20. Februar 2013
Profil im Internet

Profil im Internet

Vergessen Sie Stellenanzeigen: Die besten Jobs werden unter der Hand vergeben – und das immer häufiger über Social Networks wie Facebook und Twitter. Aber was sollte man beim eigenen Profil im Internet eigentlich beachten?

Social Networks Jobs
© Wavebreak Media/Thinkstock
Social Networks Jobs

Vitamin B war gestern, jetzt kommt Vitamin I – wie Internet: Denn Social Networks, von der traditionellen Business-Plattform Xing bis zu Facebook und der Online-Fotopinnwand Pinterest, sind die Jobmarktplätze der Zukunft. In den USA gehen bereits 80 Prozent der Unternehmen dort selbst aktiv auf Bewerber zu, in Deutschland immerhin 40 Prozent, Tendenz steigend. Wie Sie sich finden lassen und wie Sie selbst auf Suche gehen, erklärt Simone Janson, eine der meistgelesenen Job-Bloggerinnen Deutschlands (berufebilder.de), Social-Media-Expertin und Sachbuchautorin. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen zur Traumjobsuche im Web.

1 Finde ich in den SOCIAL NETWORKS konkrete Jobangebote, oder dient das eher dem gegenseitigen Beschnuppern von Bewerber und Arbeitgeber?

Jobs in Echtzeit gibt’s z.B. auf www.jobtweet.de. Entscheidend ist aber, dass sich im Network unkompliziert Kontakte knüpfen lassen, und zwar mittel- und langfristig. Sprich: Per Facebook beim eigenen Wunsch-Unternehmen nach freien Stellen vorfühlen, auf Xing interessante Kontakte ins eigene Netzwerk einladen, Blogs und Diskussionsgruppen zu Fachthemen starten. Jobbörsen wie www.jobbotschafter.de oder www.tibuga.de funktionieren nach dem Motto „Also, ich kenn da wen, der würde super passen“ – ganz wie in der Offline-Welt. Das Prinzip: fähige Bewerber für freie Jobs empfehlen und selbst empfohlen werden. Und: Manchmal ergibt sich per Social Media ein Traumjob, von dem Sie noch gar nicht wissen, dass es ihn überhaupt gibt. Beispiel: Eine Berliner Webentwicklerin twitterte häufig zu ihrem Hobby „Geocaching“, eine Art Smartphone-Schnitzeljagd – und bekam deshalb einen Lehrauftrag an einer Uni, die jemand mit genau der Wissens-Kombi suchte.

2 Xing, LinkedIn, Facebook – muss ich ÜBERALL mitspielen?

Nein, keine Sorge: Sie müssen keine Nachtschichten schieben, um acht verschiedene Profile zu pflegen. Beschränken Sie sich aufs Wesentliche. Eine gute Selbstdarstellung auf Xing, bei international ausgerichteten Jobs auch auf LinkedIn, ist Pflicht, an- dere Networks sind Kür. Mit etwas Mühe ist das schon die halbe Bewerbung: So kann man sich z. B. mit www.vizualize.me den eigenen Lebenslauf aus LinkedIn als Infografik darstellen lassen.

Wichtige Ausnahme: Im Gegensatz zu konservativeren Branchen spielen in kreativen Jobs auch die Online-Pinnwand Pinterest und Facebook eine Rolle – als Schaufenster für eigene Arbeitsproben, von der Werbe-Illustration bis zur coolen Decke für Hunde. Grundsätzlich gilt: Egal in welchem Rahmen Sie Selbstmarketing betreiben, Aktualität zählt! Ein Blog-Eintrag alle drei Monate gibt eher Minus- als Pluspunkte.

3 Wie trenne ich Berufliches und PRIVATES in Social Networks?

Partywochenende, Freundinnen-Knatsch – Ihr künftiger Chef (oder Ihre Chefin) muss nicht alles von Ihnen wissen. Das lässt sich steuern: Überprüfen Sie Ihre Privatsphäre-Einstellungen (etwa bei Facebook) und legen Sie sich eventuell eine zweite Seite für berufliche Belange zu. Allerdings: Aus Datenschutzgründen sollten Sie sowieso mit Postings von der letzten Liebesnacht oder Fotos vom neuen Tattoo vorsichtig sein. Selbst gewissenhafte Privatsphäre- Einstellungen garantieren Ihnen nicht, dass nicht doch etwas digital weitergereicht wird. Harmlose Blödeleien, geistreicher Schlagabtausch oder ein paar Sätze über den Kurztrip nach London sind dagegen okay. Haben Sie sich mit einem Personaler aus ihrem Wunsch-Unternehmen „befreundet“, schaut der sich Ihre Facebook-Chronik auch an, weil er wissen möchte, was für ein Mensch Sie sind, was Sie bewegt und zum Lachen bringt. Noch ein Tipp: Auch wenn der Ton auf Facebook und Co. lockerer ist und je nach Branche im Netz auch schnell geduzt wird (etwa in Medien oder bei Reiseunternehmen) – trotzdem sollten Sie im Austausch mit möglichen Arbeitgebern nicht zu kumpelhaft auftreten.

4 Auf welche SPUREN im Netz achten Arbeitgeber, was bringt Plus- und Minuspunkte?

Sie müssen im Web nicht unbedingt durch berufliche Auszeichnungen auffallen oder auf der Website einer Elite-Uni auftauchen – von Vorteil sind alle Suchergebnisse, die Engagement, Teamgeist und Führungsstärke zeigen. Sie haben Jugendfreizeiten geleitet, am Halbmarathon teilgenommen, sich in einer Bürgerinitiative für Stadtteilkultur engagiert? Daumen hoch. Die größten Jobkiller sind dagegen nicht unbedingt die berühmten Partyfotos (es sei denn, Sie strippen sturzbetrunken auf einem umgekippten Sangria-Eimer!), sondern eher das Lästern über andere. Fiese Postings über frühere Chefs, Firmen und Kollegen sind ein absolutes No-Go (und übrigens sogar ein Kündigungsgrund!). Auch nicht ohne: Diskussionsforen mit sensiblen Daten, etwa Krankheiten. Über Ihr chronisches Asthma oder Ihren dringenden Kinderwunsch nie unter Klarnamen posten!

5 Und wenn doch etwas PEINLICHES über mich im Netz zu finden ist?

Oha – doch auf dem Sangria-Eimer gestrippt? Spaß beiseite: Wurden Sie auf Privatfotos von anderen markiert, können Sie darum bitten, dass derjenige das Bild wieder vom Netz nimmt, der es eingestellt hat. Schwieriger wird’s z.B. bei unangenehmen Forumsbeiträgen unter Ihrem Namen, wenn die Seite ganz vorn bei Ihren Suchmaschinen-Ergebnissen erscheint, denn die Reihenfolge lässt sich von Privatpersonen nicht so ohne Weiteres beeinflussen. Dann muss man den Seitenbetreiber ums Löschen bitten – das funktioniert nicht immer, ist aber einen Versuch wert. Sie führen einen Blog, der von vielen gelesen wird? Auch eine gute Möglichkeit, unangenehme Fundstellen in der Liste nach hinten rutschen zu lassen, denn viel verlinkte Seiten rutschen im Google-Ranking nach vorn.

6 Apropos BLOG – was bringt der? Und wie sieht es mit YouTube- Filmen aus?

Vintage-Jacken, moderne griechische Küche oder türkischer Rap – haben Sie ein Spezialgebiet? Eines, das nicht Tausende anderer Blogger schon besetzt haben? Dann beweisen Sie Ihr Expertentum mit einem Blog und fallen Sie auf – als diskussionsfreudig, meinungsstark und kreativ. Werben Sie für Ihren Blog via Facebook, Twitter & Co. – das schafft zusätzliche Reichweite. Sollten Sie Job und Hobby verbinden können, umso besser. Sie suchen z. B. einen Job als Mode-Einkäuferin? Bloggen Sie zum Thema „Schuhe“. Oder besser: über ihre abenteuerliche Jagd nach einem limitierten Paar Designer-Pumps – das ist spannender und hebt Sie von der Masse ab! Ein ähnlich sympathisches Mittel zur Selbstdarstellung sind Filme auf dem eigenen YouTube-Kanal. Dafür brauchen Sie allerdings eine zündende Idee. Sie möchten in die Reisebranche? Ein Videoporträt im Liegestuhl ist okay, besser ist, wenn Sie bei Ihrem nächsten Urlaub den Barkeeper oder den Animateur interviewen und danach selbst vor der Kamera erklären, warum Sie die um ihre Jobs beneiden. Achtung, wenn Sie sich für einen Führungsjob bewerben: Dann bitte nur einen Bewerbungsfilm mit Profi-Kameramann drehen oder lieber gar nicht. Beispiele für beides finden Sie unter YouTube, Suchwort „Bewerbungsvideo“.

7 Mal ehrlich – ist so viel Selbstvermarktung im Netz nicht ein bisschen STREBERHAFT?

Jein. Wenn Sie täglich auf Facebook posten, was für Traumqualitäten Sie mitbringen – dann schon. Clevere Jobsucher (gilt auch für Leute, die sich mit einer Idee selbstständig machen) gehen subtiler vor: Die empfehlen z.B. über Twitter die Beiträge anderer User, sodass diese sich mit Empfehlungen revanchieren; schaffen interessante Anlässe, um sich ins Gespräch zu bringen, oder twittern Fachbeiträge aus ihrem Jobumfeld weiter, um zu zeigen: Ich denke mit und bin auf dem neuesten Stand.

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