6. Mai 2013
Porträt: James Franco

Porträt: James Franco

Der kann irgendwie alles: James Franco ist zwar eigentlich Schauspieler, führt aber auch Regie, schreibt Bücher und macht nebenbei noch Kunst. Aber wer ist dieser Kerl eigentlich? Ein Traum von Mann, oder?

James Franco für "Spring Breakers"
© Getty Images
James Franco für "Spring Breakers"

Stellen wir uns vor, wir könnten uns den perfekten Mann basteln. Dieser Mann sieht zum Verrücktwerden gut aus, trägt einen leicht verknitterten Anzug von Gucci, das weiße Hemd darunter steht ein bisschen offen und lässt einen Alabasterkörper erahnen. Ach ja, und natürlich ist der Mann nicht nur attraktiv, sondern auch noch mit einer gehörigen Portion Intelligenz versehen. Zu schön, um wahr zu sein?

Die vielen Gesichter des James Franco

Nein, nicht ganz, denn diesen Mann gibt es, und er heißt James Franco. Dass der Kerl natürlich auch einen oder mehrere Haken hat, nun, das ahnt man. Aber beschäftigen wir uns doch zuerst mit seinen Schokoladenseiten. Wann ist uns James Franco eigentlich das erste Mal aufgefallen? Vielleicht, als wir „Spider Man“ sahen und uns nicht mehr richtig auf den Hauptdarsteller Tobey Maguire konzentrieren konnten, weil uns dieser andere gut aussehende Schauspieler namens Franco ablenkte. Und spätestens in der Rolle als Julia Roberts’ Liebhaber in „Eat, Pray, Love“ oder als Bergsteiger in „127 Hours“ brannte er sich dann ins Gedächtnis ein. Nicht mehr nur als Schönling, sondern als jemand, der mit Leichtigkeit in die unterschiedlichsten Charaktere schlüpfte. Auch die beiden Figuren, die er in den nächsten Filmen verkörpert, könnten unterschiedlicher nicht sein: In „Die fantastische Welt von Oz“ spielt er eine eher klassische Rolle in einer großen Disney-Produktion, in „Spring Breakers“ sehen wir ihn als fiesen Drogen- und Waffenhändler mit geflochtenen Rastazöpfchen und goldenen Zähnen. Aber nur ein guter Schauspieler zu sein – für „127 Hours“ bekam er auch eine Oscar-Nominierung – reichte James Franco offenbar noch nie: Der 34-Jährige spielt nämlich nicht nur in Filmen mit, er schreibt auch Drehbücher, führt Regie, veröffentlichte eine Sammlung von Kurzgeschichten, zeichnet, kuratiert Ausstellungen und promovierte über englische Literatur in Yale. Angst bekommen? Ja, zu Recht, besonders, wenn man weiß, dass James Franco auch noch Gedichte schreibt.

James Franco war schüchtern

Vielleicht stimmt das Gerücht, dass er Tag und Nacht arbeitet, um seinem Image als Sexsymbol zu entkommen. Aber je mehr er sich zum verkopften Künstler stilisiert, desto mehr schwärmen die Menschen für ihn. Und ganz ehrlich, wie soll man sich diesem Lächeln auch entziehen, für das er schon auf der Highschool zum „student with the best smile“ gewählt wurde? Wer hätte nicht für ihn gestimmt? Dazu kommt, dass Franco zwar mit vielen Talenten gesegnet ist, aber nicht mit einem dicken Ego auf die Welt kam – was ja sehr sympathisch ist: „Als Jugendlicher war ich krankhaft schüchtern“, gesteht Franco, „aber die Schauspielerei hat mir darüber hinweggeholfen.“ Das unschüchterne Resultat kann man inzwischen auch im Internet bewundern: Auf seinem YouTube-Channel räkelt er sich im Bett und interpretiert den Gotye-Sommer-Hit „Somebody That I Used to Know“ oder schmettert grell geschminkt am Steuer seines Wagens Justin Biebers „Baby“. Wenn Franco eins nicht kennt, dann sind es Berührungsängste: Kunst und Kommerz passen nicht zusammen? Blödsinn. So drehte Franco für seine „Rebel“-Ausstellung im letzten Jahr einen Kurzfilm, den er „The Death of Natalie Wood“ nannte. Zu sehen sind junge und schöne Menschen bei einer Beachparty – und finanziert wurde das Projekt von der Jeansmarke 7 For All Mankind, die im Gegenzug Teile des Films für ihre Werbung nutzen durfte.

Da passt es, dass er sich mal sehr leger in Jeans, kariertem Holzfäller-Hemd und Biker-Boots ablichten lässt und am nächsten Tag als Model für einen Herrenduft von Gucci posiert. Wobei man sagen muss, dass es nicht einer gewissen Ironie entbehrt, dass ausgerechnet James Franco Parfum-Werbung macht: „Als Jugendlicher habe ich Parfums bei Macy’s geklaut, in meinem Spind in der Schule versteckt und später verkauft“, erzählte er einmal grinsend in einem Seminar für Schauspielschüler. Um beim Thema Berührungsängste zu bleiben: Der Begriff „Schmuddel“ scheint Franco fremd zu sein. Hoch- und Popkultur, Stil und Schmutz, Hollywood und Porno – Franco vermengt alles miteinander – und nennt es eben Kunst. Auf dem Sundance Filmfestival stellte er kürzlich die von ihm produzierte Dokumentation „Kink“ über eine Porno-Website vor, parallel zu seiner Regiearbeit „Interior. Leather Bar“, in der es um schwulen Sex in der SM-Szene der 70er-Jahre geht. Das ist offenbar etwas, das James Franco wirklich komisch findet: Er liebt es, Witze über seine sexuelle Ausrichtung zu machen oder damit zu kokettieren.

Beziehungsstatus: ungeklärt

Das begann schon damit, dass er 2008 keine Probleme damit hatte, mit Sean Penn in dem Film „Milk“ zu spielen – darin war Franco als schwuler Lebensgefährte des US-amerikanischen Bürgerrechtlers Harvey Milk zu sehen. Was nun das wirkliche Privatleben von James Franco angeht, spricht er darüber selten und ungern. Eine Ausnahme machte er im vergangenen Sommer, als Franco – vage zwar, aber immerhin – im „Playboy“ über die Trennung von seiner langjährigen Freundin Ahna O'Reilly sprach: „Es ist vorbei. Wir waren vier oder fünf Jahre zusammen. Wir lebten in Los Angeles und sind dann nach New York gezogen, um dort zwei Jahre an der Uni zu studieren. Als ich mich dann noch in Yale eingeschrieben habe, war es das wohl für sie.“ Nein, es ist bestimmt nicht leicht, Francos Freundin zu sein. Als Student belegte er die dreifache Menge an Seminaren, die seine Kommilitonen besuchten, als Schauspieler lebt er sich manisch in seine Rollen ein.

Wirklich ein Alleskönner?

Als er 2001 James Dean im gleichnamigen Film spielte, legte er eine Art Schweigegelübde ab, um sich besser in die Ikone hineinversetzen zu können: „Ich habe damals vier Monate weder mit meinen Freunden, meiner Familie noch mit meiner Freundin gesprochen. Sie war echt sauer und wollte mich umbringen“, sagte Franco in einem Interview. Na ja, ein bisschen mehr als sauer – kurze Zeit später ging die Beziehung mit Kollegin Marla Sokoloff nämlich in die Brüche. In Bezug auf Kolleginnen: Immer wieder werden Franco Affären mit Schauspielerinnen nachgesagt. Besonders gefährdet scheinen seine aktuellen Filmpartnerinnen zu sein. Aktuell bestreitet er, die 22-jährige Ashley Benson, seine Partnerin in „Spring Breakers“, zu daten. Tja, ob man nun wirklich eine Beziehung mit einem Mann führen will, der auf tausend Hochzeiten rockt, anstatt mal zu schlafen, sei dahingestellt. Wahrscheinlich eher nicht. Aber das hindert uns ja nicht daran, weiter für James Franco zu schwärmen. Und unter uns: Alles kann der auch nicht. Die Moderation der Oscar-Verleihung vor zwei Jahren an der Seite von Anne Hathaway missglückte ihm nämlich total. Irgendwie beruhigend, oder?

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