6. Oktober 2011
Interview: Christian Ulmen

Interview: Christian Ulmen

Schrullig? Verschroben? Ist er nur auf der Leinwand. So wie jetzt im zweiten Teil der Komödie „Männerherzen“. Im wahren Leben weiß Christian Ulmen nämlich genau, was er will: richtig tolle Rollen und jemanden, der ihm die Klamotten rauslegt. 

Christian Ulmen
© Getty Images
Christian Ulmen

Herr Ulmen, wir haben ein Problem. Ich möchte mit Ihnen über Ihren neuen Film „Männerherzen … und die ganz ganz große Liebe“ sprechen, aber Sie reden nicht über die Liebe.
Stimmt.

Warum eigentlich nicht?
Weil darüber alles gesagt wurde. Ich kann diesem Thema leider nichts mehr hinzufügen. Sobald mir aber ein noch nie geäußertes Detail zur Liebe einfällt, werde ich mich melden, versprochen!

Schade, dabei sind Sie gerade aus den Flitterwochen zurückgekommen. Darf ich fragen, wo es hinging?
In den Süden.

Sie haben Ende Juni die Moderatorin und Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes geheiratet. Es ist Ihre zweite Ehe. Warum ist heiraten so wichtig für Sie?
Ich glaube, das kann jeder nachvollziehen, der schon mal geheiratet hat. Das ist bei mir nicht anders als bei anderen Geehelichten auch.

Christian Ulmen und Colin Fernandes
© Getty Images
Christian Ulmen und Colin Fernandes

Paare heiraten wegen der Steuer oder weil was Kleines unterwegs ist …
Nein, das sind nicht die Gründe. Es geht auch nicht um irgendeine Außenwirkung, sondern um eine Lebensentscheidung, wie sie privater nicht sein kann.

Als Sie und Collien vor einem Jahr das erste Mal öffentlich als Paar auftraten, bezeichnete die Presse Sie als „ungleiches Paar“. Hat Sie das geärgert?
Darüber denke ich nicht viel nach. Wer mich aus „Mein neuer Freund“ kennt, der denkt, dass ich so ein total krasser Typ bin, dem nichts peinlich ist. Wer mich aus „Männerherzen“ kennt, hält mich für einen in Liebesfragen umhertaumelnden, schüchternen Mann. So macht sich eben jeder sein Bild, das natürlich nicht der Realität standhalten kann. Das ist bei meiner Frau genauso. In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht dann ein gefühltes Missverhältnis, das aber in Wirklichkeit nichts mit uns zu tun hat.

Trotzdem sind Sie und Ihre Frau plötzlich ein angesagtes Glamour-Couple, und die Klatschzeitungen reißen sich um Interviews. Wie gehen Sie damit um?
Ich habe alles ausprobiert, es mit Ironie versucht und mit Lügen, es hat aber alles nichts genutzt. Der einzig mögliche Weg, die Privatheit für sich zu bewahren, ist, gar nicht mehr darüber zu sprechen.

In „Männerherzen“ spielen drei ziemlich verhuschte Autogrammjäger eine Rolle. Kennen Sie solche Typen auch?
Ja, aber die sind fast harmlos gegen die normalen Leute mit ihren Fotohandys. Ich war gestern mit meinem Sohn im Supermarkt, er hatte schlechte Laune und bekam einen sehr anstrengenden Wutanfall. Und plötzlich ertönte eine Stimme neben mir: „Könnte ich vielleicht ein Foto machen?“ In einer Situation, wo ich dachte: „Geht’s noch? Ich will jetzt nicht fotografiert werden, ich kämpf’ hier gerade mit meinem Kind!“ Aber noch schlimmer ist, wenn ich in einer langen Schlange an der Fischtheke stehe und jemand brüllt: „Hey Sie, kann ich ein Foto machen?“ Dann drehen sich alle nach mir um. Peinlich – vor allem, wenn neben mir einer steht, der mich nicht kennt und fragt: „Wieso? Wer sind Sie denn? Wie heißen Sie denn?“ Und dann muss ich mich irgendeinem wildfremden Menschen vor stellen.

Promis haben es auch nicht einfach …
Natürlich, das ist Meckern auf hohem Niveau. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, genießt man auch jede Menge Annehmlichkeiten, man bekommt Kleider geschenkt oder einen tollen Tisch im Restaurant. Da muss man auch in Kauf nehmen, mal fotografiert zu werden. Das heißt aber nicht, dass es nicht nervt.

Simon Verhoeven, Christian Ulmen
© Getty Images
Simon Verhoeven, Christian Ulmen

Zurück zu „Männerherzen“. Als Günther tragen Sie so unfassbar fiese Klamotten wie gemusterte Polyesterhemden und Pullunder mit Vogelmotiv. Gab es ein Outfit, das Sie verweigert haben?
Nein, ich bin in Kleiderfragen gänzlich untalentiert. Auch privat zieh ich eben die Sachen an, die man mir so hinlegt. Beim Film vertraue ich der Kostümbildnerin.

Wie viel Günther steckt in Ihnen?
Ich hoffe, nicht so viel. Ich bin nicht so verkrampft wie der. Sicher, ein paar seiner Unsicherheiten kenne ich auch. Da erkennt sich fast jeder Mann wieder. Das ist ja das Kunststück, das Regisseur Simon Verhoeven gelungen ist: Er erzählt die Geschichte von sechs Männern, die aber zusammen einen Mann mit all seinen Facetten ergeben. Jeder Mann hat seine Jerome- und seine Günther-Anteile.

Sie haben ein Faible für schrullige Rollen. Sind Sie ein guter Beobachter?
Die Figuren werden alle aus meiner Fantasie geboren. Ich glaube, dass ich da aus einer Ursuppe aus Eindrücken schöpfe, die ich irgendwann unbewusst mal wahrgenommen habe.

„Männerherzen“ spielt ja mit Klischees. Gibt es ein Klischee über Männer, das absolut stimmt?
Nein, diese ganzen Erklärungen, Männer können nicht zuhören und Frauen nicht einparken, öden mich an. Ich kenne immer nur Einzeltäter. Zum Glück ist „Männerherzen“ auch kein Klischeefilm, denn es geht um Menschen mit ihren ganz individuellen Ticks.

Dabei sind jede Menge Bestseller zum Thema „Männer und Frauen“ geschrieben worden …
Als ich in die Pubertät kam und Liebeskummer hatte, habe ich ja auch gehofft, dass mir jemand erklärt, wie die Mädchen ticken. Da stand in der „Bravo“: „Zünde für sie eine Kerze an“, und was war? Das Mädchen fand das gar nicht toll, das hasste Kerzen. Es gibt einen riesigen Markt für Ratgeber, die erklären wollen, wie Männer oder Frauen funktionieren. Das ist aber eine Illusion. Du triffst nie eine statistische Frau, du triffst immer eine Person mit ihren ganz eigenen Verhedderungen und Ideen und mit der musst du umgehen.

In Ihren Filmen bringen Sie die Leute zum Lachen. Sind Sie privat ein lustiger Mensch?
Ich weiß nicht, ob man das von sich selber sagen kann.

Sind Sie ein Typ, der gerne auf Partys eingeladen wird, weil dann Stimmung in die Bude kommt?
Das weiß ich nicht, ich bin eh wenig auf Partys.

Warum denn nicht?
Ich muss in meinem Beruf so viel reden und unterhalten. Mein Hunger nach Austausch ist permanent gestillt.

Wie verbringen Sie Ihre Abende?
Immer anders. Nie einsam. Aber ich muss nicht viele Leute um mich herum haben.

Haben Sie als Kind viel ferngesehen?
Ja, ich durfte zwar nicht, aber hatte absurderweise mit 14 Jahren einen eigenen Fernseher. Meine Eltern waren sehr streng. Also habe ich mir heimlich eine Fernbedienung gebastelt, aus einem Stromkabel, so dass ich im Bett liegend den Fernseher an- und ausmachen konnte. Ich habe unfassbar viel und gerne ferngesehen.

Wer war der Held Ihrer Kindheit?
Benny und sein Hund Wuschel, die in den 80er-Jahren das Kinder-Ferienprogramm moderiert haben. Anke Engelke war auch dabei. Eine Frage noch.

Sie sind unglaublich schlank geworden, wie haben Sie das geschafft?
Vor eineinhalb Jahren musste ich für eine Rolle abnehmen. Ich habe damals komplett auf Kohlenhydrate verzichtet. Und dann habe ich Sport getrieben. Es hat aber keinen Spaß gemacht. Alle erzählen ja immer von den Endorphinen, die beim Laufen ausgeschüttet werden. Ich habe immer darauf gewartet: Wann kommen die endlich? Das Glücksgefühl stellte sich immer am Ende ein, wenn ich wusste, dass ich aufhören darf.

LUSTIG: WIE ULMEN SEIN „MÄNNERHERZ“ VERLIERT
Was haben wir uns beim ersten Teil von „Männerherzen“ ausgeschüttet vor Lachen. Kerle im Beziehungschaos, von Simon Verhoeven grandios witzig auf den Punkt gebracht. Die gute Nachricht ist: Die Fortsetzung „Männerherzen … und die ganz ganz große Liebe“ ist ebenso brüllkomisch und alle sind wieder mit dabei, von Til Schweiger über Florian David Fitz bis Christian Ulmen als schüchterner Günther. Um endlich in den Armen seiner Angebeteten (Nadja Uhl) landen zu können, muss der linkische Kerl noch mehr leiden als im ersten Teil ...

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