18. März 2010
Wirkstoffe des Granatapfels

Wirkstoffe des Granatapfels

Die üppig rote Frucht heißt Apfel, ist biologisch eine Beere und auch sonst ein ziemlich interessantes Gewächs.

Granatapfel
© Nikolay Petkov - fotolia.com
Granatapfel

Über manche Sachen macht man sich erst Gedanken, wenn man bei „Wer wird Millionär“ teilnimmt oder zuschaut und sich fragt, wer bloß immer auf solche abwegigen Fragen kommt. In diesem Fall lautet die: „Was gab dem Garn für Orientteppiche in früheren Jahrhunderten seine intensiven Farben?“ Die Antwort – bei der Überschrift jetzt ein wenig vorhersehbar–„Granatapfel“. Der wird bereits seit mehr als 2.000 Jahren in Persien von bis zu acht Meter hohen Bäumen gepflückt, und wenn man die Frucht auskocht, erhält man eine pechschwarze Tinte, die helle Wolle in Gelb- und Schwarz- Tönen einfärbt. Der Saft allein ergibt satte Rot-Töne, und ein Extrakt aus der Wurzel des Granatapfelbaumes liefert tief dunkelblaue Nuancen.

Die haben´s in sich

GRANATAPFEL-PRODUKTE

…für den Körper

• „Oriental“-Serie von Logona: Body Butter, 200 ml um 13 €, Duschbad, 200 ml um 6 €, Deo Roll-on, 50 ml um 8 €

• „Granatapfel“-Serie von Weleda: Regenerations-Öl, 100 ml um 17 €, Regenerations-Handcreme, 50 ml um 8 €, Schönheitsdusche, 200 ml um 7 €

…für die Haare

• „Bio Granatapfel Kraft & Pflege Shampoo“ von Schauma, 400 ml um 3 €

• „Beautiful Age“-Serie von Nivea Beauté: z.B. Shampoo und Schaumspülung, je 200 ml, um 3 €

Für Biologen sind solch heftige Farbergebnisse generell ein Zeichen für einen hohen Gehalt bioaktiver Inhaltsstoffe (wie z.B. auch bei dunklen Trauben oder Blaubeeren). Im Granatapfel orteten sie große Mengen Flavonoide wie Quercetin und Anthocyane, deren antioxidative Wirkung die von Vitamin E und C ums Vielfache übersteigen soll, so wie diverse Polyphenole, die ebenfalls als Freie-Radikal-Fänger und außerdem entzündungshemmend wirken. Obendrein bescheinigen die Experten am Mikroskop der dunkelroten Frucht ein bemerkenswertes Guthaben an Kalium, Vitamin C, Kalzium und Eisen, alle extrem relevant zum Regulieren wichtiger Zell-Funktionen. Mittlerweile zeigen mehr als 250 wissenschaftliche Studien, dass der Granatapfel eine positive Wirkung bei Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Arthritis haben könnte.

Der Saft soll sogar das Fortschreiten von Alzheimer- Demenz hemmen und Neugeborene vor Gehirnschäden schützen – sofern die Mutter in der Schwangerschaft Granatapfelsaft trinkt.

Während eines größeren amerikanischen Forschungsprojekts zeigte sich außerdem, dass Granatapfel als schwaches pflanzliches Östrogen wirkt und dadurch auch Wechseljahresbeschwerden lindert. Als Wundermittel möchten die Mediziner den neuen Liebling allerdings noch nicht ausrufen, denn bisher basieren die meisten Studien auf Versuchen in vitro, also an Zellkulturen, oder aber mit Tieren, und es muss sich erst noch herausstellen, ob und wie sich die Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen. So oder so: An der außerordentlichen zellschützenden und anti-oxidativen Wirkung des Granatapfels besteht kein Zweifel, und so ist es kein Wunder, dass sich die Beauty-Branche nach dem selbstproklamierten Hype um die Radikalfänger Grüner Tee, Weißer Tee und Rotwein jetzt verstärkt dem Granatapfel zuwendet.

Newcomer in der Kategorie Zellschützer: der Granatapfel

Besonders die Hersteller von Naturkosmetik wissen dessen hautschmeichelnde Eigenschaften zu schätzen, großen Beauty-Konzernen wie Beiersdorf oder Henkel gelang es inzwischen, den exotischen Wirkstoff für aufbauende und regenerierende Haarpflege- Produkte nutzbar zu machen (siehe Kasten). Wie genau der Granatapfel-Extrakt in Tiegeln und Flaschen wirkt, bleibt ein Betriebsgeheimnis. Schade, aber wer einmal versucht hat, einem Granatapfel seinen leckeren Inhalt zu entlocken, weiß, wie viel Geduld das erfordert. Lohnt sich aber, denn z.B. auf Salaten macht er sich auch optisch gut. Grundsätzlich sollten Sie nur reife Früchte – erkennbar an ihrem metallischen Klang – kaufen. Granatäpfel reifen nicht nach, sind aber mehrere Wochen im Kühlschrank haltbar. Unter der dünnen Schale enthält jedes Exemplar mindestens 400 Samen (kernreich heißt auf lateinisch granatus) – die pulen Sie am besten mit einem Löffel heraus (spritzt und färbt!).

Oder Sie verlegen die Operation in den Tauchmodus: Granatapfel in einer Schüssel mit Wasser aufschneiden. Die schweren Kerne sinken zu Boden, die Schale und die weißen Häutchen steigen an die Wasseroberfläche. Falls Sie das Sammeln der Kerne zu mühsam finden, pressen Sie die Frucht ein paar Mal gleichmäßig zusammen, bohren ein kleines Loch hinein und können dann per Strohhalm den Saft herausschlürfen. Immer noch zu umständlich? In guten Reformhäusern und Bioläden steht Granatapfel-Extrakt to go im Regal – was zur nächsten abwegigen Frage führt: „Was kostet ein Liter Granatapfel- Extrakt?“ Antwort: etwa 50 Euro. Nicht zu viel, wenn er wirklich schön und gesund macht.

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