15. März 2010
Orangenhaut, Krähenfüße, Raucherfältchen und co.

Orangenhaut, Krähenfüße, Raucherfältchen und co.

Redakteurin Rüyam Altan regt sich über uncharmante Bezeichnungen in der Schönheits-Branche auf.

Orangenhaut, Krähenfüße, Raucherfältchen und co.
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Orangenhaut, Krähenfüße, Raucherfältchen und co.

Ich habe einen wiederkehrenden Albtraum: Ich liege in meinem Bett, warm und kuschelig, und werde von der Sonne wachgeküsst. Während ich mich im wohligen Halbschlaf recke und strecke, spüre ich plötzlich etwas Fremdes auf meinem Gesicht. Schwer. Rau. Und scharfkantig. Vorsichtig öffne ich die Augen, und in dieser Sekunde flattert eine Krähe auf und durch das offene Fenster davon. In Panik renne ich zu einem Spiegel. Die Abdrücke der Krähenfüße, die der schwarze Vogel auf meiner Haut hinterlassen hat, sind unübersehbar. Einsatz: die berühmten „Psycho“-Geigen! Ich kreische wie von Sinnen. Und wache auf.

Kein Wunder, dass ich so seltsame Träume habe. Ist mit Sicherheit eine „déformation professionelle“. Immerhin habe ich von Berufs wegen täglich mit gruseligen Begriffen zu tun. Krähenfüße. Orangenhaut. Schrunden-Creme. Natürlich frage ich mich, wer diese uncharmanten Bezeichnungen in die Welt gesetzt hat, die meistens nur auf uns Frauen gemünzt sind. Männer?

Noch immer wachsen irgendwo auf der Welt namenlose Pflanzen, aber jede noch so belanglose Linie in unserem Gesicht hat ihren Spezialbegriff. Submentale und laterale Falten – da denkt doch jeder automatisch an gefährliche geologische Verwerfungen. Oder orale Kommissuren: Nein, hierbei handelt es sich nicht um irgendwelche Bundestags- Gremien, sondern um Raucherfältchen an der Oberlippen-Kontur. Zwei Begriffe für eine Sache finde ich persönlich ja etwas übertrieben. Aber die deutsche Gründlichkeit macht auch vor Falten keinen Halt. Tatsächlich besitzt die Raucherfalte sogar noch einen dritten Namen: Marionettenfalte (klingt, wie immer, extrem schmeichelhaft!). Und, wenn wir’s ganz genau nehmen, sogar noch einen vierten. Denn in Fachkreisen heißen diese Oberlippen-Linien inzwischen Angela-Merkel-Falten. Ungelogen. Und unglaublich. Dabei geht es doch viel netter: Der Volksmund veredelt verhasste Fettrollen im Taillenbereich zu Hüftgold.

Krähenfüße, Orangenhaut – klingt gruselig

Aus dem lästigen Schwabbelfleisch am unteren Oberarm macht er niedliche Winke-Ärmchen. Und das Wort Lippenbläschen verharmlost zumindest akustisch den fiesen Herpes. Leider gibt es hiervon nur ganz wenige Beispiele. Deshalb würde ich es begrüßen, wenn die Beauty-Industrie klangvolle neue Begriffe erfinden würde. Die entwickeln doch sonst auch elegante Flakons und glamouröse Slogans. Eine Creme gegen Raucherfältchen heißt schließlich nicht „Anti-Orale-Kommissuren- Schmiere“, sondern „Baume Anti-Rides Lèvres et Contour“. Na bitte, geht doch! Klar, all diese kleinen Makel möchte man trotzdem nicht unbedingt haben, akzeptiert sie aber vielleicht ein bisschen leichter, weil sie sympathischer klingen. Hier noch ein Beispiel: Lymphdrainage – eigentlich eine wunderbare Sache, aber was für ein schrecklicher Begriff! Ich würde sie verführerisch „Touch and Flow“ nennen.

Leider glaube ich nicht, dass sich solche netten Wort-Kreationen jemals durchsetzen werden. So erklärt sich wohl auch mein zweiter wiederkehrender Albtraum: ein riesiger, kahler Raum. Frauen jeden Alters mit traurigen Mienen sitzen auf Stühlen im Kreis. Ich bin eine von ihnen. Plötzlich werde ich zum Aufstehen aufgefordert. Und höre mich mit verzagter Stimme sagen: „Hallo, mein Name ist Rüyam, und ich habe Krähenfüße, Besenreiser, Mitesser, Orangenhaut, Krampfadern, Schrunden, nasolabiale, submentale, laterale, orthostatische und aktinische Falten.“ Zum Glück nur ein Albtraum. Noch.

Ärgern Sie sich auch über fiese Beauty- Begriffe? Schicken Sie uns Ihren Gegenvorschlag auf www.petra.de.

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