Designer-Porträt Die Modeschöpferin Isabel Marant

Isabel Marant hat es geschafft, wovon viele Designer noch träumen – sie ist eine der einflussreichsten Modemacher unserer Zeit. Ihre Kleidungsstücke erobern die ganze Welt. Jeder will die einzigartigen Looks tragen.

Isabel Marant

Kleidchen, Schleifen, und rosa T-Shirts – nichts was Isabelle (damals noch mit zwei „L“) Marant in jungen Jahren angezogen hätte. Geboren in Paris und aufgewachsen bei ihrem Vater, einem Fotografen, bediente sie sich lieber an seinem Kleiderschrank. Seine alten Pullover waren ihre Kleider und seinen Morgenmantel kombinierte sie mit schicken Slippern. Marant legte schon damals viel Wert auf Individualität. So nannte sich Isabelle kurz nachdem sie erfuhr, dass vier weitere Klassenkameradinnen denselben Namen wie hatten, in Isabel um. Schnell war sie wegen ihres „Anderssein“ in der Schule eine kleine Berühmtheit und erhielt den Spitznamen „notorious nut“.

Isabel Marants Inspirationsquellen

Bereits in ihrer Kindheit reiste Isabel nach Asien, Afrika, Indien und in die Karibik. Dort schöpfte sie erste Style-Inspirationen. Aber auch ihr Vater und ihr Kindermädchen, welches immer verrückte Sachen trug, hatten einen großen Einfluss auf ihre späteren Kollektionen. Eine weitere Inspirationsquelle war ihre indische Stiefmutter, von der Isabel ab ihrem sechsten Lebensjahr mit großgezogen wurde. Isabel beschreibt sie als sehr chic, mit einem ausgeprägten Sinn für Mode. Sie verkörperte die weibliche Verführungskraft und prägte Isabels spätere Designs.

Die ersten Schritte in Richtung Modedesign

Ihren starken Drang nach Individualität verspürte Isabel im Teenager-Alter noch extremer: ihr gefielen einfach keine Kleidungsstücke, die sie in den Läden kaufen konnte. Sie wünschte sich mehr Persönlichkeit und Einzigartigkeit bei der Zusammenstellung ihrer täglichen Looks. Daraufhin ließ sich Isabel im Alter von 15 Jahren eine Nähmaschine schenken und beschloss, Kleidungsstücke nach ihren eigenen Vorstellungen zu designen.

Ihre ersten Kunden waren Freunde von ihr, die Isabel ihre Kreationen für wenig Geld abkauften. Doch mit der Zeit sprach sich ihr Talent weiter herum und immer mehr Menschen fanden Gefallen an Marants Designs. Bald schon konnte sie von dem Verkauf ihrer Kleidungsstücke leben. Dieser Erfolg brachte die Jungdesignerin zu dem Entschluss,  ihrem Nebenverdienst ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Studium an der Modeschule Studio Bercot in Paris bestätigte dann ihre Entscheidung. Schon während dieser Zeit arbeitete die heute 45-Jährige mit Designern wie Michel Klein, Bridget Yorke und Marc Ascoli für Projekte mit Chloé, Martine Sitbon und Yohji Yamamoto zusammen.

Gründunge des ersten Labels "Twen"

In der Zusammenarbeit mit namhaften Modemachern, konnte Isabel viel Erfahrung in der Fashion-Branche sammeln und das Handwerk eines Designers erlernen. 1989 setzte die Jungdesignerin dann dieses Wissen um und brachte ihre erste eigene Kollektion heraus. Sie fokussierte sich vorerst auf Schmuck- und Accessoire-Design, bevor sie 1990 das Modelabel „Twen“ gründete, für das sie Strickwaren und Jersey-Mode kreierte. Dabei ist es ihr bis heute immer sehr wichtig, dass auch sie selbst ihre Kleidungsstücke tragen würde. “Ich habe eine sehr natürliche Herangehensweise an Kleidung”, erklärte die Modemacherin dem Magazin ‘InStyle’. “Ob ich nun eine Hose, eine Jacke oder ein Kleid entwerfe, das Material muss praktisch sein. Ich bin meine beste Kundin. Ich muss alles selber anprobieren, um zu wissen, ob es passt. Und ich muss die Klamotten, die ich mache, wirklich mögen.”

Vier Jahre darauf, benannte Isabel die Marke nach nach sich selbst um und präsentierte ihre Kollektion ein Jahr später zum ersten Mal. Dann ging bei Isabel Marant und ihrem Image als neuem Stern am Modehimmel alles ziemlich schnell: 1997 gewann sie den „Award de la Mode“ und ihr großes Atelier richtete sie in Paris im Jahr 1998 ein – dem Jahr, in welchem sie dort auch ihre ersten Boutiquen eröffnete.

Weltweiter Erfolg

Ein Jahr später, 1999, stellte sie einzelne Designerstücke ihrer zweiten Prêt-à-porter-Marke Étoile by Isabel Marant bei den ready-to-wear Schauen in Paris vor. Hauptbestandteil waren hierbei schlichte T-Shirts und Jeans. Die Kleidungsstücke feierten großen Erfolg und Isabel designte daraufhin eine ganze  Kollektion, inklusive Unterwäsche.

Inzwischen ist ihr Ruhm auch über den großen Teich „geschwappt“. 2010 eröffnete sie ihren ersten Shop in SoHo, New York.  Heute hat sie Boutiquen auf der ganzen Welt. Im gleichen Jahr folgte auch die Nominierung zum Fashion Designer of the Year. Isabel Marant hatte den Fashion Olymp erklommen und es sich unter den ganz großen bequem gemacht. Die Unangestrengtheit ihrer Kleidung und Natürlichkeit ihres Designs spiegeln sich nicht nur in Marants Kollektionen wider. Auch die Zielgruppe ist ihr sehr wichtig. Zwar entwirft die High-end Designerin häufig Kleidungsstücke für den roten Teppich, aber auch der Pariser-Straßen-Chic für ganz normale Menschen ist ein Anliegen der 45-Jährigen. So kommt es, dass sie mit der Modekette H&M zusammen eine neue, unkonventionelle Kollektion entwirft, die auch für junge Mädchen erschwinglich ist. Die Kleidungsstücke der Kollektion „Isabel Marant pour H&M“ sind ab dem 14. November 2013 in rund 250 Geschäften weltweit sowie online erhältlich.

Auch privat hat Marant ihr Glück gefunden: Sie ist mit dem Modeschöpfer Jérome Dreyfuss verheiratet. Der gemeinsame Sohn Tal kam 2003 zur Welt. 

Trotz des unglaublichen Erfolges in den letzten Jahren, sind Marant und ihr Mann bodenständig geblieben und lehnen die Oberflächlichkeit des Fashion-Business streng ab. Der britischen 'Grazia' erklärt Dreyfuss, warum das Paar mit Understatement Erfolg hat: "Früher galt es als Traum, mit materiellen Dingen angeben zu können, in einer Limousine zu einer Party zu fahren und mit Madonna über den roten Teppich zu laufen. Heute kommt es besser an, die U-Bahn zu nehmen und neben M.I.A. zu posieren."

Der Look von Isabel Marant

Autor: Jessica Kuch

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