Die Babyfrage Kinder — ja oder nein?

Wir haben immer gesagt: „Später vielleicht.“ Und uns darauf verlassen: Die innere Uhr wird schon Bescheid sagen, wann die Zeit reif ist für ein Baby. Aber wie hört sie sich eigentlich an, diese biologische Uhr? Und will ich überhaupt Kinder bekommen? Wir versuchen, Ihnen bei der Beantwortung dieser lebensverändernden Frage zu helfen.

Baby

Es gibt so Tage, da sieht man überall Babybäuche oder Kinderwagen. Die Welt scheint dann aus nichts anderem zu bestehen als aus glücklichen Müttern. Nur man selbst schiebt sich mehr oder weniger flachbäuchig durch die kugelige Menge, schluckt kurz und fragt sich: „Sollte ich nicht auch bald mal…“ Nach einem Tag ist das lauter werdende Ticken der eigenen biologischen Uhr zum Glück vorbei, na ja, spätestens nach zweien. Oder...?!


Tatsächlich wird es medizinisch bei Frauen ab 35 langsam Zeit, sich zu entscheiden. Das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, liegt in dem Alter schon bei 30 Prozent. Ab 40 sogar bei 50 Prozent. Das ideale Alter für eine Schwangerschaft liegt deshalb zwischen 20 und 30 Jahren. Mit einem Durchschnittsalter von 30,1 Jahren bei der Geburt des ersten Kindes liegen deutsche Frauen damit schon an der obersten Grenze. Und das Alter schiebt sich immer weiter nach hinten. Eine Umfrage ergab, dass Frauen um die 30 sogar glaubten, dass 36 das beste Alter sei, um mit der Familienplanung anzufangen. Dass sie bis dahin weniger fruchtbar sein könnten als noch mit Mitte 20, realisieren wenige. Zudem gibt es mittlerweile moderne Technicken wie Social Freezing, die es Frauen ermöglichen sollen auch im fortgeschrittenen Alter ohne Probleme schwanger zu werden. 

Aber wenn wir mal ehrlich sind, kann man ihnen das auch nicht verübeln. Schließlich müssen wir uns in unseren ersten 30 Lebensjahren schon mit genug Planungsfragen herumärgern. Was will ich werden? Soll ich ins Ausland? Wo will ich leben? Vom ersten Schultag an besteht das Leben irgendwie aus Fragen und darauf hoffentlich richtigen Antworten. Würde man sich ab 20 mit der gleichen Intensität auch noch der Familienplanung widmen, könnte sich jede Frau gleich eine 10-Liter-Flasche Baldrian neben das Bett stellen.

Es läuft heute eben nicht mehr so wie zu den Jugendzeiten unserer Eltern. Da war vieles noch selbstverständlich, was heute zu einer Grundsatzfrage geworden ist. Will ich überhaupt Kinder bekommen? Oder ob man mit einem Kind zu Hause bleibt zum Beispiel. Über die Hälfte der deutschen Frauen würde das mit einem glatten Nein beantworten. Genauso viele sehen allerdings ein Kind auch als deutliches Karrierehemmnis.

Den richtigen Zeitpunkt für ein Kind finden

Leider gibt es aus medizinischer Sicht keine nachweisbaren körperlichen Zeichen, die uns sagen, wann es endlich losgehen soll. Wer darauf wartet, läuft Gefahr, den richtigen Zeitpunkt ganz zu verpassen – wenn es den überhaupt gibt. Mit dem Kinderkriegen ist es vielleicht ein bisschen so wie mit dem Traummann: Je länger man auf ihn wartet, desto konkreter und anspruchsvoller wird das Bild, das wir von ihm im Kopf haben. Irgendwann reicht kein echter Mann mehr an die Wunschvorstellung heran. Keine Wow-Gefühle? Dann kann es nicht der Richtige sein. Natürlich gibt es immer wieder die Paare, die von Trommelwirbel und Liebe auf den ersten Blick erzählen, aber so richtig viele sind es nicht, oder? Und wie viele Mütter sind eines Morgens aufgewacht und dachten: „Oh mein Gott, Babys! Jetzt!“ Genauso wenige? Das sollte einem zu denken geben.

Obwohl - ein Anzeichen, dass die Zeit langsam abläuft, soll unser Körper doch abgeben: Die Universität in Austin, Texas, fand heraus, dass sich die Lust von Frauen erhöht, wenn ihre Fruchtbarkeit abnimmt. Bedeutet also: Weil wir insgeheim merken, dass uns langsam die Eizellen ausgehen, versuchen wir auf Teufel komm raus, noch Nachwuchs zu zeugen. Es könnte aber auch schlicht und ergreifend damit zusammenhängen, dass wir mit den Jahren immer besser werden im Bett und somit noch mehr Spaß in selbigem haben. Wie man es auch dreht und wendet, sexuelles Verlangen ist wahrscheinlich nur ein sehr vager Indikator für die Sehnsucht nach Kindern.

Aber auf wen sollte man denn nun hören? Auf die Freundinnen, die von ihrem Kindersegen schwärmen? Auf drängende Eltern? Oder doch ganz allein auf sich selbst? Wahrscheinlich auf alle drei. Wer plötzlich überall nur noch Kinder und strahlende Mütter sieht, ist vermutlich an einem ganz guten Punkt angekommen und sollte einfach loslegen, ohne sich mit unendlich vielen Fragen zu quälen. Meistens werden doch eh immer die Dinge am besten, die man anfängt, bevor man eigentlich weiß, wie sie enden sollen. Schließlich ist und bleibt das Kinderkriegen einfach eine der wenigen Sachen, die sich nicht analysieren und durchkalkulieren lassen. Ist ein Baby erst mal auf der Welt, stellt es sie sowieso auf den Kopf. Da kann man vorher alles noch so gut geplant haben.

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Autor: Yvonne Adamek

Quelle: Petra, Ausgabe 07/2011