19. April 2013
Honeymoon-Effekt: Flitterwochen-Gefühle aufrechterhalten

Honeymoon-Effekt: Flitterwochen-Gefühle aufrechterhalten

Was können wir tun, um die prickelnden Flitterwochen-Gefühle in unserer Beziehung zu erhalten? Der amerikanische Zellbiologe Bruce Lipton ist auf erstaunliche Antworten gestoßen.

© Photo by Tizino Academy from Pexels

Denken Sie einmal an die tollste Liebesaffäre Ihres Lebens zurück. An jene wundervolle Zeit, in der Sie sich tagelang liebten, in der Sie nichts zu essen und kaum etwas zu trinken brauchten und doch endlos Energie zu haben schienen – jenen Flitterwochen- beziehungsweise Honeymoon-Effekt, der ewig zu halten verspricht: Das Leben ist so schön, dass man es kaum erwarten kann, am nächsten Morgen aufzuwachen und dem Universum zu danken, dass man lebt. Doch irgendwann wird aus der heißen Romanze oft alltägliches Genörgel. Manche lassen sich scheiden, andere schalten auf Durchhalten. Aber so muss es nicht enden.

Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt der amerikanische Zellbiologe Bruce Lipton. Ausgerechnet ein bekennender Skeptiker mit Ehephobie. „Ewige Liebe? Glücklich für alle Zeit? Vergiss es!“, tönte der Forscher und Bestsellerautor einst, bis er vor dem Hintergrund seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse zu einem anderen Schluss kam: Es sei nicht sein Schicksal, immer wieder vor einem Beziehungs-Aus zu stehen. „Ich hatte jede gescheiterte Beziehung meines Lebens selbst kreiert. Und genau wie ich selbst für das Scheitern verantwortlich bin, so kann ich auch die wunderbare Beziehung erschaffen, die ich mir wünsche.“ Lipton zufolge sind es nicht unsere Gene oder eine suboptimale Kindheit, die uns davon abhalten, tolle Lieben mit Happy End zu erleben – es sind unsere Überzeugungen. „Sie denken vielleicht, Ihre große Liebe sei ein Zufall und ihr unglückliches Ende Pech gewesen. Irrtum! Wenn Sie wissen, wie Sie den Honeymoon-Effekt erzeugen und wie Sie ihn verloren haben, können Sie wie ich aufhören, über Ihr schlechtes Beziehungskarma zu jammern. Und stattdessen eine anhaltende, glückliche Beziehung leben“, sagt der Autor („Der Honeymoon-Effekt“, Koha, 192 S., 14,95 Euro, erscheint am 14. Februar).

Liebe ist Chemie

Aus Sicht der Biochemie geht es in der Liebe um Zaubertränke, genau dosierte neurochemische und hormonelle Cocktails, die durch unsere Adern fließen, wenn wir uns verlieben. Bruce Lipton behauptet sogar, dass der Honeymoon-Effekt eine Art Sucht ist. Denn im Zustand der Verliebtheit wird der Belohnungskreislauf des Gehirns aktiviert. In dem Moment betritt neben zahlreichen anderen Hormonen der Neurotransmitter Dopamin die Bühne. Er bringt uns dazu, angenehme Erfahrungen zu wiederholen, bis der durch die Dopamin-Schwemme ausgelöste Glücksmoment wichtiger ist als alles andere im Leben. Wir sind quasi ständig auf Droge. Es stimmt schon. Wer je neben dem Telefon auf einen Anruf des Geliebten gewartet hat, oder seinen Job aufgab, um seinem Liebsten zu folgen, den dürfte das kaum verwundern. Doch wir brauchen keine Sklaven unserer Hormone zu sein. Wir sind vielmehr die Produzenten unseres Liebesrausches, fand der Zellforscher heraus. Denn unsere Gedanken erzeugen die Liebesdrogen, die unsere etwa 50 Billiarden Zellen unseres Körpers beeinflussen. „Wenn unser Verstand die Erfahrung der Liebe wahrnimmt, schüttet das Gehirn neurochemische Stoffe aus, auf die unsere Zellen mit Wachstum reagieren“, erklärt der Forscher. Angst verursacht dagegen die Freisetzung von Stresshormonen, die zum Absterben vieler Zellen führen. „Ihre Biochemie im Gehirn entspricht genau Ihrer Wahrnehmung. Wenn Sie die richtige Zauberdroge finden wollen, um Ihr Leben zu verschönern, dann müssen Sie Ihr Denken ändern.“

In den ersten seligen Wochen und Monaten der Liebe wird unser Verhalten von unserem bewussten Denken gesteuert. „Das bewusste Denken ist unser kreativer Geist, der sich für die Verwirklichung unserer Wünsche und Sehnsüchte einsetzt“, sagt Bruce Lipton. „Verschränkt sich das bewusste Denken zweier Liebender, so erzeugen sie magische Harmonie.“ Doch im Laufe der Zeit wendet sich das bewusste Denken klammheimlich dem Banalen des täglichen Lebens zu: Wie gleichen wir das Konto aus? Was planen wir für das Wochenende? Und wie bitte werden wir endlich Abteilungsleiterin? In dem Moment wird unser Verhalten von Standardprogrammen gesteuert, die unser Unterbewusstsein noch vor unserem sechsten Lebensjahr abgespeichert hat. Lipton: „Nichts von all den Programmierungen entspringt unseren eigenen Wünschen – alles stammt aus dem Beobachten unserer Eltern und unseres Umfelds.“ Zudem ist das Unterbewusstsein eine Million Mal stärker als unser Verstand. Und wenn unsere bewusste Wahrnehmung nicht aufpasst, regen wir uns plötzlich über die Unordnung des Partners auf, nur weil unsere Mutter ein Ordnungsfanatiker war. Oder wir streiten uns mit unserem Geliebten über Geld, nur weil es unsere Eltern ständig taten. „Glücklicherweise sind wir aber nicht dazu verdammt, mit dem Selbstsabotage-Programm unseres Unterbewusstseins weiterzuleben“, sagt der Bestsellerautor. „Wir können unser Unterbewusstsein umprogrammieren und damit die unsichtbaren Hindernisse beseitigen, die unsere Beziehung verschlechtern.“

Verliebtes Paar Füße
© Stockbyte/Thinkstock
Liebesleben:

So schalten wir einfach auf Glück

Weiter rät der Experte: Fragen Sie sich zunächst, was Sie wirklich wollen. So wird das bewusste Denken kreativ beteiligt. Stellen Sie eine detaillierte Liste zusammen, was Sie sich von Ihrer Beziehung wünschen: Achtung, Gegenseitigkeit, guten Sex... Zudem sollten Sie herausfinden, ob Ihre unterbewussten Programme in unserem Sinne agieren – der Sehnsucht nach Geborgenheit, Vertrauen und Romantik. Da 95 Prozent unseres Verhaltens von unserem Autopiloten bestimmt werden, müssen wir darauf achten, wie wir uns gegenüber unserem Partner benehmen, und erkennen, welche sabotierenden Programmierungen verändert werden müssen. Und das gelingt so: Das Unterbewusstsein lernt durch Wiederholungen. Es reicht schon, fünf Mal in Folge seine herumliegenden Socken anzusehen und dabei an seine magnetisch blauen Augen zu denken. Beim sechsten Mal werden uns die Socken nicht mehr ärgern. Genauso wenig wie das schmutzige Geschirr, das wieder mal nicht den Weg in die Spülmaschine geschafft hat. Konzentrieren wir uns bei diesem Anblick auf den samtweichen Klang seiner Stimme, wenn er unseren Namen sagt. Wendet sich unsere Aufmerksamkeit der Wertschätzung unseres Partners zu, ist eine neue Gewohnheit geschaffen.

Achtsamkeit bringt Positivität

Genauso wichtig wie die Wiederholung ist die Achtsamkeit. Fangen Sie an, auf Ihre Gedanken zu achten. Forscher haben herausgefunden, dass wir die Hälfte unserer wachen Zeit damit verbringen, an etwas anderes zu denken als an das, was wir gerade tun. Diese Geistesabwesenheit macht unglücklich. Denn der Autopilot ist zu 65 Prozent von negativen Gedanken bestimmt. Achtsamkeit zielt darauf ab, alles Tun an den eigenen Wünschen und Bestrebungen auszurichten, also dem bewussten positiven Denken. So, verspricht Lipton, können wir wieder zu einer liebesorientierten Biochemie gelangen. Beginnen wir damit, jeden negativen Gedanken, der uns in den Sinn kommt, so umzuschreiben, dass er einen positiven Dreh bekommt. Durch das häufige Umschreiben wird die negative Gedankenflut korrigiert, noch bevor sie unsere bewusste Wahrnehmung erreicht. Und zu guter Letzt: Veränderungen erfordern gemeinsamen Einsatz. „Lösen Sie deshalb die unterbewussten Programmierungen zusammen auf. Dann sind Sie frei für eine schöpferische Liebe, die eigentlich nicht endet.“ Und schwups ist Ihr Schatz wieder der wahnsinnig attraktive Typ, an den Sie einst Ihr Herz verloren haben. Und Sie die Superfrau, von der er einfach nicht die Finger lassen kann!

Lade weitere Inhalte ...