Liebe Affäre oder der Mann fürs Leben?

Outfit oder Alter verraten nicht, ob ein Mann als Mann für`s Lebens taugt. Trotzdem könnt ihr herausfinden, was ihr an seiner Seite erwartet – und was ihr wirklich sucht.

Paar, Pärchen

Der Schein trügt oft

Geht euch das auch so? Ihr seht einen Mann mit Mini-Van und Golden Retriever auf dem Beifahrersitz und mutmaßen, dass der Kerl ein verlässlicher Familienmensch ist. Einer zum Heiraten und Kinderkriegen. Der Typ mit Zopf und offenem Hemdkragen dagegen ist – eindeutig – ein windiger Schwerenöter. Und der Schmächtige mit Brille und Pullunder? Da schrillen ebenfalls die Alarmglocken: bestimmt ein Weichei mit Ödipus-Komplex...
Im Alltagstest entpuppt sich der vermeintliche „Familienmensch“ dann als einer, der an einem Tag heiße Liebesschwüre murmelt, danach für drei Wochen von der Bildfläche verschwindet und endlich wieder zerknirscht mit einer Flasche Wein vor der Tür steht. Allerdings nur, um sofort wieder zu verschwinden, sobald das Thema „gemeinsame Wohnung“ aufs Tapet kommt. Dagegen kann der Offene- Hemdkragen-Mann wider Erwarten eine völlig unkomplizierte, treue Seele sein und der Pullundrige ein ganz und gar nicht braver Schürzenjäger. „Vom optischen Eindruck her lässt sich leider nicht vorhersagen, wie sich ein Mann in einer Partnerschaft verhält. Da muss man schon sein Verhalten unter die Lupe nehmen“, bestätigt die Hamburger Psychologin Claudia Clasen-Holzberg. „Aufschlussreich sind die drei Bindungsstile, die in den ersten drei Lebensjahren durch die Beziehung zur Mutter (oder zum Vater, wenn er Hauptbezugsperson ist) geprägt werden und sich bis ins Erwachsenenalter halten.“ Und da wir alle eine Familiengeschichte haben, in der es manchmal zu viel oder zu wenig Liebe gab, lohnt es sich, die Kindheit noch einmal zu beleuchten.

Der Klammerer

Mal angenommen, ihr geratet an einen Mann, der sich von der ersten Sekunde eures Zusammenseins an mächtig ins Zeug legt. Der Verabredungen mit den Kumpels absagt, um mit euch Essen zu gehen, romantische Spontantrips in die Provence organisiert und die goldene Kundenkarte des Blumenladens hat, weil er euch mit roten Rosen überschüttet. Ein Prachtexemplar? Es könnte sich auch um einen Herrn handeln, der zum „ängstlichen“ Bindungstyp gehört und der schon als Knirps stets um die Liebe der Mama bangen musste. Die war nach der Bindungsstil-Theorie entweder egozentrisch oder einfach zu oft abwesend, in jedem Fall hat der Kleine nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen. Männer mit solchen Müttern binden sich ausgesprochen gern – zuweilen ist wohl „fesseln“ die treffendere Bezeichnung. Das ist zwar noch ganz nett, wenn diese Herren die neue Liebe charmant mit Verführkünsten und Geschenken becircen, wird aber spätestens dann unangenehm, wenn sie sich zu öffentlichen Eifersuchtsszenen hinreißen lassen und der Liebsten aus lauter Verlustangst am liebsten den Kontakt zu allen anderen verbieten würden.

Der Vermeidende

Verwandt mit dem „ängstlichen“ ist der „ambivalent- vermeidene“ Typ: Dessen Mutter war früher auch nicht genügend für ihn da. Allerdings hat er zusätzlich schon als Kleinkind gelernt, seine Gefühle zu bagatellisieren, weil die Mutter beispielsweise den Sohn mit „Stell dich nicht so an“ zurechtwies, wenn er mal in Tränen ausbrach. Auch Vertreter dieses Typs haben Verlustangst und Sehnsucht nach Nähe. Ihre leicht widersprüchliche Strategie, damit umzugehen: Nähe, zumindest zu große, wird vermieden. Man(n) könnte ja wieder verletzt werden. Typisch für diese Herren sind Sätze wie „Ich weiß nicht so genau“ und die gefühlsmäßigen Wechselbäder, unter denen sie selbst und ihre Partnerinnen leiden. An einem Abend sind sie anhänglich und fabulieren von Familie mit Kind und Katze im Bauernhaus. Im nächsten Moment bekommen sie Angst vor der eigenen Courage, ziehen sich zurück oder machen sogar ohne Vorwarnung Schluss.

Frauen wählen oft einen Mann aus ihrer Kindheit

Das große Los unter den Herren sind schließlich jene, deren Mütter es geschafft haben, schon den Knirpsen mit Vertrauen und Nähe ein „sichergebundenes“ Gefühl zu vermitteln. Menschen dieses Bindungsstils sind im Allgemeinen beziehungsfähig und unkompliziert, was man schlicht daran erkennt, dass sich im Alltag mit ihnen vergleichsweise wenig Beziehungsprobleme ergeben.
Na, hast du "deinen" Typen erkannt? Die Sorte Mann, die immer wieder deinen Weg kreuzt?
Was wir schon geahnt haben, ist inzwischen erwiesen: Viele Frauen fühlen sich immer wieder von ähnlich gestrickten Männern angezogen – selbst, wenn jede Beziehung in einem Desaster endet. Das ist natürlich kein Zufall. Dr. Anthony Little von der schottischen Universität St. Andrews fand heraus, dass sich Frauen bevorzugt Männer aussuchen, die ihrem Vater oder einem anderen wichtigen Mann ihrer Kindheit ähneln. Hatte zum Beispiel der vergötterte Onkel einen Bart, finden wir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit als Erwachsene Gesichtsbehaarung unwiderstehlich. Trug Daddy gern Trenchcoat, hat dieses Kleidungsstück später für uns das gewisse Etwas.
Psychologin Clasen-Holzberg nennt den Grund: „Alles Bekannte aus der Kindheit löst erst mal ein vertrautes und angenehmes Gefühl aus. Das gilt auch fürs Verhalten.“ Viele kleine Mädchen erleben den Vater als weit weg, ein „einsamer Wolf“, der sich kaum um die Kindererziehung kümmert – und nach dessen Liebe und Anerkennung sie sich umso mehr sehnen. Das große Mädchen verliebt sich ausgerechnet immer wieder in diese Typen, die – wie damals Vati – nur unwesentlich mehr sprechen als die Zimmerpalme, Zärtlichkeit mit Schwäche gleichsetzen und statt Paarurlaub lieber eine Solo-Trekking-Tour durch Alaska machen. Wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, erkennt sogleich den „ambivalent-vermeidenden“ Typ.

Sind wir also alle von unseren Eltern ferngesteuert?

Gefangen in einem psychologischen Teufelskreis? Nicht unbedingt. Wer einmal verstanden hat, warum der Freund so überzogen darauf reagiert, dass man mit dem Kollegen einen Kaffee trinken war, oder warum der neue Lover immer wieder untertaucht, kann darauf konstruktiver reagieren und so die Beziehung vor einem vorzeitigen Aus bewahren. Das bedeutet natürlich nicht, sich von einem eifersüchtigen Othello in einen goldenen Käfig sperren lassen zu müssen oder die Eskapaden eines Wechselbad-Mannes klaglos zu ertragen. Die Psychologin: „Es ist wichtig, erst mal eine Zusammenrauf-Phase zuzulassen und nicht bei der ersten Schwierigkeit die Beziehung in Frage zu stellen. Am besten sagt man dem Partner offen, wie es einem mit seinem Verhalten geht.“ Also statt Vorwürfen geduldig Ich-Botschaften formulieren und freundlich die eigenen Grenzen aufzeigen. Etwa: „Ich bekomme Angst, wenn du unterwegs bist und ich nicht weiß, wo du bist.“ Frage dich an dieser Stelle aber auch, ob du wirklich wissen willst, wo dein Kerl steckt, oder ob es hier eventuell um Kindheitserinnerungen geht, in denen du mit Mama abends zu Hause saßst, während Papa um die Häuser zog und sich nicht meldete.
Wer außerdem darauf achtet, weiterhin eigene Freundschaften und Interessen zu pflegen und so vermeidet, sich in der Beziehung aufzugeben, ist auf dem richtigen Weg und gibt auch „Problem- Fällen“ die Chance, sich behutsam von der Affäre zu echten Partnern zu entwickeln. Denn haben die einmal kapiert, dass ihr Herz in den Händen der Freundin gut aufgehoben ist, verlieren sich die nervigen Psycho-Macken häufig. Das Problem: So etwas braucht Zeit. Zeit, die wir Frauen ihnen oft nicht geben. Verständlich, wenn man schon zum wiederholten Mal an „den gleichen Spinner“ geraten ist und „doch einfach nur mal was Unkompliziertes“ will. Andererseits: Auch wir selbst sind nicht fehlerfrei und leben ebenfalls einen der beschriebenen Bindungsstile – und nicht immer den einfachsten. Vielleicht gibst du deinem „Spinner“ also doch noch eine Chance?

Natürlich kann es keine Garantie für eine Beziehung geben. Und natürlich laufen da draußen hoffnungslose Fälle rum, die sich niemals ändern. Männer, die sich nicht binden können oder wollen. Hallodris, die von einer Bestäubung zur nächsten fliegen. Oder ewige Kinder, die alles auf einmal wollen – und sich für nichts entscheiden können.
Vielleicht bist du aber auch diejenige, die heimlich genau das in der Beziehung sucht, über das sie sich bei den Freundinnen beschwert. Denn so Nerven aufreibend eine dramatische On-Off-Geschichte ist, eins kann man ihr nicht vorwerfen: Langeweile. Oder die Notwendigkeit, sich gleich festzulegen. Genau so kann sich die Freundin eines wachsamen Eifersuchts-Hahnes nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen, und die Sorge, den Freund an eine andere zu verlieren, bleibt ihr fremd.
Unsinn, zumindest, was dich betrifft? Du hast endgültig die Nase voll von Typen, die dir auf die immer gleiche unergiebige Art kommen? Dann bleibt nur eine Lösung. Mach dir klar, auf welche „Schlüsselreize“ du bisher reagiert hast: Ist es der kräftige Körperbau eines Mannes, neben dem du dich so angenehm zart und beschützt fühlst, ein teurer Kleidungsstil, der einen gewissen Status ausstrahlt, oder seine eloquente Art, auf Menschen zuzugehen, die dich deine Schüchternheit überwinden lässt? Diese Reize gilt es ab sofort zu umschiffen. Und dann riskiere mal bewusst einen zweiten Blick, wo du sonst nie so genau hingeguckt hast: im weiteren Freundeskreis, im Büro ... Denn häufig trifft man das Gute da, wo man es nie vermutet hätte. Zuweilen trägt es Zopf und offenen Hemdkragen. Und manchmal sogar Pullunder.                 

Und jetzt kommen wir zu euch

Wie bindungsfähig der Mann eurer Träume ist, könnt ihr nun schon besser einschätzen. Aber wie steht’s mit euch selbst, in welchem Typ erkennt ihr euch wieder?

DER UNKOMPLIZIERTE TYP

Insgesamt habe ich ein gutes Selbstvertrauen und weiß, dass ich ein Mensch bin, der Liebe verdient. Ich achte auf meine Wünsche und Bedürfnisse, aber ich berücksichtige auch die anderer Menschen. Es fällt mir leicht, Menschen kennen zu lernen, und ich lebe gern in Beziehungen, komme aber auch gut allein klar. In Liebesbeziehungen fühle ich mich aufgehoben und geborgen. Ich habe weder ständig Angst, vereinnahmt und dominiert noch verlassen zu werden. Ich kann meine Gefühle gut zum Ausdruck bringen, sie aber auch kontrollieren, falls die Situation das erfordert. Aufgaben, die mir das Leben stellt, kann ich in der Regel allein bewältigen, aber ich habe auch kein Problem, andere um Hilfe zu bitten.

DER ÄNGSTLICHE TYP

Meine Wünsche und Bedürfnisse stelle ich oft hinter die anderer zurück, weil ich das Gefühl habe, dass andere wichtiger sind als ich. Ich sehne mich nach Nähe und Geborgenheit, werde aber immer wieder enttäuscht. Die Gewissheit, dass jemand mich liebt und akzeptiert, gibt mir Halt und Bestätigung. Ohne Liebesbeziehung fühle ich mich leicht hilflos und verloren. Ich bin ein emotionaler Typ und kann meine Gefühle schlecht für mich behalten. Manchmal werde ich von meinen Emotionen regelrecht überwältigt. Ich lebe gern in einer Beziehung, bekomme aber schnell Angst, verlassen zu werden und wieder allein zu sein. Ich neige dazu, mich vom Partner abhängig zu fühlen und mich anzupassen.

DER VERMEIDENDE TYP

Ich weiß, dass ich ein wer tvoller Mensch bin. Zu Minder wer tigkeitsgefühlen neige ich nicht, sondern fühle mich anderen manchmal eher ein biss- chen überlegen. Ich kenne meine Wünsche und Bedürfnisse und setze mich für sie ein. Andere Menschen können für mich wichtig werden, aber die meisten halte ich auf Distanz. Meine Gefühle kontrolliere ich möglichst. Es wäre mir unangenehm, anderen zu viel davon zu zeigen. Auch in Liebesbeziehungen bin ich emotional eher distanziert. Niemand soll mitbekommen, wenn es mir schlecht geht. Das könnte als Schwäche ausgelegt und eventuell gegen mich verwendet werden. Ich lege viel Wert auf meine Unabhängigkeit und bitte andere ungern um Hilfe. Diese drei Beschreibungen sind schablonenartig vereinfacht, trotzdem habt ihr beim Lesen vermutlich gemerkt, in welchem Bindungsstil ihr euch am ehesten wieder findet. Es könnte auch sein, dass ihr ein Mischtyp sind.     

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