Seite 3 aus dem Artikel: LOHAS - ein Öko-Selbstversuch
Tue Gutes
Meine Freunde begrüßen mich nun mit „ A-loha!“ – sehr witzig
Grundsätzlich geht es den LOHAS eben nicht nur darum, Gutes zu konsumieren, sondern auch Gutes zu tun und zu bewirken. Diese warmen Sätze bete ich mir dann auch mehrmals stumm vor, während dunkle Wolken aufziehen und ich aufs Rad steige, um sprit- und abgasfrei an mein Ziel zu kommen. Dummerweise hat mein Rad im Gegensatz zu meinem Saab kein schützendes Dach. Es fängt an zu regnen, und meine Laune sinkt. Aber nein, ich werde nicht zurückschieben und ins Auto steigen. Ich stelle mein Rad an der nächsten Haltestelle ab, fahre mit der U-Bahn weiter und stelle fest: In öffentlichen Verkehrsmitteln wird einem Zeit geschenkt! Von nun an nehme ich immer LOHAS-Lektüre mit. Nächstes Kapitel: die ökorrekte Wohnung.
Okay, ich wasche wie früher, aber ich füttere den Trockner im Gemeinschaftskeller nicht mehr mit 50-Cent-Stücken. Energie- (und Geld!-)verschwendung, ergo: verboten! Die Wäsche kommt jetzt auf den Ständer, obwohl es zehnmal so lange dauert, bis sie trocken ist. Auch die Heizung drehe ich runter. Jedes Gradweniger spart rund sechs Prozent Energie und etwa 60 Euro Heizkosten jährlich. Und noch was: Computer, Drucker und Lampen sind bei mir jetzt nur noch in Betrieb, wenn ich sie tatsächlich brauche. Seit ich öftermaldenStecker ziehe,weiß ich die Ruhe zu schätzen. Abschalten – in zweifacher Hinsicht!
Nach einer Weile bin ich regelrecht fair-liebt in mein neues, grünes Leben. Apropos „Liebe“: Ob man auch grün lieben kann? Wie flirtet man umweltbewusst? Würde ich meinen Lover tatsächlich mit Pastinakensalat statt argentinischer Rindersteaks beeindrucken? Ihn mit Unterwäsche aus Bambusfasern verführen? Das romantische Wochenende nur mit Ökoticket inklusive Preisaufschlag buchen? Auf ein Bad zu zweit verzichten? Ihm gelegentlich die Fernbedienung wegnehmen? Inzwischen glaube ich: ja! Schließlich gibt es sogar CO2-neutrale Kondome. Sex für den Regenwald – warum nicht? Grün kommt gut! So viel habe ich gelernt.
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Heike Predikant
Quelle: Petra, Ausgabe 03/2010









