1. Mai 2011
Flirten: Wie finde ich einen Mann?

Flirten: Wie finde ich einen Mann?

Mal im Ernst: So richtig gute Jägerinnen sind die wenigsten von uns, das überlassen wir gern den Männern. Leider machen die aber nicht immer, was wir gern hätten – uns ansprechen zum Beispiel. Aber weiter Single bleiben und abwarten kann ja nun auch nicht die Lösung sein. Zwei PETRA-Autorinnen haben den Test gemacht: Reicht ein Lächeln oder müssen wir schon etwas mutiger sein?

© Photo by Vera Arsic from Pexels

ANNA MORETTI VERSUCHTE ES MIT EINEM LÄCHELN

Stell dir vor, du gehst über den Zebrastreifen – und er geht an dir vorbei. Einfach so, ohne dich zu sehen. Ich gehe mal davon aus, dass es in einer Stadt wie Hamburg mit 1,8 Millionen Einwohnern, davon wohl 100.000 männliche Singles zwischen 35 und 55, geschätzte 300 Mr Rights für mich gäbe. Sprich, Männer, die ehrlich, zuverlässig, treu, gut aussehend, kinderlieb, wohlhabend und gut im Bett sind. Wie hoch wäre demnach die Wahrscheinlichkeit, dass mir eines dieser Exemplare auf der Straße begegnet? Vermutlich rennen wir aneinander vorbei, in Eile, in Gedanken woanders.

Mein Auftrag: Eine Woche lang soll ich diesen potenziell richtigen Mann nicht einfach vorbeiziehen lassen, sondern, sagen wir, lächelnd erlegen. Ich werde die Straße nach Flirts und Dates scannen. Mein erster Gedanke: Ich bin aus dem Straßenflirt-Alter seit mindestens zehn Jahren raus! So was hab ich früher mal gemacht, mit 17 in einer mediterranen Hafenstadt, wo ich in einen Wäscheladen flüchten musste, weil eine Gruppe junger Afrikaner mich aufgrund eines einzigen Lächelns über die halbe Promenade verfolgte.
Heute sind meine Röcke knapp knielang. Ich bin erwachsen, habe eine Ehe hinter mir, meine Fortpflanzungspflicht erfüllt und bin wieder Single. So gesehen echt praktisch, dieser Job. Ich kann flirten, lächeln und immer wieder sagen, ätsch, war ja eh nur für die Story – falls ich einen Korb kriege. Einen Korb? Mir kommen doch Zweifel.

Ist die Straße der richtige Ort, um einen guten Mann zu treffen? Woran erkenne ich auf den ersten Blick Psychopathen, Egoisten, Halbseidene, Pleitiers (die tragen heutzutage ja auch Lacoste-Hemden)? Klar, es sind erste Blicke, die Funken schlagen, die erste Chemie, die das Herz klopfen lässt. Aber eigentlich glaube ich an die französische Weisheit von Beaudelaire: „Traue deinem ersten Gefühl“ – auch wenn das erste Gefühl für den fremden Mann auf der Straße einem manch - mal nichts erspart. Ich spreche da aus Erfahrung.
Mein letzter Straßenflirt (ich hatte ihn im Telekomshop weichgelächelt) hat es immerhin zum Nacht-und-Nebel-Lover gebracht, ehe er sich nach rund vier Monaten meinen Jungs mit Pizza offiziell als neuer Super-Daddy präsentierte. Um dann am nächsten Tag (!) für immer zu verschwinden. Sein Souvenir – ein Satz meines großen Sohnes zu meinen Noch- Gatten, den ich nie vergessen werde: „Duhu, Papa, Mama hat den Pizzamann ganz lange geküsst. Trotzdem: Erstes Gefühl bleibt erstes Gefühl. Kann daraus Liebe werden oder ist es grundsätzlich nur eine Art Illusion, die den Himmel kurz mal rosa färbt? Wir werden sehen.

Fußgängerzone, 10 Uhr. Gehetzte Männer im Laufschritt, die ins Büro rennen. Ich lächle, lächle und lächle, nicht jeden aber doch beinahe jeden zweiten Mann an, der nicht jenseits der 60 oder offensichtlich obdachlos ist. Die meisten lächeln schlichtweg zurück. Manche drehen sich noch mal um. Einer schaut mich an, als hätte ich große Schmerzen. Ein Kleiner mit Glatze sieht sich um, ob nicht vielleicht doch ein anderer hinter ihm gemeint sein könnte. Ins Gespräch komme ich nur mit einem.

14 Uhr, ich habe Hunger, stehe am Geflügel-Stand einer Einkaufspassage und lächle in ein dunkeläugiges, schmales Gesicht. Er könnte mein Bruder sein, rein optisch. Ich spiele das alte Kindergartenspiel. Anlächeln, warten, bis er zurücklächelt, dann schnell wegschauen, wieder hinschauen, lächeln. Er muss lachen. Wow. Er lacht hübsch. Oh Gott, er kommt rüber. Lächelt nur, sagt aber nichts. Also, im Grunde ihres Herzens erwartet die lächelnde Frau ja, dass sie angesprochen wird. Nichts. Dann kommt mein Huhn mit Krautsalat. Als ich von meinem Teller aufschaue, ist er weg. Essen und flirten gleichzeitig geht bei mir nicht. Sexy essen kann ich nur, wenn ich satt bin. Natürlich hab ich zwei große Fettflecken auf dem Hemdkragen. Ich geh dann mal in die Drogerie, Windeln kaufen. Da kommt er wieder. Los, jetzt sag was. Hat er die Windeln gesehen? Die Flecken? Jetzt frage ich ihn, ob wir einen Kaffee trinken. Nee, zu feige. Ich bin eine feige Nuss. Was soll’s?! Er war eh zu jung. Oder Polizist in Zivil. Oder Steuerfahnder. Zwei Männer, Silvio und Andy, lerne ich dann doch nicht auf der Straße kennen, sondern in einem Café und zusammen mit meinen Mädels in einem Restaurant. Aber gekribbelt hat’s eigentlich doch nur beim Hähnchenessen. Lieber Unbekannter vom Hähnchenstand: Wenn du der Lächler mit den dunklen Augen bist, kannst du ja mal anrufen! Die Redaktion hat meine Nummer!

DATE NR. 1: Andy, 44, Vater von vier Söhnen

Wo sie sich trafen Mädelsabend in einem Hamburger Szene-Restaurant. Da saß er – allein an der Bar.
Was Anna tat Ich lächelte einfach. Er sprach mich an. Sein Tatar sei zu scharf, fand er. „Glaub ich nicht“, sagte ich. Ob ich mal probieren wolle, fragte er. Und bestellte mir eine Gabel. „So gut kennen wir uns ja noch nicht“, meinte er und betonte das „noch“ …
Wie er das fand „Ich kannte Anna vom Sehen. Wir wohnen im selben Stadtteil und ich habe ihr in einem Café schon mal die Tür aufgehalten. Ihr Lächeln fand ich nett. Darum habe ich auch mal was gesagt …“
Mr-Right-Prognose Andy ist getrennt, hat vier Söhne, wirkt sympathisch unprätentiös. Am selben Abend schickte er eine SMS. Ich könne mich melden. Werde ich tun. Denn ein Mann mit vier Söhnen ist ein guter Mann!

DATE NR. 2: Silvio, 39, kellnert in einem italienischen Bistro

Wo sie sich trafen In seinem Bistro. Er stand hinterm Tresen.
Was Anna tat Ich ging vorbei, langsam. Immer wieder. Ich gab ihm mein schönstes Lächeln. Er gab mir einen Stuhl. Wortlos. Nach drei Stunden Dauergrinsen blieb mir das Lächeln im Hals stecken. Er muss denken, ich hätte Drogen genommen. Irgendwie wirkte er am Schluss fast verängstigt und sprach nur noch italienisch. Sorry Silvio, ich höre jetzt auf zu lächeln, damit du nicht noch mehr Angst bekommst.
Wie er das fand „Es kommt öfter vor, dass Frauen mich anlächeln. Mit manchen fange ich ein Gespräch an, mit anderen nicht. Warum kann ich gar nicht sagen …“
Mr.-Right-Prognose Um das zu beurteilen, hätte wir schon irgendwas besprechen müssen …

DATE NR. 3: Michael, 46, Landschaftsplaner

Wo sie sich trafen In einer Einkaufspassage in der Innenstadt. Er war einer der wenigen, die nicht total in Eile waren.
Was Anna tat Ich war mit dem Lächeln mutiger geworden und grinste ihm direkt ins Gesicht. Wenig später stand er in einem Laden hinter mir an der Kasse. „Es gibt keinen Zufall“, sagte ich und fühlte mich ungeheuer waghalsig. „Zeit für einen Kaffee?“, fragt er und ich dachte, das sei eine ziemlich gute Belohnung für meinen Mut …
Wie er das fand „Was hat man zu verlieren, wenn man auf ein Lächeln reagiert und mit einer netten Frau mal einen Kaffee trinken geht? Aber so ein Nachmittag wird natürlich nicht immer ein Fortsetzungs-Roman.“
Mr.-Right-Prognose Wir haben keine Nummern getauscht. Und gingen auseinander, wie es begann: mit einem Lächeln.

MIRIAM KAEFERT WAR MUTIG UND SPRACH DIE MÄNNER EINFACH AN

Gut, ich habe es gemacht, aber einfach war es nicht. Ich habe jeden Mann angesprochen, bei dessen Anblick ich das Bedürfnis hatte, mir eine Zigarette anzuzünden. Eigentlich rauche ich nicht mehr, aber Flirtsituationen machen mich nervös und dann fehlt mir eine Kippe, um meine Unsicherheit zu kompensieren. Na ja, ehrlich gesagt habe ich mich bisher auch mit Zigarette nie getraut, zu dem potenziellen Herrn meines Herzens hinzugehen, um lässig lächelnd etwas total Geistreiches von mir zu geben. Weil mir in solchen Situationen nie etwas Geistreiches einfällt.

Aber nun hilft es nichts, ich bin 31 und es ist Zeit für den Richtigen. Meine Oma, 92, ist schon echt in Sorge: Wenn ich noch lange warten würde, dann wären nur noch Männer übrig, die sonst keine will. Und für solche Ladenhüter sollte ich mir dann doch zu schade sein. Da hat sie vollkommen recht. Und schöner werde ich ja auch nicht mehr: Liest man doch überall, dass Frauen mit 31 Jahren auf dem Höhepunkt sind. Souverän, erfahren und noch jung genug, um beim Sex das Licht anzulassen. Mir bleibt noch ein halbes Jahr. Also los.

Am Tag eins meiner Mission schnappe ich mir meinen knopfäugigen Hund und gehe Gassi. Jeder weiß schließlich, dass so ein Haustier der Flirtbeschleuniger schlechthin ist. Alvy schnüffelt, ich gucke und spähe, auf der Hundewiese, an der Alster, einer der unverfänglichsten Grünflächen Hamburgs. Später gehe ich in den Supermarkt, mit offenen Augen und einer Halbliterpackung Milch im Wagen, die signalisieren soll: Ich bin Single! Es passiert an beiden Orten: absolut nichts. Ich entdecke keinen Mann, bei dessen Anblick ich nach einer Kippenschachtel greifen möchte. Der einzige, den ich anspreche, ist der Käseverkäufer. Er reicht mir wortlos den Appenzeller. Und ich erkenne: Auf den ersten Blick ausreichend attraktive Männer sind keine alltägliche Erscheinung.

Versuchen wir einen Klassiker: Wie sieht es aus im Bekanntenkreis? Auf einer vergleichsweise langweiligen Geburtstagsparty treffe ich Marcel und spreche ihn an. Es wird ein netter Abend, außer Bahn gerät mein Herz aber nicht. Sind meine Ansprüche das Problem? Dabei bin ich gar nicht auf der Suche nach einem Ryan-Reynolds-Schönling. Nein, ich bin kein bisschen festgelegt, wirklich. Okay, dunkle Haare wären toll, groß und stark und männlich sollte er sein, ein souveräner Kerl mit selbstbewusster Ausstrahlung. Auf keinen Fall einen, der mehr Zeit vor dem Spiegel verbringt als ich. Und auf keinen Fall sollte er. Herrje, es wird schrecklich! Wenn ich einem Mann begegne, der all meine Kriterien erfüllt, werde ich kläglich versagen. Ich werde stammeln und mich blamieren. Jetzt schnell schlafen und mir selbst morgen das Gegenteil beweisen.

Zweiter Versuch: eine gut besuchte Bar am Freitagabend. „Die Flirtbereitschaft ist im Nachtleben höher als im Supermarkt und das Publikum ist potenziell auf der Suche – ob nach Liebe oder einem One-Night-Stand“, erinnere ich mich noch an ein Interview mit dem Hamburger Psychologen Dr. Elmar Basse. Ja, ich bin auch auf der Suche, aber erst einmal nach einem Gin Tonic. Ich muss locker werden. Als ich den ersten Schluck nehme, komme ich mir richtig schmierig vor. Fast wie ein Kerl, der sich Mut antrinkt, um Frauen an der Bar anzubaggern.
Apropos anbaggern: Gegenüber stehen zwei Männer. Attraktiv! Beuteschema! Ich nehme noch einen Schluck – nützt ja nix. Der mit der Lederjacke erwidert meinen Blick, unterhält sich weiter mit seinem Kumpel. Wäre es unhöflich, dazwischenzugehen? Vielleicht besprechen die schlimme Probleme! Er grinst wieder in meine Richtung. Nach Sorgen sieht der nicht aus. Ich trau mich aber nicht! Was soll ich denn sagen? „Seid ihr öfter hier?“ Na Glückwunsch, das ist wirklich das Passt-stehend- unter-den-Teppich-Niveau. Ich stehe auf, schnappe meinen Drink und gehe in ihre Richtung. Mit Herzklopfen, aber: Irgendwas wird mir schon einfallen, wenn ich vor ihnen stehe „Ist es hier immer so voll?“, frage ich. Das ist kein bisschen originell. Aber – jetzt kommt die gute Nachricht – vollkommen egal. Ich habe in einer Woche an insgesamt zehn Versuchs-Männern gelernt: Jegliche Unsicherheit ist unnötig. Es ist gar nicht wichtig, etwas Schlaues zu sagen.

Männer sind dankbare Geschöpfe und bereits verzückt, wenn man sie nach dem Namen ihres Drinks fragt. Oder nach dem Weg – desorientierte Frauen aktivieren sofort den Beschützerinstinkt. Klar sprühten nicht bei jedem Kandidaten die Funken, einige mochten mich, einige nicht. Aber in einem waren sich die fast alle einig: Sie fanden es toll, dass SIE die Initiative ergreift. So wie DJ Richard, den ich in einem Club ansprach – oder der coole Yoga-Lehrer Julian aus meinem Lieblingscafé.

Frauen, es ist also gar nicht so schwierig! Es gibt nichts zu verlieren. Ich habe mich während des Experiments nicht verliebt, aber seit Julian mag ich Yoga und Richard ist ein echter Kumpel geworden. Ach ja, dem Mann meines Herzens, dem bin ich kurz danach begegnet. Ich habe ihn interviewt – und dann einfach mal nach seiner Nummer gefragt.

DATE NR. 1: Marcel, 33, Student

Wo sie sich trafen Auf dem öden Geburtstag eines Bekannten.
Was Miriam tat Ich bin hingegangen und habe mich neben ihn aufs Sofa gesetzt. „Ich verlasse diese Party gleich. Du auch?“, fragte ich. Er nahm den Hut ab und grinste. Zehn Minuten später saßen wir im Taxi.
Wie er das fand „Ich wollte gerade gehen, als Miriam mich ansprach. Das passiert selten, schade eigentlich. Wir sind was trinken gegangen. Mir hat die spontane Art gefallen, obwohl sie nicht mein Beuteschema ist.“
Mr-Right-Prognose Wir haben uns noch mal getroffen. Es war locker, entspannt – aber eben ohne Herzklopfen. Dafür hatte er gerade einen Flirt mit einer meiner Freundinnen!

DATE NR. 2 Richard, 37, DJ aus Hamburg

Wo sie sich trafen In einer Bar auf St. Pauli.
Was Miriam tat „Wer ist denn der Typ?“, fragte ich mich. Dann spielte er Cat Power. Plötzlich wurde ich nervös. Was sagen? Zu einem DJ? „Cat Power?“, rief ich. Wie einfallslos! „Jemand mit Kenntnis und Geschmack“, war seine Antwort. So, Miriam, jetzt aber mal originell. „Wirst du oft angesprochen?“ Das war ja noch dämlicher! Aber er beugte sich rüber: „Nee, ich bin, glaube ich, nicht der Typ für den ersten Blick.“
Wie er das fand „Sie hat mich angesprochen – genau mein Ding! Schön, dass es auch Frauen gibt, die sich nehmen, was ihnen zusteht!“
Mr-Right-Prognose Er spendierte Tequila. Wir tranken noch viele davon. Es war ein großartiger Abend, auf den ein dicker Kater, aber keine Schmetterlinge folgten.

DATE NR. 3 Julian, 34, Besitzer des Studios „City Yoga Hamburg“

Wo sie sich trafen Abends in einem Café , er las und trank ein Glas Rotwein.
Was Miriam tat Weil er allein war, fiel es mir leichter, ihn anzusprechen. Ich habe mich an den Tisch neben ihn gesetzt. Das Buch hieß „Yoga für Dummies“. Yoga –wie furchtbar! Nach fünf Minuten habe ich mich getraut: „Yoga-Turnen – macht das Spaß?“, fragte ich. Zum Glück hat Julian Humor und wir kamen sofort ins Gespräch. Meine Anspannung war nach zwei Sätzen weg.
Wie er das fand „Ich wollte nur noch ein Glas Wein nach dem Training trinken, war also gar nicht in Flirtlaune. Aber ich finde es in jedem Fall sehr gut, wenn eine Frau die Initiative übernimmt. Miriam war frech und offen, das hat mir gefallen. Wir haben uns wirklich nett unterhalten.“
Mr-Right-Prognose Julian kann wunderbar erzählen, ich war wirklich angetan. Aber er hat null geflirtet! Keine Andeutungen, keine tiefen Blicke, nichts. Er hat eine Freundin.

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