulesen in „Beweg Dich, reg Dich“ (erschienen bei Südwest, 15,95 €).

Powerhouse ist der Begriff, um den sich beim Pilates alles dreht: Er bezeichnet die Muskeln rund um Bauch, Rücken und Beckenboden sowie die tiefliegenden Muskeln der Wirbelsäule, die wir nicht bewusst steuern können. Ein starkes Powerhouse belohnt uns mit einem flachen Bauch, einer guten Haltung und innerer Stabilität, so das Versprechen.

Raja- oder auch Kriya-Yoga ist das genaue Gegenteil von Yoga-Pilates: Mit Fitness hat es etwa so viel zu tun wie Männer mit Pailletten-Tops – nichts. In dieser besonders meditativen Spielart sind Leibesübungen eher Vorspiel als Hauptprogramm. Im Grunde die hohe Schule des klassischen Yoga, zielt Raja-Yoga auf einen vom Körper losgelösten Bewusstheitszustand.

Sex, Yoga und Pilates sind ein Dream-Team: Die Sportarten entspannen (schalten also den Lust-Killer Stress aus), stärken den Beckenboden (was das sexuelle Empfinden steigert), machen beweglich und kräftig – sowohl körperlich als auch seelisch. Da kommt die sexuelle Energie in den schönsten Flow.

Tiere spielen beim New-Yoga eine Hauptrolle – Kobra Kamel, Hund & Co. gaben den Asanas, den Körper-Übungen, die Namen. In jüngster Zeit gewinnen Hunde aber auch als Kursteilnehmer an Bedeutung – kein Scherz. Hunde-Yoga (kurz „Doga“ für Dog-Yoga) kommt aus Japan und erlaubt es Vier- und Zweibeinern, gemeinsam auf die Matte zu gehen. Nur eine Frage der Zeit, bis der erste Pilates-Kurs für Katzen kommt.

Umstandssport: Weil Bauchmuskel-Training für Schwangere umstritten ist und sich beim Pilates alles um die Stärkung des Powerhouse dreht, raten viele Ärzte davon ab. Besser, man hält sich an die reine Yoga-Lehre.

Versicherungen lieben Yoga! Zu vielen Kursen gibt es von der Krankenkasse rückwirkend satte Zuschüsse (bis zu 100 Prozent der Gebühren), wenn man eine Teilnahmebescheinigung mit vielen Häkchen einreicht.

Wechseljahre und New-Yoga: Das sogenannte Hormon-Yoga, entwickelt von der Brasilianerin Dinah Rodrigues. Rodrigues, selbst jenseits der 80, zeigt ihrer wachsenden Fan-Gemeinde, wie man mit ihren dynamischen Übungen u.a. Hypophyse, Schilddrüse und Eierstöcke beeinflussen können soll.

Yogis nennen sich Männer, die Yoga betreiben, Frauen heißen „Yoginis“. Fragt sich nur: Wer ist ein echter Yogi? Jemand, der einmal die Woche Kopfstand macht? Als echter Yogi geht Maharishi Mahesh Yogi durch, der Mann, der den Hippies das Meditieren, Spiritualität und Askese beibrachte.Ob Yogi Löw und Yogi Bär ihre Namenzu Recht tragen, darf man bezweifeln, und auch der „Yogi-Tee“ ist ein Etiketten-Schwindel: Der Begriff ist ein neuer, westlicher Markenname für eine Gewürztee-Mischung.

Interview „Christiane Wolff, Buch-Autorin, Yoga- und Pilates-Fachfrau, über die Vorteile des Yoga-Pilates
Was zeichnet Yoga-Pilates aus?
Es kombiniert zwei unterschiedliche Welten: Pilates ist ein reines Körperprogramm, bei dem es um eine Stabilisation der Wirbelsäule geht, um eine Verbindung von Atem und Bewegung und eine Auseinandersetzung mit dem Körper. Yoga reicht weit über den Körper hinaus, da muss man auch schauen, welche Signale von der Seele kommen.

Betreibt man Yoga-Pilates täglich?
Veränderungen kommen durch Regelmäßigkeit. Jeden Tag 10 oder jeden zweiten Tag 30 Minuten, dann wird die Wirkung schnell spürbar.

Geht das ohne Lehrer?
Persönliche Betreuung und taktile Kontrolle durch eine ausgebildete Lehrkraft sind sowohl bei Yoga als auch bei Pilates essentiell. In beiden Richtungen ausgebildete Lehrer sind selten, aber es ist durchaus okay, wenn man zur Kontrolle regelmäßig an einem Pilates- oder Yoga- Kurs teilnimmt und fürs regelmäßige Training daheim eine Lehr-DVD oder ein Buch nutzt.

Lade weitere Inhalte ...