
RSV-Infektion im Alter: Wenn Vorerkrankungen das Immunsystem zusätzlich schwächen
Normalerweise führt eine Infektion mit RSV bei Erwachsenen zu milden Erkältungssymptomen, doch ältere Menschen ab circa 60 Jahren kann das Virus mit voller Wucht treffen – vor allem, wenn sie bereits mit Vorerkrankungen zu kämpfen haben. Prof. Dr. Trinkmann, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie aus Heidelberg, erklärt: „Das liegt daran, dass das Immunsystem im Alter nicht mehr so gut funktioniert und Vorerkrankungen, die mit dem Alter einhergehen, die Abwehrkräfte zusätzlich schwächen können.“ Chronische Lungenerkrankungen wie Asthma und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) betreffen viele ältere Menschen und können das Risiko für schwere RSV-Infektionen erhöhen, so Prof. Dr. Trinkmann. Der Experte führt aus: „Bei ihnen droht häufiger eine intensivmedizinische Behandlung bis hin zur Beatmung“.
Von Lungenentzündung bis zur Superinfektion: Die möglichen Folgen einer RSV-Infektion
Kommt es bei Älteren mit einer Vorerkrankung der Lunge zur Ansteckung mit RSV, sind Komplikationen wie eine Lungenentzündung möglich. Prof. Dr. Trinkmann arbeitet in einer Lungenfachklinik und erlebt regelmäßig, wie sich der Zustand seiner Patienten dramatisch verschlechtern kann. Bereits bestehende Beschwerden können sich durch RSV verschlimmern, zusätzlich ist etwa das Auftreten von Luftnot möglich. Der Facharzt ergänzt: „Hat eine RSV-Infektion in der Lunge Schaden angerichtet, droht mitunter auch eine Superinfektion.“ Das bedeutet, dass zu einer RSV-Infektion beispielsweise eine weitere Infektion durch bestimmte Bakterien hinzukommt. In der Folge ist etwa eine bakterielle Lungenentzündung möglich, die Betroffene zusätzlich schwächen kann. Zudem kann eine RSV-Infektion laut Prof. Dr. Trinkmann ein Lungenversagen auslösen. Betroffene müssen bei dieser lebensbedrohlichen Komplikation meist künstlich beatmet werden, damit der Körper mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird.
Ein großes Problem bei solch schweren Krankheitsverläufen: Ärzte können die Infektion selbst nicht gezielt behandeln, sondern nur die Symptome therapieren und Betroffenen beispielsweise Sauerstoff verabreichen. „Bei bestehenden Lungenkrankheiten wollen wir im Rahmen der Therapie zum Beispiel verhindern, dass die Atemwege verengen, der Gasaustausch beeinträchtigt wird und es zum Atemversagen kommt“, erläutert Prof. Dr. Trinkmann.

Langzeitfolgen im Blick: Nicht immer kehrt die alte Belastbarkeit zurück
Aus seinem Klinikalltag weiß Prof. Dr. Trinkmann: Viele Patienten hoffen nach der Entlassung auf eine schnelle Rückkehr zur alten Form. Doch manche Betroffene kämpfen monatelang mit den Folgen der RSV-Infektion oder erreichen ihr früheres Leistungsniveau sogar nie wieder. Die Auswirkungen können den Alltag der Betroffenen massiv einschränken, wie Prof. Dr. Trinkmann berichtet: „Sie können zum Beispiel nicht mehr gut Treppen steigen und bergauf gehen. Andauernder Husten kann zudem die Lebensqualität einschränken. Ich habe auch immer wieder Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, die nach einer RSV-Infektion Sauerstoffgaben benötigen, obwohl das zuvor nicht der Fall war.“ Letztlich gebe es keine Garantie, dass Erkrankte nach einer schweren RSV-Infektion zurück in ihr altes Leben finden.
Schutz durch Hygiene und Impfung: Dazu rät der Experte
Doch wie können ältere Menschen mit Lungenerkrankung der RSV-Gefahr begegnen? Das RS-Virus verbreitet sich vor allem über Tröpfchen, die in die Luft gelangen, wenn eine infizierte Person zum Beispiel hustet. Zudem kann der Erreger beispielsweise durch Händeschütteln übertragen werden oder bei Kontakt mit Gegenständen, an denen das Virus haftet. Allgemeine Hygienemaßnahmen können hier schützen. „Das bedeutet, dass man sich zum Beispiel vor jeder Nahrungsaufnahme oder Berührung des Gesichts gründlich die Hände wäscht und bestenfalls desinfiziert“, so Prof. Dr. Trinkmann.
Im trubeligen Alltag lässt sich das aber nicht immer lückenlos umsetzen. Die RSV-Impfung bietet hier zusätzliche Sicherheit. Sie kann das Risiko für schwere Verläufe senken. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Menschen ab 60, die mit bestimmten schweren Vorerkrankungen oder in einer Pflegeeinrichtung leben. Zudem rät die Kommission allen Personen ab 75 Jahren zur Schutzimpfung. Prof. Dr. Trinkmann Empfehlung lautet daher, dass Ältere mit einer chronischen Lungenerkrankung die Impfung gegenüber ihrem Hausarzt „aktiv ansprechen“
Quellen
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