18. Dezember 2011
Porträt: Anika Decker

Porträt: Anika Decker

Wetten, dass Sie auch schon über Anika Decker gelacht haben? Die Drehbuchautorin schreibt die zurzeit charmantesten Komödien, zum Beispiel „Rubbeldiekatz“.

Anika Decker
© jalag-syndication.de
Anika Decker

Es gibt drei Sorten von Männern. Die, die’s dir gar nicht machen, die Wühler und die Pieker.“ Erinnern Sie sich an diese Szene in „Keinohrhasen“? Wo die blondbezopfte Miriam dem Macho Ludo schonungslos erklärt, wie Frauen die Sache mit dem Oralsex so sehen. Der Film lockte über sechs Millionen Zuschauer in die Kinos. Schätzungsweise drei Millionen hauten sich an dieser Stelle vor Lachen auf die Oberschenkel und dachten: „Ha, ha! Genau!“ Die anderen drei Millionen, nämlich die Männer, waren etwas stiller, die mussten erst mal überlegen. Die Erfinderin dieser legendären Szene sitzt in einem Berliner Café auf einem geblümten Sofa und trinkt Limonade. „Ich dachte mir: Der Film braucht noch eine pädagogisch wertvolle Note“, lacht Anika Decker, die vor fünf Jahren gemeinsam mit Til Schweiger das Drehbuch zu dem Kinohit geschrieben hat. Seitdem haben sich zwei Dinge geändert. Erstens: Wir gehen wieder wahnsinnig gern in deutsche Komödien. Und zweitens: Anika Decker kann inzwischen sehr gut vom Schreiben leben.

„Ich habe mir damals ein Jahr gegeben, um zu gucken, ob’s läuft.“ Vorher hatte sich die 36-Jährige einmal quer durch die Filmbranche gejobbt, unter anderem als Aufnahmeleiterin und Dramaturgin gearbeitet. Und dann saß sie eines Abends mit Til Schweiger bei einem Glas Rotwein zusammen. „Wir kannten uns schon länger und wussten, dass wir den gleichen Humor haben.“ Als Schweiger hörte, dass sich Decker als Autorin selbst - ständig gemacht hatte, zog er sich gleich alle möglichen Texte von ihrem Laptop auf einen Memorystick. „Am nächsten Tag hatte ich einen Vertrag in der Tasche“, erinnert sie sich.

Nach „Zweiohrküken“ (wieder mit Schweiger, gerade arbeiten sie an Teil drei) schrieb Decker mit Detlev Buck die Komödie „Rubbeldiekatz“ (Start: 15.12.) Darin geht es um den erfolglosen Theater-Schauspieler Alex (Matthias Schweighöfer), der in Frauenkleider schlüpft, um die weibliche Hauptrolle in einem Hollywood-Film an Land zu ziehen. Da verliebt er sich in Superstar Sarah (Alexandra Maria Lara). So weit, so …, na ja, wenig originell. Aber das Duo Buck/Decker fand einen genialen Dreh: Alex verwandelt sich nicht nur in eine Frau, sondern in ein strammes, arisches Vorzeigeweib. Denn der Film, für den er vorspricht, spielt in Nazi-Deutschland. Prompt wird Alex vom Hitler-Darsteller (Max Giermann) angegraben, der auch in seiner Freizeit nicht recht von seiner Rolle loskommt. Zu komisch, wenn „Hitler“ in einer coolen Bar steht und sich mit schnarrendem „rrr“ an Small Talk versucht.

Auf den Einfall kam Decker, als sie Matthias Schweighöfer bei den Dreharbeiten zum Tom-Cruise-Film „Operation Walküre“ am Set besuchte: „Im Cateringzelt saßen die ganzen Komparsen in Wehrmachtsuniformen und haben Latte macchiato getrunken. Das sah so absurd aus, wir haben uns weggeschmissen vor Lachen.“ Und schon floss die Idee ins „Rubbeldiekatz“-Buch ein. Wobei Decker ein anderer Aspekt viel wichtiger war: „Sarah und Alex treffen als Frauen aufeinander und freunden sich an. Wenn ich in jemanden verknallt bin, benehme ich mich nicht normal. Wie oft habe ich mir gewünscht, beim ersten Date so locker zu sein, wie ich es unter Freundinnen bin.“ Unter einer guten Komödie sollte immer ein ernstes Thema liegen, findet die Autorin: „Und man muss ehrlich sein, sonst lacht keiner. Ich muss auch beim Schreiben mal die Hose runterlassen. Das ist schwer, weil man sich natürlich immer für viel cooler hält, als man ist.“ Andere Frauen breiten über ihre „Oh-nein-das-habe-ich-nicht-wirklich-getan!“-Momente den Mantel des Schweigens. Bei Anika Decker flimmern sie eben manchmal über die Leinwand.

Auf den Einfall kam Decker, als sie Matthias Schweighöfer bei den Dreharbeiten zum Tom-Cruise-Film „Operation Walküre“ am Set besuchte: „Im Cateringzelt saßen die ganzen Komparsen in Wehrmachtsuniformen und haben Latte macchiato getrunken. Das sah so absurd aus, wir haben uns weggeschmissen vor Lachen.“ Und schon floss die Idee ins „Rubbeldiekatz“- Buch ein. Wobei Decker ein anderer Aspekt viel wichtiger war: „Sarah und Alex treffen als Frauen aufeinander und freunden sich an. Wenn ich in jemanden verknallt bin, benehme ich mich nicht normal. Wie oft habe ich mir gewünscht, beim ersten Date so locker zu sein, wie ich es unter Freundinnen bin.“ Unter einer guten Komödie sollte immer ein ernstes Thema liegen, findet die Autorin: „Und man muss ehrlich sein, sonst lacht keiner. Ich muss auch beim Schreiben mal die Hose runterlassen. Das ist schwer, weil man sich natürlich immer für viel cooler hält, als man ist.“ Andere Frauen breiten über ihre „Oh-nein-das-habe-ich-nicht-wirklich-getan!“-Momente den Mantel des Schweigens. Bei Anika Decker flimmern sie eben manchmal über die Leinwand.

Wobei Decker betont, dass die Arbeit mit Buck und Schweiger sehr entspannt gewesen sei: „Mit beiden gab es Situationen, in denen uns schon beim Schreiben die Lachtränen über die Wangen liefen.“ Und, um noch mal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Til Schweiger ist gar kein Macho. „Im Gegenteil“, sagt seine Kollegin, „er ist der Romantiker, kann hinreißende Liebesbriefe schreiben, während ich eher Gefahr laufe, in jede Szene noch einen Gag reinzukloppen.“ Und was hat sie nach den vielen intensiven Arbeitsstunden mit Schweiger und Buck über Männer gelernt? Anika Decker grinst: „Dass ich absolut keine Ahnung von ihnen habe. Das ist ein großer Vorteil, denn ich habe aufgegeben, sie andauernd auf Krampf verstehen zu müssen. Die bessere Strategie ist: fragen, beobachten und staunen.“

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