6. August 2010
Wahre Freundschaft

Wahre Freundschaft

Alle für eine und eine für alle! In Sex and the City 2 werden wir wieder vier Frauen bewundern, die nichts trennen kann. Das wollen wir auch! Aber wie sieht Freundschaft im echten Leben aus?

Sex and the City
© Warner Bros Entertainment Inc.
Sex and the City

Diese vier kann nichts auseinanderbringen – oder? Samantha, der Vamp, die Zynikerin Miranda, Charlotte, die Streberin – und die mädchenhafte Carrie. Wie unterschiedlich sie doch sind, wie anders ihr jeweiliges Leben, die letzte Nacht und der Inhalt der Einkaufstüte, die sie gleich auf die Straße hinaustragen werden. Männer kommen und gehen, das Schicksal schlägt zu – manchmal hart. Aber diese vier Frauen halten zusammen wie eine Eins.

Haben wir uns Freundschaft nicht immer genau so vorgestellt? Eine Clique, die durch dick und dünn geht? Gut, vier müssen es ja nicht unbedingt sein, aber die eine beste Freundin, die sollte es geben. Mit ihr wollten wir genau so in der Umkleidekabine posieren. So einig, so unbeirrt – und so stark gegen den Rest der Welt. Aber irgendwie kam es immer ein bisschen anders, als es im Fernsehen aussah. Plötzlich stellte man fest, dass sich nicht alles teilen lässt, und manchmal musste man lernen, dass ein kurzes Wort eine lange Freundschaft beenden kann. Aber das nennt man wohl Leben.

Wie war das eigentlich mit der ersten besten Freundin? Damals in der Teenager-Ära, in der wir mit Leib, Herz und Seele glaubten „sie und ich forever“, da teilten wir tatsächlich alles mit ihr: das Entsetzen über die ersten Pickel, die „Bravo“, die Meinung über die doofen Eltern. Man schwänzte Sportstunden zusammen, kicherte im Kanon, wurde sich sogar immer ähnlicher: T-Shirts wurden ausgeliehen, neue Platten und neue Worte, man teilte eine Welt, eine Ansicht, eine Sprache. Und wir klammerten uns an den Gedanken: „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt …“ Stimmte ja auch – und im tiefsten Inneren glauben wir das übrigens noch immer. Bei einer Untersuchung des BAT-Freizeit-Forschungsinstituts wurde gefragt, was das Wichtigste im Leben sei. Und was haben 95 Prozent geantwortet? Freunde.

Und die verliert man nicht, oder? Doch, man verliert sie. Irgendwann kam das Schulende, der Umzug in eine andere Stadt, oder sie verknallte sich in einen furchtbaren Typen und mutierte zu einem fremden Menschen, den man nicht mehr kennen wollte. Plötzlich schlich sich die Freundschaft davon, still und leise. Obwohl man sich gerade eben noch geschworen hatte, auf ewig zusammenzubleiben. Aber dann kam das Fade-out, wie bei einem Lied, das für immer spielen sollte und unauffällig ausgeblendet wird. Stimmte das vielleicht doch nicht mit der besten Freundin? War das genauso ein Blödsinn wie die Nummer mit der großen Liebe und dem Kerl, der irgendwann auf dem weißen Pferd vorbeigehoppelt kommen sollte?

Manchmal schleicht sich die Freundschaft einfach leise davon

Spätestens mit 20 hatte jede von uns begriffen, dass unser Leben kein Ponyhof ist und dass die einzig wahre Freundschaft sich wie eine Packung Sahnequark benehmen kann: Eben war sie noch frisch, aber auf einmal ist das Haltbarkeitsdatum abgelaufen und der Geschmack schal und sauer. Schnell weg damit, was für eine Enttäuschung.

Manchmal schlichen wir uns aber auch davon. Zum Beispiel, wenn eine Freundin ein Kind bekam. Ja, eigentlich sollte Freundschaft alles aushalten. Aber wie hält man es bitte aus, wenn die andere nur vormittags zwischen neun und zwölf Uhr Zeit hat, weil die Kleinen im Kindergarten sind – während man selbst am Schreibtisch sitzt? Und wie hält man es aus, dass jedes Telefonat mit ihr sich so entwickelt, dass zwei Sätze dem schreienden Zwerg gelten und ein Satz uns? Sie sprach auf einmal eine andere Sprache, sagte „Nunu“ zu einem Schnuller, hatte ständig getrocknete Flecken auf dem Pulli, und ihre Haare sahen aus wie ein Tiefseegewächs. Und sie starrte uns an wie ein seltsames Wesen von einem anderen Stern. Waren wir ja auch! Das Wesen vom Planeten „40-Stunden- Woche“ saß vor einem Alien vom Planeten „Nunu“.

Von einer Freundschaft erwartet man noch mehr als von der Liebe

Manchmal reichte ein Wort, um beide Planeten wieder in die gleiche Umlaufbahn zu katapultieren. Plötzlich fingen beide an zu kichern, alles war egal. Tiefseehaare, Sabber-Flecken, alles verschwand hinter dem Gefühl, dass sich da zwei Menschen ohne Worte verstehen. Mit einem Mal wussten beide wieder, dass die Werte stimmen und dass sich der gemeinsame Humor nicht geändert hat – und man noch immer ganz genau in seinem Herz fühlt, wie die andere tickt. Es sind nicht immer die großen Veränderungen im Leben, die an einer Freundschaft zerren. Es konnte auch passieren, dass ein mieses kleines gelbes Gefühl namens „Neid“ in das Gute sickerte und alles vergiftete. Die eine hatte den besseren Job, sie machte plötzlich Karriere und trug teure Schuhe, die ihr gar nicht standen. Man konnte sich nicht mehr so einfach treffen, man musste „Termine“ mit ihr machen – total albern. Sie jettete durch die Welt und sagte Sätze wie „Das ist nicht business-like“ oder „Das muss man changen“. Obwohl man sich doch alles sagen können sollte, war es so viel einfacher, hinter ihrem Rücken zu lästern.

Ohne einen Partner kann man leben – aber niemals ohne Freunde

Sollte eine Freundschaft das nicht alles ertragen können? Schwierig. Wir erwarten so viel von dieser tiefen Verbindung, mehr noch als von einer Liebe: Einerseits soll Freundschaft ein ewiger Anker sein, stetig, statisch, verlässlich. Aber andererseits soll sie jede Wendung mitmachen, jedes Kindergeschrei, jeden Karrieresprung und jede neue Idee zur Selbstverwirklichung, die uns gerade einfällt. Wir werden Mutter, Chefin, wir werden gekündigt, wir färben uns die Haare blond und lachen uns einen Liebhaber an. Was auch immer kommt, die Freundschaft soll es mittragen und abfedern – wie ein Gummiband aus Stahl. Ist es nicht viel einfacher, sich jeweils zur neuen Situation eine neue Gefährtin zu suchen – eine Lebensabschnittsfreundin? Nach einer Studie der Universität Utrecht wechseln wir alle sieben Jahre die Hälfte unseres Freundeskreises aus. Das passiert zum Beispiel dann, wenn wir uns neu liieren: Mit einem neuen Mann rücken seine Kumpels samt Anhang an, man gruppiert sich zu Pärchen, trifft sich zu viert oder zu sechst, beim Italiener abends sitzt man nur noch mit einer geraden Gästezahl. Hatte man nicht eben noch Single- Freunde? Ach, die wurden ausrangiert – oder sie konnten nicht mehr auf das traute Pärchen-Paradies und blieben von alleine weg. Trennt man sich dann wieder, sortieren sich auch die Freundschaften erneut um. Unvermutet schießen neue Bekanntschaften wie Pilze aus dem Boden oder alte Seilschaften werden aktiviert. In diesen Phasen beweist sich, dass man zwar ohne Partnerschaften leben kann – aber niemals ohne Freunde.

Allerdings haben wir nicht mehr die eine beste Freundin von einst, den Solitär, der alles leisten muss. Die Sandkastenfreundin, nun, sie kann existieren – aber sie muss es nicht. Stattdessen haben wir viele beste Freundinnen, und jede hat eine andere Funktion. Die eine rufen wir an, um mit ihr ins Kino zu gehen. Mit der anderen gehen wir joggen. Oder würden’s gern, allerdings landet man immer in der Kneipe mit ihr, was auch nicht schlimm ist. Schließlich kann man mit niemandem so gut über männliche Genitalien und schlechte Frisuren (um die Genitalien herum) reden. Und mit der dritten sprechen wir fast ausschließlich über den Job, weil sie mal mit uns zusammengearbeitet hat – und sich von einer Kollegin in eine Kollegin plus und schließlich in eine treue Freundin verwandelte.

Unsere Freunde haben wir selbst erwählt. Das macht sie kostbar

Fast ist es mit den Freundinnen aus allen Bereichen unseres Lebens ein bisschen wie „Familie“, nur mit weniger Verpflichtungen. Und mit dem Unterschied, dass wir sie uns selbst aussuchen können. Natürlich ist Blut dicker als Wasser, die Familie ist unkündbar. Aber: „Ein loyaler Freund ist so viel wert wie zehntausend Verwandte“ fand schon der griechische Dramatiker Euripides. Allerdings! Wenn nämlich die Joggingfreundin anruft und schon nach dem ersten Satz heraushört, dass wir dringend in die nächste Bar joggen müssen, weil wir eines dieser heiklen Frisurenprobleme besprechen müssen: Dann zeigt sich, wie kostbar eine Wahlverwandtschaft ist. Kostbarkeiten zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie alles aushalten. Manchmal sind die zerbrechlichen Dinge viel wertvoller. Dann sitzt man da in Laufschuhen in der Bar, kichert ausgelassen wie ein Teenie – und das Leben ist besser als jede Fernsehserie.

DAS SAG MAL BESSER NICHT!

Ehrlichkeit ist das sichere Fundament jeder Freundschaft. Dennoch gibt es einfach Sätze, die niemand hören will und keiner sagen sollte…

  • "Wo hast du das neue tolle Kleid her? Das muss ich mir unbedingt auch kaufen. Macht dir doch nichts aus … oder?"
  • "Es gibt Freunde zum Diskutieren und Freunde, mit denen man einfach nur einen trinken kann – so wie mit dir."
  • "Ist das denn jetztwirklich so schlimm, dass ich das weitererzählt habe?"
  • "Pscht, nicht so laut! Deine Lache ist manchmal echt ganz schön peinlich."
  • "Du könntest dich auch öfter bei mir melden…"
  • "Ups, hab mal wiedermein Geld vergessen. Aber du verdienst ja eh besser als ich…"
  • "Ich hab übrigens das Geschenk von dir umgetauscht. Das war ja wirklich überhaupt nicht mein Geschmack."
  • "Also, ich hätte das ja ganz anders gemacht. Aber du musst es ja wissen…"
  • "Oh, das ist also dein neuer Freund? Mein Typ wäre das ja so gar nicht! Aber zu dir passt er super."
  • "Ach, bei dir läuft doch eh immer alles nach Plan."

Noch mehr Freundschaftsbeichten finden Sie hier!

DU BIST WIE ICH, NUR ANDERS …

Wir sprachen mit Buchautorin Stefanie Dracker über den Wunsch nach wahrer Freundschaft

Ist die Freundin fürs Leben Wunschtraum oder Realität? Sie ist genauso eine Illusion wie der Traummann. In Wirklichkeit haben nur sechs Prozent aller erwachsenen Frauen noch ihre Freundin aus Kindertagen. Die meisten entwickeln sich im Laufe der Jahre einfach in zu unterschiedliche Richtungen. Das macht ewige Freundschaft zur reinen Glückssache.

Warum fallen uns Freundschaften manchmal so schwer? Viele Frauen glauben, eine Freundin müsste eine Art Spiegel sein, eine unversiegbare Quelle der Solidarität. Dabei zeichnet lange Freundschaften vor allem die Tatsache aus, dass man den anderen mit all seinen Eigenarten akzeptiert. Auch wenn man mit manchen vielleicht nichts anfangen kann.

Wie wichtig ist Ehrlichkeit? Das kommt ganz auf den Reifegrad einer Freundschaft an. Wenn man sich noch im Annäherungsprozess befindet, sollte man nicht jedes Problem zur Sprache bringen. Doch je länger Freundschaften dauern, desto wichtiger wird es, auch offen miteinander umzugehen. Eine Freundin soll mich ja genau da unterstützen, wo ich schwach bin. Das bedeutet eben auch, die Wahrheit zu sagen, selbst wenn die andere sie nicht hören will.

Buchtipp

Sie wollen noch mehr über Freundschaft wissen? Dann lohnt sich ein Blick in das Freundinnen-Buch von Stefanie Dracker und Barbara Werner. "Du bist wie ich, nur anders", Goldmann, 7,95 Euro

SEX AND THE CITY: 6 REGELN IHRER FREUNDSCHAFT

1 Ein Tag für alle! Ohne ihren monatlichen Jour fixe wären aus den Freundinnen Samantha, Carrie, Charlotte und Miranda vielleicht nur flüchtige Bekannte geworden.

2 Männer kommen und gehen,Freundinnen bleiben! Schließlich ist selbst die Schulter von Mr. Big nicht so stark, dass sie Tränen, Glück und das richtige Paar Schuhe auf einmal tragen kann.

3 Es gibt keine Geheimnisse! So braucht man sich nämlich für nichts zu schämen und verpasst auch nicht die besten Geschichten. Na, und näher kommt man sich dabei auch. Aber das ist ja klar…

4 Nimm dich nicht wichtiger als deine Freundin! Bei allem Spaß an Oberflächlichkeiten wissen die vier New Yorkerinnen immer, wann es an der Zeit ist, still zu sein und der anderen zuzuhören.

5 Es gibt keine Freundschaft ohne Enttäuschungen! Je länger man befreundet ist, desto mehr kann man falsch machen. Da lohnt es sich einfach nicht, lange nachtragend zu sein.

6 Freundschaft braucht Raum! Und genau deshalb haben Carrie, Samantha und Co. geschafft, was sich viele Freundinnen wünschen: Sie sind aneinander und miteinander gewachsen.

FILM: SEX AND THE CITY 2
Carrie & Co. besuchen Abu Dhabi – und dort ist nicht nur der Sand heiß

Selbst wir in der Redaktion durften den Film nicht vorab sehen – leider! Wir sind also genauso gespannt, was passieren wird … Hier die einzigen Fakten: Carrie (Sarah Jessica Parker) erwartet ein Baby, Miranda (Cynthia Nixon) will ein Restaurant eröffnen, zwischen Charlotte (Kristin Davis) und Harry kriselt’s und Samantha (Kim Cattrall) kämpft mit den Wechseljahren. Da flüchtet das Quartett für eine Woche nach Abu Dhabi. Genug Stoff also für zwei sexy Kinostunden.

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