5. November 2011
Ein Besuch bei Deuterin Hildegard Matheika

Ein Besuch bei Deuterin Hildegard Matheika

Es sind jahrtausendealte Palmblätter, und sie scheinen alles zu wissen über die Menschen, die Rat bei ihnen suchen. PETRA-Autorin Caroline DeClair erlebte ein kleines Wahrsage-Wunder.

© Jalag Syndication

Bei meinem Job glaubt man eigentlich nicht an je den esoterischen Hype. Ich bin Astrologin. Da glaubt man an die Sterne. Und ich bin studierte Psychologin, da glaubt man, dass man die Dinge im Leben selbst in der Hand hat. Gehört hatte ich von den indischen Palmblattbibliotheken, in denen der Lebensweg jedes einzelnen Menschen niedergeschrieben sein soll, schon einiges. Das bringt meine Arbeit als Autorin so mit sich. Und natürlich war ich neugierig, als ich erfuhr, dass es eine der uralten Bibliotheken (diese stammte aus den Jahren 1548 und 1673) nach Europa geschafft hat, denn eigentlich gibt es sie nur in Indien. Im Rahmen einer Messe würde die Frau, in deren Besitz die Palmblätter nun also sind, bald in meiner Nähe sein. Da konnte ich die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Ich überzeugte meine Freundin Sophie, und wir wagten gemeinsam den Blick in die Zukunft. Auf der Fahrt waren wir beide ziemlich nervös. Und klar fragten wir uns: Wollen wir überhaupt alles über die Zukunft erfahren? Hm! Letztlich besiegte die Neugier den Knoten im Bauch. Ein freundlicher Herr nahm uns in Empfang und brachte uns zu Hildegard Matheika, der Frau, die die Fähigkeit haben sollte, in den sagenhaften Palmblättern zu lesen. „Sympathisch“ war mein erster Gedanke. Bodenständig und keineswegs wie eine abgedrehte „Guru-Frau“ – das fand ich schon mal vertrauenserweckend. Sie wollte weder meinen Namen noch mein Geburtsdatum wissen und fragte mich nichts. Stattdessen strich sie mit einem goldenen Stab, einem sogenannten Bio-Tensor, über unzählige in Seide gehüllte Rollen. Irgendwann schlug das Stäbchen aus. Und witzigerweise zuckte ich genau in dem Moment zusammen…

Vorsichtig öffnete die Deuterin die Rolle – in der sich weitere schmale und uralt aussehende Blätter befanden. Wieder kam der Stab ins Spiel, und seine Wahl fiel auf eines der Blätter. Darauf standen seltsame Schriftzeichen. Ich wurde noch ein bisschen nervöser. Die Deuterin hingegen strahlte eine heitere Ruhe aus und begann: „Ich werde nun einige biografische Angaben zu Ihrer Person machen, um sicherzugehen, das richtige Blatt zu haben.“ „Na“, dachte ich bei mir: „das werden jetzt irgendwelche Allgemeinplätze.“ Von wegen! Sie gab Details aus meiner Kindheit und Jugend an, die kaum jemand kennt – und sicher auch kaum jemanden interessieren dürften – außer mich. „Das erste Mal verliebt haben Sie sich mit 14 auf einer Ferienreise mit Ihren Eltern in einen 17-jährigen Chorsänger. Über Händchenhalten ging das nicht hinaus, aber vergessen haben Sie den Jungen lange nicht. Um ihm nach den Ferien zu schreiben oder ihn an zurufen, dafür waren Sie allerdings zu zurückhaltend. Eine Tendenz, die Sie auch später beibehalten haben.“ Fassungslos starrte ich sie an. Das alles sollte da so auf „meinem“ Blatt stehen?

Dann ging sie auf meine Persönlichkeit und mein Leben ein, erklärte mir, was die Ursache für meine Allergie sei und was ich dagegen tun könne. Und sie sprach über meine Ehe: „Sie haben keine Kinder und wollen auch keine.“ Stimmt, schon wieder ein Volltreffer. „Der Grund dafür liegt in einem vergangenen Leben und zwar…“ Sprachlos hörte ich ihr zu. Hatte diese Frau mein ganzes Leben lang in meiner Westentasche gesessen?

Klar kannte sie auch meinen Job: „Sie arbeiten unter anderem als Autorin und schreiben gerade ihr viertes Buch.“ „Aha“, dachte ich mir, „endlich ein Fehler!“ – und korrigierte sie. „Nein, ich schreibe erst an meinem dritten.“ Hildegard Matheika starrte auf das Blatt. „Das kann nicht sein. Es muss ihr viertes sein.“ Ich wollte noch mal protestieren, da fiel mir ein, dass ich einen Jugendroman vergessen hatte. Meine Gedanken fuhren langsam Achterbahn – hatte sie mich doch vorher gegoogelt? Das konnte doch alles nicht sein…

Hildegard Matheika schien einfach alles zu wissen. Sie landete einen Treffer nach dem anderen – auch was mein aktuelles Buchprojekt betraf: „Gerade arbeiten Sie an einer dreiteiligen Reihe von Ratgebern, die Frauen weiterhelfen werden. Der erste ist fast fertig.“ Richtig! Das konnte sie nicht gegoogelt haben, hatte ich mein Projekt ja nicht mal guten Freunden verraten. Noch immer skeptisch beobachtete ich die Deuterin ganz genau – vielleicht versuchte sie ja irgendetwas aus meiner Körpersprache zu lesen? Nein, sie war ganz bei sich, wirkte eher, als ob sie sich in einer leichten Trance befinde. „Ende August werden Sie einen Vertrag unterschreiben, und der erste Band wird im März 2012 erscheinen“, sprach sie weiter. „Danach werden Sie noch weitere Bücher schreiben, und Buch Nummer sieben wird ein Roman sein und ein großer Erfolg.“ Gut, das hört man natürlich gern – und doch war es unheimlich, denn ein Konzept für einen Roman habe ich tatsächlich auch schon in der Schublade…

Nun denn, über die ferne Zukunft lässt sich vieles sagen und nicht beweisen. Aber: Wir waren bereits im Frühling bei Hildegard Matheika, und ein paar ihrer Voraussagen haben sich schon bewahrheitet: Ende August unterschrieb ich tatsächlich den Vertrag für meine Ratgeber. Der erste Band, das steht jetzt fest, wird im März 2012 erscheinen. Bleibt zu hoffen, dass auch all die anderen Prognosen eintreten, denn sie sagte mir ein sehr langes, glückliches Leben mit einem friedlichen Ende voraus. Und auch, dass ich nie allein sein würde. Wer wünscht sich das nicht?!

Meine Freundin Sophie fühlte sich ähnlich erkannt. „Als Erstes hat mich die Frau auf mein Problem mit dem Meer angesprochen“, erzählte sie mir hinterher. Wieder war ich verblüfft. Sophie hat tatsächlich, seit sie ein kleines Kind ist, eine Meeres-Phobie.Obwohl sie sich davon angezogen fühlt, traut sie sich nie ins Wasser. Und kriegt dazu noch die Krise, wenn andere hinausschwimmen. Den Grund dafür kannte sie nicht – bis jetzt: „Die Deuterin sagte, dass ich in einem früheren Leben ein Fischer in Skandinavien gewesen wäre und bei einer Fahrt auf dem Meer in einen Sturm gekommen und ertrunken wäre und dass daher meine panische Angst komme.“ Eine heftige Aussage für uns Menschen aus der westlichen Hemisphäre, die wir nicht mit dem Thema Wiedergeburt aufgewachsen sind. Dort, wo die Palmenblätter herkommen, im hinduistischen Indien, ist der Glaube an die Reinkarnation fest verwurzelt. Ob wir ein-, zwei- oder hundertmal wiedergeboren werden? Wir westlichen Geister gehen da erst mal nicht von aus. Fakt ist: Sophie hatte sich bislang auch nicht mit vorherigen Leben beschäftigt – und dennoch ist sie seit dieser Erklärung ihre Phobie los!

Als sie im Juni Freunde auf Mallorca besuchte, schwamm sie das erste Mal ins Mittelmeer hinaus. Wie unglaublich happy sie darüber war, kann sie gar nicht in Worte fassen. Schon dafür hat sich für sie die Lesung aus dem Palmblatt gelohnt. Aber es ging noch weiter… Auch sie bekam Antworten auf ihre Beziehungsfragen: „Die Deuterin hat jeden Mann, der bisher in meinem Leben eine Rolle spielte, erkannt – sogar Leon und Tim.“

An die beiden konnte ich mich noch gut erinnern. Der Erste hat meiner Freundin mit seiner über Jahre sich dahinschleppenden Bindungsunfähigkeit fast das Herz gebrochen, der andere kostete Sophies Freunde und mich jede Menge Nerven. Wegen ihm hatten wir viele telefonische Krisensitzungen, rätselten monatelang, um herauszufinden, wo sein Problem lag. Hildegard Matheika fasste es in zwei Sätzen zusammen: „Dieser Mann ist ein notorischer Lügner. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, doch davon hat er Ihnen nichts gesagt.“

Unglaublich. Die Palmblätter wurden doch vor Jahrtausenden verfasst. Wir saßen mit unserem westlichen Verstand da und staunten. Doch Sophie hielt sich nicht lange mit ihrer Vergangenheit auf: „Die Deuterin sagte auch, dass ich innerhalb der nächsten zwei Jahre meinen neuen Lebenspartner kennenlernen werde und dass es mir gelingt, mit ihm zusammen meinen Kinderwunsch und meine Karriere zu vereinbaren.“ Ob es stimmt oder nicht – seitdem jedenfalls schaut meine 37-jährige attraktive Singlefreundin immer viel glücklicher und entspannter aus – und lernt auf einmal jede Menge netter „Kandidaten“ kennen – der Druck ist eben weg. Und das ist wie Seelen-Wellness – nicht zuletzt auch für ihre Freundinnen. Was immer diese Palmblattlesung ist – offensichtlich gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich nicht so einfach erklären lassen. Uns hat sie gutgetan. Warum, da frage ich weder die Psychologin noch die Astrologin in mir. Meine Seele kennt die Antwort…

Die Deuterin

Hildegard Matheika ist ungarischer Abstammung und war Novizin in einem katholischen Kloster. Die Palmblattbibliotheken stammen ursprünglich von einem indischen Nadir-Reader, einem offiziellen, autorisierten Palmblattdeuter, der keinen Nachfolger für seine Bibliothek hatte. Die Fähigkeit, die Blätter zu lesen, erlernte sie in Bali von einem Professor für Alt-Tamil, eine alte Sprache der Inder. Dort erhielt sie auch die Deeksha, eine spirituelle Einweihung durch einen hohen Hindupriester.

Eine Palmblattlesung in ihrer Praxis in Mönchengladbach oder auf einer Messe kostet 150 Euro und ist zeitlich nicht begrenzt. Vorabinformationen benötigt und will sie dafür nicht. Mehr Info: www.matheika.de.

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