3. Juni 2014
Sex-Trend Bisexualität: Ein bisschen Bi schadet nie

Sex-Trend Bisexualität: Ein bisschen Bi schadet nie

Naschen aus anderen Töpfen? Na, klar! Bisexualität ist trendy statt tabu. Ob Cara Delevingne und Michelle Rodriguez oder Drew Barrymore - diese Frauen sind nicht nur mega erfolgreich, sondern stehen auch ganz offen zu ihrer Bisexualität. Top!

Zwei Frauen mit Mann
© iStock/Thinkstock/Slava_Vladzimirskaya
Zwei Frauen mit Mann

Wer vor Männern das Wort "bisexuell" in den Mund nimmt, kann schnell Zeuge folgenden Phänomens werden: der Atem stockt, Füßescharren – und man hört das männliche Gehirn rattern. Fantasien setzen ein. Von zwei nackten Frauen im Bett – der Klassiker. Bi-sein ist eben aufregend und strahlt gleichzeitig eine gewisse Faszination aus.

Zurzeit leben gerade in Hollywood viele (meist weibliche) Stars ihre bisexuellen Neigungen öffentlich aus. Cara Delevingne und Michelle Rodriguez, Anna Paquin, Cynthia Nixon oder Drew Barrymore: All diese Frauen sind nicht nur unglaublich erfolgreich und sympathisch, nein, sie stehen auch ganz offen zu ihrer Bisexualität. Im Moment ist es als Frau besonders trendy und chic, sich der ganzen Welt als bisexuell zu offenbaren.

Bisexualität ist heute zum Glück kein Tabu-Thema mehr. Sex mit Frauen und Männern? Laut Umfragen stehen immer mehr Frauen und Männer dazu, irgendwann im Laufe ihres Lebens auch homoerotische Neigungen zu verspüren – auch wenn sie nur davon träumen. Die Promis machen es doch vor: Viele Stars bekennen sich mehr und mehr dazu, beide Geschlechter interessant zu finden. Dabei schießt uns jedoch zuerst folgende Frage in den Kopf: Verstehen unsere lieben Stars das Thema Bisexualität nicht vielleicht auch als Karriere-Push und allgemeinen Trend, dem hippe Menschen unbedingt folgen sollten? So blättern wir uns doch immer wieder mit einem fragenden Blick durch die Klatsch-Presse, wenn wir das Top-Model Cara Delevingne und Michelle Rodriguez wieder einmal knutschend darin abgebildet sehen.

Bisexualität in der Vergangenheit

Früher war alles anders? Nicht, wenn es um Bisexualität geht. Was viele nicht wissen: Für die alten Griechen und Römer war es noch selbstverständlich, dass Männer in sexueller Hinsicht auf beide Geschlechter reagieren. Einen handfesten Beweis lieferte der legendäre Kinsey-Report von 1948: Laut den Ergebnissen verhielten sich schon in den 50er-Jahren ganze 46 Prozent der untersuchten Menschen bisexuell. Darunter waren jedoch auch alle inbegriffen, die ein einziges homosexuelles Erlebnis hatten – oder bisexuelle Fantasien. Dennoch: ein provakantes Ergebnis, gefährlich nah an der damaligen Tabu -Grenze.

So waren sexuelle Vorlieben also schon damals wandelbar. Es gab Intellektuelle wie etwa Erika Mann, die zu ihren bisexuellen Neigungen standen. Öffentlich. Akzeptanz? Die kam erst später. Doch im Laufe der Jahre bekannten sich immer mehr Persönlichkeiten zur gleichgeschlechtlichen Liebe. Harvard-Professorin Marjorie Garber veröffentlichte ein Album voll mit bisexuellen Persönlichkeiten – von Oscar Wilde bis Virginia Woolf. Auch Marlene Dietrich, die zu ihrer Zeit Vamp und Sexikone für viele Männer war, beschrieb in ihrer Biografie, dass sie Interesse an beiden Geschlechtern zeige.

Wir sind bi – heute wie früher!

Noch heute orientieren sich die Sexualwissenschaftler an Kinsey's Ergebnissen: Daraus ergab sich zum Beispiel auch, dass rund die Hälfte der Menschen ausschließlich heterosexuell sei, ein geringer Prozentsatz homosexuell – und beinahe die Hälfte der Gesellschaft sozusagen bisexuell. Doch wenn gefragt wird, wer sich selbst als bisexuell bezeichnet, fallen die Ergebnisse komplett anders aus: In einer repräsentativen Studie aus dem Jahr 1994 zum Sexualverhalten der Bundesbürger ordneten sich nur 3,4 Prozent der Männer und 4,5 Prozent der Frauen als bisexuell ein.

Viele Experten arbeiten heute mit der Hypothese, dass alle Menschen mehr oder weniger bisexuell veranlagt sind. Und vor allem: ihre sexuelle Neigung erst im Laufe ihres Lebens entwickeln. Häufig leben die Menschen erst in einer Hetero-Partnerschaft, entdecken nach und nach ihr Interesse am gleichen Geschlecht. Im nächsten Schritt suchen sie vielleicht auch einmal in der Woche einen homosexuellen Partner auf. Und, wenn man sich dann zur Bisexualität bekennt, mögen manche den Gedanken, zwei Menschen von Herzen zu lieben – und mit ihnen zu schlafen.

Konsequenz: Dreiecks-Beziehung?

Wer beide Geschlechter liebt, dessen Liebesleben unterscheidet sich grundlegend von dem heterosexueller Menschen. Zwar bedeutet eine bisexuelle Orientierung nicht, es jederzeit mit jedem zu treiben. Dennoch verträgt sich das "Happy-ever-after"- Phänomen und eine Langzeitbeziehung nicht mit dem Verlangen, das ein Partner allein nicht befriedigen kann.

Ist also eine Dreiecksbeziehung die Konsequenz? Egal wie groß die Liebe ist: Will man wirklich den Partner mit einem anderen teilen? In einer Dreiecksbeziehung kann nur leben, wer die Vorstellung ertragen kann, dass sich der Geliebte gerade mit einem anderen vergnügt. Und es genießt. Beziehungen zwischen drei Menschen können sehr schwierig sein, da verschiedene Persönlichkeiten aufeinander treffen. Und aus nur Sex kann bekanntlich auch schnell Liebe werden.

Doch Bisexualität und Dreiecksbeziehungen führen nicht zwangsläufig ins Chaos. Es gibt auch Dreiecksbeziehungen, die über Jahre halten. Und in denen die Partner glücklich sind. Dazu braucht es aber grundsätzlich eine hohe menschliche Reife der Partner. Und Offenheit. Allgemein gilt: Alles ist alles erlaubt – aber nur so lange es einem gut tut und anderen nicht schadet!

Frauen wechseln eher die Seite

Die Psychologie-Professorin Meredith Chivers hat an der Queen’s University mit einem beeindruckenden Experiment bewiesen, dass Frauen – im Gegensatz zu den Männern – für den Seitenwechsel vorbestimmt sind. Im Laufe des Experimentes wurde getestet, was wen erregt. Um valide Ergebnisse zu erhalten, verkabelte sie die Genitalien ihrer Testpersonen. Dann knipste die Professorin das ein oder andere erotische Filmchen an. Dann hieß es abwarten, was passiert.

Die Ergebnisse? Die Männer reagierten so, wie man es sich allgemein vorstellt: Homosexuelle wurden durch homoerotische Szenen erregt, heterosexuelle standen ausschließlich auf heterosexuelle Szenen. Bei den Frauen war das anders. Sie standen auf alle Kombinationen. Sie wurden von nackten Frauen sowie von nackten Männern gleichermaßen angetörnt. Ganz egal welche sexuelle Orientierung sie angegeben hatten. Fazit: Frauen sind viel weniger auf ein Geschlecht fixiert. Unsere sexuelle Gesinnung kann sich wohl also eher verändern als die der Männer.

Promis wollen meist Aufmerksamkeit

Eines steht fest: Seitdem Top-Model Cara Delevingne und Michelle Rodriguez ihre Beziehung öffentlich gemacht haben, sind sie erfolgreicher denn je. Die 21-jährige Delevigne wird als neue Kate Moss gehandelt. Schon Madonna setzte sich in den 80er-Jahren gekonnt als bisexuelle Frau in Szene. Die darausfolgende Publicity und Spannung um ihre Person haben ihrer Karriere keineswegs geschadet. Vielmehr haben sie Madonna zu der Ikone gemacht, die sie heute ist.

Mit dem Trend der Bisexualität wird einem die Aufmerksamkeit gesichert. Deshalb liegt meist der Gedanke nahe, dass die PR-Beraterin eine gute Self-Marketing-Strategie entwickelt hat, um den Klienten wieder ins Gespräch zu bringen. Ein Skandälchen rückt die Stars wieder ins Rampenlicht und verwandelt sie in äußerst aufregende, faszinierende Persönlichkeiten.

Neben den vielen Gerüchten um Publicity-gierige Promis, gibt es aber auch berühmte Frauen, die sich für das Verständnis von Bisexualität in der Bevölkerung einsetzen und nicht mit wilden Storys um Aufmerksamkeit buhlen. So ist Anna Paquin zwar mit ihrem Schauspielkollegen Stephen Moyer aus der Serie "True Blood" verheiratet und die beiden haben zwei Kinder, aber Anna setzt sich für den "True Colours Fund" ein, der sich für die Rechtegleichheit unabhängig der sexuellen Orientierung einsetzt. Auch Schauspielerin Drew Barrymore steht auf Männlein und Weiblein. Bei den Awards zu den "Gay And Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD)" im Jahr 2013 sprach sie nicht nur als Moderatorin, sondern auch als Vertreterin der gleichgeschlechtlichen Liebe. Beruhigend, dass nicht alles nur Schein, sondern vielmehr Sein ist.

Was tun, wenn sich die Gefühle ändern?

Mal abgesehen von dem Bi-Trend unter den Promis: Bisexualität ist heutzutage zwar ein öffentliches Thema, trotzdem tun sich noch einige Frauen schwer, ihre Neigungen zuzugeben. Was würden meine Freunde dazu sagen? Muss ich mich für ein Geschlecht entscheiden? Fest steht doch aber, dass es bei der Bisexualität mehr darum geht, dass man sich in den Menschen verliebt und nicht in sein Geschlecht. Falls Sie sich also einmal in eine Frau vergucken: Lassen Sie Ihre Gefühle zu und probieren Sie es einfach mal aus. Solange es Ihnen gut tut und es Ihnen gefällt natürlich.

Es gibt Frauen, die auf Männer stehen, Frauen, die auf Frauen stehen, und es gibt Frauen, die auf Männer und Frauen stehen. Was spielt das für eine Rolle? Wer sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt, sollte sich auf keinen Falls schämen oder sich fragen, ob man sich für das eine oder andere entscheiden muss. Fakt ist doch, dass man sich nicht aussuchen kann, in wen man sich verliebt, und dass es bei Ihnen eben eine Frau oder Mann sein kann, zeigt nur, dass Ihnen der Mensch und seine Persönlichkeit wichtiger sind, als Oberflächlichkeiten. Ein offener Umgang mit Ihrer Bisexualität ist der einzige Weg, der Sie glücklich machen wird. Und Bekannte, die das nicht verstehen können oder wollen, sollten vielleicht auf längere Sicht zu flüchtigen Bekannten werden.

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