13. März 2010
Gehst Du nackt?

Gehst Du nackt?

Die Männer machen’s den Frauen nach und enthaaren sich großflächig. Aber steigert das ihren Sex-Appeal? PETRA-Mitarbeiterin Petra Hauk meint Nein und hält ein Plädoyer für Haare an den richtigen Stellen

Gehst Du nackt?
© Hanik - fotolia.com
Gehst Du nackt?

Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem ich die Gebrauchsanweisung eines Haarfärbemittels nicht mehr lesen muss, um zu wissen, wie es funktioniert. Da darf ich mich doch mit Fug und Recht für abgebrüht, erfahren und schockresistent halten, oder was sagen Sie?
Tja, Hybris, Hybris!Neulich sitze ich mit meinem Bruder in der U-Bahn und ziehe über einen ganzkörper-eingeölten Bodybuilder mit Designer-Einkaufswägelchen her (in dem er vermutlich das restliche Testosteron versteckt) und schließe prustend mit den Worten: „…und rasierte Eier hat der vermutlich auch!“

Da schaut mein kleines Brüderlein erschreckt und schuldbewusst, und ob der blitzartigen Erkenntnis klappen meine Kiefer so weit auseinander wie die der Königskobra. „…auch du, mein Sohn Brutus?“, flüstere ich heiser. Er zuckt mit den Achseln:„Das ist doch normal heute, das macht doch jeder.“ Mein Bruder. Mein eigen Fleisch und Blut. Läuft abgeschmackten Intim- Trends hinterher!

„Is’ eh super“, sage ich,weil er so traurig schaut. Er ist traurig, und ich komme mir blöd vor. Sitze in der U-Bahn und diskutiere mit meinem Bruder (!) über genitalen Haarwuchs (!). Auch wurscht, ich kenne absurdere Situationen (wenn auch nur aus Kaurismäki-Filmen). Jetzt reden wir Tacheles: Wie er sie wegmacht und warumes mit der Intimrasur dasselbe ist wie mit der roten Pille bei Matrix: Wenn man einmal damit angefangen hat, gibt’s kein Zurück mehr.
„Einen Tag nicht rasieren und alles fängt höllisch zu jucken an“, seufzt er. Und dass wildes Kratzen in der Vorstandssitzung überhaupt nicht gut ankomme. Der Arme.

Gretchenfrage

Müssen mir die Jungs in meinem Freundeskreis jetzt auch leid tun? Meinem besten Freund Carlos kann ich schamlos die haarige Gretchenfrage stellen. Ich rufe ihn sofort an und frage, ob er auch unten ohne durchs Leben geht. „Naturellement!“, flötet er ins Handy und schildert mir seine gesammelten Enthaarungsversuche so ausführlich, dass ich Brandblasen an der Ohrmuschel habe.

„Und ich fühle mich super so“, versichert er. Gibt allerdings zu, dass seine Idee, die lästigen Härchen mittels Epiliergerät zu killen, nicht zu Ende gedacht war. Der Einzige, den er dabei fast umgebracht hätte, war er selbst. „Diese Schmerzen wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht“, sagt er und fügt hinzu: „Schreib das ruhig, andere Männer sollen auch was lernen.“ Gern, antworte ich, obwohl ich glaube, dass niemand außer Carlos auf die Idee kommt, ein Epiliergerät auch nur in die Nähe seines Zwischenbeinbereichs zu lassen. Und was bringt’s?

„Blöde Frage“, sagt er, „ich find’s schöner. Und überhaupt hab ich nirgendwo am Körper Haare.“ Keine Achsel-, Bein-, Brust-und Armhaare? Keine. Jeder, wie er mag. Aber ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich liebe die Haare auf den Armen meines Liebsten, sie sind hell und fein und weich wie ein Flaum. Es fühlt sich einfach gut an, wenn ich darüberstreiche. Die Vorstellung, dass mein Schatz imir aalglatt unter den Händen wegflutscht oder im Bad länger braucht als ich oder mehr Bic-Rasierer verwendet als ich – Hilfe! So ganz verstehe ich die Haarentfern- Wut der Männer nicht. Aber vielleicht bin ich einfach zu jung dafür.

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