Interview Elyas M'Barek im PETRA-Talk

Der Star aus dem Erfolgsfilm "Türkisch für Anfänger" startet jetzt richtig durch! In "Chroniken der Unterwelt" ist der Österreicher jetzt sogar an der Seite von Lily Collins zu sehen. Wir trafen den sympathischen Schauspieler im Interview.
Elyas M'Barek

Elyas M'Barek erscheint lässig in Jeans und engem V-Shirt zum Interview (ja, er ist ganz schön muskulös). Der 32-Jährige mit tunesisch-österreichischen Wurzeln wirkt nicht nur im Film extrem cool, er ist es auch im wahren Leben. Allerdings entpuppt er sich nicht als Macho, sondern als Typ, mit dem man morgens um drei an einer Bar über das Leben philosophieren möchte. Oder über seine Karriere: Ab 25. Dezember 2013 ist er neben Ben Kingsley in "Der Medicus" zu sehen. Und zuvor in der Komödie "Fack ju Göhte".

petra: In „Fack ju Göhte“ spielen Sie einen Lehrer, der sich zwischen Geld und Anstand entscheiden muss. Wann standen Sie zuletzt am Scheideweg?
Elyas M’Barek: Das war schon heute morgen, als ich mir überlegt habe, ob ich mir die Zähne putzen soll oder nicht. Hab ich dann natürlich gemacht. Ich glaube, man kommt immer wieder in solche Situationen. Zuletzt musste ich mich entscheiden, ob ich mein BWL-Studium schmeiße und Schauspieler werden sollte. Ich hab’s gemacht und es nie bereut.

Und mittlerweile standen Sie schon mit Matthias Schweighöfer für „What a Man“ vor der Kamera.
Matthias – wer ist das nochmal? Ach, dieser Blonde! (lacht). Den mag ich.

Richtig, auch so ein Schönling… wie ist das so, wenn die zwei der angesagtesten Schauspieler zusammen ausgehen?
Uns lief mal eine junge Frau an der Isar entgegen, als wir gerade auf dem Weg zu einem Münchener Biergarten waren. Das Mädel blieb wie angewurzelt stehen, starrte uns an und fragte völlig entgeistert: ,Was macht ihr denn zusammen hier?’. Wir haben dann noch ein Foto mit ihr gemacht.

Das ist niedlich. Wann waren Sie eigentlich das erste Mal verliebt?
Mit 13. In ein Mädchen aus der Parallelklasse. Wir waren einmal im Kino und ich habe den ganzen Film überlegt, ob ich ihre Hand nehmen soll. Aber ich habe mich nicht getraut. Und dann war’s zu spät – der Typ aus dem Abi-Jahrgang hat sie bekommen.

Sie sind Anfang der 80er geboren. Gibt es eine Zeit, in der Sie gerne gelebt hätten?
Nee, die moderne Zeit hat doch jede Menge Vorteile mit sich gebracht. Ich würde eher mal in die Zukunft reisen wollen.

Können Sie den Moment genießen?
Ja, der Moment ist mir immer am wichtigsten. Klar, schwelge ich auch mal in Erinnerungen oder träume gerne vor mich hin. Deshalb bezeichne ich mich auch eher als Realist mit romantischen Zügen.

Wenn Sie einen Tag lang eine Frau sein könnten, was würden Sie anstellen?
Ich würde versuchen herauszufinden, was so toll an Schuhen ist und probieren, so viel wie möglich über die Frauenwelt zu erfahre. Damit ich dann, wenn ich wieder ein Mann bin, jede Frau total verstehen kann. So hat man viel weniger Stress. Ein Traum!

Zurück zum Film: Sie haben dieses Jahr den „Jupiter“ als bester Darsteller national gewonnen, „Türkisch für Anfänger“ war der erfolgreichste deutsche Kinofilm 2012, mit „Der Medicus“ schnuppern Sie Hollywood-Luft. Denkt man da manchmal: „Ist das alles nur ein Traum“?
Nee, eigentlich nicht, weil ich schon seit mehr als dreizehn Jahren drehe und der Erfolg in kleinen Schritten kam. Ich hatte immer sehr viel Zeit zurückzublicken und mich an diese Karrierepunkte zu gewöhnen. „Türkisch für Anfänger“ war aber natürlich ein überwältigender Erfolg.

Aber es ist doch bestimmt trotzdem toll, diese Preise zu bekommen, oder?
Klar, ich freue mich natürlich über solche Auszeichnungen, über die Anerkennung der Juroren, vor allem durch das Publikum – aber ich nehme das alles nicht so Ernst. Ich bin ja dadurch kein besserer Mensch, es ist nur „die Karriere“ und es gibt auch noch ein Privatleben. Die meiste Zeit bin ich einfach nur Elyas und da interessiert es meine Freunde nicht, wie viele Preise ich im Regal stehen habe – und mich am allerwenigsten. Das ist mein Beruf und ich liebe ihn und alles, was damit zu tun hat. Trotzdem habe ich ein Privatleben, bei dem es darum geht, die Wäsche zu waschen, die Miete zu zahlen, zu essen und ab und zu mal zu schlafen.

Und ab und zu zu Modeln…zuletzt für die GalaMen. Hat Ihnen das Spaß gemacht?
Ja, aber grundsätzlich ist Modeln eigentlich nichts für mich. Für den Laufsteg bin ich nicht geeignet, denn ich bin ja nur 1,90 m (lacht). Nee, im Ernst. Fotoshootings mache ich hin und wieder gerne, aber auf Dauer ist mir das zu einfältig. Man steht da und macht ein Foto. Da fehlt mir die kreative Herausforderung.

War die Zusammenarbeit mit Ben Kingsley in „Der Medicus“ denn eine Herausforderung?
Ja, auf jeden Fall. Da hat man einfach jemanden vor sich stehen, der schon Einiges geleistet hat. Sehr beeindruckend.

Gibt es noch jemanden, den Sie bewundern?
Das klingt naheliegend, aber es ist tatsächlich meine Mutter. Sie hat mich am meisten geprägt. Durch ihre Art und ihre Erziehung. Ich habe zwei Brüder und sie musste somit drei Jungs großziehen, was nicht immer einfach war – und sie hat es doch mit Hingabe gemacht. Das finde ich bis heute sehr beeindruckend.

Eine letzte Frage: Was haben Sie sich von Ihrem ersten selbstverdienten Geld gekauft?
Ein Baseballcap. Und einen Hotdog für meine beste Freundin und mich. Da waren die fünfzig Mark auch schon weg (lacht).

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Autor:
Bonnie Stenken