16. März 2010
Gelée Royale

Gelée Royale

Es heißt, dass Gelée Royale jede Biene in eine Königin verwandelt. Bei Haut und Haar zeigt es jedenfalls verblüffende Talente. Hier erfahrt ihr mehr!

Gelée Royale
© Christophe Vuichard - fotolia.com
Gelée Royale

Das ist der Stoff, aus dem die Träume von Biologen und Medizinern sind: Wenn eine ganz normale Bienenlarve mit Gelée Royale zur hypervitalen Königin gefüttert wird – was vermag das Wunderelexier dann wohl mit dem Menschen anzustellen? Wir können’s euch sagen: Würde der Bienensaft auf uns genauso wirken wie auf die Insekten, dann läge unsere Lebenserwartung bei rund 320 Jahren. Wir wären 3,5 Meter groß und würden einige Tausend Kinder zur Welt bringen – schätzungsweise jeden Tag eines. Da ist es geradezu beruhigend, dass es sich bei der viel zitierten Wunderwirkung um einen hartnäckigen Irrglauben handelt, denn Gelée Royale macht keineswegs jede Biene zur Königin.

Zu den Fakten: Gelée Royale (auch Weiselfuttersaft genannt) wird von den Fütter-Bienen produziert und ist ein Flüssigkeits-Mix aus deren Oberkiefer- und Futtersaft-Drüsen. Während der ersten drei Larvenstadien erhalten alle Bienen diesen Cocktail.

Danach gibt es fürs gemeine Volk Honig und Pollen und nur die zukünftige Monarchin wird noch mit Gelée Royale gepäppelt – weshalb man ihm besondere Kräfte unterstellte. Australische Wissenschaftler konnten vor einigen Jahren jedoch nachweisen, dass alle Bienen die genetischen Anlagen zur Königin in sich tragen – und dass der Honig und die Pollen sie ausschalten und so verhindern, dass sich jede einzelne Biene als Regentin entpuppt.

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Nährstoffreiches Gemisch

Das ändert aber nichts daran, dass es sich bei Gelée Royale um ein äußerst nährstoffreiches Gemisch handelt: Neben Zucker und Fetten enthält es auch B-Vitamine, Biotin, Folsäure, Mineralstoffe und Spurenelemente – außerdem alle Aminosäuren, darunter die acht sowohl für Bienen als auch für Menschen essentiellen.

In der Heilkunde wird der Stoff vor allem zu Pulver, Pillen und Kapseln verarbeitet. Weil keine Studien existieren, die eine Wirkung von Gelée Royale belegen, ist es in Deutschland schlicht als Lebensmittel deklariert – auch wenn viele darauf schwören: Es soll antimikrobiell und krebshemmend wirken, Blutzucker und Blutdruck positiv beeinflussen, Wechseljahrsbeschwerden und Erschöpfungszustände, Appetitlosigkeit und Depressionen lindern.

Schon seit längerem interessiert sich die Beauty-Industrie für Gelée Royale und verwendet Extrakte (gefriergetrocknet und pulverisiert) in Cremes, die unsere Haut intensiv regenerieren. Und jetzt haben auch die Haarspezialisten den königlichen Wirkstoff entdeckt.

Kein Wunder: Aminosäuren, besonders Arginin, gehören zu den wichtigen Eiweiß-Bausteinen des Haars. „Arginin fügt sich extrem gut in strukturschwache Haarstellen ein und ist dazu ein perfekter Transporter für weitere Pflegestoffe“, erklärt Dr. Rainer Müller, wissenschaftlicher Direktor der L’Oréal Deutschland, die eine neue Haar-Pflegeserie mit Gelée Royal auflegten.

Es gibt jedoch einen Haken. Ein Bienenstock produziert gerade mal 500 Gramm Gelée Royale pro Saison – und die Ernte ist extrem aufwendig, weil der Imker den Fütter-Bienen eine gefälschte Königinnenwabe vorsetzen muss, damit sie ihm den begehrten Stoff liefern. Darum liegt der Kilopreis auch bei etwa 100 bis 130 Euro.

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