25. März 2013
Mit der Clique auf Föhr

Mit der Clique auf Föhr

PETRA-Autorin Verena Hagedorn zieht es seit Jahren mit ihren Freunden auf die nordfriesische Insel. Und auch dieses Mal stellt die Truppe fest: Wir sind immer noch föhrliebt!

Föhr Schaf
© iStockphoto/Thinkstock
Föhr Schaf

Am Vorabend des 21. Februar sind plötzlich alle hellwach. Auf einen Schlag ist der Winterschlaf vorbei, in den die Insel Föhr jedes Jahr nach Silvester fällt. Da zählen nicht mehr Gefühl und Gemütlichkeit, da zählen harte Fakten – das Biikebrennen steht an. Nun heißt es: Wer hat die längsten Latten, den höchsten Haufen?

Das alljährliche Biikebrennen ist nicht nur ein archaisches Ritual, um die Geister des Winters auszutreiben, sondern gleichzeitig ein inoffizieller Inselwettbewerb um den höchsten Stapel mit Brennmaterial. Und wehe, die Biike im Nachbardorf ist höher – da wird schon mal bei Nacht und Nebel kräftig geklaut. Hilft nur eins: Wache schieben, notfalls die ganze Nacht. Wat mutt, dat mutt. Föhr im Winter – dat mutt auch. Haben wir und unsere Freunde beschlossen, vor sieben, acht Jahren zum ersten Mal. Seitdem ist ein Ritual daraus geworden, so selbstverständlich wie die jährliche Holzstapel-Olympiade. Beim ersten Mal war’s ein Trip zu Silvester: Bleigießen am Kaminofen in einem reetgedeckten Häuschen, Fondue in einer offenen Küche mit holländischen Kacheln.

Föhr im Winter ist etwas ganz besonderes

Am nächsten Morgen ließen wir uns am Strand von Utersum die Sonne ins Gesicht scheinen, die Eisschicht auf dem Watt knackte unter unseren Füßen, am Horizont lag die Kette der Halligen wie Schmuck in einem Juwelier-Schaufenster, und wir wussten: Das wird ein gutes Jahr. Seither sind neue Freunde zu unserer Föhrfahrer-Clique dazugekommen, andere fortgeblieben, Paare haben sich getrennt und gefunden, Babys wurden geboren. Was man dort anfangen kann, wenn die Sonne nicht vor neun Uhr morgens aufsteht und nachmittags um drei schon wieder ein Nickerchen macht? Wenn uns jemand diese Frage stellt, bereut er es rasch. Denn geraten wir erst einmal ins Schwärmen, hören wir so schnell nicht mehr auf. Vor allem ist es die winterliche Natur, die Föhr so besonders macht. Die Lichtstimmung am Strand. Die melancholische Ruhe auf den Kirchhöfen, wo verwitterte Grabsteine die Lebensgeschichten von Walfängern und Grönlandfahrern erzählen. Das Puppenstubenlicht aus den Fenstern der efeuberankten Backsteinhäuser.

Szene auf Föhr

Aber Föhr ist nicht nur kuschelig, sondern auch cool. In der Inselhauptstadt Wyk eröffneten in den letzten Jahren einige Restaurants, die sich jederzeit mit denen der schicken Nachbarinsel Sylt messen können – etwa das Alt Wyk, dessen Chefkoch René Dittrich sich seine kulinarischen Lorbeeren zwischen Seoul und St. Moritz verdiente. Lässige Alternative: die Alte Druckerei. Ein Männerpaar betreibt diese Bistro-Bar, mit Snacks, 50 Weinen im offenen Ausschank, Lyrikabenden und Lesungen. Schön Shoppen kann man in Nieblum. Bei Lillebo, nahe der sehenswerten Backsteinkirche, gibt’s skandinavisches Design und Mode, gegenüber im Waffel- und Cappuccinohaus die besten Waffeln mit Eis und roter Grütze zwischen, sagen wir, Eiderstedt und der dänischen Grenze. Und in Alkersum warten Emil Nolde, Edvard Munch & Co auf Kunstkenner: Das neue Museum Kunst der Westküste zeigt nicht nur Seestücke, Schiffe und friesische Bäuerinnen, sondern auch zeitgenössische Videokunst oder Installationen (leider mit Winterpause von Mitte Januar bis Ende Februar).

Am Abend des 21. Februar, wenn das Biikefeuer heruntergebrannt ist (besonders schön in Hedehusum, mit Meerblick!), sind die Föhrer wieder ein Herz und eine Seele. Zum Grünkohlessen im Midlumer Krog in Midlum treffen sich Alkersumer und Oldsumer, Boldixumer und Oevenumer und trinken einen Schnaps darauf, dass sie den Winter wieder einmal erfolgreich vertrieben haben. Schade eigentlich, wo er doch unsere liebste Jahreszeit auf der Insel ist. Es hilft nichts: Dann müssen wir eben auch nächstes Jahr wiederkommen.

Anreise: Mit dem Auto oder mit der Bahn (hält direkt am Fähranleger) bis Dagebüll-Mole, weiter mit der Auto- und Personenfähre www.faehre.de

Unterkunft: Das geschmackvoll-cool eingerichtete Friesenhaus in Oldsum für bis zu sieben Personen kann man ab 105 Euro pro Nacht mieten. Weitere schöne Feriendomizile auch für größere Gruppen: www.foehr-travel.de Alternative: In den zweistöckigen Appartements des reetgedeckten Sophienhofes finden bis zu sechs Personen Platz, es gibt aber auch kleinere Wohnungen. Ideal z.B. für Familien oder Paare, die zusammen Urlaub machen, aber getrennt schlafen möchten www.sophienhof-foehr.de

Weitere Informationen: www.foehr.de, Tel. 04681/300 (Buchungs- und Infohotline täglich von 9 bis 21 Uhr)

Tipp: Die Alte Druckerei bietet neben einer großzügigen Weinkarte auch Lesungen an www.dasweinkontor.com

Ferienhaus im Jaich
© PR
Hafen Föhr:

Weitere Tipps für Winter, Sonne, Strand mit der Clique

Im Jaich, Lauterbach, Rügen (Ostsee) schwimmende Ferienhäuser im Yachthafen – die ungewöhnliche Fewo-Alternative für bis zu sechs Personen (www.im-jaich.de), mit günstigen Nebensaison-Preisen (Haus ab 95 Euro pro Tag) und Rundum-Service auf Anfrage (Sauna, Brötchenservice etc.). Wer lieber festen Boden unter den Füßen haben möchte, kann auch ein Appartement mieten (fünf Personen ab 59 Euro pro Tag).

Ferienhäuser „Am Achterwasser“, Usedom (Ostsee) Der verträumte Lieper Winkel Usedoms ist genau das Richtige für alle, die sich ein paar Tage ganz auf ihre Freunde konzentrieren, lesen, spielen, spazieren gehen wollen. Nette Fachwerkhäuschen für bis zu sechs Personen, (www.am-achterwasser.de), mit Tagespreisen ab 30 Euro im Winter sagenhaft preisgünstig. Brötchenservice gibt’s beim lokalen Tante-Emma-Laden – Tante Emma heißt allerdings Tante Inge.

Friesenhaus „Maschek“, Witzwort, Schleswig-Holstein (Nordsee) In dem historischen Bauernhaus finden bis zu fünf Personen Platz. Die große Küche im Landhausstil mit Kochinsel eignet sich prima für ausgedehnte Klön- und Essabende. Die Strände von Westerhever oder St. Peter-Ording sind in 25 Kilometern mit dem Rad oder Auto zu erreichen. Danach kann man sich im beheizten Meerwasser-Freibad im knapp zehn Kilometer entfernten Tönning aufwärmen. Im Winter kostet das Haus für bis zu fünf Personen 68 Euro pro Tag (Buchung unter: www.helensuewells.com).

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