8. November 2018
Viagra – Alles rund ums Thema blaue Pille

Viagra – Alles rund ums Thema blaue Pille

Flaute in der Hose? Das Zauberwort heißt "Viagra". Die kleine blaue Pille hilft Männern mit Erektionsproblemen schon seit rund 15 Jahren. Aber auch Frauen ist das Medikament von Nutzen. Wir erklären euch, wie die Pille beim Mann wirkt, welche Nebenwirkungen beachtet werden sollten.

Ein Paar beim Sex. Doch was, wenn es zu Kavaliersschmerzen kommt?
© MilosStankovic/iStock
Ein Paar beim Sex. Doch was, wenn es zu Kavaliersschmerzen kommt?

Heiße Küsse. Das letzte Kleidungsstück fällt zu Boden. Lustvoll wirft sich das Paar auf das Bett. Frau greift zum Nachttisch und fummelt ein Kondom aus der Schublade. Leidenschaftlich umfasst sie mit geschlossenen Augen den Penis Ihres Partners. Doch – huch! – das, was sie da spürt ist nicht das harte Glied von vor ein paar Minuten. Nicht der steife Penis, der ihre Libido zum Jubeln gebracht hat. Tote Hose! Wohl fast jedes Paar hat schon einmal eine Panne im Bett erlebt. Doch bei einigen Männern ist eine solche Flaute nichts Neues.

Erektile Dysfunktion oder auch Impotenz: Währen bei Frauen meist Lustlosigkeit der Auslöser für sexuelle Probleme sind, liegt es bei Männern meist an Potenzproblemen. Wenn es gleichzeitig zu nächtlichen Erektionen kommt, kann man auf eine psychische Ursache schließen. Doch meistens sind organische Leiden an der fehlenden Standhaftigkeit schuld. Was kann helfen? Zuerst sollten Sie als Paar ein offenes Gespräch führen. Sie sollten die Probleme nicht verschweigen. Formulieren Sie Ihre eigenen Gefühle, Wünsche oder Ängste. Schaffen Sie dazu eine gute vertrauliche und liebevolle Atmosphäre. Im ersten Schritt können Sie auch andere Spielarten des Sex dazu nutzen, die Erektion Ihres Mannes herauszufordern. Doch wenn all das nichts hilft, gibt es ja noch die eine andere (blaue) Lösung!

Viagra. Die blaue Zauber-Pille für Männer, die den kleinen Freund in der Hose wieder groß und stark werden lässt. Erst kürzlich feierte das rezeptpflichtige Medikament 15-jähriges Jubiläum. Wir erklären euch, wie Viagra genau wirkt, was die Nebenwirkungen sind und wie auch Frauen davon profitieren können – außerhalb des wieder funktionierenden Sex-Lebens.

Ursprünglich gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eigentlich wollten die Forscher des amerikanischen Pharma-Konzerns Pfizer ein Medikament gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln. Bei den Tests erfuhren die Forscher und Probanten allerdings einen (wortwörtlich!) harten Rückschlag: Das Medikament führte durchaus zu einer besseren Durchblutung – jedoch vor allem im Penis des Mannes. Damit hatte man nicht gerechnet. Ein Medikament, das Männers bei Potenzproblemen (erektile Dysfunktion) hilft? Volltreffer.

Der Potenzmittel-Markt boomt

Seit Anfang 1998 können sich Männer international an dem blauen Medikament erfreuen. Und – oh, ja – das tun sie: Zwar gibt es kaum ein Mann zu, aber die Verkaufszahlen legen die Wahrheit offen. Allein im Jahr 2012 machte der US-Konzern Pfizer einen weltweiten Umsatz von rund 1,9 Milliarden Schweizer Franken (das sind knapp 1,5 Milliarden Euro). Mehr als 30 Millionen Menschen weltweit nutzen die kleinen blauen Lust-Pillen, um in der Hose wieder Party-Stimmung aufkommen zu lassen. Das Medikament ist verschreibungspflichtig. Ein Besuch beim Arzt ist damit unerlässlich. Erst dann gibt es das Rezept!

Wenn dein Partner Viagra schluckt, führt das zu einem erigiertem Glied – nicht aber zu mehr Lust. Es handelt sich also um eine rein körperliche (nicht psychische) Wirkungsweise. Es wird Männern geholfen, die unter einer erektilen Dysfunktion leiden. Der in Viagra enthaltene Wirkstoff heißt Sildenafil. Er ist der Schlüssel zu mehr Potenz. Sildenafil blockiert ein Enzym, das den Blutfluss im Schwellkörper des Penis steuert. Dadurch erschlafft die Muskulatur im Glied, sodass sich die Arterien erweitern und Blut in den Penis strömen kann. Et violà: die Erektion ist im Anmarsch. Diese äüßert sich allerdings nur bei sexueller Erregung. Dauer-Latte? Nix da. Viagra ist wie gesagt kein Medikament zum Scharfmachen. Die Wirkung des blauen Wunders hält rund vier bis sechs Stunden an.

Nebenwirkungen

Bei gesunden Männern ist Viagra nicht gefährlich. Allerdings sollte Viagra stets nach Vorschrift eingenommen werden. Nebenwirkungen bleiben leider nicht aus. Und die können ziemlich unangenehm sein: Kopfschmerzen, Sehstörungen oder eine verstopfte Nase können Begleiterscheinungen des potenzsteigernden Medikamentes sein. Selten kommt es auch zur Dauererektion – was sich für die Männer besser anhört als es wirklich ist. Was bei einer Dauererektion tun? Sofort zum Arzt gehen! So vermeidet der Mann dauerhafte Beeinträchtigungen. Zudem zeigte eine US-amerikanische Studie, dass die dauerhafte Einnahme von Viagra dem Gehör schaden kann. Also, die goldene Regel ist folgende: Keine Überdosierung!

Viagra-Verbot für Männer mit…

Männer mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder niedrigem Blutdruck sollten auf die Einnahme von Viagra verzichten. Der Wirkstoff Sildenafil beeinflusst den Blutfluss und somit auch das Herz-Kreislauf-System. Auch Männer mit Leberfunktionsstörungen und Erkrankungen der Netzhaut sollten auf Viagra verzichten.

Viagra kann auch anders! Das Medikament hilft nicht nur Männern bei Erektionsproblemen – nein, es ist auch gut für Blumen, Gemüse, Hirn und: für Frauen.

Blumen & Gemüse

Nicht nur Männer können mit Viagra länger stehen. Auch Blumen! Schnittblumen halten sich mit Viagra länger frisch. Und auch Gemüse bleibt länger knackig. Das bewiesen israelische Wissenschaftler. Ein halbes Milligramm des Medikamentes Viagra hält eine Vase mit Schnittblumen rund eine Woche länger frisch. Menschen und Pflanzen sind sich wohl doch ziemlich ähnlich!

Schwangerschaft und Viagra

Nachdem der US-Arzt Geoffrey Sher (Las Vegas) Experimente an Mäusen durchgeführt hatte, kam er zu folgendem Schluss: Viagra hilft auch Frauen, die Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden. Drei von vier unfruchtbaren Damen wurden tatsächlich schwanger! Zudem hilft das Potenzmittel Viagra auch schwangeren Frauen, deren Gebärmutter verengt ist. Durch die Behandlung mit dem Medikament wird das Wachstum des Fötus gebremst und das Risiko einer Frühgeburt steigt.

Ärzte benutzen Viagra darüber hinaus bei Schwangeren, deren Gebärmutter verengt ist. Durch die Verengung wird das Wachstum des Fötus gebremst und das Risiko einer Frühgeburt erhöht. Mit der Einnahme von Viagra werden Gebärmutter und Plazenta besser durchblutet. Das hat zur Folge, dass der Fötus besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Das beschert den Ungeborenen ein paar Tage mehr im Mutterleib.

Macht fit im Kopf

Fitness in der Hose, Fitness im Hirn? Verschiedene US-Studien belegen, dass Viagra auch das Gedächtnis stärken kann. Wie die Wirkung genau zustande kommt ist noch unklar. Amerikanische Forscher aus Alabama verfolgen die These, dass der Botenstoff cGMP (erweitert beim Mann die Gefäße) den Blutfluss erhöht und mehr Glukose ins Hirn leitet. Schöner Nebeneffekt!

Für die Steigerung der weiblichen Lust ist Viagra weniger geeignet. Nur bei Frauen, die Antidepressiva einnehmen, hat der Wirkstoff Sildenafil Orgasmusprobleme beseitigt. Davon mal abgesehen: Gibt es eine Lust-Pille für die Frau? Ja, die gibt es. Sogar nicht nur eine Pille. "Lovegra" oder "Sexsi" fördern die Durchblutung der weiblichen Genitalien. So verhelfen die Pillen den Patienten zu mehr Begierde, besseren Höhepunkten und problemlosen Feuchtwerden.

Und dann ist da noch das Medikament "Lybrido", das sich noch in der Testphase befindet. Es setzt nicht im Unterleib an – sondern im Kopf der Frauen: Lybrido ist darauf ausgerichtet, den libidosenkenden Stoff Serotonin zu unterdrücken und das luststeigernde Hormon Dopamin zu fördern. Testosteron sorgt zudem für eine verstärkte Durchblutung im Genitalbereich und einen erregenden Hormon-Mix im Gehirn. Der holländische Biochemiker Adriaan Tuilten hat's erfunden. In nächster Zeit will die US-Gesundheitsbehörde FDA entscheiden, ob und wann Lybrido zugelassen wird. In Holland wurde die Pille bereits als sicher und wirksam eingestuft. Mal sehen, vielleicht können sich die deutschen Frauen in rund drei Jahren an der Pille erfreuen.

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