7. März 2014
Healing Hotels - was bringen sie wirklich?

Healing Hotels - was bringen sie wirklich?

Von wegen Maniküre und Tätschel-Massage! Bei echten Healing Hotels stehen körperliche Erneuerung und ganzheitliches Wohlbefinden im Vordergrund, viel Bewegung und gesundes Essen. Wir haben drei Ressorts für Sie getestet.

Amrita Café Healing Hotel
© Amrita Café Healing Hotel
Amrita Café Healing Hotel

Nach einem besonders harten Arbeitsjahr war ein „Anti-Stress-Programm“ in Thailand für Chefredakteurin Nina Maurischat die Rettung.

Endlich mal den Druck ablassen

Warum ist hier denn niemand? Kein Mensch am Strand, die Liegen am Pool leer. Ich bin irritiert, als ich kurz nach meiner Ankunft zum ersten Mal über das mitten in den Dschungel gebaute Gelände von Kamalaya laufe. Am Morgen danach ist die Sache klar. Ich bekomme von den Mädels im Spa (hier arbeiten, aufgepasst, 70! Frauen und Männer aus Thailand und Indien) den Zettel mit meinen Wellness-Terminen in die Hand gedrückt: 10.30 Uhr Stress-Management-Gespräch. 12.00 Uhr thailändische Bauchmassage. 14.00 Uhr Fußmassage, im Anschluss eine Ganzkörpermassage. Kein Wunder, dass da niemand Zeit für den Pool hat. Gestresst? Klar, das bin ich. Aber ich gehöre zu den Menschen, die gut damit umgehen können. Ich passe auf mich auf, ich schlafe viel. Burn-out-gefährdet war ich nie. Mein Job und mein Leben machen mir Spaß. Umso verblüffter bin ich, was in dem Stress-Gespräch am ersten Morgen mit mir passiert. Smitta ist Mitte 30 und kommt aus Indien. Sie fragt mich nach Dingen, die mich stressen, wir plaudern. Dann soll ich mich auf eine Liege legen und die Augen schließen. Smitta fragt weiter und geht dabei immer weiter zurück in meinem Leben. Während sie das tut und ich ihr antworte, hält sie mich ganz sanft an Kopf und Bauch. Irgendwann laufen mir Tränen aus den geschlossenen Augen. Hilfe, was passiert hier mit mir? Als ich mich aufsetze und mein Taschentuch in den Papierkorb werfen will, sehe ich: alles voll mit Kleenex. Ich bin also nicht allein. Danach fühle ich mich offen, warm und sehr weich im Herzen. Der Ich-muss-funktionieren-Panzer ist aufgebrochen. Ein gutes Gefühl. Nach einer kleinen Pause wartet die Bauchmassage auf mich, und ich sage es mal so: Eine Wohlfühlnummer ist das nicht. Die Massage der inneren Bauchorgane soll weitere Blockaden lösen – und das tut sie auch. Im Gegensatz zu vielen anderen hier, die Detox- und Abnehm-Programme machen, habe ich keinen festen Ernährungsplan, esse aber trotzdem extrem gesund, weil man auch gar nichts anderes möchte, wenn man sich rund um die Uhr mit sich und seinem Körper beschäftigt. Und genau das ist das Ziel von Kamalaya: die Verbindung zu sich wiederherzustellen. Ohne Ablenkung von außen. Deshalb sind auch so viele Reisende alleine hier. Am Community-Table, wo wir gemeinsam zu Abend essen, treffe ich extrem spannende Frauen aus aller Welt, alle in sehr fordernden Berufen. Viele von ihnen sind schon zum wiederholten Male hier. Warum, habe ich schon nach zwei Tagen verstanden. Nie hat mich ein Urlaub so entspannt und so verändert wie dieser. Seit meinem Rückflug vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht mindestens einmal denke: Wäre doch nur das Beamen schon erfunden. Ich will zurück nach Kamalaya.

Was sich seitdem verändert hat

Ich kenne jetzt meine Verhaltensmuster in Stress-Situationen und kann dadurch besser damit umgehen. Kleine Meditationsübungen helfen mir, negative Erlebnisse abzuschütteln und den Druck nicht ins Private mitzunehmen. Außerdem durfte ich Wünsche an den Buddha schicken. Man muss nur laut genug die Glocke läuten, damit man auch erhört wird.

Welche Kosten kommen auf mich zu?

7 Übernachtungen im Doppelzimmer inklusive Flug ab Frankfurt und Transfer kosten pro Person ab 1690 Euro. Das 7-tägige Anti-Stress-Paket inklusive Vollpension und rund 18 verschiedenen Anwendungen (von Massagen bis zum Stress-Coaching) kostet on top ca. 2372 Euro. Buchbar z.B. über Neue Wege, neuewege.com.

Gut zu wissen: Wem das gebuchte Paket noch nicht genug ist, der findet im Wochenprogramm für alle Yoga-, Pilates- und Walking-Klassen, bis hin zu Kochkursen und Meditations-Workshops, kamalaya.com.

Lanserhof bei Innsbruck
© Healing Hotels of the world
Lanserhof bei Innsbruck

Lanserhof bei Innsbruck

Stress, falsche Ernährung und eine Grippe hatten PETRA-Autorin Iris Soltau in die Knie gezwungen. Die Lösung: ein Detox-Kurzprogramm.

AM ANFANG STEHT EIN CHECK-UP

Eines gleich mal vorweg: Wer einen entspannten Wellness-Urlaub machen möchte, sollte nicht im Lanserhof einchecken. Hier geht es nicht (nur) um Entscheidungen wie „Heute lieber Peeling oder Pediküre?“, sondern um die Frage: „Wie fühle ich mich?“ Der Lanserhof eignet sich für alle, die im Alltag eingespannt sind, wenig Zeit haben und so einen Aufenthalt nutzen, um einen körperlichen und seelischen Rundum-Check zu machen. Perfekt auch zur Burnout-Prophylaxe. Das hat natürlich seinen Preis. „Bringen Sie Ihren Körper zum Service?“, fragt der Taxifahrer, der mich vor den Eingang fährt. Wie bitte? „Na ja, zur Wartung.“ Genau. Um mal in der Auto-Metapher zu bleiben: Ich fahre hier nicht nur durch die Waschstraße, jetzt wird in den Motor geguckt. Und zwar gleich am nächsten Morgen von einer Ärztin, die mich gründlich untersucht und mir einen Plan für die nächsten Tage aufstellt. Detox-Ernährung, Bäder und Massagen warten auf mich, dazu ein Sportprogramm, das ich mir selber zusammenstelle. Hier greift das Lans Med Concept: ein System, das aus verschiedenen Diagnose- und Therapieformen besteht, von Naturheilkunde über Energiemedizin bis hin zu Psychologie. Alle Behandlungen finden in einem riesigen, futuristisch anmutenden Gebäudetrakt statt, der an eine Kurklinik de luxe erinnert. Ein wichtiger Baustein ist die Ernährung. Auch wenn ich nicht wie viele andere Gäste nach der Lehre von F. X. Mayr faste, lerne ich, jeden Bissen 30-mal zu kauen. Das ist eine Wohltat für Magen und Darm – macht aber Gespräche am Tisch so gut wie unmöglich. Egal, da kann ich wenigstens in mich gehen und mich fragen, ob ich mir nicht doch noch eine Pediküre gönnen sollte.

WAS MIR GUTTAT:

Den Alltag anzuhalten und einmal richtig tief durchzuatmen. Neue Sportarten und Entspannungstechniken (wie die Cranio-Sakral-Therapie) auszuprobieren. Mein absolutes Highlight aber war das Ganzkörper-Dampfbad. Man wird mit einer Detox-Paste eingerieben, die wunderbar nach Rosmarin, Zimt, Lavendel und Rosenholz duftet – und dann mit heißem Dampf bepustet. Mehr Paradies geht nicht.

Welche Kosten kommen auf mich zu? Das Lans-Med-Basic-Programm startet ab ca. 2500 Euro pro Woche, weitere Treatments werden extra berechnet (z. B. Detox-Massage 91 Euro) Hinkommen: Vom Flughafen Innsbruck dauert es ca. 15 Autominuten zum Lanserhof. Man kann natürlich auch direkt mit dem Auto anreisen (von München aus sind es circa 170 km).

Gut zu wissen: Neu eröffnet hat der Lanserhof am Tegernsee. Für gestresste Großstädter gibt es eine City-Dependance in Hamburg, lanserhof.com.

Sha Wellness Clinic in Alicante
© Healing Hotels of the world
Sha Wellness Clinic in Alicante

Sha Wellness Clinic in Alicante

Schluss mit Hautunreinheiten und Blähbauch! Nach dem Sha-Discovery-Programm strahlte PETRA-Autorin Yvonne Adamek wieder.

MORGENS GIBT ES HAFERBREI

Strahlender Himmel, tiefblaues Meer, grüne Pinienwälder… Lassen Sie sich nicht täuschen – die Sha Wellness Clinic ist kein Ort zum Löcher-in-die-Luft-Starren und Füße-Hochlegen. Essen, Sport und Entspannung – alles wird hier von einem erstklassigen Team aus Schulmedizinern und Makrobiotik-Experten straff durchgeplant und auf die individuellen Bedürfnisse der Gäste zugeschnitten. Schlanker werden, jünger aussehen, besser schlafen – für jedes Ziel gibt es ein passendes Programm. Mich erwartet das Sha-Discovery-Paket. Nach einem gründlichen Checkup, bei dem eine Krankenschwester und anschließend eine makrobiotische Ärztin bei mir Blutdruck, Gewicht und Essverhalten kontrollieren, wird mir meine Diät für die nächsten vier Tage zugeteilt und im Computer abgespeichert. Sie heißt „Biolight“. Das bedeutet warmen Haferbrei am Morgen, ein makrobiotisches Drei-Gänge-Menü zu Mittag und zwei Gänge am Abend. Es hätte schlimmer kommen können. An manchen Tischen sehe ich, wie sich Männer und Frauen jeden Alters angesichts der übersichtlichen Gerichte die Hände vors Gesicht schlagen. Mir schmeckt’s. Dank des üppigen Sportprogramms und diverser Massagen von Reiki bis Relax, die die entgiftende Wirkung der zucker- und tierfreien Kost unterstützen sollen, habe ich sowieso keine Zeit, hungrig zu werden. Nach vier Tagen strahlt meine Haut, und mein Bauch ist flach wie nie. Vor Energie strotzend, versuche ich bei meinem letzten Frühstück, den Kellner zu einem Glas Extra-Saft zu überreden. Keine Chance. Der Computer sagt „Nein!“.

Was ich mitnahm

Ich ernähre mich tatsächlich bewusster, wenn auch nicht makrobiotisch wie in der Klinik. Das ist im Alltag einfach zu kompliziert. Immerhin habe ich meinen morgendlichen Milchkaffee gegen Getreidekaffee mit Reismilch getauscht. Außerdem musste das Jodsalz aus dem Supermarkt einer unraffinierten Bio-Meersalz-Variante weichen, wie es mir die Ärztin in unserem gemeinsamen Gespräch empfohlen hatte.

Welche Kosten kommen auf mich zu? Das viertägige Sha-Discovery-Paket kostet ab 950 Euro ohne Übernachtung, das Doppelzimmer ab 275 Euro pro Nacht. In der Nebensaison bietet das Sha verschiedene Specials.

Hinkommen: Vom Flughafen Alicante bringt einen der hoteleigene Shuttleservice direkt ins Hotel. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten.

Gut zu wissen: Um nach dem Aufenthalt dranzubleiben, bekommt jeder Gast einen Link zu Rezepten und Ernährungstipps des Hotels, shawellnessclinic.de.

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