8. Februar 2011
Frank Matthée: So sieht die perfekte Hochzeit aus

Frank Matthée: So sieht die perfekte Hochzeit aus

Hochzeits-Profi und Wedding Planner Frank Matthée spricht mit Petra.de über die perfekte Planung einer Hochzeit: Von der Sitzordnung über das Party-Programm, bis hin zu Tipps, wie das Brautpaar einen kühlen Kopf bewahrt.

Franck Mattheé
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Franck Mattheé

Spätestens seit der spektakulären Hochzeit von Sängerin Sarah Conner und Marc Terenzi ist Frank Matthée als absoluter Profi-Hochzeitsplaner bekannt. Es folgten zwei Staffeln seiner eigenen TV-Show, in der er auch normalsterblichen Paaren den Traum einer Märchenhochzeit erfüllte. Und: Der Profi ist seit 9 Jahren Inhaber seiner eigenen Hochzeits-Agentur. Uns hat der wohl bekannteste Wedding Planner Deutschlands für das große Petra-Hochzeitsspecial Tipps und Tricks für eine gelungene Traumhochzeit verraten.

PETRA: Wann sollte mit der Planung der Hochzeit begonnen werden?
Frank Matthée: Generell etwa ein Jahr vorher, das hängt aber natürlich von einigen Faktoren ab. Liegt der Termin in der Hochsaison von Ende April bis Ende September, muss man frühzeitig anfangen, sonst sind die schönsten Locations ausgebucht. Außerdem sollte berücksichtigt werden, ob im In-oder Ausland gefeiert wird, wie viele Gäste kommen sollen, also wie umfangreich die Organisation wird.

Wedding Planner
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Hochzeit: In unserem Hochzeits-Zeitplan haben wir Ihnen nochmal einen genauen Zeitplan aufgestellt, wann Sie was erledigen sollten. 

PETRA: Wann muss sich das Brautpaar worum kümmern?
Frank Matthée: Das wichtigste ist natürlich die Party-Location und die hängt von der Anzahl der Hochzeitsgäste und dem Stil der Feier ab. Die Kirche ist dagegen kein all zu großes Problem, weil viele Paare inzwischen nur standesamtlich heiraten. Bei einer kleineren Kirche reicht eine Anfrage ein halbes Jahr vor dem Hochzeitstermin.

PETRA: Worüber sollte sich das Brautpaar bei der Hochzeitplanung zuerst einig werden?
Frank Matthée: Über sehr vieles! Ich merke immer wieder, wie groß die Augen werden, wenn das Brautpaar realisiert, was alles dazu gehört. Daher macht es Sinn, einen Wedding Planer, wie mich, zu engagieren. Zu den wichtigsten Punkten gehören die Location, das Catering, das Unterhaltungsprogramm während Trauung und Feier sowie die Band. Nicht zu vergessen sind die Einladungskarten, Menükarten und Danksagungen. Dazu kommt der Fotograf, das Styling der Braut und Details wie Gästebuch, Fotoalbum und Gastgeschenke. Kleidung und Ringe stehen natürlich auch ganz oben auf der Liste.

PETRA: Was muss das Brautpaar bei der Sitzordnung beachten? Kann man Pärchen auseinander platzieren?
Frank Matthée: Bei der Sitzordnung tun sich Paare meistens schwer. Da bedarf es einer Menge Fingerspitzengefühl: Wer passt zueinander? Wo gibt es gemeinsame Gesprächsthemen? Wie vermeidet man Reibungsflächen? Im Grunde genommen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder platziert man Paare, meist bei runden Tischen, nebeneinander oder gegenüber, das hat bei langen Tischen den Vorteil, dass eine größere Durchmischung stattfindet, weil links und rechts andere Gäste sitzen. Wenn die Tische nach bestimmten Themen aufgeteilt werden (Kollegen, Sport-Freunde usw.), können Pärchen ruhig auch getrennt werden. Die Dame sitzt bei den Tanz-Begeisterten und der Herr am Fußballtisch. Ich bin auf jeden Fall ein Freund davon, ein bisschen mutiger zu sein.

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PETRA: Wie plant man am besten die Reden und wer hält überhaupt eine?
Frank Matthée: Ganz klassisch ist das der Bräutigam, jeweils Braut- und Bräutigamsvater und ein Trauzeuge, die eine Rede halten. Ich persönlich finde es ganz schön, wenn das Brautpaar gemeinsam eine Rede hält. Dabei geht es ja nicht nur um die Begrüßung der Gäste, sondern um eine gegenseitige Liebeserklärung. Die Väter sollten auf jeden Fall etwas sagen, da es besonders rührend ist. Trauzeugen, meist sehr gute Freunde, sind sehr locker, berichten vom Kennenlernen des Pärchens und gemeinsamen Erlebnissen. Das ist das Salz in der Suppe bei all den Reden. Ablauf und Timing sollten dabei eingehalten werden! Am besten finden die Reden zwischen den Gängen statt und werden auf fünf bis zehn Minuten begrenzt.

PETRA: Wie viele Hochzeiten haben Sie privat schon miterlebt und wie viele haben Sie organisiert?
Frank Matthée: Als Gast war ich auf sechs Hochzeiten, organisiert und betreut habe ich über 300.

Froonck Matthée
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Froonck Matthée
PETRA: Die Hochzeitsplanung ist durch den Stress für viele Paare eine Bewährungsprobe. Wie kann das Pärchen trotzdem entspannt bleiben und eine mögliche Beziehungskrise vermeiden?
Frank Matthée: Ich erlebe es immer wieder, dass mein erstes Gespräch mit dem Paar auch das erste Mal ist, dass sie sich gemeinsam Zeit für das Thema nehmen. Deshalb nehme ich mir oft drei bis vier Stunden lang Zeit, um mit ihnen alles zu besprechen. Oft stelle ich dann fest, dass die Braut dem Bräutigam meilenweit voraus ist, weil sie sich einfach schon ein Leben lang damit beschäftigt hat. Daher mein Tipp: Sich wirklich einen Tag frei nehmen, einen Ausflug machen und alles Wichtige besprechen.

PETRA: Welche Aufgaben übernehmen die Trauzeugen? Sind sie direkt in die Planung involviert?
Frank Matthée: Traditionell ist der Trauzeuge nur dafür da, die Trauung zu bezeugen, also um die rechtliche Vorgabe zu erfüllen. Aber gerade, wenn man keinen Hochzeitsplaner hat, ist es schön, jemanden zu haben, mit dem man sich über die Planung austauschen kann, der mitfiebert und mitfühlt. Außerdem sehen 4 oder 6 Augen mehr als 2. Und das Hochzeitspaar schwebt ohnehin auf Wolke 7. Da ist es gut, jemanden Pragmatischen dabei zu haben, der auf Schwierigkeiten oder Herausforderungen hinweist.

PETRA: Was sollte den Gästen geboten werden: Ein schönes Fest mit Buffet oder auch Hotelzimmer für angereiste Freunde und Verwandte?
Frank Matthée: In erster Linie sollten die Gäste natürlich den ganzen Tag perfekt versorgt sein. Klingt einfach, ist aber enorm wichtig. Außerdem sollte man sich Gedanken machen, ob der Transfer zwischen den Veranstaltungsorten gegeben ist und ob es einen Ansprechpartner gibt, der bei Fragen weiterhilft. Feiert man seine Hochzeit im Ausland, sollte sich das Paar überlegen, ob es Anreise und Übernachtung bezahlt oder ob das Erscheinen des Gastes das Hochzeitsgeschenk ist.

PETRA: Wie viel Programm ist zu viel Programm?
Frank Matthée: Eine Hochzeit wird durch Rituale und Bräuche bestimmt: Tortenanschnitt, Eröffnungstanz, Reden. Daher sollte der Tag nicht mit Unterhaltungsprogramm und Spielen vollgepackt sein. Schließlich können Höhepunkte nur Höhepunkte sein, wenn zwischendurch die Dramaturgie wieder nach unten geht und man etwas Luft hat. Wenn ständig Programm stattfindet, lehnen sich die Gäste zurück, weil sie bespielt werden. Das Geheimnis ist aber: Die Gäste müssen das Gefühl haben, Teil der Veranstaltung zu sein. Nur dann entsteht das hochzeitstypische Glücksgefühl.

PETRA: Sollte man auch noch den nächsten Tag für und mit den Gästen planen?
Frank Mattheé: Das hängt von den Vorstellungen ab und davon, wo gefeiert wird. Der Trend geht, vor allem bei Eheschließungen im Ausland, zum Hochzeits-Wochenende. Bei Übernachtungen sollte ein Frühstück oder ein längerer Brunch eingeplant werden. Das non plus ultra ist eine kleine Aktion, zum Beispiel ein Beachvolleyball-Turnier am Strand oder ein Picknick im Schlosspark. Hauptsache, man lässt die Feierlichkeiten ganz locker ausklingen. Das rundet das ganze Programm ab. Denn jeder, der schon auf einer Hochzeit war, kennt diese besondere Atmosphäre am Tag danach. Durch das Revue passieren lassen von Ereignissen, steigert sich einfach der Erlebnischarakter und die Erinnerungen bleiben einem lebhaft im Gedächtnis.

PETRA: Wohin geht der Trend in Sachen Hochzeit? Ist die kirchliche Trauung out und gibt man sich das Ja-Wort nur noch auf dem Standesamt?
Frank Mattheé: Seit vier oder fünf Jahren nehmen „Freie Zeremonien“ immer mehr zu. Das sind unkonventionelle Trauungen als Alternative zur religiösen Eheschließung. Manche Paare sind vielleicht nur noch auf dem Papier Mitglied der Kirche oder schon länger ausgetreten. Trotzdem wünschen sie sich ein emotionales Ritual. Das kann die standesamtliche Trauung nicht bieten. Alternativ versucht man die standesamtliche Trauung aufzuwerten. Es wird hübsch dekoriert, es gibt ein kleines Unterhaltungsprogramm, einen anschließenden Empfang und statt der nüchterne Amtsstube oder dem ollen Rathaus sucht sich das Paar eine charmante Außenstelle des Standesamtes aus.

PETRA: Und wie sieht es mit dem Brautkleid aus? Wird weiß immer seltener?
Frank Mattheé: Also, Weiß ist nach wie vor DIE Farbe bei Brautkleidern. Aber Weiß ist ja zum Glück nicht gleich Weiß. Es gibt 21.463 Farbtöne und Abstufungen - von Papierweiß über Off-White, Elfenbein und Wollweiß bis hin zu leichten Cremetönen. Ansonsten sind auch Farben wie Violett oder Petrolblau in den letzten Jahren ins Spiel gekommen und spiegeln den allgemeinen Modetrend wieder. Auch Schwarz ist seit einigen Jahren peu à peu im Kommen, hat sich bisher aber noch nicht durchgesetzt und wird sich sicherlich auch nicht durchsetzen.

PETRA: Was war die verrückteste Hochzeit, die Sie je geplant haben und wie und wo fand sie statt?
Frank Mattheé: Es gab schon viele ausgefallene Hochzeiten! Meine erste war schon recht spektakulär. Der Empfang hat in einem historischen Jugendstilschwimmbad in Berlin stattgefunden mit einem Wasserballett, das ich aus dem Friedrichstadtpalast engagiert habe. Dann gab es noch Marc Terenzi, der mit seinem Trauzeugen auf Pferden angeritten kam. Speziell war auch eine Gothic-Hochzeit, mit der Braut in Schwarz und der Dekoration aus Särgen, Stacheldraht und schwarzen Rosen.

Franck Mattheé
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Frank Mattheé und seine Dschungelcamp-Kameradin Katy Karrenbauer.
PETRA: Und Sie selbst? Sind Sie schon vergeben?
Frank Mattheé: Da antworte ich mal mit einem Aufruf à la Gitta Saxx: Ich bin noch zu haben und damit auch noch nicht verheiratet. Ich würde aber sehr gerne heiraten. Gerade, weil ich nach mittlerweile neun Jahren als Wedding Planer noch mehr Lust darauf bekommen habe.

PETRA: Wie stellen Sie sich Ihre Traumhochzeit vor?
Frank Mattheé: Es wäre eine Mischung aus einfach-ländlich und dekadent. Auf jeden Fall über mehrere Tage, wie damals bei Liz Hurley. Am besten in verschiedenen Städten und Standorten: Ein venezianischer Maskenballabend, aber auch ein ganz einfaches Barbecue am Strand von Mallorca. An einer einsamen Bucht gäbe es ganz einfaches, aber tolles spanisches Essen, das die Gäste aber auch selber mitkochen müssten. Viel würde draußen stattfinden und das Meer würde ein große Rolle spielen. Einen Nachmittag möchte ich bei einem Bootsausflug raus fahren und in Hochzeitsbadehose schnorcheln gehen!

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