30. März 2010
Die beste Zeit ist immer jetzt!

Die beste Zeit ist immer jetzt!

Anti-Sprüche wie „in deinem Alter ist das peinlich“, oder „das kann man sich in diesen Zeiten nicht leisten“ kennt jede. Wenn nicht jetzt, wann dann? Dazu: 19 Ideen, das Leben zu genießen– vom Nacktbaden unter Sternen bis zur Kuss-Attack.

© Kzenon - Fotolia

Als meine Mutter 44 war, glaubte sie, sie käme in die Wechseljahre. Doch keine Spur! Das Einzige, was da kam, war ich. Als ihr Gynäkologe ihr eröffnete, sie sei schwanger, geschahen zwei Dinge. Erstens: Sie freute sich. Zweitens: Sie schämte sich. Weil man ihr nun ansehen würde, dass sie „sowas“ noch macht: Sie hatte Sex. In ihrem Alter! Man schrieb zwar die 70er Jahre, die sexuelle Revolution hatte bereits stattgefunden, aber nicht im Kopf (und Bett) meiner Mutter. Der Lebensplan folgte für viele ihrer Generation noch dem Muster: heiraten, Kinder kriegen, dem Mann den Rücken freihalten. Eigene Pläne? Spaß? Nicht so gern gesehen. Garniert wurde das Ganze mit jeder Menge „das gehört sich nicht“ und „man muss sich anpassen.“

Heute ist ja – Gott sei Dank – alles anders. Wir dürfen alles wollen! Noch besser: Wir dürfen es auch machen! Und wir schämen uns schon gar nicht für unseren Spaß im Bett. Den haben wir mit dem Freund – oder auch mit dem Vibrator, den wir uns im Internet bestellt haben. Wir tragen die Haare lang und die Röcke kurz – in einem Alter, in dem frühere Frauen-Generationen sich eine „altersgerechte“ Kurzhaar-Frisur nebst Faltenrock zugelegt haben. Nicht nur Liebe und Look sind freier als je zuvor. Wer will, geht während des Studiums nach Paris oder London. Oder später. Wir bekommen Babys, wenn wir wollen und wann wir wollen – mit Anfang 20, mit Mitte 40, geplant als Single-Mom oder ungeplant mit Partner. Wir dürfen: auswandern, als Managerin arbeiten, uns trennen, neu verlieben, Schafe züchten, mit dem Au-Pair-Boy davon rennen oder mit 38 nochmal studieren. Kurz, die Voraussetzungen, Träume zu leben, sind so gut wie nie. Theoretisch.

Doch bei manchen läuft irgendwas schief. Vor ein paar Jahren war ich auf einem Ehemaligen-Treffen. Da standen meine Ex-Klassenkameraden beim Bier, und ich hörte Sätze wie: „Ob ich noch Fußball spiele? Nää! Das geht heute ja nicht mehr so.“ Auch die Mädels unterhielten sich über „damals“, als sei das bereits fünfzig Jahre her. Wehmütig erzählte eine, wie sie auf einem verregneten Festival zu den Ramones mit zwei Typen im Schlamm synchron geknutscht hatte. Unisono-Kommentar der anderen: „Das waren noch Zeiten!“

So geht es weiter:Ich kenne Frauen, die sind seit Ewigkeiten unglücklich (!) mit Langweilern in der ebenso verkehrsberuhigten wie sprachlosen Zone zusammen.Weil sie mehr Angst vor (scheinbar) unberechenbarer Veränderung als vor dem langsamen Versauern haben. Manche kleben in einem Job als Sachbearbeiterin (Buchstabe A–H), obwohl sie anderes vor hatten: Sängerin werden oder auf Hawaii surfen. „Klappt doch nicht, sowas“, heißt es. Wenn ich frage, woher sie das wissen, wenn sie es nie probiert haben: Schulterzucken. Neuerdings kursiert eine andere Super-Ausrede: die Krise! Da ist es doch sicherer, alles beim Alten zu lassen. Aber ist es das wirklich? Wir könnten auch das Gegenteil daraus lernen: dass Sicherheit eine Illusionist. Und dann ist es doch viel schlauer, gleich das zu machen, was uns glücklich macht. Ist natürlich leichter gesagt als getan, wenn die Angst, aus der Reihe zu tanzen, tief verwurzelt ist.

Manche trauen sich nicht mal, ordentlich zu motzen, wenn ihnen der Hintermann im Supermarkt zum dritten Mal seinen Wagen in die Hacken rammt. Für mich ist das ein Zeichen, dass viele Menschen sich und ihr Glück nicht wichtig genug nehmen. Aber wer soll es sonst tun, wenn nicht wir selbst? Warum schlagen wir nicht selbst viel öfter die Funken, die unser Leben lebenswert machen? Nutzen unser Selbstvertrauen, um mit beherzten Schritten in eine neue Richtung zu gehen? Oft sind es doch die kleinen Gaga-Aktionen, Mutpröbchen und außergewöhnlichen Selbstbelohnungen, die Lust auf größere Verwandlungen machen. Oder einfach nur den Alltag bunt.

Deshalb hier und jetzt und nur in PETRA: ein paar Vorschläge für mentale Lockerungs-Übungen.

Lockerungs-Übungen

Schmeißen Sie eine Bottle-Party
Zu Studentenzeiten funktionierte das dochauch: Jemand hat die Six-Packs Bier besorgt, einer machte den DJ – und dann wurde die Nacht durchgetanzt. Ohne langwierige Planung und Sitzordnung! Bottle-Party nennt sich so eine Veralstaltung, zu der jeder etwas mitbringt. Und wenn die „Bottles“ leer sind: Spielen Sie eine Runde Flaschendrehen. Bringt heute garantiert noch genauso viel Spaß wie mit 14. Versprochen!

Probieren Sie Stand by...
Was sich heute „Last Minute“ nennt, hat mit echtem Risiko oft soviel zu tun wie „DSDS“ mit dem „Literarischen Quartett“. Abenteuerinnen fahren spontan mit gepacktem Koffer zum Flughafen – offen für alles. Und erwischen vielleicht die Malediven zum Mallorca-Preis.

...und den One-Night-Stand
Grandios, wenn man nichts will als Spaß und einen Ego-Booster: Denken Sie sich einen falschen Namen aus, legen Sie sich eine glamouröse Biografie zurecht – und erlegen Sie genüsslich Ihr Opfer, bevor Sie im Morgengrauen verschwinden. Wichtig: Kondome nicht nur einpacken, sondern auch verwenden!

Schwimmen Sie! Nachts! Nackt!
Erinnern Sie sich noch, wie Sie damals nachts im Freibad über den Zaun geklettert und nackt im Dunkeln geschwommen sind? Dieses unbeschreibliche jugendliche Gefühl, das nach dem Motto „Das Leben ist eine Wundertüte“ funktioniert: Holen Sie es zurück, und tun
Sie’s einfach wieder! Statt einzubrechen, können Sie ja auch – legal – im See oder im Meer plantschen.

Ziehen Sie zusammen
Ob mit dem Liebsten unter ein Dach oder in die Bauernhaus-WG, das schlagende Argument fürs Zusammenziehen lautet: spart Miete! Trotz schweißtreibender Temperaturen sind Freunde im Sommer meist auch eher zu Umzugs-Hilfeleistungen bereit als bei Minusgraden, denn danach schmeckt das Bier doppelt gut. Unter www.umzug.info können Sie eifrige Helferlein dazurufen.

Heben Sie ab
Fahren Sie im Freizeitpark oder bei der nächsten Kirmes mal wieder hemmungslos alle Karussels ab: Geisterbahn, Wilde Maus und Riesenrad. Tipp: Nehmen Sie Nichten, Neffen oder Patenkinder als Alibi mit. Die werden Sie dafür sehr, sehr lieben.

Gründen Sie Ihre Firma
Sie träumen vom eigenen Blumenladen oder Yoga-Studio? Super! In schwierigen Zeiten startet man mit realistischem Blick, und der ist wichtig für dauerhaften Erfolg. Die Agentur für Arbeit zahlt bei Vorlage eines Business-Plan seinen Gründungszuschuss.

Be a Star (I)
Werfen Sie sich in Schale, setzen Sie die XXL-Sonnenbrille auf, und lassen Sie zwei Kumpels Ihre „Bodyguards“ spielen – im Anzug und mit „Knopf“ im Ohr (von der Freisprechanlage). So laufen Sie dann im Biergarten auf, bummeln durchs Einkaufszentrum und amüsieren sich über die Reaktionen: „Mensch, woher kennen wir die bloß?“ Albern? Eben!

Be a Star (II)
Werden Sie Statistin beim Film oder Fernsehen. Bringt nicht viel Geld (50–70 € pro Tag), aber eine Menge Spaß. „Kleindarsteller“ werden meist gestylt wie die großen Stars und füllen später Film-Szenen mit Leben. Casting-Agenturen finden Sie in allen großen Städten.

Heiraten Sie
Einfach so. Ob in Las Vegas oder „spießig“auf dem Standesamt. Denn Liebe will gefeiert werden. Zur Einstimmung nochmal „Love Vegas“ mit Cameron Diaz und Ashton Kutcher angucken.

Der wunderbare Lerneffekt
Studienbeweisen: Lernen macht glücklich, weil es das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Also lernen Sie – ganz egal, was. Ob nun Sprachen im Urlaub (z.B.über www.flamenco-sprachreisen.de),Tango an der Tanzschule, Gitarre oder Acryl-Malerei.

Weg mit dem Plunder
Sich von Ballast zu trennen befreit. Goldene Regel:Was ich ein Jahr nicht gebraucht habe, fliegt raus. Tun Sie sich mit einer Freundin zum Flohmarkt-Tag zusammen – und gönnen Sie sich hinterher mit ihr ein Spa-Wochenende.

Erleben Sie die „freie Liebe“
Ihr Liebesleben bringt Sie zum Gähnen? Verführen Sie Ihren Süßen doch mal draußen: Einfach am Stadtpark-Weiher ein Boot leihen und in eine einsame Bucht paddeln...Sonne auf sonst verhüllten Körperstellen und der Thrill, entdeckt zu werden, löst den Dopamin-Kick aus – das ist das Herzklopf-Hormon.

Verschenken Sie gutes Karma
Gutes tun macht froh. Fängt schon damit an, dass Sie gegen die Miesepetrigkeit in der S-Bahn anlächeln. Oder übernehmen Sie eine Patenschaft für ein Kind in Afrika (www.world-vision.de) oder ein Stück Regenwald in Brasilien (etwa über www.tropica-verde.de).

Gehen Sie auf Kuss-Feldzug
Braucht Mut, aber wird Sie für Monate beflügeln: Küssen Sie den nächsten schönen Mann. Blickkontakt herstellen, lächeln und los knutschen! Im ICE, im Club, auf dem Wochenmarkt. Verwegene wagen es mit allem Pipapo, alle anderen dürfen auch die Wange knutschen.

Machen Sie ein Baby
Die Familienpolitik tut immer mehr Schritte in die richtige Richtung, wagen Sie endlich auch einen.

Mehr Musik bitte...
Miesepeter behaupten, Outdoor-Festivals fielen entweder in die Kategorie „Sintflut“ oder „Wüstenhitze“. In Wirklichkeit sind sie aber eine magische Kombinationaus Freiheit, Emotionen und Party – warum vergessen das soviele mit spätestens 25? Eins der berühmtesten Festivals findet im dänischen Roskilde statt (2.–5.Juli), dieses Jahr kommen u. a. Coldplay, Lily Allen und Oasis (www.roskilde-festival.dk).

...und mehr Männer!
Sie sind Single, daten aber immer nur brav einen nach dem anderen? Vergessen Sie endlich die Skrupel (Männer haben auch keine). Legen Sie sich mehrere Lover gleichzeitig zu, und lassen Sie sich ausführen und verwöhnen. Achtung: Nichts versprechen, dann kann sich später auch niemand beschweren.

So schön sind Sie
Eine Foto-Session mit Selbstauslöser gibt dem Selbstbewusstsein Futter. Setzen Sie sich in Pose, probieren Sie Outfits aus – und sehen Sie sich in neuem Licht.

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