12. Juni 2012
Bootcamp auf Mallorca

Bootcamp auf Mallorca

Kann eine Woche das Leben verändern? Iris Soltau wollte es wissen und checkte in einem Luxus-Bootcamp auf Mallorca ein. Muskelkater, Schweiß und Tränen inklusive. Aber auch eine ganz neue Erfahrung, welche das war, erfahrt ihr hier!

© jalag-syndication.de

Mein Name ist Mario, aber den könnt ihr gleich wieder vergessen. Wir sind nicht hier, um Freunde zu werden.“ Ein durchtrainierter Mann in Armee-Uniform steht breitbeinig vor uns. Wir, drei Frauen um die vierzig, lächeln unsicher. Wir stecken in nagelneuen Sport-Outfits, irgendwo baumelt noch ein vergessenes Preisschild. Vor uns liegen sieben Tage „Private Bootcamp“, ein intensives Ganzkörpertraining, wie es normalerweise von Elitesoldaten durchgeführt wird.

Mario taxiert uns durch seine verspiegelte Sonnenbrille, und wir stehen automatisch stramm. Chantal will abnehmen. Nina hasst Sport, muss aber „doch langsam irgendetwas machen“. Und ich? Hoffe auf ein Wiedersehen mit meinen Bauchmuskeln, falls es die überhaupt noch gibt, ich bin mir da nicht so sicher. Und, ganz ehrlich, die alte Finca sah auf den Bildern so einladend aus. Glitzernder Pool, Orangenbäume, Panoramablick in die Berge. Wenn ich geahnt hätte, was auf mich zukommt, hätte ich mich sofort vor das nächste Taxi Richtung Flughafen geworfen.

Tag 1: Merke "Kann ich nicht!", gibt es nicht

Der Mann, der nicht unser Freund sein will, testet unseren Leistungsstand. Wir springen Seil und hecheln, er zieht eine Augenbraue hoch und notiert etwas auf seinem Klemmbrett. Wahrscheinlich: „Kurz vor klinisch tot“. Dann macht er uns mit den Regeln bekannt. Erstens: Pünktlich sein! Auf jede zu spät gekommene Sekunde steht ein Straf-Liegestütz. Zweitens: Aus jeder Übung das Beste rausholen. Mit „keine Lust“ und „kann ich nicht“ brauchen wir ihm erst gar nicht kommen.

Tag 2: Was zum Teufel mache ich hier?

5.55 Uhr, wir treffen uns zum Joggen. Es ist dunkel, Schneeregen fällt und mit unseren Stirnlampen sehen wir aus wie ein Trupp fehlgeleiteter Grubenarbeiter. Nach dem Detox-Frühstück – Porridge mit Früchten und Tee – geht es zum Muskelaufbau (Beine, Po) an die Geräte. Unser Drillmeister führt uns zwei Stunden lang an unsere Schmerzgrenze und noch einen Schritt weiter. Nach einer kurzen Pause startet der Cardio-Teil: Laufen über eine schlammige Wiese, mal mit Gewichten, mal ohne. An den Turnschuhen kleben dicke Matschbrocken, meine Socken sind nass und die erste Blase kündigt sich an.

Chantal weint, es könnten aber auch Schweißtropfen sein. Sie spricht aus, was ich denke: „Was zum Teufel mache ich hier?“ Nachmittags: acht Kilometer Wanderung durch die Berge, dann zwei weitere Stunden Eisen stemmen (Arme, Schultern). Nach dem Abendessen macht Yogalehrer Matteo mit uns Übungen, die regenerierend auf die Muskulatur wirken sollen. Vergebens. Meine Beine zittern so sehr, dass ich nur mit größter Anstrengung die Treppenstufen zu meinem Zimmer schaffe. Das T-Shirt über den Kopf ziehen? Keine Chance. Ich falle ins Bett und schlafe auf der Stelle ein. Es ist 20.45 Uhr.

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Tag 3: Wow, was mein Körper alles kann

„Der Kopf muss nur wollen, der Körper wird folgen“, erklärt Mario seine Philosophie. Ich renne mit einem 8-Kilo- Sandsack auf den Schultern einen Berg hoch und stelle mir vor, wie oben ein paar Freunde auf einer Picknickdecke sitzen und auf mich warten. Es klappt. Ich fliege förmlich an allen anderen vorbei und staune, was mein Körper alles draufhat. Am Abend habe ich bei Camp-Chefin Denise van Erven Dorens einen Termin zur Ernährungsberatung. Sie hat gute und verblüffend einfache Tipps für mich parat. Ich könnte ihr noch weiter zuhören, leider fallen mir die Augen zu.

Tag 4: Am Tiefpunkt

Nachmittags steht die Übung „Vietnam“ auf dem Programm. Und die geht so: Drei Mittvierzigerinnen lassen sich von einem Mann in Camouflage-Jacke anschreien und werfen sich nacheinander in eine Schlammpfütze. Während das eiskalte Wasser in unsere Unterwäsche zieht, robben wir mit zusammengebissenen Zähnen durch die nasse Erde. Und gleich noch mal. Aufstehen. Laufen. Hinschmeißen. Am Zaun stehen zwei Touristen und hauen sich vor Lachen auf die Oberschenkel. Ich überlege, ob es in meinem Leben einen Moment gab, der noch entwürdigender war. Mir fällt keiner ein.

Tag 5: Die Sache mit der Disziplin

Beim Frühstück erzählt Denise, dass es in der Schweiz und auch in England nichts Ungewöhnliches sei, sich in einem Bootcamp fit zu machen. Der Unterschied zu anderen Camps? Die militärische Disziplin, die den Teilnehmern helfen soll, durchzuhalten. Und überhaupt: sich erst einmal zu organisieren. Das kapiert jeder, der schon mal mit mehreren Mädels in den Urlaub gefahren ist („Joggen?“ – „Äh, ich find meine Hose nicht.“ – „Wollen wir nicht lieber Kaffee trinken gehen?“). Chantal nickt. „Zu Hause fange ich immer mal wieder eine Diät oder Sport an, aber eher so halbherzig. Ich brauche einen Tritt in den Hintern.“ Den bekomme ich, weil ich mich drei Minuten verspätet habe. 180 Liegestütze, erklärt Mario gnadenlos, verteilt über den Tag. Am liebsten würde ich auf mein Zimmer laufen und heulen. Nachmittags holt uns Guide Jeremy zum Mountainbiken ab. Er lächelt. Sofort fliegen ihm drei Frauenherzen zu.

Tag 6: Durchgekocht wie der Hummer

Ich schaue in den Spiegel. Bin ich das wirklich? Das Gesicht ist schmaler, die Augen leuchten, der Teint schimmert. Nachmittags fährt Mario mit uns an den Strand. Wir laufen die Dünen rauf und runter und sind in unseren Neoprenanzügen bald durchgekocht. Kurz bevor uns der knallrote Kopf abfliegt, zeigt Mario aufs Meer. Wir laufen um die Wette. Das Wasser kühlt. Ist das schön! Später gibt es ein Lob von Mario. Wir haben unglaubliche Fortschritte gemacht, sagt er und beschwört uns, jetzt bloß nicht mit dem Training aufzuhören. Huch, so lange hat er noch nie mit uns geredet. Nina, Chantal und ich platzen vor Stolz.

Tag 7: Ich könnte Bäume ausreißen

Nach dem Früh-Jogging geht es auf die Waage: Ich habe fast vier Kilo verloren. Yes! Und noch besser, rechts und links vom Nabel kündigen feine Linien die Rückkehr der Bauchmuskeln an. Kein Wunder, wir haben jeden Tag 1200 Kalorien zu uns genommen und 1600 Kalorien abtrainiert. Zum Abschied gibt uns Denise einen Ernährungsplan sowie ein paar simple Rezepte mit nach Hause. „Die komplizierten kocht ihr ja sowieso nicht nach“, lacht die 33-Jährige, die über sich sagt: „Ich habe jede Diät dieser Welt ausprobiert.“ Bis sie selber an einem Bootcamp in England teilnahm und so überzeugt von dem Programm war, dass sie ihren Job als Bankerin aufgab. Zusammen mit einer Freundin gründete sie das Private Bootcamp in Genf, seit Ende letzten Jahres gibt es den Außenposten Mallorca.

Wer eine Woche überlebt hat, der strotzt vor Selbstbewusstsein. „Ein Teilnehmer hat noch während der Campwoche seinen verhassten Job gekündigt“, erzählt Denise. „Er hat gesagt: ‚Wenn ich das hier gepackt habe, dann schaffe ich es, mir eine neue Arbeit zu suchen.‘“ Auch Nina ist motiviert: „Die Woche war viel härter, als ich gedacht habe. Aber genau darum werden wir bestimmt nicht so schnell in alte Muster zurückfallen. Außerdem habe ich Kickboxen als perfekten Sport für mich entdeckt.“ Und ich? Ich fühle mich wie ein Auto, das voll getankt, poliert und getunt aus der Werkstatt kommt. Ich muss nur noch aufs Gaspedal treten.

Fazit, acht Wochen später: Tatsächlich, mein Leben hat sich geändert, ich fühle mich so fit und energiegeladen wie seit Jahren nicht mehr. Das Wichtigste, was ich im Bootcamp gelernt habe: Disziplin. Ich ziehe meine Laufschuhe an, ohne zu überlegen, ob es regnen könnte. Und ich habe neuen Respekt vor meinem Körper, der so viel mehr kann, als ich ihm zugetraut habe.

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