12. März 2010
4 Männer-Typen und ihre Traumfrau

4 Männer-Typen und ihre Traumfrau

Stundenlange Experimente vor dem Spiegel, nur um „ihm“ zu gefallen: Jede Frau kennt das. PETRA fragte vier sehr verschiedene Männer-Typen, welcher Look sie anmacht – und was einfach gar nicht geht.

© Jalag Syndication

"Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Oh ja, das Zitat aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint- Exupéry kennen wir. Aber das Herz hilft vor dem Kleiderschrank kaum weiter. Kommen die neuen schwarzen Overkneestiefel beim ersten Date wirklich hip und sexy zugleich rüber? Oder wirken sie auf ihn bloß billig (was sie nicht waren!)? Und warum schweigt der vermeintliche Verehrer plötzlich? Hat er das mit dem Herzen entschieden? Oder trägt der Fransenponcho vom letzten Rendezvous eine Mitschuld? Die flachen Ballerinas? Die Frisur wo möglich? Stopp!

Mal ehrlich: Wir sind selbstbewusste, kluge und unabhängige Wesen. Trotzdem stürzt uns die Frage, wie unser Auftreten, unser gesamtes Styling bei Männern ankommt, regelmäßig in unsicheres Grübeln. Vielleicht ist all die Anstrengung vergebens? Vielleicht senden wir aus Versehen genau die falschen Signale? Oder die richtigen Signale – aber zum falschen Anlass? Sind Männer überhaupt in der Lage, Signale zu entschlüsseln, die subtiler rüberkommen als ein knapper Minirock?

Christian, 27, Kosta, 38, Volker, 39, und Matthias, 44 (im Foto v.l.n.r.), unsere „Versuchsobjekte“ beim PETRA-Shooting, entsprechen vier grundverschiedenen Männer- Typen. Aber eines haben sie gemeinsam: eine jeweils ziemlich genaue Vorstellung, wie eine tolle Frau aussieht. Und wie nicht. „Wenn sie mit Mitte 30 auf blutjung macht, finde ich das nur peinlich“, sagt etwa Volker – der mit seinen Ende dreißig in jugendlichen Ugg-Boots zum Shooting gestiefelt kam. Dass High Heels billig wirken, darin stimmt der Multimedia-Designer mit dem Berufsschullehrer Kosta überein. Single Matthias hingegen hat keine Absatzprobleme: Er findet Frauen in Stilettos „erotisch“. Aber zu kurz sollte der Rock dazu dann bitte nicht sein.

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Stundenlange Experimente vor dem Spiegel, nur um „ihm“ zu gefallen: Jede Frau kennt das. PETRA fragte vier sehr verschiedene Männer-Typen, welcher Look sie...
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Also was ist jetzt eigentlich sexy, anmachend, attraktiv? Befragt man Experten zum Thema, zücken die meist die Steinzeitkeule: „Das, was ein Mann als anziehend empfindet, wird noch immer evolutionsbiologisch beeinflusst“, erklärt zum Beispiel Dr. Elmar Basse, Psychotherapeut und Paarberater aus Hamburg. „Bei einer potenziellen Partnerin ist dem Mann vor allem wichtig, dass sie treu ist. Zeigt sie ihre Reize allzu offenherzig, verunsichert ihn das. Weil er denkt, dass sie sich jedem anderen auch so präsentiert.“ Dazu passt, dass unsere Herrenrunde ihr Urteil über vermeintliche Sexsymbole schnell gefällt hat: „Jennifer Lopez und Rihanna finde ich eher abschreckend als antörnend“, sagt Volker, und alle stimmen ihm einhellig zu: zu viel Glitzerblinker-billig-Getue – zuwenig Stoff am Leib. Oder auch: zu viel Show, zuwenig Frau.„Männer mögen Reize, aber der Gesamteindruck sollte natürlich sein“, bestätigt der Psychologe. Und führt wieder die Urzeit an:„Das Aussehen der Frau ist, rein biologisch betrachtet, ein Indikator für ihre Gesundheit und Fruchtbarkeit. Unbewusst läuft im Kopf eines Mannes immer noch dieser Check-up ab.“

Natürlichkeit kommt also gut an. Aber bitte nicht zu natürlich – wenn es nach unseren vier Männern geht. Baumwollbüxen oder Schafwollpullis in XL bieten wiederum Anlass zum Nörgeln: „Der schlimmste Lustkiller ist der Schlabberlook“, klagt Endzwanziger Christian, leicht gebräunt und echt gut durchtrainiert. Darin stimmen ihm einer Emnid- Umfrage zufolge 70 Prozent der deutschen Männer zu. Mag sein – aber nach einem anstrengenden Tag im Büro ist die Lieblingskuschelhose nun mal Wellness für die Sinne! „Gemütlich geht in Ordnung. Aber sie sollte schon darauf achten, was sie trägt. Auch vor dem Fernseher“, findet Matthias. Und Volker könnte zwar „eine graue Baumwolljogginghose von American Apparel“ verschmerzen, aber ausgebeultes Flanell soll bitte im Schrank bleiben. Umgekehrt wäre er bereit, sich selbst auch die Schlunz-Klamotten zu verkneifen. Behauptet er jedenfalls strahlend.

Das Gegenteil vom Schlabberlook ist das Business-Outfit. Auch das ist ein sensibles Thema: Blazer, Brille, strenge Frisur, kühles Lächeln oder gar Schulterpolster – könnte das zu viel sein für die ängstliche Männerseele? Tough und erfolgreich im Beruf sein und das auch zeigen: Das lassen wir uns nicht verbieten – oder? Leider doch! „Viele Frauen fürchten, Männer mit einem sachlich-coolen Look einzuschüchtern“, sagt Dr. Elmar Basse. „Und diese Angst ist nicht unbegründet: Seit Urzeiten orientieren sich Frauen gesellschaftlich nach oben, suchen Männer, die Macht und Einfluss ausstrahlen. Männer hingegen suchen auch heute noch tendenziell eher Frauen, die sie beschützen können.“ Im Klartext: Erscheint SIE ihm zu erfolgreich, ergreift ER die Flucht – weil er sich überfordert fühlt.

Müssen sich Frauen also tatsächlich damit abfinden, dass sie trotz aller Emanzipationsbemühungen nicht gegen die olle „Urzeit“ ankommen? Sind wir alle doch bloß grunzende Neandertaler in modernem Gewand? Doch wir dürfen hoffen: Volker aus unserer Männerrunde wird gerade beim Geschäftsfrauenlook schwach. Besonders, wenn sie ihr kühles Bürostyling mit„verspielten Elementen“ kombiniert. Matthias wiederum steht auf rote Fingernägel und Make-up – vorausgesetzt, die Frau trägt dazu sportliche Turnschuhe. Und Kosta mag bunte Shirts, dazu aber gern einen kurzen Rock. Solche Stilbrüche und Zweideutigkeiten seien typisch, betont Dr. Basse: „Was äußere Reize betrifft, läuft zwischen Männern und Frauen eine doppelbödige Kommunikation ab. Der strenge Blazer wirkt spröde, das Spitzentop aber mädchenhaft. Eindeutige Signale sind langweilig. Männer lockt die Irritation.“

Irritation herrscht heute allerdings reichlich, besonders bei den Y-Chromosom-Trägern. Googelt man nach „Frauentypen“, stößt man sehr schnell auf Foren, in denen sich hilflose Herren abmühen, Frauen in verschiedene Schubladen zu stopfen. Anschließend rätseln sie im Stammtischmodus über den richtigen Umgang mit „Ökotrinen“ oder „WildWomen“. Was war das doch früher schön einfach, mag sich der eine oder andere Kerl denken: In den Fünfzigerjahren verwandelten sich liebe Mädchen in folgsame Ehefrauen. Dann kam die Emanzipation, Frauen trugen erst Latzhosen, dann Nadelstreifen. In den Neunzigern plapperten sich selbstsichere Girlies aufgeweckt, aber oft doch ziemlichharmlos durch die Medien. Und heute? Süße Mädchen tragen schwere Boots und toughe Frauen kurze Röcke. Das verunsichert die Männer. Und manchmal auch uns Frauen selbst. Aber genießen wir die neue Fashion-Freiheit doch einfach! Wir können uns aus verschiedensten Styles aus allen Epochen bedienen, können schmale Blazer mit Schulterpolstern als ironisches Eighties-Zitat tragen, gemixt mit Ditavon-Teese-Lippen und Ballerinas. Wenn das die Männer irritiert: gut so! Bloß erschrecken wollen wir sie ja nicht… „Frauen machen sich enorm viele Gedanken über ihre Außenwirkung“, sagt Dr. Basse. „Häufig stehen sie mit sich selbst in einem Negativ-Dialog, das heißt: Einerseits wollen sie dem Mann gefallen, andererseits wollen sie selbstbestimmt bleiben.“

Der Psychologe rät, sich an den Männern ein Beispiel zu nehmen: „Die machen sich weniger Gedanken darum, ob sie gefallen oder nicht, und entscheiden von Fall zu Fall, inwieweit sie bereit sind, sich der Mode oder den Vorstellungen der Partnerin anzupassen.“ Unser Vierergespann bestätigt das. „Ich würde über einzelne Outfits mit mir reden lassen. Aber meinem Stil werde ich für keine Frau der Welt untreu“, sagt etwa Matthias. Am Ende des Shootings hatten sich fast alle ein wenig in unser Model Jacqueline, 23, verknallt. „Sie ist so charmant. Der würde ich sofort einen Heiratsantrag machen!“, schwärmte einer. Und das, obwohl Jacqueline privat total auf den lässig-gemütlichen Leisure-Style steht. Was lernen wir daraus? Wenn der Augenaufschlag stimmt, dann sieht sogar ein Mann mit dem Herzen – und Fellstiefel, Kuschelpullis oder Lackpumps sind machtlos.

© Jalag Syndication
Und was sagt und trägt unser Model Jacqueline, 23, privat? „In meinem Job muss ich oft Sachen tragen, die ich freiwillig nie anziehen würde. Ich kleide mich relativ schlicht, meist in gedeckten Farben: Ankle- Boots, Jeans, Longsleeves, Bandeau- Kleider oder Leggings mit Maxi-Top für die Disco. Edle Designerteile kombiniere ich gern mit günstigen, modischen Stücken von H&M. Stilmäßig liegen Volker und ich da ziemlich auf einer Linie. Bunt bedruckte T-Shirts und Prilblumenröcke, die Kosta so gut gefallen, sind mir dagegen zu szenig. Den nostalgischen. leicht verruchten Stil von Matthias habe ich gern mal ausprobiert, aber ich finde ihn nicht alltagstauglich, da käme ich mir verkleidet vor. Und Christians Geschmack ist mir zu heftig. Zwar mache ich mich fürs Ausgehen gern mal sexy zurecht, mit Smokey Eyes und etwas Dekolleté. Aber ich will nicht auffallen oder mit Kiez-Look provozieren.“


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