Partnerschaft Pick-up-Artist: Männer – die Abschleppen, Flachlegen und Fallenlassen

Sie verführen Frauen und nennen sich Pick-up-Artists. Das einzige Ziel dieser Männer ist abschleppen. Was ist das für ein neuer Trend und wie genau funktioniert die Masche der Pick-up-Artists?

Pick-up-Artist

Pick-up-Artist – was ist das?

Sie nennen sich Pick-up-Artists oder kurz „PUAs“ und sie verfolgen einen mehrstufigen Plan vom ersten Ansprechen bis zum Sex. Dafür nutzen sie eine große Zahl von einstudierten Verhaltensmustern und Tricks, um möglichst viele Frauen zu verführen. Ursprünglich stammt der Trend aus den USA, Hollywood meldete auch schon Interesse an. Die Pick-up-Bibel „The Game“ von Niel Strauss, dem Begründer der US-Verführungs-Szene, soll mit James Franco in der Hauptrolle verfilmt werden. Inzwischen hat die „Secret Society“, wie die Pick-up-Jünger ihre Glaubensgemeinschaft nennen, auch Deutschland erreicht: Selbsternannte Verführungskünstler schreiben Bücher, organisieren Workshops und stellen Ratgeberfilmchen ins Netz. Auf speziellen Internetseiten tauschen sich die modernen Don Juans untereinander aus.

So schnell wicklen uns die Aufreißer um den Finger

Stellen wir uns folgende Situation vor: Ein Typ quatscht eine Frau in einer Bar an. Er spendiert ihr einen Hugo, die beiden kommen ins Gespräch. Statt über sich und seinen coolen Wagen zu schwadronieren, lässt er sie erzählen und säuselt dann: „Du hast eine solche Leidenschaft für das, was du tust. Aber irgendetwas hält dich zurück. Ich frage mich, was das wohl sein mag.“ Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder dreht sie sich kopfschüttelnd weg und flüchtet. Oder aber – was wahrscheinlicher ist – er trifft sie an einem wunden Punkt, und sie denkt: „Mensch, endlich mal ein Mann mit Tiefe und Feingefühl.“

So sind wir nun mal. Wir springen an, wenn uns einer versteht. Als Letztes würden wir aber darauf kommen, dass es sich um ein Spiel handelt, das nur eines zum Ziel hat: uns ins Bett zu kriegen. 

Sind wir Frauen echt so einfach rumzukriegen?

Das größte deutsche Pick-up-Forum zählt mehr als 100.000 User. Die Männer, die sich auf diesen Seiten tummeln, geben sich Namen wie „Tristan“, „Codeman“ und „Frenchlover“ und tratschen tagtäglich über die besten Jagd-Strategien. „Frauen haben einen Schalter, den man nur umlegen muss. Sie lassen sich relativ leicht beeinflussen und fallen immer wieder auf die gleichen Maschen herein“, heißt es da. Sowieso kann man nicht gerade behaupten, dass die Regeln der Verführung besonders kompliziert sind: Man(n) solle sich möglichst sozial, tier- und kinderlieb geben und nicht zu tiefgründig daherreden, denn damit wären die meisten Frauen einfach maßlos überfordert. Unverschämt, denken wir da.

Die Taktiken der Pick-up-Artists sind simpel

Aber unter uns: Natürlich sind wir schon auf den einen oder anderen Mann hereingefallen – und bestimmt nicht deswegen, weil er pausenlos Rilke zitierte. Ein tiefer Blick und ein Kompliment an der richtigen Stelle reichen auch. Im Jargon der Pick-up-Artists heißen die Floskeln, mit denen man Frauen betört, „Cold Reading“, zu deutsch „kaltes Lesen“. Dabei handelt es sich um simple Aussagen, die zutiefst persönlich und einzigartig wirken. Ein anonymer Pick-up-Artist schreibt dazu im Netz: „Frauen lieben es einfach, wenn Männer sie durchleuchten. Dieses Gefühl, auf einer Wellenlänge zu sein, wirkt derart manipulierend, dass totale Hingabe, Willenlosigkeit und unstillbares Verlangen entstehen können.“ Na denn. Die Strategie dahinter sieht so aus, dass der Mann nur zuhört und einen der Schlüsselsätze (siehe nächste Seite) fallen lässt. Mehr nicht.

Der Pick-up-Code

Klar, Verführungskunst ist so alt wie die Menschheit selbst. Aber noch nie waren die Herren strategisch so gut aufgestellt wie zu diesem Zeitpunkt. Damit wir Frauen nicht hinter die perfiden Maschen dieser vermeintlichen Künstler kommen, existiert eine eigene Sprache in der Szene. Ein Beispiel: „Als ich letztens im Club zum sargen war (Frauen aufgabeln), hat mir eine HB8 (Hot Babe. Auf der Skala von eins bis zehn eine acht, also eine ziemlich heiße Frau) eine Approach Invitation gegeben (ihre Körpersprache lud zum Flirten ein). Ich hab Kino gestartet (sie angefasst) und es bis zum Number Close geschafft (sie hat mir ihre Nummer gegeben).“ Klingt ein bisschen albern? Allerdings.

Warum werden Männer zu Pick-up-Artists?

Warum Männer sich dazu entschließen Pick-up-Artist zu werden, lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Da gibt es mehrere Gründe für. Männer, die zum Beispiel immer nur die Rolle des besten Freundes bei Frauen hatten, haben diese Position irgendwann satt und wollen mehr. Schluss mit dem "Nett"-Image – Hallo Badboy! 

Anderen macht es einfach Spaß Frauen um den Finger zu wickeln und ins Bett zu bekommen. Es ist eine Art der Genugtuung und ihre Masche, wenn sie wieder und wieder eine Dame nach der anderen von sich überzeugen konnten.

Dann gibt es diejenigen, die eine Challenge daraus machen und versuchen, möglichst viele Frauen in kürzester Zeit abzuschleppen. Gegenseitig stacheln sich die Pick-up-Artists an und gehen jagen und erlegen. Damit zeigen sie gleichzeitig, wer im Kampf der Geschlechter die Oberhand hat.

Eine weitere Gruppe, sind die schüchternen Männer, die nicht so wirklich bei Frauen landen können. Mit Hilfe der Pick-up-Artist Seminare möchten sie lernen, wie sie bei den Damen besser landen können und das sogar ohne böse Hintergedanken.

Welche Typen von Pick-up-Artists gibt es?

Unter den Pick-up-Artists wird häufig zwischen Alpha-Männern und Beta-Männern unterschieden. Diese Bezeichnung kommt eigentlich aus der Wissenschaft, genauer gesagt aus der Verhaltensforschung in der Tierwelt. Dort sind Alpha-Tiere die Anführer in einem Rudel, während die Beta-Tiere ihm unterstellt sind. Unter den Pick-up-Artists sind die Alpha-Männer jene, die über ein sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügen und sich ohne Hemmungen das nehmen, was sie wollen. Dabei daten sie gleichzeitig mehrere Frauen und setzen ihre Taktiken und Verführungskünste ein – Sexismus ist für sie ein Fremdwort. In der Szene ist dann die Rede von „Multiple Long Term Relationship“– ein Pick-up-Artist führt also mehrere sexuelle Beziehung gleichzeitig. Beta-Männer sind solche, zu denen sich Frauen nicht direkt hingezogen fühlen. Jedoch wirken diese Art der Männer attraktiv auf Frauen, da sie potential für langfristige Beziehungen ausstrahlen. Beta Sex-up-Artists hingegen begnügen sich nur mit einer Frau zurzeit. 
Unter den Pick-up-Artists gibt es aber auch sogar spezielle Gruppen, die sich mit dem Thema „Frauen verführen“ und den unterschiedlichen Taktiken beschäftigen. Wie zum Beispiel die Seduction Community (suduction = Verführung). Dieser Bewegung gehören ausschließlich Männer oder besser Aufreißer an, welche sich auf die Verführungskunst spezialisiert haben. 

Datum: 16.10.2019

Autor: Claudia Riedel

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