30. März 2011
Gefühls-Management im Job

Gefühls-Management im Job

Ihr Liebster darf Ihnen sofort an der Nasenspitze anmerken, was mit Ihnen los ist. Bei Kollegen und Ihrem Chef jedoch sollten Sie Ihre Emotionen zügeln. Ob Freude, Frust oder Furcht – mit diesen Strategien bekommen Sie im Job Ihre Gefühle unter Kontrolle.

Gefühle im Job
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Gefühle im Job

Es gibt so Tage, da könnte man glatt ohne Make-up ins Büro gehen. Die Augen strahlen, die Wangen ziert ein Rosé-Ton wie von Chanel, und das Grinsen ist so breit, dass es kaum zwischen die Unterlagen passt, die sich links und rechts am Schreibtisch stapeln. Wenn dann noch aufgeregt ein „geküsst“, „bei ihm“ oder „gemeinsam gefrühstückt“ ins Telefon getuschelt wird, weiß jeder, ob er’s will oder nicht: Die vergangene Nacht war heiß.

Dann wieder gibt’s Tage, an denen selbst ein Kilo Schminke nicht verbergen könnte, dass man schon beim Aufwachen schlechte Laune hatte, den Streit mit der besten Freundin noch nicht weggesteckt hat, über die Kollegin verärgert ist oder vom Teamleiter rundgemacht wurde. Das Resultat: Man ist niedergeschlagen, kann sich nur schwer konzentrieren – und die Kollegen gehen nach ein paar tröstenden Worten lieber auf Abstand.

Ja, wir verbringen den Großteil unseres Tages bei der Arbeit und so manch ein Kollege ist uns echt ans Herz gewachsen – klar, dass wir da unseren Gefühlen wie Freude, aber auch Wut, Neid, Ärger schnell mal freien Lauf lassen. Die Krux ist nur, dass wir keine Ich-AG sind, in der wir lediglich für uns alleine verantwortlich sind. Nicht jeder möchte unsere Stimmungen mittragen müssen – und von morgens bis abends neben all den Interna über unsere innerliche Verfassung informiert werden. Umgekehrt wollen ja schließlich auch wir nicht allen Launen unserer Kollegen ausgesetzt sein.

Es ist tatsächlich nicht leicht, immer die Haltung zu bewahren, wie es die meisten Männer können, und hübsch das Pokerface aufzusetzen. Da kommt man schon mal ins Schlingern, wenn der Ehrgeizling der Abteilung sich zum Quartalskönig aufspielt und unsere Leistungen zunichtemacht. Wenn der Boss uns lobt und gar befördert. Oder wenn wir vor einer Präsentation stehen und Angst haben zu versagen.

Was also tun? Sich heulend auf der Toilette einschließen oder Mister Ambition die Meinung geigen? Es bei einer Dankesrede belassen oder eine Party schmeißen? Beruhigungstropfen nehmen oder vor dem Vortrag darauf hinweisen, dass man nervös ist und auf kollegialen Beistand hofft?

Arbeitspsychologen raten zum effizienten Gefühls-Management: Emotionen wahrnehmen, filtern und kommunizieren. Den Mittelweg zwischen Alles-Runterschlucken und cholerischen Ausbrüchen finden. Wenn Sie sich bewusst selbst beobachten (eine Methode, die „Introspektion“ genannt wird) und wissen, welche Situationen was bei Ihnen auslösen, laufen Sie nicht Gefahr, von Ihren Gefühlen überwältigt zu werden. Stattdessen können Sie gezielt handeln und Konflikte vermeiden. Vor allem, wenn Sie auch die Befindlichkeit der anderen im Auge behalten und entsprechend umsichtig reagieren. Hier fünf Strategien für verschiedene emotionale Momente, die Ihnen helfen, die Kontrolle zu behalten:


„Ich könnte meinen Boss knutschen“

DIE SITUATION: Ihr Chef lobt Sie vor versammelter Mannschaft für Ihre tollen Leistungen. Und das Allerbeste: Er befördert Sie zur Projektleiterin. Sie sind so stolz und glücklich darüber, dass Sie ihm am liebsten um den Hals fallen würden.

DIE LÖSUNG: Natürlich dürfen Sie sich freuen. Und Sie dürfen auch heller strahlen als die Deckenbeleuchtung im Konferenzraum, wenn Sie sich für die Anerkennung bedanken. Aber flippen Sie vor lauter Begeisterung bitte nicht aus! Das würde zum einen bei Ihrem Chef den Eindruck hinterlassen, dass Sie völlig überrascht sind über den Karriereschub und Ihre eigenen Fähigkeiten nicht wirklich einschätzen können. Zum anderen würden Sie den Neid der Kollegen nur unnötig schüren („War ja klar, dass Superwoman zum Höhenflug ansetzt!“). Ausgelassen feiern können Sie später – im Kreise Ihrer Liebsten!

„Das lasse ich mir nicht gefallen!“

DIE SITUATION: Während einer Team- Besprechung greift ein Kollege plötzlich Sie und Ihren Arbeitsstil an. Von konstruktiver Kritik scheint der Mann noch nie etwas gehört zu haben. Er wird aggressiv, unfair, persönlich. Das macht Sie wütend, und nun möchten auch Sie Ihren Ärger loswerden.

DIE LÖSUNG: Lassen Sie sich weder auf seinen Ton noch auf seine Machtspiele ein! Bemerkungen wie „Sie können es doch nur nicht ertragen, dass eine Frau erfolgreicher ist als Sie“ sind tabu. Kontern Sie, aber bleiben Sie dabei sachlich und höflich! Je besonnener Sie reagieren, umso souveräner wirken Sie – und umso mehr schadet Ihr Kollege mit seinem rüden Verhalten sich selbst.


„Jetzt nur nicht losheulen…“

DIE SITUATION:
Sie haben in den vergangenen Monaten Ihr Bestes gegeben, viel erreicht und gehen davon aus, dass auch Ihr Vorgesetzter mit Ihnen zufrieden ist. Doch beim jährlichen Personalgespräch listet er schonungslos Ihre vermeintlichen Fehler und Schwächen auf. Ein K.-o.-Schlag für Ihr Ego. Sie sind verletzt, enttäuscht, traurig und kurz davor, weinend aus dem Zimmer zu laufen.

DIE LÖSUNG: Auch wenn Sie noch so sehr Ihrem Fluchtimpuls nachgeben möchten – tun Sie es nicht! In dem Moment, wo Sie der Konfrontation aus dem Weg gehen, handeln Sie sich erneut Minuspunkte ein. Bewahren Sie stattdessen Ruhe und Haltung, während Sie Ihrem Chef weiter zuhören. Falls nötig, bitten Sie ihn um eine kurze Auszeit, um über seine Anmerkungen nachzudenken. Wenn Sie sich wieder gesammelt haben, ist es an Ihnen, die Initiative zu ergreifen. Zeigen Sie, dass Sie berechtigte Kritik annehmen können und offen für Verbesserungsvorschläge sind. Aber entkräften Sie auch jene Punkte, die in Ihren Augen nicht zutreffend sind. Am besten mit durchschlagenden Fakten!

„Oh Gott, wie soll ich das nur überstehen?“

DIE SITUATION:
Ein großer Kundenauftrag ist erfolgreich abgewickelt, und Sie waren maßgeblich daran beteiligt. Ihr Teamleiter beauftragt Sie nun – als Wertschätzung Ihres Einsatzes – vor der gesamten Abteilung, den Abschlussbericht zu präsentieren. Die Ehre ist groß, die Nervosität auch, da öffentliche Ansprachen nicht gerade zu Ihren Lieblingsbeschäftigungen zählen. Sie sind optimal vorbereitet, aber als Sie mit dem Vortrag beginnen wollen, überfällt Sie Panik.

DIE LÖSUNG: Stehen Sie zu Ihrer Unsicherheit! Scheuen Sie sich nicht, eine Erklärung à la „Verzeihen Sie, wenn meine Stimme zittert, ich bin sehr aufgeregt. Aber ich hoffe, Sie unterstützen mich dennoch!“ vorauszuschicken. Diese Art von Ehrlichkeit macht Sie sympathisch und sorgt dafür, dass Ihnen Ihre Zuhörer mit gezielten Fragen zu Hilfe kommen, falls Sie den Faden verlieren.


„Das war’s nun wohl mit meiner Karriere“

DIE SITUATION:
In Ihrer Firma sollen Stellen abgebaut werden. Noch wissen Sie nicht, ob auch Sie davon betroffen sind. Aber Sie haben große Angst, dass Sie Ihren Job verlieren, und merken, dass diese Ungewissheit Sie belastet.

DIE LÖSUNG: Die Lage können Sie nur entschärfen, indem Sie konstruktiv mit Ihrer Angst umgehen und sich auf den schlimmsten aller Fälle vorbereiten: die Kündigung. Lesen Sie in Ihrem Vertrag nach, welche Kündigungsfrist Sie haben, informieren Sie sich, ob Auffanggesellschaften geplant sind, und machen Sie sich mit den Bestimmungen in Bezug auf Abfindung und Arbeitslosengeld vertraut. Darüber hinaus sollten Sie Ihre Bewerbungsunterlagen aktualisieren, nach Stellenangeboten gucken und schon mal Ihren Marktwert testen. Durch Ihren Aktionismus fühlen Sie sich nicht länger hilflos ausgeliefert und können gut gerüstet neue Wege gehen – falls Ihr Arbeitsplatz wirklich weg rationalisiert wird.

…noch mehr Tipps
Sie kennen nun die Strategien, mit denen Sie im Job Ihre (hochkochenden) Gefühle unter Kontrolle bekommen. Aber nicht nur am Arbeitsplatz lässt sich etwas gegen Aggression und Nervosität tun. Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation, Tai-Chi oder Atemtraining helfen, in sich zu ruhen. Probieren Sie aus, was am besten zu Ihnen passt –und Sie werden schnell merken, wie Ihre innere Gelassenheit stetig wächst. Und wenn Sie erst mal eine Meisterin des „OMs“ sind, wirft Sie so leicht nichts mehr aus der Bahn!

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