7. Mai 2013
Liebe trotz Alltag

Liebe trotz Alltag

Wäre es nicht schön, wenn man seine Beziehung mit Liebe bestreuen könnte wie Kuchen mit Zuckerperlen? Wir haben Experten um Rat gefragt: Kann man Gefühle zwischen Geschirrspüler und Rechnungsstapeln wieder aufpeppen? Man kann! Eine Bedienungsanleitung für mehr Zuneigung im Alltag - in zehn einfachen Schritten.

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© iStockphoto/Thinkstock
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1. Wir gehören einfach zusammen

Zeigen wir das doch auch mal. Und keine Angst, wir sprechen jetzt an dieser Stelle weder von gleichen Windjacken noch von Spaziergängen in den Sonnenuntergang. Partnerlook (generell fraglich) und Karibikurlaube zur Stärkung des Wir-Gefühls erweisen sich als wenig alltagstauglich. Ganz anders aber: Rituale. Dazu gehört sicherlich, dass wir den Jahrestag feiern. Vor allem aber, dass wir im Alltag Nischen schaffen für Rituale. Da war doch was: die Bar, in der man am Anfang so gern versackt ist, der Film, den man zigmal zusammen gesehen hat. „Rituale sind der Kitt der Liebe, wir zelebrieren damit nonverbal unsere gemeinsame Geschichte“, sagt Ritualforscherin Anke Birnbaum. Und stärken unsere Paar-Identität und das „Wir gegen den Rest der Welt“-Gefühl.

2. Suche nicht, was fehlt, finde, was da ist

Die amerikanische Psychologin und Eheberaterin Terri Orbuch hat mehr als zwei Jahrzehnte Paare begleitet. Sie wollte wissen, wie es ihnen immer wieder gelingt, den Alltagsstaub wegzupusten. Und sie stellte fest, dass sich glückliche Paare ganz bewusst auf die positiven Dinge in ihrer Beziehung konzentrieren. Anstatt das zu fokussieren, was nicht funktioniert, stellen sie Fragen wie: Was funktioniert bei uns? Welche positiven Aspekte kann ich in meine Beziehung einbringen oder welche kann ich stärken? Damit schafft man einen guten Boden für die Beziehung. „Die langfristig zufriedenen Paare in unserer Studie sagen, dass sie sich sofort mit den kleinen Störungen auseinandersetzen“, sagt Orbuch. Mit Dingen wie: „Er stellt das Geschirr nicht in die Spülmaschine. Sie verteilt ihre Sachen überall und räumt nicht auf. Oder: Er isst mit offenem Mund.“ Ihr Rat: Irritationen ansprechen, damit sie nicht größer werden.

3. Entscheiden wir uns ganz

Verflüchtigt sich das erste intensive Gefühlt, tritt an seine Stelle ein nagender Gedanke: dass es sich bei dem Mann, dem wir unseren Wohnungsschlüssel gegeben haben, vielleicht doch um eine Verwechslung handelt. „Wenn es um die Liebe geht, sind die meisten Maximierer und denken: Irgendwo wartet der vollkommene Partner“, sagt Paartherapeutin Ursula Nuber. Sie plädiert für den Gegentrend: Schützen wir lieber, was wir haben, indem wir unsere Entscheidung für den Partner durch „Entscheidungen zweiter Ordnung absichern“. Ein Begriff aus der Soziologie: Er meint den Entschluss, eine Regel zu befolgen. So wie Autofahrer die Regel akzeptiert haben, sich anzuschnallen. Und sich so die tägliche Frage ersparen: Soll ich mich anschnallen oder nicht? Auch wer in der Liebe eigene Regeln aufstellt, muss sie nicht mehr ständig anzweifeln, so die Expertin: „Wenn die Beziehung in wichtigen Bereichen meinen Kriterien genügt, muss ich mich nicht mehr fragen, ob es auch die weltbeste ist, die ich kriegen kann.“ Wir bekommen Kopf und Herz frei. Und sehen, dass der Schlüssel bei ihm in guten Händen ist.

4. Reden wir nicht nur, tun wir es einfach

Oft ist es gerade das Nähegefühl, das Paaren im Alltagsgewusel verloren geht – und schon spricht man davon, sich auseinandergelebt zu haben. Dann kann es helfen, ein grundlegendes Missverständnis aus dem Weg zu räumen. Die Langzeitstudie von Eheberaterin Terri Orbuch kam zu dem Ergebnis: Frauen und Männer sehen den Zusammenhang von sexuellem Verlangen und Nähe oft sehr unterschiedlich. „Frauen müssen sich ihrem Partner emotional nahe fühlen, damit sie sexuelles Verlangen verspüren. Männer auf der anderen Seite haben Sex, um sich gefühlsmäßig mehr mit ihrer Frau zu verbinden, und sie brauchen diese Verbindung, um sich ihr emotional nahe zu fühlen.“ Anders gesagt: Sie will vorher reden, er kommt gern gleich zur Sache. Aber gute Gespräche gibt es dafür später, versprochen! Es kann nicht schaden, sich den Unterschied vor Augen zu führen – und sich wechselseitig entgegenzukommen. Hauptsache, in engem Kontakt bleiben!

5. Jetzt erst recht!

Das Dilemma, in dem viele von uns stecken: „Man verliert sich darin zu kontrollieren, ob der andere auch zurückliebt“, sagt Claudia Bayerl (Hrsg. „Bedienungsanleitung Liebe“, Textakademie GmbH, 9,90 Euro). Aber selbst wenn die Basis stabil ist – das Liebesbarometer schwankt nun einmal. Mal liebt der eine mehr, mal der andere. Aber wir schmollen schnell, wenn unser „Urbedürfnis nach Geborgenheit und bedingungsloser Liebe nicht gestillt wird“, sagt die Expertin. Wir reagieren gereizt, fordern oder jammern – oder ziehen uns zurück. Ganz falsch. „Der einzige Weg besteht darin, selbst bedingungslos zu lieben.“ Dann steigt über kurz oder lang das Barometer wieder. Studien zeigen: Wenn sich nur einer von beiden auf die positiven Seiten einer Beziehung konzentriert, überträgt sich diese Einstellung auf den anderen.

6. Nutzen wir den Jo-Jo-Effekt

Die einfache Regel: Ich gebe etwas und bekomme die doppelte Portion zurück – und zwar so gewichtige Dinge wie Dankbarkeit und Zuwendung. „Ein Wort, eine Geste oder Handlung der positiven Bewertung und Unterstützung pro Tag für den Partner“, sagt die Psychologin Terri Orbuch. Einmal am Tag sollten wir fragen, wie es dem anderen geht. Einander Zuspruch geben, einander sehen, aufeinander achtgeben. Es geht um kleine Gesten. „Sie hat sein Lieblingsdessert gemacht, ihm für das Ausräumen der Spülmaschine gedankt oder gesagt, dass sie ihn liebt, ihm etwas im Laden gekauft, was er sich gewünscht hat, oder ihm eine Karte oder E-Mail geschickt“, sagt die Expertin. Es sind die vielen kleinen Dinge, die frischen Wind bringen – und das Glücksgefühl, wertgeschätzt und geliebt zu werden.

7. Sagen wir JA!

Erinnern wir uns an den Moment, in dem wir Ja gesagt haben. Es war der Augenblick, in dem ein unsichtbarer Vertrag geschlossen wurde: Das hier ist ernst. „Die Macht eines rituellen Ja zueinander darf nicht unterschätzt werden“, sagen die Liebes-Coaches Ulrike und Alexander Tourneur. Ganz gleich, ob wir verheiratet sind oder nicht, es will erneuert werden. Und gemeint ist die Bereitschaft, sich gemeinsam zu entwickeln. „Wir können das sehr wirkungsvoll in der täglichen Akzeptanz üben“, rät das Expertenpaar Tourneur. „Ja, es läuft anders, als Sie es sich vorgestellt haben. Ja, er ist unpünktlich. Ja, der Sex hat sich verändert. Ja, er arbeitet wieder so lange.“ Das „Ja“ sorgt dafür, dass wir aufhören zu kämpfen. Das entspannt ungemein.

8. Er nervt. Oder nervt uns nur, was er uns über uns selbst zeigt?

„Nach ein paar Jahren ähneln viele Partnerschaften eher einem Geschäftsmodell als einer Liebesbeziehung“, schreiben die Liebes-Coaches Ulrike und Alexander Tourneur. Das Gefühl, nebeneinanderher zu leben, schleicht sich ein. Nicht zuletzt, weil der andere so ganz anders zu ticken scheint als man selbst. Was am Anfang reizt, wirkt jetzt nur noch nervig. „Dabei spiegelt der Partner die Anteile der eigenen Person, die wir selbst nicht sehen.“ Ist Ihnen zum Beispiel die Unordnung des Partners ein ständiges Ärgernis, so können Sie das zum Anlass nehmen, Ihren eigenen Perfektionismus zu überdenken. Auf diese Weise milder gestimmt, klingt Kritik aus unserem Mund auch gleich diplomatischer.

9. Die Sache ist ernst, wir sollten mal drüber lachen

Die kleinen Machtkämpfe des Alltags reißen das Liebeskonto schneller ins Minus als ein Großeinkauf bei Zalando. Praktisch, wenn sich eine typische Situation so elegant entschärfen ließe wie hier: Als er mal wieder am Computer sitzt, wirft sie ihm vor, dass er zu viel arbeitet. „Und außerdem verbringst du zu wenig Zeit mit mir“, ruft sie ihm zu, bevor sie beleidigt aus dem Zimmer rauscht. Beim Kochen hilft er plötzlich. Doch sie bleibt schweigsam. Als sie zum Kühlschrank geht, versperrt er ihr den Weg. „Was soll das?“, fragt sie ärgerlich. Er aber grinst und sagt: „Merkst du nicht? Ich verbringe gerade Zeit mit dir.“ Sie will nicht lachen. Doch sie kann nicht anders. „Blödmann“, sagt sie. Und dann nehmen sie sich in den Arm. Was lernen wir daraus? Ohne Humor dümpelt das Leben in Langeweile dahin.

10. Wir sind nicht perfekt

Nehmen Sie unseren letzten Tipp als Einladung zum Selbsttest: Beobachten Sie doch mal (oder schreiben es sogar auf) für ein paar Tage, wie oft Sie sich in Ihrer Beziehung rechtfertigen. Für Fehler und Missgeschicke – wie die Beule tatsächlich ins Auto gekommen ist, wird er nie erfahren! Oder doch? „Der einzige Fehler, den wir in der Liebe wirklich nie begehen sollten, ist, unsere Fehler zu vertuschen“, sagt Liebesforscherin und Autorin Claudia Bayerl. „Wer das tut, macht sich nur angreifbar.“ Stehen wir zu unseren Patzern, nehmen wir unserem Gegenüber den Wind aus den Segeln. „Darüber hinaus sind Sie authentisch, der andere nimmt Sie als ehrlichen, aufrichtigen und mutigen Menschen wahr – und wird Sie deshalb noch mehr lieben.“

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