17. Mai 2011
Berühmte Töchter

Berühmte Töchter

Wir haben uns gefragt: Wieso wird aus jeder halbwegs hübschen Millionärs- oder Rockstar-Tochter in London ein It-Girl? Wer sind all die Mädchen, die in hippen Klamotten Champagner trinken und sich dabei fotografieren lassen? Und was machen die sonst beruflich? Willkommen im wilden Leben der jungen Jaggers, Geldofs und Ecclestones – denn da fanden wir die spannenden Antworten.

Elisabeth Jagger und Peaches Geldorf
Elisabeth Jagger und Peaches Geldorf

Zwei Buchstaben trennen sie vom Rest der Welt. Zwei Buchstaben, so lang und dünn wie Mädchenbeine: I und t. „It-Girls“ sind Girls wie keine anderen. „It“ steht für das gewisse Etwas, das „Je ne sais quoi“ – den X-Faktor. Die meisten heißen wie ein Früchtchen oder Frühlingsblumen: Coco (Sumner), Daisy (Lowe), Peaches Honeyblossom (Geldof) oder – Achtung! – Little Pixie Frou-Frou (Geldof). Sie sind Töchter von Rockstars oder Immobilienhaien. Machen irgendwie in Charity oder Mode und können sich dafür am nächsten Morgen in der Zeitung bewundern. Wir stehen staunend am Kiosk und fragen uns: Wird man eigentlich so geboren? Sind es Gene oder Beziehungen? Oder gibt es irgendwo auch welche mit Talent?

Ein Hach von It ist ganz klar in die Wiege gelegt. Nehmen wir zum Beispiel die Töchter von Stone-Frontmann Mick Jagger und Supermodel Jerry Hall. Georgia und Elizabeth „Lizzie“ Jagger saßen, noch bevor sie laufen konnten, bei Chanel-Schauen auf Mamas Schoß und spielten am liebsten in Jerrys Kleiderschrank – mit Givenchy-Kleidern und Manolos. „Das war die beste Verkleidungskiste der Welt“, sagt Lizzie heute. Zu den Partys bei Mum und Dad in den 80ern kamen die oberen 10.000. Immobilienmogul Guy Dellal zum Beispiel mit seiner schönen Frau Andrea. Man muss nur mal ihren beiden Töchtern Alice und Charlotte lauschen, wenn sie aus ihrer Kindheit erzählen. Die fand zwischen London, Rio und Flügen im Privatjet statt. Mama, ein brasilianisches Topmodel, brachte gern Mario Testino, ihren Lieblingsfotografen, mit nach Hause. Und machte ihn zum Patenonkel der Kids. Testino war selbst ein Superstar, berühmt für seine legendären puren Schwarz-Weiß-Porträts von Lady Diana. Wir dürfen sicher sein, dass Alice und Charlotte nicht nur großartige Babyfotos haben, sondern auch früh Selbstbewusstsein tankten. „Als ich sieben war, habe ich mein Spiegelbild in einem Löffel gesehen“, erinnert sich Alice. „Und ich dachte: Wow, ich sehe unglaublich gut aus. Seitdem sage ich jeden Tag: Danke Mum und Dad.“

Vielleicht ist es ja wie in anderen Branchen: Ärztekinder werden Ärzte, und Rockstar-Kinder zieht es nun mal auf den roten Teppich. Denn wer schon als Säugling auf Promipartys herumrobbt, wird später eher Teil des Jetsets als jemand, der bis zu seinem 18. Lebensjahr in einem Reihenhaus in Bad Hersfeld wohnte. Hinzu kommt, dass „It“ auch für Selbstbewusstsein, Exzentrik und einen starken Willen steht. Und wir müssen kein Pädagogikseminar besucht haben, um zu wissen, dass solche Charaktereigenschaften in liberalen Künstlerhaushalten eher gefördert werden als in katholischen Kleinstadtkindergärten.

Super, ein Rockstar-Baby zu sein, mag man meinen. Das stimmt aber nicht ganz. Dramen spielten sich Mitte der Neunziger zum Beispiel für Pixie, Peaches und Fifi Geldof ab. Mutter Paula Yates (selbst ein It-Girl, wie es im Buche stand) betrog den Vater Bob Geldof mit „INXS“-Sänger Michael Hutchence und machte mit diversen Sexorgien Schlagzeilen. Bis Lover Hutchence sich das Leben nahm. Daraufhin stürzte Yates total ab und starb 2000 an einer Überdosis Heroin. Man mag sich kaum vorstellen, wie es für ihre Töchter, damals zwischen zehn und 17, gewesen sein muss, das mitzuerleben. Was aus ihnen wurde? It-Geldofs gibt es zwei, Peaches und Pixie. Dass die noch eine große Schwester haben, weiß kaum jemand. Fifi Trixiebelle Geldof ist 28 und arbeitet in einer Londoner PR-Agentur. Auch rein äußerlich sprengt Fifi das It-Girl-Schema. Kein Wunder, sie will auch gar keins sein. Die Partyszene und „all that drama“ überlässt die älteste Geldof-Tochter gern ihren Schwestern.

Ohne Talent wirst du eben Model

Mindestens genauso tragisch war die Kindheit von Daisy Lowe. Die Tochter von Pearl Lowe, der einstigen Anführerin der Sauf- und Partyclique um Kate Moss und Sadie Frost, wusste bis zu ihrem 16ten Lebensjahr nicht, wer ihr Vater ist („Bush“-Frontmann Gavin Rossdale). Wie auch, bei dem Durcheinander im (Liebes-)Leben ihrer Mutter! Die schreibt selbst in ihrer Biografie „All That Glitters“, dass Tochter Daisy als 10-Jährige den Haushalt schmiss und ihre Geschwister versorgte, wenn sie wegen ihres Katers nicht aus dem Bett oder wegen ihres Koksrausches gar nicht nach Hause kam. „Ich hatte immer das Gefühl, die Mutter meiner Mutter sein zu müssen“, erzählt Daisy.

Manche erben Blitzlicht-Gene, andere echtes Talent. Coco Sumner zum Beispiel, die Tochter von „Police“-Sänger Sting, singt super. Ihr taufrisches Album „The Constant“ bekommt richtig gute Kritiken. It-Girls ohne musikalisches Talent modeln, moderieren oder designen. So wie Petra, die jüngere Tochter von „Formel Eins“-Boss Bernie Ecclestone: Ihr Männermode-Label „Form“ hängt sogar im Londoner Edelkaufhaus „Harrods“. Eigenständig war auch der Weg von DJane Samantha Ronson. Die Tochter der Society-Princess Anne Dexter-Jones genoss ohne Frage eine klassische It-Girl-Kinderstube: Ihre Eltern schmissen Londons coolste Partys. Samantha erzählt gern, dass Tom Hanks ihr Gutenachtgeschichten vorgelesen hat und dass einmal Al Pacino mit den Ronsons Weihnachten feierte. Trotzdem: Sie entschied sich für LA, ein Leben in Jeans und Turnschuhen – und gegen das It-Girl-Dasein. Genau wie Holly Branson. Die studierte Medizin und arbeitet nun im Unternehmen ihres Vaters, dem „Virgin Atlantic“- Gründer Richard Branson. Holly hat zwar eine Schwäche für glamouröse Charity-Partys – aber auch richtig was im Kopf. Sie ist befreundet mit den jungen Royals Beatrice, Eugenie und Kate Middleton. Klar, dass dieser Glanz auf sie abstrahlt. Aber sie verlässt sich nicht drauf, dass er dauerhaft wärmt …

Szene-Gene kann man nicht kaufen

Und dann wären da noch die Mädchen aus ganz normalen Elternhaus. Londons führendes It- Girl ist die Tochter eines Grafikdesigners und einer Hausfrau aus Pivett in Hampshire – ein Landei aus einem 08/15-Haushalt. Alexa Chung hat es mit Witz, Charme, etwas Sinn für Mode und einer geschickt publik gemachten Liebschaft mit einem Rockstar auch ohne berühmten Nachnamen geschafft. Heute findet kaum eine Party ohne sie statt. Bei Mulberry wurde eine Tasche nach ihr benannt: die „Alexa Satchel“. Große Auszeichnung! Wie Alexa Chung hat auch die Sängerin Pixie Lott keine Star- Eltern, wird aber als vollwertiges It-Girl empfunden. Eingeschult wurde sie als Victoria Louise. Doch mit so einem Namen wirst du nichts im It-Girl-Kosmos. Neben Talent (was keine Grundvoraussetzung für It-Girls ist, aber manchmal hilft) bringt sie etwas Wichtiges mit: einen neuen Namen, der an einen Pincher erinnert, und einen Style, den man kopiert …

Das It-Girl ist ein wundersamens Wesen, beschenkt mit dem gewissen Etwas, das man eben hat oder nicht. Man kann’s nicht kaufen, kann’s nicht lernen. Ein bisschen abgucken kann man sich „It“ aber schon. Die wichtigste Regel lautet: „Tue, worin du gut bist!“ Und nachdem viele – und das freilich ist genetisch – als Töchter schöner Frauen sehr gut aussehen, landen sie früher oder später auf den Magazincovern oder Laufstegen der Welt. Was man den britischen It-Girls aber hoch anrechnen muss: Schmuckdesignerin ist keine von ihnen …

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