16. März 2010
Zickenkrieg im Job? Nein danke, denn: gemeinsam sind wir stärker!

Zickenkrieg im Job? Nein danke, denn: gemeinsam sind wir stärker!

Von Weiberwirtschaft bis Hyänenhaufen – Begriffe wie diese fallen oft, wenn über Frauen im Job geredet wird. Dabei ist der viel zitierte Zicken-Alarm im Büro ein Mythos. Wer unsere sieben Strategien kennt, stärkt den Teamgeist unter Kolleginnen – und die eigene Karriere.

Zickenkrieg im Job
© AndersonRise - fotolia.com
Zickenkrieg im Job

Bei den „Desperate Housewives“ heißt sie Edie, bei „Germany’s Next Topmodel“ Fiona, Giselle oder Tessa. Die Rede ist vonder typischen Zicke: nie da, wenn man Unterstützung braucht, immer da, wenn es um intrigantes Vorpreschen geht und darum, alle gegeneinander auszuspielen. Vielleicht liegt es an solchen Quotengaranten für die weibliche TV-Zielgruppe, dass sich immer noch ein hartnäckiges Vorurteil hält: In jedem Raum, in dem sich mehr als zwei Frauen aufhalten, bricht Zicken-Terror aus – besonders in der Arbeitswelt. Dass so ein Mythos im Kopf nicht gerade entspannt, ist klar: Statt sich als Kolleginnen gegenseitig zu unterstützen, pflegen wir unser Misstrauen.

Dabei könnten wir Konkurrenzkämpfen viel Positives abgewinnen – wenn wir richtig damit umgehen würden. Denn nicht nur unter Männern, auch unter Frauen gibt es Rivalität. Wer ist die Beste, die Klügste und, ja, leider oft auch: Wer ist die Schönste? Gerungen wird um Anerkennung.

Ein Fehler, den wir Frauen dabei oft begehen: Statt es sportlich zu sehen, begeben wir uns auf die emotionale Ebene. Wer das begreift, geht erste Schritte in Richtung Frieden. Denn ein entspanntes Verhältnis bringt nicht nur mehr Spaß, auch die Produktivität steigt, wie eine McKinsey- Studie zeigt. Dies gilt vor allem für Firmen mit hohem Frauenanteil – gerade in Führungspositionen. Und falls in Ihrer Firma doch noch ein paar unverbesserliche Zicken grasen: Vertreiben Sie sie freundlich, aber bestimmt von der Weide. Wär’ doch gelacht, wenn mit unserem kleinen Zicken-Knigge nicht bald Gelächter statt Gemecker ertönen würde!

Mehr über die Serie Desperate Housewives lesen Sie auf sixx.de

1. Mehr Kopf als Bauch

Die Chefsekretärin hat montags meist Kopfweh? Die Kollegin ist Yoga-Fan wie Sie? Schön, so was zu wissen! Zu viel Einfühlung bringt aber auch Risiken mit sich: Die gegebene Arbeitsteilung wird aufgeweicht – und wenn’s mal hart auf hart kommt, fällt es schwerer, sachliche Grenzen zu ziehen. Behalten Sie also stets den Platz im Auge, den die andere in der Hierarchie einnimmt. Sobald Sie persönliche Harmonie im Büro höher bewerten als Leistung, entsteht Zicken-Potenzial – warnt auch Monika Keuthen in ihrem Buch „Achtung Kollegin: Wie Frauen souverän mit Konkurrenz umgehen können".

2. Eitelkeit abschminken

Was genau zeichnet einen Teamplayer aus? Sogar der talentierteste Musiker ist ein niemand, wenn er sich nicht mit der Band abstimmt. Dazu gehört auch, sich selbst zurücknehmen zu können. Wie oft versuchen Sie, sich selbst ins rechte Licht zu rücken? Und wie oft gönnen Sie der Büronachbarin deren Glanz? Langfristig stärken Sie sich, wenn Sie auch andere stark machen – ambesten dann, wenn kein Chef daneben steht. Wahre Königinnen können großzügig sein!

3. Sprechen statt schmollen

Verständlich, dass der ewig stichelnde Unterton von Frau Müller Sie ärgert. Wenn Sie deren Verhalten aber als Herausforderung annehmen, können Sie sogar daran wachsen. Vielleicht sind Sie selbst konfliktscheu – und lernen durch den Fall Müller, Probleme anzusprechen. Sie können die Kollegin auch täglich fragen, wie es ihr geht – Freundlichkeit als Gegengift, denn: Das steckt an. „Es muss aber ehrlich sein“, sagt Ulrike Ley, Coach für Frauen in Führungspositionen. „Loben Sie gezielt die Stärken der Kollegin, die diese mit Sicherheit hat.“ Bleibt die positive Resonanz dennoch aus, können Sie die Mecker-Ziege getrost als notorischen Fall ablegen – und müssen das Genöle nicht mehr persönlich nehmen.

Zickenkrieg im Job
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Zickenkrieg im Job

4. Visier hoch und – voran!

Konkurrenz im Job kann wunderbar anspornen, das wissen wir alle. Das Dilemma: Bei vielen Frauen überwiegt die Angst vor Ablehnung, weil sie eigentlich kooperieren wollen. Also verzichten sie auf Auseinandersetzungen – und verlieren am Ende. Der Frust darüber bereitet den Nährboden für subtile Taktiken wie Mobbing. Probieren Sie es stattdessen mit bewusster, aber konstruktiver Konkurrenz: Wenn etwa die Rivalin eine tolle Präsentation geleistet hat, kehren Sie nicht mit Grummelgefühlen an Ihren Schreibtisch zurück, sondern sagen Sie offen: „Das war klasse! Ich beneide dich. Wie machst du das?“ Mit diesem Bekenntnis bekämpfen Sie eigene energieraubende Tendenzen zur Missgunst und zum Brüten. Gleichzeitig bauen Sie Vertrauen auf und nehmen der Kollegin den Wind aus den Segeln. Denn Sie signalisieren: „Angriffe unter der Gürtellinie kannst du dir sparen, ich bin nur an einem interessiert: einen guten Job zu machen.“

5. Aufs eigene Wohl achten

Klar, ohne Stress und Reibereien geht’s nicht. Nur fällt es uns oft schwer, uns davon nicht auffressen zu lassen. Sogar nach Feierabend grübeln viele weiter, wie sie die Dinge wieder ins Lot bringen können. Nicht selten liegt das an einem früh anerzogenen, übergroßen Verantwortungsgefühl: „Mädchen sind immer verlässlich und lieb.“ Schwierig wird es auch, wenn der Job zum alleinigen Lebensinhalt geworden ist. Das führt oft dazu, dass man alles ungefiltert an sich heranlässt und am Ende ohne Halt dasteht – angreifbar wie eine Sandburg. Ein stabiles Privatleben ermöglicht Abstand. Wenn Sie aber mittendrin stecken, während es in der Firma drunter und drüber geht, nutzen Sie zumindest die Mittagspause, um sich zu sammeln und Kraft zu schöpfen. Sparen Sie sich unbedingt den üblichen Kantinen-Gossip, gehen Sie stattdessen eine Stunde joggen im Park, oder genießen Sie einen kleinen Lunch in einem netten Café. „Wenn Sie ausgeglichen sind, reagieren Sie nicht so extrem auf Konfliktsituationen, sondern gehen lockerer an die Lösung“, so Ulrike Ley.

6. Vom Fußball lernen

Für Männer bedeutet Konkurrenz von klein auf eine nützliche Methode, umherauszufinden, wo der andere gerade steht und wo sie selbst sich befinden. Sie wissen: Das Ranking kann sich schnell ändern – wer heute siegt, gilt morgen als Verlierer. Männer gehen tendenziell spielerischer an entsprechende Situationen heran. Im Meeting rasseln sie eindrucksvoll mit den Säbeln – und gehen hinterher doch gemeinsam ein Bier trinken. Vermutlich beziehen sie ihre Weisheiten direkt aus dem Fußball. Instinktiv scheinen Männer davon auszugehen, dass das Leben einem ständig neue Bälle zuspielt. Und tatsächlich: Meist geht es auch im Beruf darum, im jeweiligen Augenblick den am besten geeigneten Team-Kollegen anzuspielen. Beim nächsten Projekt kann schon wieder ein anderer über die richtige Position auf dem Platz – heißt: Qualifikation – verfügen. Merken Sie sich: Am Ende zählen nur die Tore!

7. Vernetzen Sie sich

Vielleicht werden Sie eines Tages selbst Chefin oder machen sich selbstständig. Sehen Sie jede kompetente Kollegin als potenzielle Verbündete, als Ressource, die Sie nutzen können. Kurz: Flechten Sie kein fieses Spinnennetz – sondern knüpfen Sie ein stabiles Netzwerk. „Keine kann es allein schaffen, und das muss sie auch gar nicht. Jede erfolgreiche Frau hat gute Ratgeberinnen“,weiß Ulrike Ley und nennt Bundeskanzlerin Angela Merkel – zu deren engstem Kreis zählen die Bildungs- und Familienministerinnen Annette Schavan und Ursula von der Leyen.

KEINE ZICKEN!

3 starke Bücher für ein besseres Büro-Klima:

  • Spiele mit der Macht. Wie Frauen sich durchsetzen von Marion Knaths (2007, Hoffmann und Campe, 127 S., 12,95 €). Von „Pokerface” bis „Puppenspiel”: In 31 kurzweiligen Kapiteln nimmt die Chefin der Unternehmensberatung „She Boss” weibliche Job-Fallen unter die Lupe – und erklärt, wie wir es besser machen können. Ein Bestseller in angenehm unaufgeregtem Ton.
  • Achtung Kollegin: Wie Frauen souverän mit Konkurrenz umgehen können von Monika Keuthen (2004, Kösel, 140 S., antiquarisch um 4 €). Sich in der eigenen Haut wohl fühlen ist das beste Gegengift gegen Mobbing: So lautet die Kernthese dieses Ratgeber-Klassikers in vier Kapiteln.
  • Karrierestrategien für freche Frauen von Ulrike Ley und Regina Michalik (2005, Redline Wirtschaft, 246 S., 17,90 €). Was Chefinnen tun können, um die Stimmung im Büro zu verbessern – und von anderen Frauen als Boss anerkannt zu werden.
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