18. Dezember 2014
So kann ich verzeihen

So kann ich verzeihen

Wie verzeiht man eigentlich richtig? Gibt es eine Anleitung dafür? Was muss man beachten? Wir zeigen es ihnen.

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© doble-d/iStock
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Viele von uns werden es kennen. Der Liebste, die beste Freundin oder auch ein Familienmitglied haben uns zutiefst enttäuscht. Sei es, dass sie den Geburtstag vergessen, dass wir nicht eingeladen worden sind oder dass wir extrem hintergangen wurden. Wie kann man das nur jemals wieder verzeihen?

Das wichtigste zuerst: Vergeben ist kein Anzeichen von Schwäche. Denn verzeihen zu können braucht einerseits Stärke, andererseits aber auch Kraft. Es ist nicht einfach zu sagen „Ich verzeihe dir!“, denn meistens ist unser Verhalten ein anderes.

Wenn wir eine Enttäuschung erlebt haben, reagieren wir mit Trotz. Wir wollen die Person nicht wieder sehen und versuchen jeglichen Kontakt zu vermeiden. Doch wie soll diese Haltung zu einer Lösung führen? Einfach den Kontakt abbrechen und die Person nicht wieder sehen ist keine gute Idee. Ihr Körper findet keinen inneren Frieden und reagiert mit Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und Problemen im Magen-Darm-Bereich. Den ganzen Hass und den Ärger, den wir durch die Person empfinden, bringt ihr inneres Gleichgewicht durcheinander. Um vor anderen Menschen nicht angreifbar zu sein, ziehen Sie sich von ihrem Umfeld zurück, sind reizbar und verbittert.
Wo liegt eigentlich das Problem? Zuerst einmal sollten Sie sich überlegen, was genau es ist, dass Sie so sauer macht. Ist es vielleicht eine Enttäuschung aus der Vergangenheit oder eine aktuelle Situation? Wurden Sie in der Schule benachteiligt? Ihre Geschwister wurden bevorzugt? Hat ihr Partner Sie angelogen? Fangen Sie an die Dinge, die Sie und ihre Seele belasten, aufzuschreiben. Legen Sie sich eine Liste an und notieren sich, mit welchen Dingen Sie immer noch nicht abeschließen konnten.
Doch können Sie sich selber auch verzeihen? Denken Sie über Situationen nach, in denen Sie arrogant und frech reagiert haben. Können Sie das gutheißen oder ärgern Sie sich im Nachhinein über ihr Verhalten? Auch wenn Sie sich ärgern, finden Sie sich doch trotzdem noch gut, oder?
Das bedeutet also, dass Sie zuerst lernen müssen sich selbst zu verzeihen, bevor Sie jemand anderem verzeihen können.
Wir nehmen jetzt mal an, ihr Partner hat Sie mit ihrer besten Freundin betrogen. Sie sind sehr traurig und können ihr Kopfkino gar nicht mehr ausschalten. Wie Sie wohl in seinem Armen lag? Wie Sie ihn berührt und geküsst hat? Furchtbar! Doch Sie sollten versuchen, sich in ihren Partner hinein zu versetzen. Wie konnte es soweit kommen? Haben sich die beiden zu viel gesehen? War Sie nicht seine Jugendliebe? Diese Gedanken können dabei helfen, erst einmal ein bisschen Abstand zu der Situation zu gewinnen. Wenn man die Fragen nachvollziehbar beantworten konnte, fängt schon der erste Teil des Verzeihens an.
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Weitere Tipps finden Sie hier

Hilfreich ist es ebenfalls einen Brief zu schreiben. Schreiben Sie sich alles von der Seele. Sei es wie doof sie ihn als auch die Geschichte finden, wie traurig und enttäuscht Sie sind und wie Sie sich momentan fühlen. Befreiend wirkt es auch, wenn man alles im Anschluss verbrennt. Zerreißen Sie den vollendeten Brief und machen ein kleines Lagerfeuer. Das wird ihnen sehr gut tun.

Es gibt noch eine weitere Methode, um den direkten Kontakt mit dem „Schuldigen“ aus dem Weg zu gehen. Sie haben doch bestimmt ein Foto ihres Partners. Dann nehmen Sie es und sagen (schreien dürfen Sie auch sehr gerne) sich alles von der Seele. Wenn Sie sich dann ausgelastet haben, ist es wichtig am Ende zu sagen: „Ich verzeihe dir!“ Sagen Sie diesen Satz auch gerne öfters und beobachten dabei ihr Bauchgefühl. Fühlt es sich gut an diesen Satz zu sagen?

Wichtig ist außerdem, dass Sie das, was er getan hat, im Anschluss nicht gut finden müssen. Es ist okay zu sagen: „Er hat mich zutiefst verletzt und das was er getan hat tat mir sehr weh, aber ich kann ihm verzeihen!“

Gut wäre es außerdem, wenn Sie Abstand zu der Situation gewinnen können. Vielleicht reichen Sie einfach spontan Urlaub bei ihrem Arbeitgeber ein. Koffer packen und ab in die Sonne. Hier sind Sie komplett ungestört und können ihren Gedanken freien Lauf lassen.
Egal für welche Methode Sie sich entscheiden, nehmen Sie sich Zeit und genug Abstand um alles gründlich zu bedenken. In einer Partnerschaft ist es leichter, sich zu trennen. Doch wie schaut es bei der Familie aus? Nehmen Sie sich also jede Zeit die Sie brauchen um erst einmal wieder einen klaren Gedanken fassen zu können.
Und wie Konfuzius schon sagte: Es schadet einem nicht, wenn einem Unrecht geschieht; man muss es nur vergessen können.
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