19. Oktober 2012
Hilfe gegen Psycho-Männer

Hilfe gegen Psycho-Männer

Ob wir gerade unser Singleleben genießen oder die Liebe fürs Leben suchen: Eine Sorte Mann laufen wir immer über den Weg: dem Psycho. Hier kommt Hilfe.

Frau ist Dinner mit einem Gorilla
© Eyecandy Images, iStock/Thinkstock
Frau ist Dinner mit einem Gorilla

Sie sind unter uns, und es sind viele. Es gibt sie in allen Größen und Gewichtsklassen, Berufsgruppen und Sternzeichen. Vielleicht ist es ihre Unterschiedlichkeit, die sie so heimtückisch macht: Psychos. Narzissten, Parasiten und Manipulationskünstler, mit denen das Date zur Kreuzung aus skandinavischem Thriller und deutscher Beziehungskomödie wird. Aber auch schlicht und einfach Männer, denen die Worte „Achtung, Fehlgriff!“ in Neonbuchstaben ins Gesicht geschrieben stehen. Man trifft sie im Nachtleben, beim Kickbox-Workout, oder, gehäuft, in Dating-Portalen. „Vor allem, weil Internet-Partnerbörsen so populär geworden sind, müssen Sie aufpassen“, warnt Kerry Daynes, eine der führenden forensischen Psychologinnen Großbritanniens und Autorin des Buches „Gestört – erkennen Sie die Psychos in Ihrem Leben“ (Ariston, 16,99 Euro). „Denn ein Psychopath kann sein wahres Ich mühelos hinter einem Computerbildschirm verbergen.“

Doch es gibt Hilfe, schreibt Daynes. „Ein Psychopath wird nur diejenigen erfolgreich täuschen, die auch anfällig dafür sind!“ Je älter wir werden, desto genauer ist unser Radar eingestellt. Und desto genauer wissen wir: Steht der Kerl schon am ersten Abend unter Psycho-Verdacht, bekommt er allenfalls noch eine zweite, aber keine dritte Chance mehr. Das spart Zeit, Nerven und Gefühle. Hier sind die häufigsten „Nix wie weg“-Typen zwischen Mitte 20 und über 40:

Psychos in den 20ern: Nicht ohne meine Mutter

Manche Psychos erkennt man am Klingelschild, denn sie haben kein eigenes. Wenn doch, steht eines mit Mamas und Papas Namen daneben. Was im ersten Semester noch nachvollziehbar ist (Hotel Mama spart die WG-Miete), entpuppt sich spätestens mit 25 als Charakterschwäche. Bittet der Nesthocker Sie auf einen Kaffee mit hoch, können Sie Mutti gleich kennenlernen. Er weiß nämlich nicht, wo die Kaffee-Pads liegen. Eng verwandt, aber schwerer zu erkennen ist der Typ ewiger Künstler: sitzt statt im Büro den ganzen Tag im Café und arbeitet an seinem iPad an „wahnsinnig spannenden Projekten“. Sponsored by Daddy natürlich. Andere Variante: der Geschmackspolizist. Im Inneren ein unsicheres Würstchen, das ständig sich und anderen versichern muss, wie hip es ist. Treu wie Gold ist er nur, wenn es um seine Lieblingsband geht. Wehe, Sie schieben im Auto die falsche CD in den Player! Vorteil: Wenn er zu stänkern beginnt, können Sie ihn gleich am nächsten Taxistand absetzen. Der offensichtlichste Zwanziger-Psycho ist der Sexprotz. Der lässt nichts anbrennen – nicht mal, wenn er versucht, eine Frau ins Bett zu bekommen. Sie zum Beispiel. Noch während er unter dem Restauranttisch sein Knie an Ihres drängelt, schreibt er eine SMS und grinst dreckig. Lassen Sie das Essen in die Küche zurückgehen und ihn gleich mit.

Mindestens ein schwerer Liebeskummer gehört zu den ersten Erwachsenenjahren wie der erste Gebrauchtwagen. Ein Typ hat allerdings nie aus dem Heartbreak Hotel ausgecheckt: der Secondhand-Mann. EINE große Liebe hat er gehabt. In Großbuchstaben. Eigentlich trifft er sich nur mit neuen Frauen, um sich und der Welt zu beweisen: Keine ist wie SIE. Früherkennung: Er streut schon beim ersten Date ständig IHREN Namen ein. („Nadine hat ihren Salat immer ohne Karotten bestellt.“) Glauben Sie bloß nicht, Sie könnten ihn retten: Spätestens nach der ersten Nacht sägt er Frauen per E-Mail ab. („Erst durch dich habe ich gemerkt, wie tief meine Gefühle für Nadine noch sind.“) Leichter zu erkennen ist der Schmarotzer. Ein großer Anhänger weiblicher Emanzipation – vor allem, solange Sie beim Libanesen das Meze-Buffet für zwei bezahlen. Kann ja schließlich keiner was dafür, wenn es mit seiner freiberuflichen Online-Agentur gerade nicht so dolle läuft.

Mein schlimmstes Date

„Der ganze Abend mit dem Kerl war äußerst merkwürdig: das Restaurant, das er ausgesucht hatte, war total überkandidelt, er erschien im Anzug mit Einstecktuch. Aber der Gipfel war, dass er mich abschließend benotete: acht Punkte von zehn, weil mein Kleidungsstil verbesserungswürdig sei. Seine Note habe ich ihm mit zwei Fingern gezeigt: eine glatte Null.“  NICOLE, 32

„Auf Facebook hatte er mich ganz kribbelig gemacht: witzige Anekdoten, Selbstironie, super Musikgeschmack. Aber bei unserem ersten Treffen im echten Leben sprang kein Funke über. Als ich mich nach einer höflichen Stunde verabschieden wollte, meinte er, er müsse mir zwei Dinge sagen: Erstens sei er verheiratet, zweitens würde er mich jetzt gerne küssen. Ich weiß nicht, was ich schlimmer fand.“ JANA, 28

„Mein erstes Date mit der netten Partybekanntschaft vom vergangenen Wochenende dauerte genau zehn Minuten. So lange saß er mit mir am Bartisch und trank in atemberaubender Geschwindigkeit Bier, dann verschwand er auf Nimmerwiedersehen. Ich wusste nicht, ob ich mir Sorgen machen oder wütend werden sollte. Am nächsten Tag rief ich ihn an, und er reagierte ganz cool: ,Shit happens, ich war halt besoffen.‘ Er hatte nicht den Hauch eines Schuldgefühls – aber sicher eine enorme Fahne.“ STINE, 42

Der Schmarotzer will nur das eine: Ihre Kohle. Und hält das für Frauenförderung. Schicken Sie ihm die Rechnung – und sonst nichts mehr. Auch der Wichtige ist beim Essengehen leicht zu enttarnen: am Smartphone neben dem Brotteller. Er hat eine steile Karriere hingelegt und ist jetzt Marketingleiter beim mittelständischen Frankiermaschinenhersteller Markewitz & Söhne. Mit sechsunddreißigeinhalb. Könnte buchstäblich jederzeit passieren, dass der Chef anruft und nach seinem brandneuen Frankiermaschinenmarketingkonzept fragt. Auch samstagabends um Viertel vor neun. Dass der Chef nicht im Traum daran denkt, ist Ihnen spätestens beim Hauptgang klar. Ihrem Begleiter nicht.

Psychos in den 40ern: Nicht ohne meinen Anwalt

Vielleicht ist es nicht die biologische Uhr, die männliche Singles über 40 ticken hören – aber die soziale. Der Macher sucht eine Geschäftspartnerin für den nächsten Punkt in seinem Lebensplan: Familie. Der Architekt fürs Eigenheim ist beauftragt, die chinesisch sprechende Nanny steht auf Stand-by, über die Kindernamen kann man noch reden (Friedrich-Carl? Carl-Friedrich?). Das Gegenteil des Machers ist das Opfer. Alle Frauen haben ihn benutzt: seine Mutter (zu viel Liebe), seine Ex-Frau (zu wenig), seine Chefin (hat seine Kollegin befördert – wahrscheinlich lesbisch, die Alte!). Gerne hätte er eine neue Frau, ist aber gleichzeitig überzeugt, dass die ihn aussaugen will, finanziell, sexuell, emotional. Und nun beweisen Sie mal das Gegenteil! Dagegen ist der Guru total tiefenentspannt – spannend macht er Ihr Leben allerdings nicht. Schon beim ersten Treffen möchte er sich gerne mit Ihnen ins Bett legen. In Yogapose. Um sich gemeinsam darauf zu konzentrieren, durch welches Nasenloch die Luft ein- und wieder ausströmt. Sie möchten im Bett noch etwas anderes erleben? Stehen Sie besser schnell wieder auf. Da draußen läuft garantiert ein besserer Typ herum. Nämlich Ihrer.

Die fünf besten Tricks für den eleganten Abgang, wenn es so gar nicht passt

  • Pragmatisch: „Mensch, mir fällt gerade ein: Ich muss mein Mietauto um zwanzig nach acht wieder am Hauptbahnhof abgeben!“
  • Unverbindlich: „Ich meld mich mal.“
  • Romantisch: „Ich möchte dir nicht deine Zeit stehlen, denn ich bin ganz sicher, irgendwo da draußen wartet die Liebe deines Lebens auf dich.“
  • Hart: „Wir können gerne mal wieder chatten – online und ohne Bild hast du mir besser gefallen.“
  • Abschreckend: „Hast du Lust, am Sonntag zum Spieleabend zu kommen? Mit meiner Mutter, mir und allen unseren Freundinnen?“
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