18. Dezember 2011
Suche nach Mr. Perfect

Suche nach Mr. Perfect

Sind wir Single, behaupten wir Frauen gern: Es gibt eh keine gescheiten Männer da draußen! Aber ist das wirklich so – oder sind unsere Ansprüche nur zu hoch? Ein Mann und eine Psychologin über die Schranken in unseren Köpfen.

Auf der Suche nach Mr. Perfect
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Auf der Suche nach Mr. Perfect

Eine Zeit lang Single zu sein macht uns Frauen nichts aus. Aber nach ein paar Monaten (oder Jahren) voller verkorkster Dates dürfen wir uns doch wohl mal fragen: Wo sind nur all die guten Männer hin? Die Antwort liegt auf der Hand, finden wir: „Vergeben – und alle die, die übrig sind, haben einen Hau!“ Unser Gastautor Marc Baumann reagiert auf diese weibliche Sicht, sagen wir mal, verwundert bis allergisch. Er selbst ist liiert, bricht aber in seinem Text eine Lanze für seine alleinstehenden Geschlechtsgenossen. Und bringt uns (Singles) mit seinen ehrlichen Worten zugegebenermaßen kräftig zum Nachdenken:

„Wenn ich mal wieder hören möchte, was für eine Zumutung der Münchner Mann ist, dann gehe ich zu Lena. Meine ehemalige Arbeitskollegin wird nun bald 35, sie ist klug, schön, anspruchsvoll, selbstständig – und findet den Richtigen einfach nicht. Sie kann diese etwas traurige Tatsache ziemlich lustig erzählen, das klingt dann so: „Weißt du, ich war dieses Jahr fünfmal auf dem Oktoberfest, ich wurde wirklich oft angesprochen, aber mit genau zwei Männern habe ich mich gut unterhalten. Die hatten was zu erzählen und waren nicht aufdringlich: Der eine war 15 Jahre alt, der andere 65.“ Ich lache, Lena nicht. Und dann erzählt sie mir von der schlimmsten aller Bekanntschaften 2011: Florian, der ihr in jedem zweiten Satz sagte, wie viel Geld er verdienen würde, bis Lena es nicht mehr aushielt und ihn anfuhr: „Weißt du, vielleicht habe ich selber Geld und brauche deins nicht!“ Worauf er stutzte und sie dann fragte: „Wie, hast du geerbt?“

So sind die Männer, wenn Lena von ihnen erzählt: protzig, aufdringlich, dumm, kindisch, egoistisch, unerotisch. Ich höre ihr zu, und bei jedem Beispiel, das sie nennt, bei jedem plumpen Mann, den sie in all seiner Armseligkeit beschreibt, muss ich ihr leider als Zuhörer recht geben: so ein Angeber, Aufreißer, Arsch. „Ich habe hohe Ansprüche, aber ich will sie nicht aufgeben“, sagt Lena. Aber auf dem Heimweg ohne Lena frage ich mich: Sind wir so? Sind Männer so? Ist mein Geschlecht so schlecht? Nee, oder?

Ich gehe im Kopf all die Männer durch, die ich gut oder etwas besser kenne: aus der Arbeit, dem Freundeskreis, von der Fußballmannschaft und (seit ich Vater bin) vom Spielplatz. Männer zwischen 30 und 45 meistens, in Beziehungen oder Singles, die sich bemühen, genug Geld für die erste Eigentumswohnung zu verdienen, die in ihrer Freizeit mit dem Kind Drachen bauen und abends, wenn das Kind schläft, die Küche aufräumen. Die Sport machen, weil sie ihren Freundinnen auch nach sieben Jahren noch gefallen wollen. Männer, die wissen, dass man einen gescheiten Anzug nicht bei C&A kauft und beim ersten Date die Rechnung zahlt. Ein paar sehen richtig gut aus, ein paar weniger, aber wenn ich die Stiftung Warentest wäre und es ginge um Beziehungstauglichkeit, würde ich durchgehend ein „Gut“ vergeben, manchen sogar ein „Sehr gut“, schlimmstenfalls ein „Befriedigend“. Aber all die „Mangelhaft“-Männer aus Lenas Leben kenne ich nicht.

Doch ich glaube, es gibt eine Erklärung für die sehr unterschiedliche Wahrnehmung von Männern von Lena und mir – und ich glaube, dass sehr viele Frauen den Fehler machen, den Lena begeht: Überheblichkeit. Lena ist wie ich Journalistin, und ihre Redaktion hatte kürzlich die Idee, sechs Frauen einen Abend lang an einen Küchentisch zu setzen, mit Essen und vor allem Wein, und dabei ein Tonbandgerät mitlaufen zu lassen. Der Auftrag: Redet über Männer. Ich habe das Interview gelesen und danach war ich, ehrlich gesagt, etwas entsetzt. Über Lena und die anderen fünf Frauen, darüber, wie sie über Männer reden: wie herablassend, wie pauschal, wie vernichtend. Hier Auszüge aus dem Gespräch: Frau 1: „Es hat ja witzigerweise kaum ein Mann Ahnung, wie eine Frau funktioniert. Anatomisch. Wie Orgasmen funktionieren, vaginal, klitoral.“ Frau 2: „Männer denken, ein Kind banalisiert das Leben.“ Frau 1: „Worüber, glaubt ihr, würden sich Männer jetzt unterhalten?“ Frau 3: „Sie würden pokern.“ Frau 4: „Sprüche machen.“

So sehen Lena und ihre fünf Freundinnen – allesamt angenehme, kluge, interessante Frauen – also die Männer, uns Männer, mich. Ich fasse mal zusammen: Wir, die mit den Penissen, haben keine Ahnung von Sex, keinen Sinn für Familie und reden bei unserem Lieblingshobby Pokern ausschließlich blöd daher. Ich fand solche Frauenweisheiten schon bei „Sex And The City“ peinlich, aber das sollte wenigstens witzig sein. Offenbar sind diese Sprüche jetzt im echten Leben angekommen.

Interessant an dieser Klischee-Vollversammlung finde ich, was in diesen Sätzen mitklingt: dieses Eigenlob. Die selbstverständliche Annahme, dass Frauen die besseren Menschen sind: ausnahmslos toll im Bett, großartige Mütter und feingeistig. So wie eigentlich jede Frau, die ich kenne, findet, dass sie einen guten Geschmack hat. Und genau das ist der Fehler, liebe Lenas da draußen, so gern ich euch mag: Ja, es gibt viele Idioten, aber übrigens auch unter Frauen. Schlecht küssen, lahmer Sex, unmögliche Schuhe: passiert euch genauso. Und ihr findet unsere Anmachsprüche in Bars bescheuert?

Wir ebenfalls, aber irgendwas muss man halt am Anfang sagen. Wer also abends beim Weggehen nur Problemmänner trifft, der sollte vielleicht mal die Bar wechseln – und nicht gleich den Lebensplan. Zugegeben, das Gen für verführerische Anmache ist in der DNA des deutschen Mannes eher rezessiv vertreten, das können sie weiter südlich in Europa deutlich besser. Aber außerhalb der Tanzflächen gewinnt unser Auftritt deutlich an Souveränität. Vielleicht solltet ihr das Ganze mal bei Tageslicht betrachten: den neuen Nachbarn, den sympathischen Mann in der Schlange beim Bäcker, den gut erzogenen Türaufhalter im Kaufhaus.

Und natürlich soll eine Frau hohe Ansprüche an einen Mann haben –wenn also ein Typ glaubt, dass ein Geldbeutel Charme, Verstand und Ausstrahlung wettmacht, dann soll sie ihn zum Teufel jagen. Aber wenn ihr bei euren Mädelsabenden und gemeinsamen Toilettenbesuchen schon längst beschlossen habt, dass alle Männer Versager sind, wenn ihr euch das immer und immer wieder gegenseitig bestätigt, dann glaubt ihr eines Tages, dass es wirklich so ist: Selffulfilling Prophecy. Und das wäre nicht nur tragisch für euch – sondern auch für uns.“

Was versteckt sich hinter den vielen Ausreden, die wir parat haben, warum wir noch immer nicht den richtigen Mann gefunden haben? Psychologin Ursula Wagner berät Frauen als Business-Coach in ihrer persönlichen und beruflichen Lebensgestaltung. Hier gibt sie Tipps, wie wir die 9 häufigsten Beziehungshürden nehmen

1 „Ich verliebe mich immer nur IN DIE FALSCHEN“
Jedes Mal das Gleiche: Er ist verheiratet. Oder eigentlich viel zu jung für Sie. Ein Rockstar, obwohl Sie gar nicht fürs emotionale Groupie-Leben geschaffen sind. Kurz: Früher oder später erkennen Sie selbst, dass Ihre Liebe zum Scheitern verurteilt ist.
Nächstes Mal anders machen: „Der Falsche hat einen Reiz für Sie, weil er einen verborgenen Teil Ihrer Seele anspricht“, sagt Ursula Wagner. „Finden Sie heraus, was Ihnen in Ihrem Leben fehlt. Mehr Abenteuer? Sich selbst wieder wie 20 fühlen? Trennen Sie das Lebensgefühl, das Sie suchen, von dem Mann, der es auslöst.“

2 „Ich treffe die Männer NIE ZUM RICHTIGEN ZEITPUNKT“
Jedes Mal das Gleiche:
Er ist gerade frisch getrennt und gefühlsmäßig für Sie so erreichbar wie der nächste Spaceshuttle zur ISS. Vielleicht stößt er Sie als Betthupferl nicht von der Bettkante – aber glücklich werden Sie damit nicht.
Nächstes Mal anders machen: „Eine glückende Beziehung hängt tatsächlich auch vom richtigen Zeitpunkt ab. Wenn Sie jemanden akzeptieren, der von vornherein nicht ganz für Sie da sein kann, weil er beispielsweise frisch getrennt ist, dann leidet Ihr Selbstwertgefühl. Dann ist er nicht der Richtige und Sie sollten ihn tatsächlich abhaken.“

3 „Die, die sich in mich verlieben, WILL ICH NICHT“
Jedes Mal das Gleiche:
Ihre Mutter würde ihn toll finden. Ihre Freunde können nicht verstehen, was Sie an ihm auszusetzen haben. Schließlich legt er Ihnen sein Herz zu Füßen. Sie können es ja auch nicht erklären, irgendwie ist er ... zu lieb!
Nächstes Mal anders machen: „Hier geht es meistens um alte Vorstellungen davon, wie sich ,Liebe‘ am Anfang anfühlen muss – wir wünschen uns, dass es sich anfühlt wie damals, als wir 16 waren. Sehen Sie den Mann mit dem Herzen an: Wie fühlen Sie sich mit ihm, wenn Sie zusammen sind? Steigt Ihr Selbstwertgefühl, Ihre Lebensfreude? Dann ist er der Richtige. Wenn Sie sich allerdings fühlen wie Brüderlein und Schwesterlein, dann passt es nicht, egal was Ihre Mutter sagt.“

4 „Da kommt bestimmt noch ein Besserer. ICH LASS MICH NICHT MEHR AUF KOMPROMISSE EIN“
Jedes Mal das Gleiche:
Eigentlich stehen Sie ja auf sportliche Surfer-Typen. Ihr derzeitiger Verehrer gibt eher einen prima Ringer im Ruhestand ab. Und er ist auch kein Kinderarzt, sondern freiberuflicher Sozialpädagoge. Er ist süß – aber waren Sie nicht auf der Suche nach den 100 %?
Nächstes Mal anders machen: „Hohe Ansprüche können ein verdecktes Problem von Beziehungsangst sein. Man legt die Latte seiner Ansprüche so hoch, dass keiner darüberspringen kann. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem eigenen Selbstwertgefühl, Ihren Wünschen nach Anerkennung, Wertschätzung, Status. Einzig beim Punkt Bindungsfähigkeit und Lebensfreude Ihres Partners sollten Sie keine Kompromisse eingehen.“

5 „MEIN LEBEN LÄUFT IN SO FESTEN BAHNEN – da würde gar kein neuer Mann reinpassen“
Jedes Mal das Gleiche:
Sie gehen dreimal die Woche zum Sport. Zweimal die Woche mit Ihren Mädels aus. Und kommen die anderen Tage ohnehin nicht vor 21 Uhr vom Job nach Hause – und ein bisschen Zeit für sich selbst brauchen Sie schließlich auch. Schwer vorstellbar, wie Sie da noch eine Beziehung rein - organisieren sollten.
Nächstes Mal anders machen: „Grübeln Sie nicht vorher darüber, wie Sie alles organisieren werden. Stellen Sie sich aber darauf ein, dass sich etwas ändern wird, wenn Sie den Richtigen treffen. Diese Änderungen sind viel leichter als gedacht, wenn Sie die Vorteile einer Beziehung erleben. Dann sind Sie gern bereit, etwas anderes aufzugeben.“

6 „Irgendeine Kleinigkeit STÖRT MICH IMMER“
Jedes Mal das Gleiche:
In seiner Freizeit verkleidet er sich als Mönch für seine Mittelalter-Rollenspiele. Oder er trägt die falschen Schuhe, fährt das falsche Auto oder hört die falsche Musik. Irgendein Haar in der Suppe finden Sie immer.
Nächstes Mal anders machen: „Dies ist eine subtile Art von Bindungsangst. Für eine gute Beziehung braucht es keinen perfekten Partner, sondern einen, der uns liebt und ,gut genug‘ ist. ,Gute‘ hohe Ansprüche kommen aus einem intakten Selbstwertgefühl. Kümmern Sie sich um Ihr Wohlbefinden und Ihre Ausgeglichenheit, dann stören Sie seine falschen Schuhe auch nicht mehr.“

7 „ICH BIN SO OFT VERLETZT WORDEN. Ich weiß nicht, ob ich mich noch auf jemanden einlassen kann“
Jedes Mal das Gleiche:
Sie wurden belogen, betrogen und enttäuscht. Sie haben das Gefühl, dass auf Ihrer Seele kein Platz mehr für weitere Narben ist, und gehen auf Abwehr, sobald Ihnen einer zu nahe kommt – Sie sind überzeugt: Männer sind eh alle gleich.
Nächstes Mal anders machen: „Sie müssen trauern und verzeihen. Dazu gehört auch, sich ganz bewusst das Schöne im Herzen zu behalten, das Sie mit früheren Partnern erlebt haben. Ein Bilanzbrief, den Sie nur für sich schreiben, kann helfen: Was habe ich bekommen? Nicht bekommen? Was habe ich gegeben? Nicht gegeben? Was wurde mir vorgeworfen? Bewahren Sie den Brief auf oder verbrennen Sie ihn in einem Ritual.“

8 „KEINE MEINER BEZIEHUNGEN BESTEHT länger als drei Monate“
Jedes Mal das Gleiche:
Aus dem anfänglichen Liebes-Hurricane wird schnell ein laues Lüftchen: Entweder ihm oder Ihnen geht die Puste aus – oder beiden gleichzeitig. Und mit jedem Mal merken Sie, dass Sie weniger Gefühle investieren, weil Sie ohnehin schon wissen, wie es endet.
Nächstes Mal anders machen: „Sie sind in der Dating-Drehtür. Vielleicht fehlt es Ihnen an den richtigen Verhaltensweisen für die ersten Monate? Großmutters Regeln können helfen: Mach dich rar, lass ihn werben, renn ihm nicht nach, ruf ihn nicht zu oft an. Das nimmt Tempo aus dem Beziehungsaufbau, gibt dem Mann Gelegenheit, um Sie zu werben. Und Ihnen Zeit, zu schauen, mit wem Sie es zu tun haben. So halten Sie die Männer in Ihrem Bann, die wirklich Potenzial zu einer guten Beziehung haben. Die anderen sind dann einfach nicht die Richtigen. Gut, dass es nach drei Monaten vorbei ist.“

9 „Kein Mann PASST ZU MEINEN KINDERN“
Jedes Mal das Gleiche:
Sie mögen ihn ja, aber Ihre Kinder haben so ihre Probleme mit ihm. Und das ist nicht unwichtig, weil Sie schließlich irgendwann wieder eine harmonische Familie sein wollen.
Nächstes Mal anders machen: „Natürlich ist der Wunsch, dass Ihr neuer Partner auch Ihre Kinder lieben soll und umgekehrt, völlig verständlich. Aber vielleicht bewerten Sie die ersten Anzeichen von Widerstand bei Ihren Kindern ein wenig zu hoch? Wer seinen Kindern gegenüber die Haltung hat: Ich liebe dich als Mutter und ich bin trotzdem auch Frau und Partnerin, der findet auch Akzeptanz bei den Kindern. Geben Sie der ,Frau in sich‘ eine Chance, wieder aufzublühen, seien Sie nicht nur Muttertier.“

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