Beziehungs-Tipps Liebe im Büro

Ach du Schande! Jetzt ist es tatsächlich passiert und man hat sich in den Kollegen verliebt. Aber wie geht man damit professionell um? Was erlaubt ist und wovon Sie besser die Finger lassen sollten, erfahren Sie hier.
Liebe im Büro

Eigentlich sollten wir es doch besser wissen. Aber dann steht man eng mit dem Kollegen im Kopierraum und denkt: Mmh, der riecht so gut. Bei der anschließenden Konferenz zwinkert er uns zu und das Herz beginnt, wie wild zu klopfen. Und dann passiert das Unvermeidliche: Nach drei Glas Sekt knutscht man bei der nächsten Betriebsfeier wild in der Tiefgarage. Oh nein! Liebe im Büro – total das Klischee. Und gefährlich dazu. Aber andererseits wird der Gang zur Arbeit plötzlich zum aufregenden Flirtdschungel... Wo Mann und Frau zusammenarbeiten, entstehen garantiert kleine, spannende Neckereien. Und wenn man täglich viele Stunden gemeinsam im Büro verbringt, lernt man sich von vielen Seiten kennen (und lieben). Ganz schön gefährlich! Doch was kann man tun, wenn es passiert ist? Wir haben Experten befragt, die Ihnen verraten, was erlaubt ist und was Sie auf keinen Fall tun sollten.

Das Büro wird zur Partnerbörse

Seit Frauen und Männer das Büro teilen, hat sich der Arbeitsplatz zur Partnerbörse entwickelt. „Bereits bevor man eine Beziehung eingeht, erfährt man alles mögliche über den Liebsten“, sagt Führungskräftecoach Meike Müller aus Berlin, „gleichzeitig ist das ein Grund, warum Bürobeziehungen sehr lange halten können“. Dennoch sollten Sie nicht sofort mit Ihrer neuen Eroberung hausieren gehen. Müller empfiehlt, etwa drei Monate abzuwarten, bis man Kollegen und Chef in das Geheimnis einweiht, denn so manche Leidenschaft entpuppt sich schnell als Strohfeuer. Und dann werden Sie natürlich zum Klatschthema Nummer eins auf dem Flurfunk. Gerade als Frischverliebter fällt es schwer, die Finger voneinander zu lassen und sich nicht ständig nette Zettelchen à la „Ich könnt schon wieder...“ zu schreiben. Während der Arbeitszeit sollte man sich mit Zärtlichkeiten aber zurückhalten, rät die Kommunikationstrainerin.

Liebkosungen sind tabu

In Deutschland kann zwar kein Arbeitgeber verbieten, dass Sie sich in einen Kollegen verlieben, „wird man aber beim Knutschen oder Geschlechtsverkehr während der Arbeitszeit erwischt, droht eine Abmahnung und gegebenenfalls auch eine Kündigung“, sagt Tim Varlemann, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Bremen. Und auch negative Stimmung sollten Sie vor der Bürotür lassen. Wenn Sie sich morgens ärgern, dass Ihr Liebster den Abwasch schon wieder nicht gemacht hat, attackieren Sie Ihn nicht mit Büroklammern, sobald Sie am Arbeitsplatz angekommen sind. Denn fühlen sich die anderen durch Streitereien gestört, muss der Arbeitgeber handeln. In der Regel kann der Chef Mitarbeiter sogar gegen ihren Willen in eine andere Abteilung versetzen. Das geht jedoch nur, wenn der Arbeitsvertrag das nicht untersagt und man beruflich weiterhin auf gleicher Ebene arbeitet. 

 

  1. Bekannt geben: Wird aus der anfänglichen Bekanntschaft etwas Ernstes, sollten Sie es im Büro ehrlich zugeben.
  2. Zärtlichkeiten dosieren: Verkneifen Sie sich Kosenamen, Berührungen und Liebesbekundungen. Das erregt Neid und Ärgernis.
  3. Nicht isolieren: Verbringen Sie die Mittagspause mit Ihren Kollegen und behalten Sie im Büro Ihre eigene Meinung, anstatt dem Liebsten nur zuzustimmen.
  4. Arbeit und Privatleben trennen: Sobald Sie einen Fuß in die Firma setzen, ist Ihr Liebhaber nur ein Kollege.
  5. Über das danach sprechen: Denken Sie gemeinsam mit Ihrem Partner über eine mögliche Zusammenarbeit auch nach Ende der Beziehung nach.
  6. Freiräume schaffen: Damit die Beziehung länger halten kann, erhalten Sie sich Ihre Hobbies oder Freunde.

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Vorteile auch für den Arbeitgeber

Neben den Schattenseiten einer Büroliaison haben viele Firmen inzwischen ebenfalls die Vorteile von Liebe am Arbeitsplatz erkannt und stellen bewusst Paare ein, um sie dann in unterschiedliche Abteilungen zu setzen. Dadurch soll sich die unternehmensübergreifende Kommunikation verbessern. Auch gegen den Flirt am Kopierer ist deshalb nichts einzuwenden: „Wer zur Arbeit geht und dort einen süßen Kollegen trifft, gibt sich mehr Mühe mit seinem Äußeren und eine Überstunde mehr macht dann auch weniger aus“, sagt Meike Müller. Dass Büroliebe von daher auch gar nicht selten ist, zeigt eine Studie des Casual-Dating-Portals C-date.de, die unter mehr als 8000 Befragten durchgeführt wurde. Das Portal fand heraus, dass trotz aller Gefahren mehr als zwei Drittel der deutschen Männer gegenüber Sex am Arbeitsplatz nicht abgeneigt sind. Auch knapp sechzig Prozent der Frauen stehen dem offen gegenüber. Damit ergibt sich eine beträchtliche Auswahl von Kollegen, die bereit sind, Ihre Hüllen im Kopierraum fallen zu lassen! „Besonders in der Anfangszeit ist eine Affäre am Arbeitsplatz natürlich spannend, wenn noch nicht alle Bescheid wissen“, sagt Buchautorin Meike Müller. Die Heimlichtuerei gibt der Beziehung einen besonderen Kick. Nur erwischen lassen sollte man sich dabei natürlich nicht.

Und wenn es zur Trennung kommt

Lassen Sie sich auf eine Beziehung am Arbeitsplatz ein, müssen Sie bedenken, dass Sie den Partner im Falle einer Trennung täglich sehen müssen. „Es gibt keinen rechtlichen Anspruch auf Versetzung in eine andere Abteilung“, sagt Anwalt Tim Varlemann, „der Mitarbeiter ist vom Goodwill des Arbeitgebers abhängig.“ Es kann daher sinnvoll sein, sich mit dem Geliebten schon vorher Gedanken über ein mögliches Trennungsszenario zu machen. Bei einer emotionalen Trennung empfiehlt Meike Müller, sich eine Auszeit zu gönnen, indem man Resturlaub nimmt. Auch ein Gespräch mit dem Chef kann gegen den Kummer helfen, gegebenenfalls ist er bereit, Sie in eine andere Filiale versetzen zu lassen.

Es kann so schön sein - ein Erfahrungsbericht

Diese Gefahren kennt auch Linda Schulze*, Groß- und Außenhandelskauffrau, aus Hamburg. Seit fünf Monaten ist sie mit Arbeitskollege Steven Meier* glücklich vereint. „Gleich in der ersten Abteilung während meiner Ausbildung lernte ich ihn kennen“, erzählt sie, „damals war er aber noch vergeben an eine andere Kollegin.“ Ganz schön heikel, oder? Keinesfalls, denn „auch die Ex hat wieder eine neue Büroliebe gefunden“, sagt Linda. Sie selbst hat lange gegrübelt, bevor sie sich auf die Liebe am Arbeitsplatz einließ. „Meine Freundinnen nahmen mir die Bedenken und inzwischen finde ich es schön, dass wir in derselben Firma tätig sind“, sagt sie, „aber auf Dauer in der gleichen Abteilung zu arbeiten, kommt für mich nicht in Frage.“ Die Lunchzeit verbringt sie fast ausschließlich mit ihren Kollegen, auf der Arbeit hat die Liebe eben Pause. Das machen jedoch nicht alle Büropärchen so, wodurch manche von Lindas Kolleginnen sich selbst ins Aus schießen. Führungskräftecoach Meike Müller rät deshalb vor allem, „nicht wie zusammengewachsen an der Hüfte aufzutreten“. Dadurch provozieren Sie Ihre Kollegen und sorgen für Eifersucht und Sticheleien.

Hilfe, ich liebe meinen Chef!

RIchtig kompliziert wird es, wenn es mit einem Vorgesetzten funkt. Darunter kann der eigene Ruf leiden und zudem bietet es Nährboden für Lästereien. „Mit den Kollegen darüber zu sprechen, ist sehr wichtig“, weiß Kommunikationstrainerin Meike Müller. Sonst besteht die Gefahr, dass ein Mitarbeiter zum Außenseiter wird. Können die anderen sich sicher sein, dass er wirklich alles für sich behalten kann oder geht er damit gleich zum Chef? Außerdem dürfe es natürlich keine Ungleichbehandlung geben, sagt Arbeitsrechtsexperte Tim Varlemann. Manche Chefs sind da übervorsichtig und behandeln den Geliebten besonders streng. Müller empfiehlt, unbedingt auch den direkten Vorgesetzten des Chefs über das Verhältnis in Kenntnis zu setzen, vielleicht macht ein Abteilungswechsel Sinn.

Eins steht fest: Peinlich sein muss Ihnen die Büroliebe definitiv nicht. Sie sollten sie jedoch weder zur Schau tragen, noch verstecken. Meike Müller empfielt: „Handeln Sie mit großem Fingerspitzengefühl und Zurückhaltung“. Dann steht dem Liebesglück nichts mehr im Wege.

Kommunikationstrainerin und Führungskräftecoach Meike Müller aus Berlin hat hat inzwischen zahlreiche Bücher veröffentlicht: meikemueller.com

*Name von der Redaktion geändert

Schlagworte:
Autor:
Julia Struck