9. Januar 2017
Um die Liebe kämpfen?

Um die Liebe kämpfen?

Um einen Kerl zu erobern, tun wir seltsame Dinge. Frisuren-Experimente, SMS-Feuer, verzweifelte Briefe, jedes Mittel ist uns recht – es geht schließlich um das ganz große Glück! Aber: Lohnt sich der Kampf um die Liebe? PETRA-Autorin Wiebke Borcholte machte sich dazu Gedanken.

© Ralf Gosch - iStockphoto

Er soll mich verdammt noch mal vermissen. Er soll wissen, was er an mir hat, leiden und nach mir schmachten!“ Alle Gedanken schwirren um ihn, wir tränken eine Familienpackung Tempo nach der anderen mit unseren Tränen, schreiben mit Herzblut schwülstige Liebesbriefe, zerknüllen sie wieder oder starren das Telefon an, bis wir es doppelt sehen. Und das nur wegen eines Mannes. Alles würden wir in diesem Moment für ihn tun. Würde, Emanzipation, Menschenrecht, Stolz? Allesamt unverständliche Fremdwörter, schließlich geht es hier um fette, wahre Gefühle. Jawohl, so ist es!

Das kleine Problem dabei: Liebe kann man nicht erkämpfen. So heißt es zumindest. Zuneigung lässt sich nicht erzwingen, auch das sagt man. Aber stimmt das? Kann man die Liebe eines Mannes wirklich nicht (neu) erkämpfen und auch nicht zurückerobern? Und ganz nebenbei: Diese Weisheiten hielten noch nie eine Frau davon ab, es trotzdem zu versuchen – unberührt davon, wie unmöglich die Umstände, wie gering die Erfolgsaussichten und wie unsäglich die Kerle waren. Ja, wir wissen, was es bedeutet, wenn ein Mann eine Woche nicht anruft. Es heißt nicht, dass er zu viel zu tun hat. Es bedeutet schlicht und ergreifend, dass er nicht mit uns sprechen will. Kein Interesse, die Chancen liegen bei null. Na und? Das heißt ja nicht, dass wir das hinnehmen müssen. Wir und aufgeben? Niemals.

Ich will ihn bekommen

Regel Nummer eins: Frisch verliebte Frauen sind allgemeingefährlich und sollten vor sich selbst beschützt werden – besonders, wenn ihre Gefühle nicht erwidert werden. Meist fängt es harmlos an: „Jana, ruf mich mal bitte an, ich muss wissen, ob mein Handy noch funktioniert.“ Danach wird es nicht besser: Wir kaufen uns verruchte Dessous für horrende Summen, die dann im Wäscheschrank mumifizieren, und entdecken unsere Vorliebe für Kriegsdokumentationen, Handball und Sauerfleisch – weil er etwas in der Richtung erwähnte. Verstand, Erfahrungen und weibliche Intuition? Alles vergessen und verglüht. Wir mutieren zu einem Hormon-Guerilla und setzen alles daran, sein Herz zu gewinnen.

Er will nicht? Egal. Vielleicht existiert ja doch eine geheime Erfolgs-Strategie, um ihn zu bezirzen. So schwankt man zwischen der Low-Interest- Strategie (Ich melde mich jetzt einfach zwei Tage nicht, so kriege ich ihn sicher rum!) und dem Dauerfeuer (Mit Männern muss man Klartext reden!). Elke Vesper, Paartherapeutin und Autorin des Buchs „Ist unsere Liebe noch zu retten?“ (Krüger Verlag, 319 S., 16,95 €) schätzt die Erfolgschancen in diesen Fällen eher gering ein: „Entweder Ihr Gegenüber ist an Ihnen interessiert oder nicht. Es geht nicht darum, jemanden zu knacken oder möglichst lange beharrlich zu bleiben. Es gibt auch keine geheimen Signale, die man nur schwer entschlüsseln kann.“

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Das wissen wir natürlich in unserem Innersten – es fällt nur so schwer, der Wahrheit ins Auge zu blicken. „Vielleicht konnte er wirklich nicht, als wir ihn die letzten vier Male gefragt haben, ob er Zeit für einen Kaffee hat!“ Sicher. Schickt er tatsächlich mal eine SMS, wird jede Zeile und alles dazwischen über Stunden analysiert und interpretiert. Was könnte er nur gemeint haben? Unablässig reden wir uns ein, er sei mehr so der introvertierte Typ und pochen darauf, dass Männer eh nie peilen, wenn man in sie verliebt ist – hat man es nicht oft genug erlebt? Eben.

Gut, nachdem wir ihm die dritte Nachricht auf Facebook geschickt und ihn dort mit der Anstups-Funktion drangsaliert haben, könnte er schon mitbekommen haben, dass wir von ihm angetan sind. „Ach, auf der Internetplattform Xing ist er auch? Dann kann ich ihn ja gleich als Kontakt hinzufügen.“ Ja, die modernen Medien machen uns das Leben leichter: Noch nie war es so einfach, sich multimedial zum Vollidioten zu machen.

Aber sollte man das jemandem mit Herzschmerz direkt ins Gesicht sagen? Bloß nicht. Hier ist Offenheit genauso unangebracht wie Stammtischweisheiten. Sätze wie „Lass ihn zischen, nimm ’nen Frischen“, „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ oder „Andere Mütter haben auch schöne Söhne“ bleiben besser ungesagt. Mitfühlende Freundinnen dürfen maximal darauf verweisen, dass er vielleicht den Aufwand nicht wert sein könnte. Aber das haben wir erst verstanden, wenn er ein Plakat gemalt hat, auf dem in neongelben Lettern „Nein, ich will nicht“ steht. War das die Mühe wert? Irgendwie schon. Zumindest, wenn wir wieder über uns lachen können.

Ich will ihn behalten

Was tun, wenn wir um unseren Partner in der Beziehung kämpfen müssen? Eben fühlten wir uns noch sicher und geborgen, nun merken wir, dass sich der andere von uns langsam entfernt. Vom Büro kommt er immer später nach Hause, nimmt seine Sporttasche und verzieht sich sofort wieder ins Fitness-Studio. Sitzt er neben uns auf dem Sofa, fühlt es sich an, als säße man an zwei Enden eines Fußballfeldes. Verzweifelt versuchen wir, ihn aus seiner inneren Emigration wieder zu uns zu locken und ihn zu halten. Lohnt es sich zu kämpfen?

Gut, wer sich die Frage stellt, bekommt rasch die Antwort, dass man gar nicht erst ins Zweifeln gerät, wenn es sich um den richtigen Mann handelt. Aber das Leben ist nun einmal komplizierter als ein Kreuzworträtsel – es gibt nicht immer eine einzige richtige Antwort. Manchmal schreibt sich das Wort Liebe in den kompliziertesten Buchstaben- Formationen. Manche Frauen beobachten still, wie sich der Mann wie eine Schnecke in sein Haus zurückzieht, die meisten entscheiden sich für die Offensive und stellen ihn zur Rede. Aber wie verhält man sich, wenn er blockt? Elke Vesper: „Zeigt er keine Bereitschaft, mit Ihnen gemeinsam an der bestehenden Beziehung und den damit verbunden Problemen zu arbeiten, können Sie sich noch so sehr anstrengen. Es wird zu keinem Ergebnis führen.“

Wer also für seine Beziehung kämpft, muss das gemeinsam mit seinem Partner tun, sonst führt man eine einsame Schlacht der Herzen. Liebe auf verlorenem Posten, das klingt trostlos – allerdings sollte man im Kopf behalten, wie sehr auch der Mann an Ihnen und an der Zweisamkeit hängt. Für 67 Prozent der Männer ist die Beziehung das Wichtigste im Leben – bei den Frauen sind es nur 58 Prozent. Kurz: Sie wollen ihn behalten? Die Chancen stehen gut.

Ich will ihn wieder zurück

Das Leben ist kein Ponyhof. Frauen verlassen ihren Partner dreimal so häufig wie umgekehrt – und Männer halten unbefriedigende Zustände in einer Beziehung viel länger aus als wir. Aber manchmal beschließen Männer, einfach zu gehen, einfach so, ohne Warnschuss. Und die Frau versucht mit allen Mitteln, ihn zurückzugewinnen. Die Frage ist nur: Macht es eigentlich Sinn, um einen Mann zu kämpfen? Sind Beziehungen wie Spinat – bloß nicht aufwärmen, sonst wird einem schlecht? Und will man den Mann wirklich wieder – oder vermisst man nur die Gewohnheit?

Sind Kinder im Spiel, wird die Angelegenheit noch komplizierter und schmerzhafter. Oft kommt es einem vor, als kämpfe man an zwei Fronten gleichzeitig – mit dem Mann und vor allem mit sich selbst. Kommt man nach einer Trennung tatsächlich wieder mit seinem Partner zusammen, hält die Freude nicht lange an, denn mit dem Mann kommen auch die altbekannten Probleme wieder. Elke Vesper: „Ein nahtloses Anknüpfen an alte Beziehungsmuster wird Sie über kurz oder lang nur wieder an den Punkt zurückbringen, an dem Sie vor der Trennung schon waren. Eine zerbrochene Beziehung lässt sich nicht einfach kitten.“ Nein, einfach und bequem wollen wir es uns auch nicht machen. Verführerisch ist es schon, aber den Versuch will man schon wagen, oder?

Natürlich fragen wir zwischendurch immer wieder, wie viel Sinn die ganzen Strapazen machen – egal, ob es sich um den Typ von letzter Woche handelt oder um den Mann, mit dem wir so lange glücklich waren. Wenn es sich schon nicht für den Kerl gelohnt hat – dann haben wir es zumindest für uns selbst versucht und uns bewiesen, dass wir kämpfen können. Ganz ehrlich? Die Sache an sich zählt. Nicht unbedingt der Mann, die Umstände, die erlittene Verletzung, das eigene Ego oder die Gewohnheit. Es gibt keinen besseren Grund für einen Kampf als die Liebe. So einfach kann es sein.

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